Holy Moses
Holy Moses

Interview

Letztes Jahr stieg mit Holy Moses ein weiterer Act der deutschen 80er-Jahre-Thrashbewegung aus der Versenkung empor. Nach der MCD "Master Of Disaster" und gefeierten Auftritten auf den Sommerfestivals legten Sabina Classen und ihre Mitstreiter nun ihr echtes Full Length-Comeback vor, das auf den Namen "Disorder Of The Order" hört. Kein Wunder also, dass ich letzte Woche eine redselige, gut gelaunte Sabina am anderen Ende der Leitung hatte, um mit ihr ein wenig über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu plaudern.

Holy MosesKommen wir direkt auf euer neues Album zu sprechen, das wieder bei Andy Classen im Stage One Studio aufgenommen worden ist. Glaubst du nicht, dass es hätte gefährlich sein können, dort aufzunehmen? Andy kennt Holy Moses in- und auswendig und hat sogar eure Songs geschrieben. Hätte nicht vielleicht ein „fremder“ Produzent etwas mehr und vor allem etwas Neues aus euch herauskitzeln können, wobei gleichzeitig die Gefahr genommen worden wäre, euch selbst zu limitieren?

Sagen wir es mal so: Der Ansatz, den du hier gerade gebracht hast, der ist natürlich richtig. Auf der anderen Seite ist aber Andy für uns die erste Wahl gewesen, weil er eben die Band so gut kennt. Natürlich wäre es spannend, in der Zukunft mal mit einem anderen Produzenten zu produzieren. Trotzdem habe ich ein riesengroßes Vertrauen zu Andy, weil wir uns natürlich superlange kennen. Mittlerweile ist Andy auch mehr Produzent geworden und nur noch weniger Musiker. Er spielt in keiner Band mehr. Somit gab es durch die enorm vielen Produktionen, die er macht, überhaupt keine Gefahr, dass er unser Potential nicht vollkommen ausschöpft. Er ist ein sehr kritischer Mensch. Noch dazu ist es für mich wichtig, in dem Status, in dem sich Holy Moses wieder befinden, die Authentizität, die wir immer hatten, beizubehalten. Dafür ist Andy unverzichtbar, denn er hat genau die Ohren für uns. Früher war er der Maniac Of Holy Moses. Klar, meine Stimme hat das Produkt immer bestimmt, aber die musikalische Seite lag in all den Jahren immer bei ihm. Sein Talent als Produzent ist ja schon 1987 bei „Finished With The Dogs“ durchgeschimmert und seitdem war er immer mindestens Co-Produzent. 1991 hat er dann angefangen, sein Stage One Studio aufzubauen. Damals war er noch angestellter Produzent von West Virginia Records.

Also liegt es dann auch an seiner verstärkten Tätigkeit als Produzent, dass er nur noch für euch schreibt, aber nicht mehr in der Band mitspielt?

Ja, sein Studio geht natürlich vor. Als ich gesagt habe, dass ich Holy Moses wiederbeleben möchte, hat er ganz kurz überlegt. Dann hat er aber klar gestellt, dass Produzent jetzt sein Beruf geworden ist. In der Zwischenzeit, in der ich ja mit Temple Of The Absurd aktiv war, ist er zu einer Koryphäe im euroäischen Produzieren geworden und hat internationale Bands, die in sein Studio kommen. Das dann für die Band wieder aufzugeben, das konnte ich schlecht von ihm verlangen. Darüber haben wir aber wir aber auch direkt offen gesprochen, um sofort jeglichen Problemen aus dem Weg zu gehen. Er weiß, dass ich in diesem Punkt total verrückt bin und am liebsten ständig auf Tour sein möchte. Das kann er natürlich nicht machen. Er hat viel in sein Studio investiert und ist auch ständig zugebucht. Es wäre für ihn also ein herber finanzieller Verlust, wenn er mit uns mal kurz quer durch die Welt touren würde.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Rod Gonzalez von den Ärzten? Deren Musik ist ja nicht unbedingt in euerm Genre angesiedelt.

Das stimmt, wobei ich jetzt aber entdeckt habe, dass es unter den Metallern sehr viele Ärzte-Fans gibt. Kennengelernt habe ich Rod durch Schrödey, mit dem ich Temple Of The Absurd zusammen gemacht habe. Diese beiden haben eine Punkband produziert. Das Studio befand sich nebenan bei mir im Haus. So ergab es sich, dass wir mal zusammen im Garten frühstückten. Dann ist rausgekommen, dass Rod großer Metal-Fan ist, was man auf einigen Ärzte-Platten auch hören kann, wenn seine Metal-Roots mal durchschimmern. Er kam einfach auf mich zu und hat gesagt, dass er Bock hätte, einen Song für mich zu schreiben. Bei vielen Leuten ist das ja nur Gelaber, aber als ich ins Studio gegangen bin, habe ich ihn angerufen und er ist gekommen. So haben wir dann zusammen das Intro und „Heaven Vs. Hell“ gemacht. Seine Stimme klingt fast genauso wie meine. Im Chorus hört man kaum, dass da wir beide singen. Natürlich stehe ich auch auf solche Dinge, denn Holy Moses haben sich schon immer dadurch ausgezeichnet, dass wir ein paar verrückte Dinge gemacht haben. Kuck‘ dir die „Too Drunk To Fuck“-Single oder unsere Guns n‘ Moses-Aktion, als wir Guns n‘ Roses verarscht haben, an. Wir hatten immer irgendetwas auf unseren Platten, was außergewöhnlich war. So hat sich das diesmal auch ergeben. Rod ist ein sehr guter Musiker und zudem noch menschlich ein Klassetyp, weswegen dieser Sache nichts im Wege stand.

Gibt es außer ihm noch andere Gäste auf dem Album oder war er der einzige?

Nein, für die Backing Vocals hatten wir noch Leffe von Dew-Scented, Chris von Ryker’s und Tim von Crack Up mit im Studio. Chris ist mittlerweile ja schon ein Dauergast, weil er eine perfekte Stimme für Backings hat. Der Tag, an dem wir das eingesungen haben, ist natürlich auch in einem ziemlich großen Chaos geendet, weswegen Andy einen derben Schreck bekommen haben müsste, was in seinem Studio wohl abgegangen sei.

Kommen wir mal auf die Texte zu sprechen. Es war bei euch ja schon immer so, dass eure Lyrics einen latenten, politischen Touch aufgewiesen haben. Trifft das auf „Disorder Of The Order“ auch wieder zu? Wovon handeln die Texte?

Der 11. September hat mich, wie viele andere auch, geschockt. Ich habe viele Freunde in New York. Ich habe selbst in dem Hotel im World Trade Center schon gewohnt, als wir „The New Machine Of Liechtenstein“ produziert haben. Für mich ist es aber nicht nur der 11. September. Es ist zwar schrecklich für die Menschen, die dort waren, aber es betrifft nicht nur die USA. Schaut euch Israel/Palästina, Irland oder die ETA in Spanien an. Es gibt überall auf der Welt terroristische Anschläge. Deswegen schraube ich das, was in New York passiert ist, nicht so hoch, weil man alle Menschen, die bei so etwas umkommen, vor Augen haben muss. Ich bin als Kind in den 70ern in Deutschland aufgewachsen, als die RAF hier gewütet hat. Um es mal kurz zu erklären: Ich habe immer Future Visions, was solche Ereignisse jetzt für die Welt bedeuten könnten. War das jetzt wirklich Bin Laden? Der Typ ist von den USA ausgebildet worden. Steckt er wirklich dahinter oder wird er vor etwas geschoben, was politisch einen ganz anderen Hintergrund hat? Die USA hilft immer Ländern, aus denen sie auch etwas rausziehen können, mit denen sie Geschäfte treiben können. Die ganze Welt ist nach dem Anschlag zusammengerückt, alle sind auf einmal pro Amerika eingestellt, weswegen immer schnell vergessen wird, dass auf der ganzen Welt Menschen in einer solchen Angst leben. Für mich ist es deshalb der Punkt, wer wirklich regiert. Wer sind diese Leute? Geschichten über die Illuminaten z. B. kennt jeder. Das haben wir jetzt ein wenig im Comicstil zwischen politischem Ernst musikalischem Spaßfaktor umgesetzt. Im Booklet ist ein komplettes Comic drin, das im Jahr 2024 startet. Die Politiker sagen den Leuten darin, dass alles in Ordnung sei, dass sie alles in den Händen hätten, und dass die Leute doch locker bleiben sollen. Irgendwann werden aber deren Gesichter zu Ratten, womit sie ihr wahres Gesicht zeigen. Die Ratte ist hierbei als Symbol für das Fiese zu sehen. Dagegen versuchen wir zu kämpfen. Wir wollen den Leuten sagen, dass sie ihre Augen aufmachen sollen. Der Song „Break The Evil“ handelt z. B. von den Illuminaten. Wir sind nur Musiker und können nicht allzu viel ausrichten, aber wir können mindestens ein paar Gedankenabstöße geben, was ich auch schon immer versucht habe.

Zu dieser Aktivität passt es ganz gut, dass ich heute von einer weiteren positiven Aktion aus dem Holy Moses-Lager gelesen habe. Ihr werdet demnächst ein Benefiz-Festival zugunsten der Krebshilfe spielen. Kannst du das ein wenig ausführen, da Publicity für ein solches Event nie schädlich ist?

Ich bin ja selber vor zwei Jahren an Krebs erkrankt. Dann merkt man z. B., dass Leute, von denen man gedacht hat, sie seien Freunde, einem verloren gehen. Ich bin ein sehr aktiver Mensch. Wenn nun ein so aktiver Mensch auf einmal nicht mehr in der Lage ist, das zu tun, was er normalerweise gemacht hat, wird offenbar, dass sich solche Leute nur in deinem Dunstkreis aufgehalten haben. Sie haben sozusagen von dir selbst profitiert, helfen dir aber nicht, wenn es dir mal dreckig geht. Viele Leute, die an Krebs erkranken, haben kein so starkes Hobby, wie z. B. ich mit der Musik, was einen heilen kann. Das Leben kann sehr schnell zu Ende sein. Ich hatte ein Ziel vor Augen und natürlich trotzdem noch Menschen an meiner Seite, die mir geholfen haben. Der Organisator dieses Festivals hat selber Krebs gehabt und es auch überwunden, weil er mit diesem Festival auch ein Ziel hatte. Man braucht bei einer schweren Krankheit etwas, woran man sich festhalten kann, weil man sonst nicht mehr gesund wird. Der Erlös dieser Veranstaltung kommt der Krebshilfe zugute, die es z. B. zur Frühdiagnostizierung oder für psychische Hilfe öffentlich verwenden kann. Ich hoffe auch, dass sich dadurch mehr Menschen trauen zu sagen: „Ja, ich hatte Krebs.“ Desweiteren sind im letzten Jahr auch diverse meiner Musikerkollegen an dieser Krankheit gestorben, andere sind zum Glück geheilt worden wie der Sänger von Testament. Das sind alles Gründe, weswegen ich so etwas gerne unterstütze.

Was gibt es neben diesem Event noch für geplante Aktivitäten von Holy Moses in naher Zukunft, nachdem eure Platte jetzt erschienen ist?

Auf den großen Festivals haben wir uns dieses Jahr rar gemacht, weil wir sie 2001 alle gespielt haben. Die Fans erwarten von uns eine Headliner-Clubtour. Festivals sind natürlich eine super Sache. Du erreichst viele Leute auf einmal. Du hast die Möglichkeit, neues Publikum anzusprechen. Das haben wir letztes Jahr geschafft und Holy Moses hat sich wieder richtig in der Szene rumgesprochen, auch bei den Jüngeren. Am 13. September geht unsere Tour in Hannover los. Dann sind wir drei Wochen auf Europatournee, dann kommen Skandinavien, Griechenland, Türkei und England. Danach geht es in Amerika auf Tour, worauf ein Trip nach Korea, Taiwan und Japan folgt. Das Jahr ist also voll. Ach ja, und danach ist auf jeden Fall erstmal Urlaub angesagt.

Du hast gerade die letztjährigen Festivals angesprochen. Was war es denn für ein Gefühl, nach so langer Zeit wieder vor einer so großen Menge zu stehen, die euch dann auch noch dermaßen gefeiert hat?

Genau das hat uns die Power für „Disorder Of The Order“ gegeben. Die MCD „Master Of Disaster“ war für mich selbst nur ein Test, ob ich es überhaupt noch bringe, ob ich überhaupt noch diese Art von Musik spielen kann. Das Wacken Open Air war für uns natürlich der Hammer. Wir haben um 14 Uhr auf der Main Stage gespielt und was da los gewesen war, das hat unsere eigenen Erwartungen haushoch übertroffen. Die nachfolgende Autogrammstunde hat ja überhaupt nicht mehr aufgehört. Mit Worten kann man es im Endeffekt gar nicht beschreiben. Der Stagemanager hat uns beim Gig angezeigt, dass unsere Zeit abgelaufen war, die Leute haben aber immer weiter geschrieen. Ich bin schon nach unten in den Graben gesprungen, um mich bei den Fans zu bedanken. Dann hat die Band oben Zeichen bekommen, dass wir noch einen Song spielen können, was ja Stagemanager nur sehr selten machen, wenn es schon über die Zeit ist. Ich habe mich dann umgedreht, sah und hörte meine Jungs „Near Dark“ spielen und fragte mich: „Was ist jetzt los?“ Also sah ich zu, dass ich möglichst schnell wieder auf die Bühne kam, um den Song zu singen. Zum Glück kommt bei diesem Stück mein Einsatz erst nach knapp einer Minute. Sonst hätte ich ihn wohl verpasst. Wenn eine solche Euphorie selbst auf Mixer oder Bühnencrew übergreift, ist das schon etwas Besonderes, was mir auch die Bestätigung und die Power gegeben hat, das die nächsten Jahre durchzuziehen. Für die Band war es auch sehr wichtig, denn die Jungs sind neu bei Holy Moses gewesen. So haben sie gemerkt, dass die Fans sie anerkennen.

Wie kam es eigentlich wieder zur Reunion von Holy Moses?

Das hing wie gesagt mit meiner Krankheit zusammen. Noch dazu hatte ich in dieser Zeit einen schweren Motorradunfall, bei dem ich schon wieder fast draufgegangen wäre. Nach solchen Erlebnissen fängst du an nachzudenken und fragst dich, was du eigentlich in deinem Leben gemacht hast. Gibt es noch Wünsche und Träume? Stell dir mal vor, es wäre jetzt wirklich zu Ende gewesen. Dann würde ich jetzt irgendwo mit meiner Seele in der Sphäre hängen, traurig zur Erde schauen und mir denken: „Scheiße, da war doch noch was!“ Und dieses Etwas war für mich Holy Moses. Ich hatte in den letzten Jahren sehr oft darüber nachgedacht, es wieder aufleben zu lassen, habe mich dabei aber immer von diesem „Reunions sind Scheiße“-Image leiten lassen. Irgendwann war es mir dann egal und auch die Reaktionen der Presse juckten mich wenig, denn da sind immer ein paar Idioten dabei, die gar nicht verstehen können, wie man als Musiker fühlt. Dadurch habe ich die Kraft bekommen, diese Sache durchzuziehen, weil ich merkte, dass ich Holy Moses für meinen Körper, für meine Seele brauchte. Ich denke, dass deswegen auch die „Master Of Disaster“ so dermaßen aggressiv geworden ist. Insofern meine ich, dass das genau das Richtige war, denn es hat mich wieder gesund gemacht. Außerdem muss man auch mal sehen, dass mein ganzes Leben bisher von dieser Band bestimmt worden ist. Ich bin mit 16 bei Holy Moses eingestiegen. Ich will gar nicht wissen, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht auf die dusselige Idee gekommen wäre, immer bei der Schulband im Proberaum rumzuhängen und dort einmal ins Mikro zu brüllen. Der damalige Bassist hat dann gesagt: „Hey, genau das ist es!“ Das war ein Megazufall. Ich hatte nie den Wunschtraum, in einer Band zu singen. Im Nachhinein hat das dann mein ganzes Leben bestimmt. Sowas ist halt Schicksal, weswegen man es auch machen sollte, wenn man sich danach fühlt.

Nun, aber du warst ja zwischen Split und Reunion nicht untätig und hattest Temple Of The Absurd am Start. Gibt es die Band noch oder liegt sie vollkommen auf Eis?

Das liegt auf jeden Fall auf Eis. Wir sollten in Wacken spielen, waren in jenem Jahr mit Pro-Pain auf Tour, haben auf dem Bang Your Head zusammen mit Deep Purple und auf dem With Full Force gespielt und das alles auf der Main Stage. Drei Tage vor Wacken ist aber rausgekommen, dass ich Krebs habe, weswegen ich ins Krankenhaus gekommen bin. Deswegen war TOTA erstmal ad acta gelegt, weil keiner wusste, wie es um mich steht. Diese ganze Sache hat sich dann bis September 2000 hingezogen. Mir ist in dieser Zeit aber klar geworden, dass ich TOTA nur gebraucht habe, um meinen Frust über das Auseinanderbrechen von Holy Moses abzubauen. Trotzdem habe ich mir natürlich für diese Band den Arsch aufgerissen und es war auch ernst von mir gemeint. Dann sind zwei Leute bei TOTA ausgestiegen und auch der Bassist hatte gerade sein Studium abgeschlossen und stand nun am Scheideweg. Da durch mein Krebsleiden keiner wusste, wie es weitergeht, weil ich ja auch hätte sterben können, haben wir TOTA im Endeffekt aufgelöst. Schrödey hat mittlerweile sein eigenes Studio, das auch gut läuft. Er ist ein sehr guter Produzent, schreibt aber nebenbei auch noch Songs. Ob ich nun auf diesen Tracks irgendwann mal singe, das steht in den Sternen. Momentan sieht es eher nicht danach aus, weil ich mich bei Holy Moses sehr wohl fühle.

Lass uns noch ein wenig abschweifen. Was ist los mit deinem Internet-Fernsehsender Bullet TV? Im Moment geht da nicht viel, oder?

Das ist auch total auf Eis gelegt. Unser Sponsor ist schon Ende 2000 Bankrott gegangen und ich habe dann ein Jahr lang mein eigenes Geld da reingesteckt. Wir hatten über 1.000.000 Besucher im Monat. Trotzdem hatte ich aber 4000 DM Traffic-Kosten im Monat zu bezahlen. Das habe ich ein Jahr lang durchgehalten, aber dann war meine gesparte Kohle weg. Ich habe dann auch gekämpft, um neue Sponsoren zu finden. Blöderweise war aber das Internet zu dieser Zeit ziemlich tot, weil viele .com-Firmen Pleite gegangen sind, weswegen keiner mehr etwas mit dem Netz zu tun haben wollte. Wir haben die Adresse mal online gelassen. Komischerweise kommen gerade Leute auf uns zu und haben Interesse an dem, was wir gemacht haben. Aber momentan stecke ich da meine Zeit nicht mehr rein, weil es finanziell nicht mehr machbar ist.

Wie beurteilst du den momentanen „Boom“ im Bereich des Thrash Metal? Eher als Eintagsfliege oder wird das länger anhalten?

Ich würde es gar nicht mal als Boom bezeichnen, denn die Fans haben einen eigenen Charakter entwickelt, sich nicht mehr vorschreiben zu lassen was „in“ ist. Dabei ist völlig egal, ob das Genre Heavy, Thrash, Black oder Death Metal heißt. Es zählt einfach die gute Musik. Es war nie das Ziel des Metal, dass irgendetwas populär ist. Aber es ist trotzdem immer irgendein Genre hervorgehoben worden. Die Entwicklung, dass die Fans mittlerweile selber entscheiden, was sie hören wollen, finde ich persönlich sehr geil, denn es kommt immer auf gute Songs an. Booms sind da nebensächlich, da sie immer schnell wieder abflauen. Ich glaube auch, dass New Metal bald wieder abkacken wird. Aber die guten alten Bands mit einem eigenen Stil werden immer bestehen. Meist wird doch heutzutage nur noch abgekupfert. Deswegen haben heute auch diese alten Bands wieder eine Chance, weil sie sagen: „Scheiß drauf, wir ziehen einfach unser Ding durch!“ Diese Ehrlichkeit springt dann auf die Fans über, die merken, dass wir das machen, worauf und wohinter wir stehen. Das kommt draußen auch an. Somit ist es kein Boom, sondern die Metal-Fans werden endlich wieder zu Metal-Fans.

Und jetzt beschreibe doch bitte nochmal den Metalzirkus aus der Sicht einer Frau. Wie ist es für dich, sich in einer solchen, von Männern dominierten Szene zu bewegen?

Für mich ist es mittlerweile völlig normal. Ich bin jetzt seit 20 Jahren dabei. Das einzige, was nicht aufhört, ist, dass du, wenn du als Frau durch die Gegend vögelst, als Schlampe abgestempelt wirst. Machst du das hingegen als Mann, dann bist du cool. Diese Tatsache ist aber wohl nicht metalspezifisch. Ansonsten ist es natürlich klar, dass man in der Metalszene als Musikerin auffällt. Es gibt mittlerweile sehr viele Frauen, die im Metalbusiness von Promotion über Marketing bis hin zu Magazinen arbeiten. Im Publikum ist die Frauenquote auch immens angestiegen. Aber als Musikerin ist es schwerer, ernst genommen zu werden. Ich habe das jetzt über die Jahre gesehen geschafft. Ich komme mit allen gut klar. Man wird nur mehr beobachtet. Mit wem renne ich rum? Was für einen Freund habe ich gerade? Aber ansonsten ist das alles ganz locker.

Ich bedanke mich für dieses sehr offene Gespräch und wünsche viel Glück und Spaß für die Zukunft von Holy Moses. Die letzten Worte gehören dir.

Ich bedanke mich riesig bei den Leuten für 2001, wo mir alle so geholfen haben, diese Sache durchzuziehen und „Disorder Of The Order“ zu machen. Da haben die Fans einen sehr großen Teil zu beigetragen. Ich freue mich auch darüber, dass sehr viele Leute, die Holy Moses vorher noch nicht kannten, jetzt die Platte anchecken. Das beweisen die sehr guten Verkaufszahlen. Ich hoffe, dass wir uns alle auf Tour sehen.

16.07.2002

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