Belphegor
Interview mit Helmuth zu "Goatreich - Fleshcult"

Interview

Mit „Goatreich – Fleshcult“ haben BELPHEGOR ihr fünftes Album draußen und lehren uns damit eine weitere Lektion in highspeed Death/Black Metal. Zeit also, um beim guten Helmuth from Hell einmal nach dem werten Befinden nach der Entbindung des Bastards zu fragen. Lesen und genießen! Fukk you!

Belphegor

Servas Buam! Und, alles senkrecht jenseits der Berge? „Goatreich – Fleshcult“ ist ja eine absolut überzeugende Niederkunft geworden! Geschwindigkeitstechnisch habt Ihr es ja nicht auf eine weitere Steigerung angelegt, trotzdem klingt das neue Album um einiges härter! Wo siehst Du diesmal die Entwicklung?

Ja, alles klaro, danke. „Goatreich – Fleshcult“ ist seit Montag in ganz Europa in den Läden und die meisten Reviews sind weltweit überwältigend. Hab mir gerade „Acts Of The Unspeakable“ für den Intybeginn aufgelegt, vielleicht küsst mich dann die Muse für dieses lange Interview, ist heut bereits das neunte und die Motivation geht schön langsam scheiß’n.

Line-Up technisch gab’s auch für diesen Release wieder einen neuen Mann hinter den Kesseln. Bleibt der BELPHEGOR jetzt länger treu oder ist der nächste Wechsel auch schon wieder absehbar?

Torturer hat „Goatreich – Fleshcult“ noch eingespielt. Nefastus stieß dann im Oktober 04 zu uns, als es sicher war, dass Torturer 2005 eine Musikschule besucht und nur noch wenig Zeit für BELPHEGOR gehabt hätte. Es gab keinen Streit oder ähnliches, im Gegenteil, wir sind noch immer in Kontakt und er ist stolz darauf, bei uns zwei Werke eingespielt zu haben, der Ausstieg/Entscheidung für die Musikschule ist ihm auch nicht leicht gefallen. Ich denke, er hat sehr viel mitgenommen und einiges von uns gelernt in den 2,5 Jahren, die er bei uns gespielt hat. Aber so ist es im Leben immer, man muss Prioritäten setzen und ich respektiere seine Entscheidung. Es ist erstrebenswert sich als Musiker auf seinem Instrument weiterzuentwickeln. Mit Nefastus sind wir seit Anfang 2004 in Kontakt (danke an Mike von CHANT OF BLASPHEMY), auch er ist ein Ausnahmetalent, auch aus Germania (dieses mal Stuttgart) und hat sich bereits auf den X-Mass Festivals bewährt und alles in Grund und Boden getrümmert. Auch menschlich passt Nefastus sehr gut zu uns, ich denke er ist für uns genau der richtige Mann, und wird auf der nächsten Scheibe zu hören sein. Der Vorteil ist: wir können jetzt noch mehr proben als zuvor, auch ist er sehr schnell beim Komponieren und kann sich Melodien/Riffs sofort einprägen und liebt es live zu spielen und zu touren.

Ihr seid ja schon einige Zeit im Business, musikalisch und künstlerisch über jeden Zweifel erhaben. Fragt Ihr Euch manchmal, wo Ihr heute stehen könntet, wenn das Line-Up über die Jahre konstanter gewesen wäre? Oder seht Ihr in den ständigen Wechseln gar keinen Nachteil?

Sicher, man hat gesehen, was wir mit einem fixen Line-Up alles bewegen können. Das größte Problem war eben, dass wir lange Zeit keinen richtig guten Drummer hatten. „Necrodaemon Terrorsathan“ war dann unser erstes Werk das gut tight war, aber eben nicht so wie die beiden letzten Alben. Aber wie auch immer, man muss mit dem kochen, was man zur Verfügung hat, und wir haben immer alle Register gezogen und geschaut, dass wir das beste zu jedem Zeitabschnitt/Release aus uns rausholen konnten und uns und den Leuten Qualität bieten können.

Unser Backkatalog ist eine Wucht und wir brauchen uns vor keiner Truppe verstecken. Wenn das Line-Up nicht gewechselt hätte, täte es uns sicher nicht mehr geben… Wir haben immer an der Grenze gespielt und nach „Necrodaemon Terrorsathan“ wären wir mit dem damaligen Line-Up musikalisch nicht mehr weitergekommen und ich hätte kein weiteres Album mehr aufgenommen. Ich täte nie einen Schritt zurückgehen, dafür ist mir BELPHEGOR in all den Jahren zu wichtig geworden und ans Herz gewachsen. Stagnation = Tod! Fürs Songwriting waren immer ich und Sigurd zu 90% verantwortlich, also von daher hat sich nichts geändert außer, dass wir mit dem frischen Blut bessere Musiker in die Band bekamen. Unser Zuchtbulle Barth (Bass seit ’02) hat sich jetzt auch schon gut eingelebt, ist für einige Lyrics, Songideen und die meisten Intros/Samples/Effects verantwortlich auf den letzten beiden Alben. Natürlich hat uns auch unsere „fukk you“ Einstellung immer viele Türen verschlossen, har har.

Eure Alben werden ja regelmäßig abgefeiert, auf Festivals kriegt Ihr aber oft noch die undankbaren Slots (gerade wieder auf den X-Mass Festivals). Woran liegt’s und was muss man noch anstellen, um auch da endlich die Beachtung zu finden, die man verdient?

Woran’s liegt, haha, das Label das am meisten zahlt bekommt den besseren Slot im Billing, so läuft’s. Pay to play, entweder man spielt mit, oder man bleibt zu Hause und wartet bis man bekannt wird. Aber wir täten nie wieder vor gewissen Bands eröffnen, obwohl es eine Hammerreise war. Aber sehr schade, dass wir teilweise eben nur die Hälfte der Leute in der Halle hatten und als Opener eben auch nicht gerade verwöhnt werden was Sound und Licht angeht. Dafür haben wir viele neue Leute getroffen, viel gelernt, gesehen und mit NAPALM DEATH im Tourbus die 15 Tage waren auch sehr amüsant. Ich weiß noch 93 hatte ich mir ein Autogramm von allen ND Maniacs geholt als ich sie das 1. mal live sah, und 12 Jahre später hockt man neben ihnen und säuft sich die Rübe weg… Einige größere Festivals haben uns abgesagt mit der Begründung, Angst zu haben, dass sie Probleme bekommen mit den örtlichen Kirchenstellen, da BELPHEGOR ja andauernd Probleme haben mit gewissen Zensurapparaten und anderen Vereinen. Mehr will ich dazu nicht sagen…

„Swarm Of Rats“ ist ja zum ersten Mal auf dem „Infernal Live Orgasm“ in Erscheinung getreten. Wieso habt Ihr es jetzt erst auf „Goatreich“ draufgepackt? Vom Stil her hätte es ja auch gut auf „Lucifer Incestus“ gepasst, für das es ja auch gedacht war.

„Swarm Of Rats“ war auch für „Lucifer Incestus“ geplant, und war bereits fertig im Kasten, aber mir viel auf, dass dem Song noch Gitarrenleads fehlten und den Schluss mit den Twin-Gitarrenläufen hab ich eben auch dieses mal noch ausgebaut u.a. Generell haben wir auf „Goatreich – Fleshcult“ viel mehr Leads am Start, die geben den Songs den letzten Kick und machen alles schön dynamisch. Für „Infernal Live Orgasm“ sind wir nur schnell ins Studio für „Swarm Of Rats“. Das war ein Schnellschuss, aber okay für damals, eben nur ein Appetizer für unsere loyalen Genossen. Auf „Goatreich – Fleshcult“ haben wir den Track bereits das 3. mal völlig neu eingespielt, und das Arrangement verändert, Leads und Harmonien hinzugefügt und das Tempo neu gewählt. Bin absolut zufrieden mit dem Endresultat, sägt richtig gut dahin und die Twin-Gitarren ziehen sich durch den ganzen, fast 5-minütigen Höllenritt. Eines unserer Trademarks neben den Soli und der präzisen Gitarrenarbeit ist, Melodiebögen/Harmonien in unsere Songs zu integrieren, ohne dass es sich schön/rein anhört, sondern immer kalt und intensiv.

Warum habt Ihr Euch eigentlich von den kultigen schwarz/weiß-Covers verabschiedet? Ich fand die immer sehr „stilvoll“, originell und passend zu BELPHEGOR. Die neuen Comic-Geschichten wirken dagegen ziemlich gefällig und auch ein wenig unfreiwillig komisch.

Alles Geschmackssache, wobei ich über einen guten verfüge. Was zählt ist ohnehin nur die Musik. Man kann es nie allen recht machen, der eine will das, der andere das, also für was die Frage? Das Artwork setzt unsere Lyrics auf „Goatreich – Fleshcult“ 100%ig um und ist eine Draufgabe um das Album als Gesamtkunstwerk geltend zu machen. Für mich ist es die beste visuelle Gestaltung, die wir bis dato hatten. Ralph Manfreda und ich haben es in fast dreiwöchiger Arbeit Detail für Detail entwickelt und ich hoffe, dass er auch für Album #6 wieder für uns Zeit und Interesse findet. Ich mag es, wenn man genauer reinsieht, und immer wieder neue Sachen entdeckt. Es ist eine morbide Reise in den tiefsten Schlund der Hölle. Jede/r dritte Metaller/in hat ein Giger Poster zuhause hängen, wenn du das als Comic Geschichte abtust, habe ich kein Erbarmen mehr mit dir und muss sofort MANOWAR – „Sign Of The Hammer“ auflegen um mich zu beruhigen.

Haben Napalm nicht denselben Geschmack was die Cover Gestaltung angeht wie ihn Last Episode hatten? Oder müssen die als Label im katholischen Österreich aufpassen, was sie auf ihren Covers zeigen?

Fukk you, BELPHEGOR haben sich immer hermetisch abgeriegelt und wir treffen immer unsere eigenen Entscheidungen und gehen unseren eigenen Weg. Wir versuchen einfach, gute Musik zu komponieren für uns selbst, wenn es den Leuten gefällt, okay perfekt. Wer BELPHEGOR kauft, bekommt was er/sie verdient, wir lassen uns nie dreinreden, egal ob Cover oder Musik, das ist unsere Geschichte. Es gibt genug Bands mit Wald, Wiesen usw. Covers, schön angepasst um nicht wo anzuecken. Fukk wir spielen Metal, diese ganze geschliffene Scheiße… weiter Thomas.

Ich wüsste jetzt auch nicht, was man an „Lucifer Incestus“ hätte zensieren wollen. Bei uns in Deutschland sollte ja ein Indizierungsverfahren eingeleitet werden. Was ist eigentlich draus geworden? Wie sieht’s diesbezüglich in Österreich aus?

Ich auch nicht, aber dieser Bevormundungsapparat hat uns schon lange im Visier, die kleben an uns dran wie die Fliegen an der Scheiße. 800 Euro hatte uns der Spaß gekostet, für den Anwalt den Napalm Records eingeschaltet haben, dafür halte ich jetzt einen 8-seitigen Bericht in den Händen, der an Scheinheiligkeit fast nicht zu übertreffen ist, ein zweiseitiger Auszug ist auf unserer Site zu finden. Das Verfahren ist nach Bonn gegangen und da sitzt das achtköpfige Gremium und hat entschieden, dass wir nicht auf den Index kommen. Ohne Einspruch des Rechtsanwaltes wäre das sicherlich anders ausgegangen.

Der Antrag ging ja vom katholisch-bayrischen Jugendamt aus und riecht somit förmlich nach beleidigtem Klerus! Habt Ihr da je eine Argumentation mitgekriegt? Oder hat der Gottesstaat Bayern die Trennung von Kirche und Staat noch nicht vollzogen?

www.belphegor.at

Die meisten Extrem Metal Bands sind ja irgendwie antichristlich. Bei Euch ist allerdings nicht nur die Musik extremer als anderswo, sondern auch die Einstellung zu Kirche und christlichem Glauben. Wie kommt’s eigentlich? Schlechte Erfahrungen bei der Kommunion gemacht oder Messdiener in St. Pölten gewesen? 😉

Bei uns in Salzburg ist alles erzkatholisch und konservativ. Die Kirchen/Mönche haben sehr viel Macht und wir schenken ihnen unsere Verachtung…

Eine Headliner-Tour zum neuen Album steht ja zum Glück bereits an! Sind auch Festivals in Planung?

Right, Mitte April geht’s los in Schweinfurt mit ARKHON INFAUSTUS, IN AETERNUM, ASMODEUS und CHANT OF BLASPHEMY als lokalem Support. Ein outstanding Billing, das wir selber zusammengestellt haben und hoffentlich viele Metaller zu den Venues pilgern lässt. 18 Konzerte quer durch Europa. Eine Spanien/Portugal/UK Offensive ist bereits in Planung, auf das freuen wir uns auch besonders, da wir noch nie die Ehre hatten, in diesen Ländern zu touren. Die Lateinamerika Tour ist auf Oktober verschoben und wird ein weiteres Highlight für uns werden. Am 5. April kommt „Goatreich – Felshcult“ in den USA auf den Markt, das wäre auch ein großer Wunsch von uns, endlich da drüben zu touren, der hoffentlich in der zweiten 2005er Hälfte realisierbar ist. Die „Goatreich – Fleshcult“ Songs on Stage zu präsentieren wird genial werden, 2005 werden wir in viele Ländern/Städten spielen, wo wir vorher noch nie waren.

Die letzten Worte gehören Dir!

Grüße an alle Dämonen, die die letzten Jahre unsere Shows besuchten und unsere Alben kauften. Alle, die auf rasenden Death/Black Metal stehen, sollten in „Goatreich – Fleshcult“ reinhören, das Werk hat es verdient.

Vielen Dank für Deine Zeit und die Beantwortung der Fragen. Alle Gute nach Austria!

Danke fürs Interview und das fetzige Review von dir, man sieht sich on the road… www.belphegor.at

Galerie mit 22 Bildern: Belphegor - Europe Under Black Death Metal Fire 2019
03.03.2005

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