Children Of Bodom
Children Of Bodom

Interview

Die Karriere der Finnen von Children Of Bodom begann 1997 mit einem Donnerschlag. Ihr Debüt "Something Wild" schlug ein wie eine Bombe. Völlig neuartig war diese Mischung aus Black Metal, wenigen Todesbleieinsprengseln, traditionellen Elementen, Rohheit und viel viel Melodie. Mit den Alben "Hatebreeder" und "Follow The Reaper" wurde dieser Siegeszug erfolgreich, aber musikalisch vielleicht nicht mehr ganz so spektakulär fortgesetzt. Jetzt steht mit "Hate Crew Deathroll" deren viertes Studioalbum in den Startlöchern und verspricht eine der ganz ganz großen Veröffentlichungen dieses Jahres zu werden. So ließ sich auch ein normalerweise recht wortkarger Finne wie CoB-Bassist Henkka T. Blacksmith einige Infos zu diesem anstehenden Meilenstein der Bandgeschichte entlocken.

Children Of Bodom„Hate Crew Deathroll“ steht kurz vor der Veröffentlichung. Wie sind eure Erwartungen an dieses Album?

Nun, in unserem Heimatland ist es ja schon länger auf dem Markt und die Reaktionen waren bisher allesamt außerordentlich gut. Ich hoffe natürlich, dass es in Europa und den anderen Teilen der Welt genauso gut ankommt. Wir könne also nur warten und schauen, wie sich das alles entwickelt. Dass die Reaktionen bisher aber so euphorisch sein würden, hatten wir auch nicht erwartet. Es war drei Wochen auf Platz 1 in den finnischen Charts.

Ihr seid wieder ein gutes Stück härter geworden. Woran liegt das?

Ja, das stimmt. Es ist das härteste Album, das wir bisher gemacht haben. Dieses Gefühl hatte ich schon während des Schreibens bis hin zum Abmischen. Eigentlich dachte ich, wir würden deswegen ein paar Fans verlieren. Aber dem scheint nicht so zu sein. Woran das liegt? Hmm…dieses Mal haben wir das erste Mal das Gefühl, dass die Musik voll und ganz Children Of Bodom repräsentiert. Alle waren in das Songwriting involviert, nicht nur Alexi. Er hat zwar auch hier wieder den Großteil des Materials geschrieben, aber jeder hat seinen Senf dazugegeben.

Ist dies auch der Grund, warum einige neue Elemente den Weg in euren Sound gefunden haben? Das thrashige Riffing „Chokehold“ oder der fast schon neo-thrashige Anfang von „Sixpounder“ klingen beim ersten Hören relativ Bodom-umtypisch.

Da hast du recht. Aber ob das jetzt daran liegt, dass alle aktiv an der Entstehung der Songs beteiligt waren, weiß ich nicht. Wir haben schon immer Musik, die in die von dir genannten Richtungen geht, gehört. Vielleicht haben wir davon unbewusst etwas übernommen. Aber der springende Punkt ist einfach, dass wir auf „Hate Crew Deathroll“ keine Kompromisse eingegangen sind. Wir haben einfach das gemacht, was wir machen wollten. Wir haben alles rausgelassen, was wir im Kopf hatten. Die möglichen negativen Reaktionen der Fans haben wir dabei ausgeklammert.

Das heißt ja im Prinzip, dass ihr in der Vergangenheit Kompromisse gemacht habt oder machen musstet.

Mit der Frage habe ich jetzt gerechnet. Aber nein, das haben wir auch nicht getan. Es ist schwer zu beschreiben, da sich die Gefühle während und nach den Aufnahmen zu dieser Platte einfach unheimlich von denen bei den alten CDs unterscheiden.

Vielleicht liegt das daran, dass ihr euer bisher bestes Album eingespielt habt. Es vereint alle Trademarks, die euch auszeichnen: die Wildheit des Debüts, die melodische Ausgefeiltheit der Nachfolger, perfektes Songwriting und natürlich die neuartigen Elemente, die jegliche Form von Stillstand eindämmen.

Danke, das freut mich zu hören. Und das von dir beschriebene bringt die Sache eigentlich ganz gut auf den Punkt, wobei ich jetzt aber zum ersten Album gar keine so großen Verbindungen sehe. Außer natürlich die Härte der Songs.

Naja, und bei beiden Covern dominiert die Farbe rot.

(lacht) Ok, du hast gewonnen.

Hehe, danke! Ihr habt bisher immer einfarbige Coverartworks benutzt. Erst rot, dann grün, dann blau und jetzt wieder rot? Geht ihr back to the roots?

Nein, so kann man das nicht sehen. Der Designer und ich haben uns am meisten um das Cover gekümmert. Wir kamen auf diese Idee mit dem Reaper vor einem städtischen Hintergrund. Aber über die Farbe konnten wir uns nicht einigen. Es gab verschiedene Vorschläge. Wir haben alles ausprobiert. Also habe ich die Entwürfe den anderen Jungs gezeigt und die Wahl fiel auf das rote Artwork. Das hat aber nichts zu bedeuten.

Glaubst du, es wird in der Zukunft ein Children Of Bodom-Album geben, bei dem der Reaper nicht auf dem Cover zu sehen ist?

Alles, ist möglich, aber ich kann es mir kaum vorstellen. Wir müssen das Reaper-Thema immer nur irgendwie frisch halten. Er ist zu einer Art Bandmaskottchen, zu einer Art Trademark geworden. Das haben wir mit diesem Artwork geschafft, denke ich. Auf den älteren hat er immer nur starr gestanden, jetzt aber tut er etwas. Er schwingt seine Sense. Ich glaube, ihm ist in den letzten Jahren langweilig geworden. (lacht)

Die Art der Songtitel hat sich auch etwas verändert. Sachen wie „Bodom Beach Terror“, „Triple Corpse Hammerblow“ oder „Lil‘ Bloodred Ridin‘ Hood“ wirken extrem catchy und verankern sich direkt im Gehirn. Stecken da irgendwelche Absichten dahinter?

Nicht wirklich. Eigentlich ist es dasselbe Konzept, das wir immer hatten. Nur sind diese Titel nicht mehr so mysteriös wie früher. Das hat auch etwas damit zu tun, was ich vorher schon über Kompromisse gesagt habe. Vor ein paar Jahren hätten wir uns nicht getraut, einen Song z.B. „Lil‘ Bloodred Ridin‘ Hood“ zu nennen. Diesmal war das eine ganz normale Sache. Das textliche Konzept ist gleich geblieben, nur die Titel haben sich eben etwas verändert. Noch dazu klingen sie etwas frischer als früher und lockern die ganze Sache angenehm auf.

Auch diesmal gab es wieder eine Vorabsingle zum Album. Warum habt ihr euch für „You’re Better Off Dead“ entschieden?

Das ist ganz einfach und schnell zu erklären. Dieser Song war der einzige, der fertig war, als der Zeitpunkt für die Singleveröffentlichung gekommen war.

Einleuchtend. Aber im Prinzip ist es doch in der Metalszene so, dass die Fans mehr auf ganze Alben als auf Singles fixiert sind. Warum bringt ihr also immer eine Vorabsingle heraus?

Eigentlich ist diese Singlesache nur für den finnischen Markt gedacht, denn dort kaufen die Leute auch diese Veröffentlichungen. Aber irgendwie ist das zu einer Art Tradition bei uns geworden. Wir hatten bisher immer eine zweijährige Pause zwischen jedem Album. So können die Fans diese Wartezeit überbrücken und haben immer etwas Frisches von uns in der Hand.

Der zweite Track auf der Single ist das Ramones-Cover „Somebody Put Something In My Drink“. Warum gerade Ramones? Das ist ja schon ein kleiner Stilbruch im Vergleich zum letzten Cover, das ihr mit WASPs „Hellion“ eingespielt habt.

Das war Alexis Idee. Wir mögen die Musik von den Ramones. Außerdem wollten wir nichts machen, was offensichtlich oder vorhersehbar gewesen wäre. Wir hätten natürlich auch Judas Priest oder etwas in diese Richtung nehmen können. Außerdem wollten wir seinem Tod Tribut zollen. Und dieser Song dreht sich ja ums Trinken. Das passt ganz gut zu unserem Image. (lacht)

Die Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen, werdet ihr auf eurer baldigen Europatournee mit Soilwork bestimmt zur Genüge haben. Dies ist eure erste Gastspielreise als Headliner. Was habt ihr für Erwartungen?

Ehrlich gesagt haben wir ein bißchen Angst. Das ist eine große Sache für uns. Wir waren noch nie sozusagen als „die große Band“ unterwegs gewesen. Europa ist groß, viele Leute, viele verschiedene Länder. Wir hoffen, dass die Fans auch kommen werden. Und natürlich freuen wir uns auch darauf.

Ihr seid trotzdem in eurer Karriere schon ordentlich rumgekommen und habt in vielen verschiedenen Locations gespielt. Was bevorzugst du? Große Hallen oder eher kleine Clubs?

Am liebsten spiele ich eigentlich in Läden, in die so 800-1000 Leute reingehen. Da gibt es immer eine gute Bühne mit gutem Equipment. In kleineren Clubs ist die PA meist schlecht und alles ziemlich chaotisch, wenn die Leute auf die Bühne kommen.

Aber gerade das verstärkt doch die Atmosphäre eines Metalkonzertes um Längen.

Natürlich. Aber ich denke in etwas größeren Clubs ist sie nicht minder cool. Das nimmt erst ab einer Menge von ca. 1500-2000 Besuchern ab. Und das, was wir live spielen, soll ja auch eine gewisse Qualität haben. Deswegen bevorzuge ich ebendiese 800-1000-Leute-Clubs, denn sie garantieren gute Stimmung und gute technische Voraussetzungen.

Wie stehst du dann zu Festivalauftritten und was sind deine Gefühle, wenn du an euren letztjährigen Gig in Wacken zurückdenkst?

Festivals sind eine ganz andere Geschichte. Und Wacken war natürlich das Größte, was uns in unserer Karriere bisher passiert ist. Aber im Prinzip weiß ich von dem Gig gar nicht mehr soviel, noch nicht mal, ob wir gut oder schlecht waren. Wir waren alle einfach verdammt aufgeregt. Es war eine unglaubliche Erfahrung.

In Japan seid ihr auch ziemlich erfolgreich. Inwieweit unterscheidet es sich von Europa?

Die ganze Kultur ist verschieden. Was die Organisation angeht, sind sie dort unheimlich streng und überaus korrekt. Wollten wir z.B. 49 Sandwiches haben, haben sie uns genau 49 Sandwiches gebracht. Wenn es nur 48 waren, haben sie sich tausendmal entschuldigt und gedacht, sie hätten einen Riesenfehler gemacht. Naja, und irgendwie haben die dort viel mehr Geld, das die Labels in ihre Bands stecken können. Wir waren immer in guten Hotels untergebracht, jeder hatte sein eigenes Zimmer. Das ist schon anders, als hier in Europa.

Und inwieweit sind die Fans dort anders als hier?

Sie sind fanatischer und enthusiastischer.

Ist das also der Grund dafür, dass es Livealben aus Japan gibt wie Sand am Meer?

Dies ist mit Sicherheit ein Grund, ja. Aber auch die sehr durchstrukturierte Organisation, die ich schon erwähnt habe, spielt da eine Rolle. Das Equipment entspricht immer dem neuesten technischen Standard und die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, sind professionell. Diese Fakten machen es einfach zu einer sehr sicheren Angelegenheit, in Japan ein Livealbum zu produzieren. Und ein Plattentitel „Live in Japan“ klingt meines Erachtens nach auch cool.

CoB-Mitglieder sind auch in anderen Bands sehr aktiv. Alexi mit Sinergy, Keyboarder Janne in Warmen. Gibt es da irgendwelche Konflikte?

Die Warmen-Sache stellt absolut kein Problem dar. Das ist eher eine Art Hobby von Janne, das er nur betreibt, wenn es seine Zeit erlaubt. Somit kommt es CoB nicht in die Quere. Mit Sinergy ist das ein wenig anders, da sie wesentlich größer sind. Die Alben sind erfolgreich, weswegen sie auch touren müssen. Alexi hat manchmal etwas zeitliche Probleme, beide Bands unter einen Hut zu bekommen. Jetzt aber, wo die Sinergy-Tour vorbei ist, konzentriert er sich 100%ig auf CoB für dieses Jahr.

Also besitzt je nachdem, welche Band gerade ein Album zu promoten hat, immer diese auch Priorität?

Nein, das kann man nicht sagen. CoB sind Alexis Baby und werden somit bei ihm auch immer Priorität genießen.

Wo wird euch euer Weg, sowohl musikalisch als auch popularitätsmäßig, in den nächsten Jahren hinführen? Übe dich mal als Hellseher.

Puuh, das ist schwer zu sagen. Ich hätte am Anfang gar nicht gedacht, dass wir so weit kommen würden. Unser Stil war neu und frisch, weswegen wir nicht wussten, ob wir überhaupt ankommen würden. Es hätte dem normalen Metal-Fan zu viel Black Metal enthalten sein können oder dem Black Metal-Fan zuviel traditionelles Zeugs. Aber es war einfach das, was wir machen wollten. Und wir haben es geschafft, genau zwischen diesen Fangeschmäckern zu landen. Die Zukunft wird mit Sicherheit keine Stagnation mit sich bringen. Wir haben uns ja auch bis hier hin immer weiterentwickelt, worüber ich sehr froh bin. Wir wollen einfach nur die Musik machen, die uns gefällt, und das ist uns mit „Hate Crew Deathroll“ auch gelungen.

Das kann man als Schlußwort durchaus so stehen lassen!

Galerie mit 19 Bildern: Children of Bodom - Ruhrpott Metal Meeting 2018
01.03.2003

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