Running Wild - Shadowmaker

Review

Es ist völlig unbestritten, dass Rolf Kasparek und RUNNING WILD den (deutschen) Metal maßgeblich geprägt haben. Unzählige Bands orientier(t)en sich am Sound der Hanseaten. RUNNING WILD hatten schon Legendenstatus, bevor Mitte der Neunziger dann irgendwie die Luft raus war. Platten wie “The Rivalry” oder “Victory” hatten zwar noch die typischen Trademarks zu bieten, waren aber lange nicht so zwingend und mitreißend wie Klassier der Marke “Port Royal”, “Death Or Glory” oder “Black Hand Inn”. Nach dem Aus im Jahr 2009 und dem, von Fans wenig geliebten, Projekt TOXIC TASTE, verkündete Rolf im Oktober 2011, dass er RUNNING WILD reformieren möchte. Das Ergebnis dieser Reunion hört nun auf den Namen “Shadowmaker”.

Da im Vorfeld aus dem Bandumfeld kolportiert wurde, dass sich das neue Album wie eine Mischung aus “Pile Of Skulls” und “Masquerade” anhören würde, war die Messlatte natürlich sehr hoch angesetzt. Fakt ist, dass RUNNING WILD auf “Shadowmaker” einen sehr viel besseren Sound als auf den letzten Veröffentlichungen fahren. Die Gitarren sind schön hart und das Schlagzeug klingt auch endlich wieder nach einem Instrument, obgleich natürlich Samples benutzt wurden – aber welche Band macht das heutzutage nicht? Produktionstechnisch hat Rolf schon einmal alles richtig gemacht.

Bleibt also noch die Frage, wie denn die Songs eigentlich klingen. Immerhin hat Rolf das Album in einer relativ kurzen Zeitspanne geschrieben. Das hört man den Songs auch teilweise an. Gleich die erste Nummer “Piece Of The Action” wird die Fangemeinde auf eine harte Probe stellen, denn die BILLY IDOL-mäßigen Strophen klingen wenig bis gar nicht nach RUNNING WILD, dass damit sicherlich viele Fans ein Problem haben dürften. Der Refrain geht zwar gut ins Ohr, dafür vermisst man auf der anderen Seite aber eines der wichtigsten Trademarks von Rolf bei dem Song, das abwechslungsreiche und packende Riffing, das die Songs von vorherigen Alben bestimmt hat. Früher hätte es eine solche Nummer mit knapper Not auf eine B-Seite geschafft. Als Opener völlig untauglich. “Riding On The Tide” kann da schon mehr. Interessante Rhythmik in den Strophen und ein Refrain, den man auch als solchen bezeichnen kann. Definitiv eine der besseren Nummern auf “Shadowmaker”. Gleiches gilt für das folgende “I Am Who I Am”, “Sailing Fire” und insbesondere für den Titeltrack, der auch auf “Pile Of Skulls” eine gute Figur gemacht hätte. Auch hier spürt man so etwas Ähnliches wie ‘das alte RUNNING WILD-Feeling’.

Auf der anderen Seite kranken aber auch sehr viele der Songs daran, dass sie nicht so wirklich nachhaltig sind. Die Riffs von Rolf packen den Hörer nicht so sehr, wie sie es in der Vergangenheit getan haben. Riffs wie in “Riding The Storm”, “Metalhead” oder “Raging Fire” jagen einem beim Hören auch immer noch eine Gänsehaut über den Rücken und man kann sie im Schlaf mitsingen. Dieses Kaliber an Riffs geht “Shadowmaker” (dem Album) völlig ab. Wenn dann das Riffing doch mal richtig spannend wie in “Dracula” ist, gibt Rolf dem Song keinen Refrain. Das ist zwar Absicht, wie er im Interview erzählt, dem Stück fehlt dadurch aber etwas um ihn zu einem Volltreffer zu machen. Völlig aus dem Albumkontext gerissen ist hingegen das arg klischeehafte “Me & The Boys”. Der Song wurde ursprünglich für das TOXIC TASTE-Projekt geschrieben, war dafür aber zu hart. Im RUNNING WILD-Kosmos funktioniert die Nummer aber auch nicht und wirkt wie ein Fremdkörper auf dem Album.

Irgendwie ist man hin und her gerissen. “Shadowmaker” ist sicherlich nicht das schlechteste RUNNING WILD-Album. Nach der fulminanten Ankündigung enttäuscht es aber doch ein wenig. Einige der wichtigen alten Band-Trademarks sind fast nicht existent und irgendwie hat sich die Musik von RUNNING WILD auch schon einmal kreativer angehört. Das mag daran liegen, dass Rolf beim Songwriting sehr auf Spontanität gesetzt hat und einige Songs dadurch vielleicht etwas unausgegoren klingen. Das ist aber Spekulation, verifizieren kann ich das an dieser Stelle nicht. Unter dem Strich bleibt also festzustellen, dass “Shadowmaker” an die Klassiker nicht heranreicht, einem Album wie “Victory” aber durchaus das Wasser reichen kann.

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01.04.2012

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