Running Wild - Rapid Foray

Review

Hoppla, was erklimmt denn da meine vereiterten Gehörgänge? Sind das BLAZON STONE oder LONEWOLF? Kann nicht sein. Die haben just erst veröffentlicht. Nein, es ist der Meister himself! Rock ‘n’ Rolf hat mit seiner Kogge erneut Segel gesetzt. “Rapid Foray” ist das nunmehr dritte Album von RUNNING WILD nach der Reunion und will sich gegenüber Fans wie Kritikern behaupten. Nach einem umstrittenen Werk (“Shadowmaker”) und einer gelungenen Scheibe (“Resilient”), ist eine gewisse Anspannung vor dem ersten Durchlauf nicht zu leugnen.

Dabei könnte alleine das Cover der Platte den Puls in den Ruhezustand versetzen, denn “Rapid Foray” greift endlich wieder die Piratenthematik visuell auf. Arr! Genau das wollen die Fans sehen und auch hören. Offenbar hat Rolf sich die noch immer kritischen Stimmen nach dem letzten Release zu Herzen genommen und sein eigenes glorreiches Schaffen (zwischen 1984 und 1996 waren RUNNING WILD unschlagbar) noch einmal vor Augen geführt. Anders kann man den Qualitätssprung vermutlich nicht erklären. Zuletzt wurde oft bemängelt, dass das Riffing von Rolf zu lasch und zu wenig packend sei. Diesem Kritikpunkt stellen RUNNING WILD das Eingangsriff des Openers “Black Skies, Red Flag” entgegen. Meine Fresse, das könnte so auch auf “Blazon Stone” stehen. Definitiv alte Schule. Den Refrain finde ich verglichen mit dem Rest des Songs etwas schwach, aber – und so viel sei verraten – die Nummer ist ein Grower, und davon gibt es noch weitere auf der Platte. Die folgenden Stücke “Warmongers” (atmet dezent den “Masquerade”-Spirit) und “Stick To Your Guns” (typischer RUNNING WILD-Rocker) können ebenfalls überzeugen, was vor allem dem altbekannten Riffing zu verdanken ist. Noch klarer wird dies beim anschließenden Titeltrack. “Rapid Foray” kann ziemlich viel. Vornehmlich den alten Piratenspirit noch deutlicher herausstellen, als es die vorherigen Stücke bereits getan haben. Die Nummer hätte auch “Blazon Stone” gut zu Gesicht gestanden.

Warum, Rolf?

Leider haben sich bei allen verdienten Lorbeeren auch auf “Rapid Foray” ein paar Stinker eingeschlichen. “By The Blood In Your Heart” ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten, wirkt dabei wie ein Autounfall. Man will nicht hinsehen, kann aber auch nicht weggucken. Der Versuch, gezielt einen Stadion-/Wacken-Hit zu schreiben, ist extrem in die Hose gegangen, da das Riffing gerade auf Schülerbandniveau rangiert, der hymnische Refrain arg konstruiert wirkt und die im Mittelteil eingesetzten Dudelsäcke ein Meer an Fragezeichen hinterlassen. Warum, Rolf? Warum? Der Einstieg in die Platte war doch super. Völlig überflüssig kommt auch das Instrumental “The Depth Of The Sea – Nautilus” über den Teich geschippert. Vor nicht allzu langer Zeit war es noch so, dass man panisch zur Bierflasche greifen musste, wenn mehr als eine RUNNING WILD-Nummer negativ aus dem Albumkontext ausgebrochen ist. Was heißt das aber für die zweite Hälfte der Scheibe?

Man the Cannons – Schiff Ahoi!

Nichts. Rein gar nichts, denn RUNNING WILD zeigen auf der zweiten Albumhälfte von “Rapid Foray”, warum sie früher eine Macht waren und heute wieder sein können. “Black Bart” haut einem kräftig den Dreispitz von der Birne, so “Blazon Stone” ist der Song. Aha, Rolf kann es also doch noch. Perfekte RUNNING WILD-Nummer. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Für Fans bedeutet das Gänsehaut pur, nicht nur wegen des an den Song “Death Or Glory” erinnernden Mittelteils der Nummer. “Hellestrified” ist danach nicht ganz so auffällig, kommt aber als mächtiger Headbanger daher – einer der oben erwähnten Grower. Ein Grower ist auch “Blood Moon Rising”, der sich beim ersten Hören nicht so ganz festsetzen will. Das sehr aggressiver Riffing und der sich nach und nach ins Kleinhirn vorarbeitende Refrain heben die Nummer aber auch über den Durchschnitt. Für den Schluss haben sich RUNNING WILD dann noch einmal vorgenommen, die Messlatte richtig hoch zu hängen. “Into The West” wurde den Fans schon beim letzten Wackenauftritt kredenzt und steht qualitativ genau zwischen “Little Big Horn” und “Billy The Kid” (warum war der eigentlich nur B-Seite?). Unfassbar, dass Rolf eine solche Nummer atmosphärisch noch einmal hinbekommen hat. Der zweite Teil des furiosen Finales heißt “Last Of The Mohicans” und steht mit seinen über elf Minuten ganz in der Tradition der RUNNING WILD-Longtracks. Ebenfalls ein Grower, der sich aber als weiteres Highlight der Platte entpuppt.

Warum nicht gleich so?

Müßig darüber zu spekulieren, warum Rolf erst jetzt die ‘richtigen’ RUNNING WILD-Riffs wieder auspackt oder warum bei “Rapid Foray” auch das Cover wieder zur Musik passt. Fakt ist, dass Rolf und seine Mannen wieder unter der Flagge des Jolly Roger segeln und daher definitiv auf dem richtigen Weg sind. Zwar könnten einige der Songs noch packendere Refrains und Hooks vertragen (Stichwort: Grower) und die beiden Stinker hätten auch nicht sein müssen, aber unter dem Strich ist “Rapid Foray” wieder RUNNING WILD in echt. Acht fette Punkte mit starker Tendenz nach oben. Muss man als Fan haben.

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26.08.2016

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5 Kommentare zu Running Wild - Rapid Foray

  1. Port Royal sagt:

    Gott muß ein Pirat sein.Danke Rolf für dieses Album

    10/10
  2. Andi sagt:

    Für mich DIE positive Überraschung des Jahres!
    Und ja, ich finde selbst den angeblichen Tiefpunkt der Scheibe „By the blood in your heart“ klasse! Einfach, ja! Aber trotzdem klasse!

    9/10
  3. dogsoldier sagt:

    Ein klasse Album bei dem man wieder den alten RUNNING Wild Spirit spürt. Weiter so. Danke Rolf!!! Ein Anwärter zum Album des Jahres.

    9/10
  4. dogsoldier sagt:

    Klasse Album Weiter so. RUNNING WILD is back ?

  5. hypnos sagt:

    hmm…ich verstehe ja dass viele (inklusive mir selbst) sich nach einer triumphalen Rückkehr von RW sehnen. Dieses Album ist es aber ganz sicher nicht.
    Vor allem der absolut miese, indiskutable Sound macht einen Hörgenuss unmöglich. Wie flach, plastikmäßig, drucklos und künstlich können Drums klingen? Diese klingen hier eher nach schlecht Programmiertem Drumcomputer als nach einem Menschlichen Drummer.
    Und dann noch die praktisch nicht vorhandene Bassgitarre…
    Die Songs selbst zeigen schon dass sich Rolf auf einem steigenden Weg befindet, aber man hat vom selbigen in der Vergangenheit viel besseres und packenderes gehört. Musikalisch war für mich Black Hand Inn leider das letzte musikalisch überzeugende RW Album.
    Schade.

    5/10