Arckanum - Beswærilsin

Review

Soundcheck Oktober 2026# 6

Der schmale, kaum wahrnehmbare Pfad führt hinein, immer weiter, tief ins Dunkel, zwischen uralten Tannen, wo die Sonnenstrahlen kaum den moosbedeckten Boden erreichen. Weit drin im Herzen des unberührten Waldes eine Lichtung mit dem großen, toten Baum im Zentrum. Die kahlen, knorrigen Äste wie knochige, verdrehte Finger. Ein Nebel, wie aus dem Nichts kommend, immer dichter werdend, den Atem raubend, die Sinne nehmend. Dazwischen, lautlos das Wesen wandelt, eine düstere, kaum wahrnehmbare Gestalt, älter noch als der Wald. Ein Schatten legt sich immer weiter, schwärzer, undurchdringlicher. Bis die Lichtung von einem vollkommenen Dunkel erfüllt ist. Das Schwarz von ARCKANUM.

Vollkommene Dunkelheit

Beinahe zehn Jahre war es still um ARCKANUM und Shamaatae. Ein eigenwilliger Sonderling, vielleicht Außenseiter, der beharrlich seiner künstlerischen Vision des nordischen Black Metals folgt, geprägt von spiritueller Mystik, magischer Atmosphäre, in Altschwedisch (Fornsvenska) verfassten Texte, die auf altnordische und schwedische poetische Traditionen zurückgreifen. „Beswærilsin“ ist eine mystische, spirituelle und rituelle Reise. Eine Reise, die einst mit „Fran marder“ 1995 ihren Anfang nahm und zunächst mit dem letzten Album „Den förstfödde“ 2017 endete, ehe dieses Jahr die EP „Motestandarin“ erschien.

Eine mystische, spirituelle und rituelle Reise mit ARCKANUM

Shamaatae hatte mit ARCKANUM die letzten Jahre pausiert, um sich vollends seiner esoterischen, okkulten und spirituellen Studien, Praktiken und Weiterentwicklung zu konzentrieren. „Beswærilsin“ dürfte nun das Ergebnis dessen darstellen, der künstlerische Ausdruck.

Rein musikalisch trägt das neue Album den unverkennbaren Geist und die einzigartige Stimmung von ARCKANUM. Und damit die außergewöhnliche Vision von Shamaatae, der zu seinen eigenen Wurzeln hinabgestiegen ist, um ein finster kaltes, unbequemes wie lebendiges Werk hervorzubringen. Unkonventionell und manchmal auch etwas sperrig, verworren und unnahbar. ARCKANUM zelebrieren auf „Beswærilsin“ ein Ritual, in dem konsequent Musik, Texte und visuelle Gestaltung magisch zusammenwirken.

ARCKANUM zelebrieren ein Ritual

Natürlich finden wir auf „Beswærilsin“ die typischen Trademarks von ARCKANUM, verdichtet in 63 Minuten. Die faszinierende altschwedische Sprache, charakteristisch von Shamaatae geknurrt, aggressiv keifend oder in beschwörenden, gesprochenen Passagen. Primitive aber effektiv sägende Black-Metal-Riffs, nordisch klirrende aber klare Melodien, hypnotisch repetitiv, folkige Passagen, wild entfesselte Raserei, schwere Grooves, rohes Klangbild, archaische Atmosphäre. Dazu Samples und ruhige Akustik-Parts, welche die Atmosphäre und Mystik weiter verstärken. Gerade das dynamische Wechselspiel zeigt sich auf „Beswærilsin“ noch ausgefeilter, die stets authentisch ausgearbeiteten Gegensätze noch schärfer als bisher.

Einen weiteren Reiz des Albums macht die überzeugende Zusammenführung der charakteristischen Klangwelten von ARCKANUM aus. Trotz hörbarer kompositorischer Erfahrung und Entwicklung bleibt die frühe Wildheit erhalten. Die aggressive Seite im Einklang mit der eher schwer greifbaren, spirituell beschwörenden Mystik verschmolzen.

Besonders gelungen sind hier die bereits von der EP bekannten „Skæpna Ær Krigh“ und „Anskoti“, aber auch das aggressiv elektrisierende „Eldstenz Frø“ oder das fast neunminütige „Twæþursaspa“. Das Niveau ist fast durchgehend stark. Fast, denn mit „Gyghra Hirōi“ und „Wiirskapit“ gibt es tatsächlich zwei belanglose Ausfälle mit langweiliger Gitarrenarbeit, die zu Lasten der Spannung und Energie gehen. Die Skip-Taste hilft, sich weiter in magischen Momenten zu verlieren.

Magische Momente

Das spirituell aufgeladene „Beswærilsin“ ist unverkennbar ARCKANUM, ohne eine bloße nostalgische Wiederholung zu sein. Verdichtet und noch vielschichtiger gelingt es Shamaatae wieder einmal, den geneigten Hörer in den Bann zu ziehen.


02.11.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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