Kadavar und Elder
"... vielleicht einfach mal die Klappe halten und gucken, was passiert..."

Interview

Metal.de: Wer hatte denn die erste Idee dazu? Existierte das bereits von Anfang an nachdem ihr euch kennen gelernt hattet?

Nick (ELDER): Also eigentlich kam schon an unserem ersten Abend des Kennenlernens die Idee auf, sich zu treffen und zusammen ein wenig zu jammen. Gear rüberholen, mikrofonieren, spielen und einfach gucken was passiert. Es war aber schon eine spontane Angelegenheit, denn zumindest war nicht von Anfang an klar, also nicht für mich und uns, dass daraus auch gleich eine Platte wird. KADAVAR haben ja im Gegensatz zu uns schon Kollaborationserfahrung mit anderen Bands, von daher weiß ich nicht, ob es da schon eine Art Schablone gab. Also für uns war es erst mal kein Ziel, nur jammen, spielen, gucken was passiert. Natürlich war im Hintergrund ein wenig die Hoffnung da, dass daraus mehr wird und unterbewusst hat man das vielleicht dann mehr in diese Richtung gepusht. Vielleicht haben wir dann auch „gezielter“ gejammt und nicht einfach nur 12 Stunden einen Ton gespielt, wie wir das sonst tun (Tiger lacht über Nicks Anmerkung).

Metal.de: Ich habe in anderen Interviews gelesen, dass die eigentlichen Jam-Sessions später noch ein wenig geändert und ausgearbeitet wurden, aber wie wurde den entschieden, wessen Ideen verwendet wurden oder wer was macht? Ab welchem Punkt entscheidest du Nick, für ELDER oder ihr Tiger, bei KADAVAR, das bauen wir jetzt ein? Gab es da auch Spannungen und Momente, wo man sich nicht einig war oder war das alles relativ „easy going“?

Nick (ELDER): Also ich hab in Erinnerung, dass es relativ lässig abgelaufen ist. Klar, es gab ein paar Momente wo man sich herausgefordert gefühlt hat, da man ja auch mit anderen musikalischen Ideen konfrontiert war, die nicht die eigenen sind. Wenn man von Kooperation spricht bedeutet das, dass jeder Platz für die Meinung von anderen lassen muss, was zumindest für mich als Hauptsongwriter von ELDER dann schon etwas neues war. Es war aber auch eine angenehme Abwechslung, mal aus dieser Rolle raus zu kommen und zu merken, ok ich muss nicht als aktiv gestaltendes Element bei jedem Part des Songwritings dabei sein und sich manchmal einfach treiben lassen. Wenn man nicht versteht, was eine gewisse musikalische Idee bewirken soll, vielleicht auch einfach mal die Klappe halten und gucken, was passiert. Es gab Songs mit Stellen, wo meine Hände nicht mit im Spiel waren und die ich anfangs gar nicht verstanden habe, die aber für die gesamte Platte auch hörbar gut getan haben.

Metal.de: Könnt ihr dafür ein Beispiel geben?

Nick (ELDER): „In The Way“, der Akustiktrack, hat wahrscheinlich auch am längsten gedauert zu schreiben, war die härteste Nuss zu knacken. Es gab sogar wei Versionen von dem Song. Du kennst ja ELDER, es gibt bei uns keine Akustiksongs, ich hab auch noch nie versucht einen zu schreiben und deshalb hab ich mich anfangs sehr schwer damit getan. Aber es hat sich auch entwickelt und nachdem ich mich darauf eingelassen habe und mir Parts rauspicken konnte, die eine gute Mitarbeit von mir garantieren konnten, ist es auch ein guter Song geworden. Aber das ist etwas, was es sonst in „meiner Welt“ sonst so nicht gegeben hätte.

Metal.de: Würdet ihr sagen, dass es Songs gibt die mehr die ELDER-Handschrift tragen und andere eher die KADAVAR-Handschrift?

Tiger (KADAVAR): Ich hab bei der Nummer „From Deep Within“ es dunkel im Kopf, ich glaube Nick und Mike sind da mit den ersten Riffs dafür um die Ecke gekommen, aber es hatte vielleicht auch mit der Aufmerksamkeit auf den zweien zu tun, da ich es nicht gewohnt war, zusammen mit anderen Musik zu machen und erst einmal den beiden nur beim Spielen zugehört habe. Ich hab auf dem Track auch Synthesizer gespielt, nicht Drums, daher war ich auch sowieso an einem ganz anderen Ort. Bei dem Track haben wir glaube ich auch gut herausgefunden welche Schnittmenge unsere beiden Bands haben und wie man die verbinden kann. Ich denke jeder Song auf dem Album hat etwas von beiden Bands. Jetzt habe ich den Faden verloren.

Nick (ELDER): Ja, ich würde Tiger zustimmen, „From Deep Within“ ist der einzige Song der Platte wo man sagen kann, hier hört man ganz klar ein ELDER-Riff. Das war auch der Song, der am schnellsten realisiert wurde, wo wir Ideen hatten und den am selben Tag noch komplett aufgenommen haben. Das war ein wenig so „Ok, du hast ein Riff, ich hab ein Riff, lass die zusammen packen“. Es war ein zerstückelter Prozess, nicht so kollaborativ wie der Rest.

Metal.de: Würdet ihr sagen, dass die Musik nun auf „Eldovar“, aber auch euren jeweils letzten Platten, also „The Isolation Tapes“ und „Omens“, die Richtung ist, die ihr weiter verfolgen wollt? Also die Musik, die ihr spielen wollt? Oder wäre eine Art „Rückweg“ zu dem Sound von etwa „Lore“ auf ELDER-Seite oder „Berlin“ von KADAVAR auch wieder denkbar?

Nick (ELDER): Ich kann die Frage recht einfach beantworten, da unser nächstes Album sogar schon aufgenommen ist. Das geht nicht wirklich in dieselbe Richtung, es geht für uns auf jeden Fall wieder in die eher härtere Richtung. Für uns war das eine nette Gelegenheit etwas anders zu machen, uns auszuprobieren auf dieser psychedelischen Ebene, sodass ich das ein wenig aus meinem System hatte. Jetzt hatte ich wieder den Bedarf nach ein wenig mehr Härte, was in den letzten Jahren deutlich gefehlt hat in meinem Leben. Die psychedelischen Elemente sind natürlich immer noch ein Teil unseres Sounds und werden das auch immer bleiben, aber die sind vielleicht nicht mehr so stark im Vordergrund wie bei „Omens“ oder „Eldovar“.

Tiger (KADAVAR): Also ich habe schon das Gefühl, dass wir von „The Isolation Tapes“ als auch „Eldovar“ irgendwas mitnehmen, was Erfahrung und an Ideen so gewonnen und mitgenommen wurde, um in Zukunft dann daraus zu schöpfen. Ich würde nicht sagen, dass an uns als Band die letzten zwei Jahre spurlos vorbeiziehen und keine Bedeutung für uns gehabt haben, eben auch musikalisch. Wir freuen uns auf jeden Fall darauf, im nächsten Fall wieder touren zu können und ein wenig wieder in unseren normalen „Groove“ zu kommen. Ich glaube wenn wir auch wieder in Kontakt mit Leuten sind, wird sich das auch wieder in die ausgetretenen Pfade zurück entwickeln und wir auch ein paar „normale“ KADAVAR-Songs schreiben, wenn es so etwas gibt (lacht).

Metal.de: Gerade da ihr Touren anspricht, wäre so etwas wie eine gemeinsame Tour denkbar, also sowohl als Package im Sinne von KADAVAR und ELDER als auch eben mit „Eldovar“? Oder vielleicht auch, unwissend ob das für euch als Bands passen würde, eine Akustikshow oder so etwas?

Tiger (KADAVAR): Akustik finde ich super schwierig, ich weiß nicht ob wir uns da jemals mit wohlfühlen würden. Das haben wir einmal für den Rockpalast gemacht und waren nicht drauf vorbereitet. Danach haben wir uns unausgesprochen vorgenommen, dass nie wieder zu tun. Denkbar finde ich eine Tour auf jeden Fall, aber realistisch ist die momentan nicht. Es kamen schon sehr viele Fragen aus dieser Richtung und das wäre auch super cool, steht aber ein wenig in den Sternen. Ob wir 2022 alle die Zeit dafür haben ist fraglich.

Nick (ELDER): Es wäre ja grundsätzlich auch sehr anstrengend mit KADAVAR auf Tour zu gehen…

Tiger (KADAVAR) : … wir fordern unsere Mitmenschen ja auch immer sehr heraus

(beide grinsen)

Nick (ELDER): Ich weiss nicht ob die „Eldovar“ auch überhaupt gut umsetzbar wäre, also alleine von der Besetzung her, müssten wir alle auf der Bühne, wechseln sich ELDER mit KADAVAR ab, wenn ja für welche Songs und so weiter…

Tiger (KADAVAR): … wir würden das wahrscheinlich auch gar nicht zu sechst hinbekommen, wir bräuchten streckenweise bis zu 10 Leute, wenn alles gespielt werden und nicht vom Band kommen soll.

Nick (ELDER): Ich halte es einfach für unrealistisch. Ich hätte Bock, das mal in Berlin für einen Termin aufzuziehen, aber eine komplette Tour? Das wird schwer. Unsere Managements sprechen auch schon seit Jahren miteinander und es hat bislang nie zeitlich geklappt.

metal.de: Ok, schade. Wie sieht es mit Weihnachtsshows aus? Oder den Covern von Songs in der momentane Zeit? Manche Bands machen das ja, wie steht ihr zu Weihnachten? Etwas zum in Erwägung ziehen oder eher bleibt mir bloß weg damit?

Tiger (KADAVAR): Das einzige was man Weihnachten feiern sollte ist Geburtstag. Und wie man vielleicht weiß bringt eigentlich Lemmy die Geschenke und nicht der Weihnachtsmann.

Nick (ELDER): Ich glaube auch nicht, dass wir uns damit anfreunden könnten, das ist einfach nicht unser Stil. Man brauch sich ja auch nicht mega ernst nehmen als Band, aber meist find ich das schon sehr banal, was unter dem Banner dann da so veröffentlicht wird.

metal.de: Konntest du denn schon in Berlin gut durch Gastronomie und Getränkekultur durch oder haben KADAVAR dich eingeführt Nick?

Nick (ELDER): KADAVAR haben diese Phase wahrscheinlich schon längst hinter sich, oder?

Tiger (KADAVAR): Wir haben glaube ich eine Flasche Berliner Luft in unserem Proberaum stehen, aber ich glaube nur ich weiß, wo die auch ist. Nicht unbedingt mein Lieblingsgetränk, aber trotzdem legendär.

Nick: Vielleicht bin ich da zu wenig deutsch für. Die traditionelle Berliner Esskultur ist nicht unbedingt feine Küche. Keine Ahnung, Currywurst und Berliner Weiße mit Schuss habe ich schon in meinen jüngeren Jahren als Tourist ausprobiert. Berlin hat natürlich daneben auch vieles zu bieten, aber vielleicht gefällt mir einfach nur euer deutsches Fast Food nicht.

metal.de: Gibt es für KADAVAR vielleicht einen amerikanischen Künstler und ELDER einen deutschen, mit dem ihr in Zukunft vielleicht mal gerne zusammen arbeiten würdet? Kann lebendig oder tot sein. Und euch gegenseitig dürft ihr nicht nehmen 😉 !

Nick (ELDER): Boah, das ist ne schwierige Frage. Es wäre cool mir Michael Schenker mal für ein Album auszuleihen, damit er mir die ganzen Gitarrensoli einspielt (lacht). Das ist eher eine Frage für unseren anderen Gitarristen Mike, der macht sich eher um so Dinge Gedanken, ich habe vor dieser Kooperation noch nie wirklich über andere Partner nachgedacht.

Tiger (KADAVAR): Das ist eine Frage, wo man erst einmal ewig überlegen muss. Da muss ich glaube ich gerade echt passen.

Galerie mit 14 Bildern: Kadavar - Hellseatic 2021

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Quelle: Zoom-Interview mit Nick (ELDER) und Tiger (KADAVAR)
26.12.2021

Dienst: Freier Redakteur | Farbe: Wie auf dem Bild | Geruch: Geheimnisvoll duftend. | Warnhinweise: Bitte nicht essen. Kann ungiftig sein. |

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24.05.22Kadavar Tour 2022KadavarWestand, Braunschweig
25.05.22Kadavar Tour 2022KadavarDie Pumpe, Kiel
26.05. - 29.05.22Desertfest Berlin 2022 (Festival)Electric Wizard, Kadavar, Witchcraft, Yob, Orange Goblin, Truckfighters, Elder, 1000mods, My Sleeping Karma, Ufomammut, Stöner, Lowrider, Villagers Of Ioannina City, Baroness, Black Rainbows, Dhidalah, Dvne, Love Machine, MaidaVale, Rotor, Samavayo, Spirit Adrift, Sâver, 24/7 Diva Heaven, Enigma Experience, Los Bitchos, Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs, Polymoon, Slift, Slomosa, Steak, Temple Fang, Velvet Two Stripes, Vug und The WellArena Berlin,
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