36 Crazyfists
36 Crazyfists

Interview

Sicherlich waren so einige überrascht, dass die 36 Crazyfists vor so einer großen Kulisse in Köln spielen würden. Aus Alaska kommend versuchen sie die ganze Welt zu erobern. Sänger Brock erzählt im Vorfeld des Auftritts in der Live Music Hall am 17.04.2005, wie und warum sich sein Leben in und mit der Band in letzter Zeit verändert hat. Was bringt die Zukunft?

36 CrazyfistsDavid: Das ist euer letzter Tag auf eurer ersten Headliner Tour hier in Europa. Wie war’s?

Richtig, richtig gut! Wir waren seit drei Jahren nicht mehr in Deutschland. Wir wussten also nicht, was uns erwartet. Jeder Abend schien besser zu werden als der Abend davor. Wir haben gestern in München gespielt und es wahr unglaublich. Da waren 700 Leute und alle waren am Tanzen und am Singen – jede einzelne Zeile. Das ist das, was ich liebe. Heute Abend sollte das Konzert in einem anderen Klub stattfinden. Die Tickets waren aber ruck-zuck ausverkauft. Daher sind wir hierhin gezogen. Da heute Abend der letzte Auftritt ist, wird es einige Streiche zwischen den Bands geben. Ich bin echt dankbar, dass wir wieder nach Deutschland kommen konnten. Denn das ist unsere letzte Tour zu „A Snow Capped Romance“. Wir sind gar nicht in diese Richtung von Europa gekommen, um so besser, dass wir jetzt die Chance haben, es zu machen.

David: Gab es einen Moment, den du so schnell nicht vergessen wirst?

Wir haben zu dieser Platte viele Touren gemacht und jedes Mal wurde alles ein Stück größer und das ist, woran wir uns erinnern werden. Jetzt headlinen wir in Europa und sind keine Supportband mehr. Wir stecken seit 11 Jahren viel Arbeit in diese Band und nun entwickelt sie sich langsam. Wir sind aufgeregt darüber, unsere neue Platte nächstes Jahr rausbringen zu dürfen. Ich bin glücklich von einem kleinem Ort, von dem ich komme, nun in Köln, Deutschland zu sein und Musik zu spielen. Dass dies alles der Grund dafür ist, das ist unvergesslich!

David: Es gibt diesen Satz: Man verkauft keine Platten, indem man zu Hause sitzt. Einverstanden?

Auf jeden Fall. Es gibt auch diesen Satz: Wir haben keinen Tag Pause auf der Tour, denn da würden wir Geld verlieren. Ich unterstütze diese Philosophie, dass man da draußen seine Musik spielen muss und mit Kids reden soll, so dass sie deine Platten ihren Freunden und diese dann ihren Freunden weiterempfehlen. Man muss dran arbeiten!

David: Wieso hat es dann so lange gedauert, eine Tour zu dieser Platte hier in Europa zu machen?

Wir hatten einfach nie die Chance. Die US bzw. UK Abteilung von Roadrunner wollte, dass wir uns auf Großbritannien bzw. die Staaten konzentrieren. Wir waren bestimmt sechs Mal in England letztes Jahr, aber nie hier. Wir sprachen darüber, letzten Oktober mit MACHINE HEAD hierher zu kommen. Das hat aber nicht funktioniert. Mit dem nächsten Album planen wir, öfter nach Europa als Ganzes zu kommen – Deutschland, Holland, Frankreich etc. Es hängt leider nie von der Band ab, sondern in wieweit dein Label dich unterstützt. So konnten wir nur drauf hoffen, dass sie uns hierher bringen und sie taten es.

David: Bist du mit der Entwicklung der Band speziell in Europa zufrieden?

Es ist ziemlich überraschend, dass du über die halbe Welt reist und hier viel größere Shows spielst als in deinem Heimatland.

David: Ist das wirklich so?

Yeah. Wir waren Support Act in unserem Land. In Alaska, wo wir herkommen, haben wir großartige Shows. Aber abgesehen davon, ist es wesentlich besser für uns hierher zu kommen. Das macht für mich nicht wirklich viel Sinn, aber ich bin froh, dass wenigsten irgendwo auf der Welt die Leute es verstehen.

David: Du hast eine energetische aber auch sensible Stimme. Welche Seite gefällt dir besser?

Ich weiß nicht, ob ich eine lieber mag als die andere. Beide Seiten haben gewiss das selbe Gesicht in der Art Musik, die wir spielen. Wir versuchen nicht irgendwelche harten Metaller zu sein. Wir versuchen romantisch und aggressiv zu gleich zu sein. Ich mag also nicht eine Seite lieber als die andere, obwohl ich damals zuerst mit Singen angefangen habe. Da habe ich noch nicht geschrieen. Das hat sich erst mit den Jahren entwickelt. Ich fühle mich nun wohler beim Schreien als früher.

David: Hast du mal dran gedacht deine Stimme in eine andere Art von Musik einzubringen?

Nicht wirklich. Die Art der Musik, die in mir steckt und die ich rausbringen möchte, ist harte Musik. Nicht, dass ich es nur Heavy mag, ich mag melodische und harte Mucke. Ich liebe es, live aggressive Shows zu spielen, mit Moshpits uns so etwas. Das heißt aber nicht, dass ich in einigen Jahren, wenn ich nicht mehr in dieser Band bin und wir älter sind, nicht auch akustische Musik spielen würde. Wenn ich 40 oder 50 bin werde ich das hier bestimmt nicht mehr machen, weil es bescheuert aussieht. Ich versuche nicht Ozzy zu sein. Wer weiß es schon.

David: Eine Band aus Finnland hat mal gesagt, dass von dort gute Musik kommt, weil die Menschen in so einer verlassenen und tristen Gegend keine andere Perspektive hätten. Könnte das auch für Alaska gelten?

Finnland und Alaska haben sehr ähnliches Wetter. Die Gegend muss schon einzigartige Menschen „gebären“, wenn man bedenkt, dass es im Winter immer dunkel und im Sommer immer hell ist. Als ich dort aufgewachsen bin, habe ich mir nichts dabei gedacht, da es das einzige war, was ich kannte. Jetzt, wo ich die ganze Welt gesehen habe, ist es schon sehr seltsam. Wenn deine Stimmung entweder nur durch Dunkelheit oder Licht ausgelöst wird, dann bist du immer nur auf einem Pfad der Gefühlslage. Das macht es so einzigartig.

David: Als ich dieses Interview vorbereitet habe, lief eine Band im Hintergrund, deren Text folgendermaßen ging: „Make my day- go ahead and die!“ Wer könnte deinen Tag versüßen?

Das ist ja schlimm. (nach einer langen Pause) Ich wünsche eigentlich keinem den Tod. Ich denke anders. Ich versuche friedlich zu bleiben.

David: Euer letztes Album ist wesentlich positiver ausgefallen, obwohl die Zeiten als solche rauer werden. Warum?

Ich versuche mich soweit wie möglich von den Dingen in meinem Leben zu entfernen, die meine Produktivität eingeschränkt oder verhindert haben. Ich habe immer die selben Fehler gemacht ohne, dass mir es bewusst war. Dann bin ich hinter so einiges gekommen. Dieses verursacht jenes, weil jenes diese verursacht. Ich habe keinen Kummer mehr in meinem Leben. Ich möchte darüber singen, ein besserer Mensch zu werden und mich in meinem Leben zu steigern und nach vorne zu entwickeln. Deshalb hab ich einiges geändert.
Ich wollte kein „Bitterness The Star“, Part 2, welches viele Fehler meines Lebens aufzeigte. Ich wollte das nicht. Ich wollte etwas Frischeres für uns als Band machen – deshalb etwas positives, denn das ist die Art, wie ich leben möchte. Und das ist der Weg, den wir auch auf der neuen Platte einschlagen werden. Ich möchte über Hoffnung und die Verbesserung des menschlichen Geistes schreiben.

David: Meiner Meinung nach endet eure Platte mit „Waterhaul“ aber nicht sehr positiv…

Das ist der Punkt. Leute sagen, dass die Platte sehr positiv ist, aber auf der anderen Seite ist es zwar deutlich positiver als „Bitterness The Star“, aber es geht nicht nur um Sonnenschein und Blümchen. Dieser Song ist sehr heavy, aber das erstaunliche an dem Song ist: Er handelt von Liebe machen. Aber du wirst es nie herausfinden. Denn es ist heavy und dunkel. Und ich möchte auch harte und dunkle Musik mit hoffnungsvollen Texten machen.

David: Der Song unterscheidet sich auch sehr stark von den anderen …

Es war zunächst auch komisch für uns. Ich mag ihn sehr.

David: Er gehört zu den besten auf der Platte…

Danke!

David: Glaubst du, dass das ganze Geschrei und die positiven Aussagen zueinander passen?

Nicht viele Leute machen so etwas. Wenn Leute schreien und Metal spielen geht es meist um ernste Themen – viele eher auf der deprimierenden Schiene. Wir versuchen da anders zu sein. Du kannst doch auch zu etwas Hoffnungsvollem schreien.

David: Na ja, wenn ich schreie, dann bin ich eigentlich ziemlich angepisst. Kommt es vor, dass die Leute deine Texte dadurch falsch interpretieren?

Einige tun es, aber die richtigen Fans wissen, wer wir sind und worum es bei uns geht.

David: Was können eure Fans in naher Zukunft erwarten?

Wir nehmen es als Geschenk… wieder ein weiteres Jahr in dieser Band. Wir werden nicht versuchen, die alten Fans zu vertreiben, indem wir uns in eine total andere Richtung drehen. Ich hasse es, wenn Band so etwas machen. Wir werden wohl nicht seichter, aber auch nicht unbedingt härter. Wir versuchen einfach besser zu werden. Ich denke, das unsere Band über die Jahre einfach heavier geworden ist, weil wir mit vielen Metalbands gespielt haben und auch in dieser Szene aufgewachsen sind und dort akzeptiert werden wollten. Wir sind eine Band, die bei ihren Auftritten alle zum Tanzen und Bewegen auffordern möchte. Das funktioniert nicht, wenn man weicher wird.

David: Für mich bedeutet Metal…

…meine Jugend, was mich zur Musik gebracht hat. Es ist ein großer Teil meines Lebens.

David: Wieso sollte man Alaska mal besucht haben?

Es leben sehr friedliche Menschen dort. Die Berge im Sonnenschein während des Sommers sind wunderschön. Die Landschaft ist atemberaubend. Wenn man noch nicht gesehen hat, dass die Sonne nicht untergeht während des Sommers, wenn man gerne campen und fischen gehen in der Natur, dann sollte man da mal hin.

David: Wann kommt eure neue Platte heraus? Oder eine DVD – das macht doch jede Band momentan.

Wir wollen auch irgendwann eine DVD rausbringen. Unsere neue Platte wird hoffentlich im Sommer aufgenommen und kommt dann Anfang des nächsten Jahren heraus – auch bei Roadrunner.

David: Heute Abend wird ein besonderer Abend, weil…

…es der letzte Abend der Tour ist. Hier passieren traditionell einige Streiche zwischen den Bands. Da wird uns wohl einiges erwarten.

David: Ihr geht aber noch nüchtern auf die Bühne, oder?

Auf jeden Fall. Wir wissen, dass jeder sein hart verdientes Geld ausgibt, um hier zu sein. Daher wollen wir uns nicht wie Idioten verhalten. Ich werde mich nach der Show besaufen. Vorher hab ich schon ein paar Bier, aber ich werde nicht versuchen, betrunken zu sein. Dafür muss ich auf der Bühne zuviel hin und her laufen – haha. Ich bin alt! Heute Abend wird großartig!

Anschließend wurde noch mein Rat dazu eingeholt, wie man an einem Sonntag Abend an einen Stripper herankommen könnte, um die Überraschung für die Zuschauer perfekt zu machen. Dieses gelang wohl (zum Glück) nicht, aber eine andere Überrauschung sollte trotzdem noch bevorstehen.

22.04.2005

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