Saxorior
Kiss-Fans aus der DDR

Interview

Über 25 Jahre SAXORIOR, ein neues Album namens „Hem“, die Freundschaft mit Robse. Viele Gründe aktuell mit den Sachsen zu sprechen. Wir haben es gewagt.

Grüß Gott, ihr seid mit SAXORIOR seit 25 Jahren aktiv. Was gibt euch nach all den Jahren die Energie weiter mit eurer Band aktiv zu sein?

Andy: Was sollten wir den sonst machen? Wir können ja nichts anderes.

Kai: Welchen Gott soll ich grüßen? Wie auch immer (lacht) … das A und O ist hauptsächlich, dass wir hinter der Musik stehen, die wir Fünfe machen und uns nach 11 Jahren Besetzungsexistenz immer noch saugut verstehen … auch noch nach einigen Biers und Whiskeys! (lacht) Der Kampf, an gute faire Gigs zu kommen wird ohne Agentur oder Major-Label immer schwieriger, aber da geben wir auch nicht auf! Denn wenn dann Leute von sonst wo her zu uns kommen und ernsthaft bekunden, wie geil sie unsere Musik finden und was ihnen SAXORIOR bedeutet, erfüllt dies einen mit Stolz und ist eine Bestätigung, dass wir das nicht nur für uns machen, sowie gibt es einen Kraft immer weiter zu machen … so lange man diese gewisse Energie dabei spürt und Spaß an der Musik hat! Außerdem gibt’s nix geileres, wenn wir Verrückten am Wochenende irgendwo unterwegs sind, aus dem Alltag ausbrechen und den Leuten beweisen können, dass wir’s drauf haben … yeah Metal forever!

Wie hat sich die Metal-Szene seit euren Anfangstagen verändert, im Guten wie im Schlechten?

Kai: Das kann ich so nicht beantworten … sag mer mal, früher war alles übersichtlicher und familiärer, heute gibt es so viele qualitativ gute Bands und verschiedene Metal-Richtungen, dass man gar nicht mehr alles richtig überschauen kann. Dann immer wieder diese kommerzielle Geschichte, wo junge Bands bei größeren Events für umme spielen (oder noch dafür bezahlen müssen), während die „Großen“ immense Beträge einstreichen…

Welche Bands haben euch 1994, kurz nach dem Mauerfall, inspiriert? Welche Bands waren für euch vor bzw. nach dem Mauerfall verfügbar und wie lief die Beschaffung damals so ab?

Kai: Da gab’s und gibt es viele Bands, die einen meistens unbewusst beeinflussen, aber damals würde ich Bands wie MANOWAR, BATHORY, SLAYER, DEATH und auch TYPE O NEGATIVE als Haupteinflüsse zählen.

Die Beschaffung von LPs vor der Maueröffnung war nicht so einfach und auch teuer! Das gängigste war, nach Ungarn zu fahren und dort einzukaufen, aber … man durfte ja nur begrenzt Geld tauschen und musste sich wieder was einfallen lassen. Genau so mit Konzerten, ich war so glücklich 1985 oder ’86 die SCORPIONS und MSG dort zu sehen! Doch absolut schlimm war es für mich als KISS-Fan, dass Kumpels 1988 aus Ungarn kamen und erzählten, dass sie bei KISS und IRON MAIDEN waren! Ich hab mir so in den Arsch gebissen, dass man heute noch den Abdruck sehen kann. Wenn man in der DDR an sowas ran kam, konntest du schnell mal so 130 Mark für ne original LP bezahlen! Die meiste Musik hat man jedoch untereinander von Kassetten oder Platten kopiert.

Auf eurem aktuellen Album dreht sich vieles um regionale Sagen und Geschichten. Seit wann verfolgt ihr dieses Konzept und wie hat sich die inhaltliche Ausrichtung von SAXORIOR in den Jahren von „Return from the Dark Side“ (1995) bis „Hem“ verändert?

Kai: Geschichte und Mythologie interessieren mich schon immer. Mit „August the Strong“ („Return from the Dark Side“, 1995) und „Hagen von Tronje“ („Portant of Eternity“, 1999) haben wir damals schon Ausflüge in die Richtung gemacht. Um so reifer man wurde, um so tiefer ging man in diese Materie, deswegen war diese Entwicklung relativ natürlich … und passt auch besser zu den Saxon Warriors!

Saxorior_Band_Photo

Obwohl der Begriff Heimat aktuell von verschiedenen Seiten korrumpiert wird, habt ihr euch dazu entschieden, diesen für euer neues Album zu nutzen. Warum?

Andy: Der Albumname passt wie Arsch auf Eimer! Sicherlich, bei uns wirft man da schnell Deutschtümelei vor. Wir werden uns allerdings, wegen ein paar Pissnelken, denen wir es sowieso nicht recht machen können, nicht selbst zensieren. Heuchelei mag ja in Politik und Wirtschaft en vogue sein, hat in der Kunst nichts verloren. Wer sich selbst zensiert, hat nichts zu sagen und kann es somit gleich sein lassen. Bands wie die DROPKICK MURPHYS sind ja auch sehr heimatverbunden und gehen sogar als Punk durch. Es kommt also auf die Sichtweise an. Der Begriff Heimat selbst hat nichts Schlimmes an sich.

Seit dem letzten Album „Saksen“ (2015) tendiert eure Aufmachung weit mehr in Richtung Pagan Metal als jemals zuvor. „Hem“ geht diesen Weg nun konsequent weiter. Was sind die Gründe dafür?

Andy: So etwas geschieht unwillkürlich und ist nicht geplant. Durchaus möglich, dass unser nächstes Album wieder mehr in Richtung Black oder Thrash tendiert, oder ganz was anderes. Das kann man nie genau sagen. Dass wir aber dennoch immer nach SAXORIOR klingen werden, das kann ich versprechen.

Würdet ihr zustimmen, wenn ich sage, dass „Hem“ hinsichtlich Reife und inhaltlicher Ausgestaltung euer bestes Album ist?

Andy: So etwas behaupten Künstler ja bei jeder Veröffentlichung. Obwohl man das selbst nie wirklich neutral einschätzen kann. Deswegen halte ich mich dahingehend gerne zurück. Aber ja, wenn du mich so fragst, stimme ich dir zu. Es ist in jeder Hinsicht unser bestes Album. Vorallem aber hinsichtlich Produktion und Artwork.

Kai: Das kann ich nur bestätigen und ich bin sehr stolz darauf, da es diesmal meiner Vision am nahsten kam. Die Sache mit dem Chor, dem Gastgesang und dann hab ich mir für die Aufnahmen unter anderem extra noch ’ne Mandoline und Tin Wistles gekauft! Die Produktion sollte sehr natürlich aber trotzdem sauber sein, und ich denke, das haben wir hinbekommen.

Robert Dahn, bekannt von EQUILIBRIUM, ist als Gast auf eurem Album vertreten. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und warum wolltet ihr einen Gast auf dem Album haben?

Kai: Robse kenn‘ ich schon über 15 Jahre, er war damals oft bei unseren Konzerten und war schon immer ein ganz feiner Kerl und ist immer für ein (oder mehr) Bier zu haben. Er sagte mal, dass er unter anderem wegen uns selber Musik machen wollte … den Rest kennen ja die meisten. Als ich ihm erzählte, dass wir bald den Gesang aufnehmen, wollte er gern ein paar Growls beisteuern, aber letztendlich hat er dann doch viel mehr gemacht, um genau zu sein, singt er bei fünf Liedern einen meist nicht unwesentlichen Teil!

Andy: Wir wollten schon lange mal was mit Robse machen. Das letzte mal zu unseren 25. Jubiläum. Da das aus terminlichen Gründen auch wieder nicht geklappt hat, hat er uns gefragt, ob er stattdessen zu unserem neuen Album etwas beisteuern kann und wir haben zugesagt.

Am 6.12. spielt ihr zusammen mit den Veteranen von EMINENZ in Berlin. Seit wann seid ihr mit der Band in Kontakt? Habt ihr diesen Kontakt über die Jahre bewahrt?

Kai: Mit EMINENZ kennen wir uns schon circa 25 Jahre und spielen fast jedes Jahr zusammen. Wir haben uns damals bei einem Gig in Amberg kennengelernt … anfangs war eine gewisse Arroganz zu spüren, doch als ich mir deren damalige LP anschaute, sah ich, dass sie darauf TITAN grüßten … als ich dann erzählte, dass Eschi und ich bei TITAN gespielt hatten, war das Eis gebrochen und seitdem sind wir dicke Kumpels!

Bitte gebt uns doch abschließend noch einen kleinen Ausblick auf die weitere Aktivität von SAXORIOR.

Den Anfang 2020 machen wir am 10. Januar in Frankfurt (Oder) mit Robse live On Stage! Die weiteren Termine, die sich ja noch ergänzen, am besten auf unserer Homepage erschlauen, auf welcher es natürlich Links zu unseren anderen Seiten gibt!

Wir freuen uns, euch bald irgendwo zu sehen und ein Bier zu trinken und vielen Dank für das Interview … Prost!

Galerie mit 10 Bildern: Saxorior auf dem Ragnarök 2018
Quelle: Interview mit Andy und Kai, Dez. 2019
16.12.2019

Stellv. Chefredakteur

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