Kadavar
"Ich beherrsche einige spanische Schimpfwörter, die dann sehr leicht über die Lippen gehen."

Interview

Mit „Live In Copenhagen“ präsentiert das Berliner Rock-Trio KADAVAR sein bereits zweites Live-Album. Abgesehen davon, steht in wenigen Wochen zudem die große Europa-Tour mit den Schweden MONOLORD bevor. Grund genug, einmal bei den sympathischen Bartträgern nachzuhaken, schließlich gibt es bezüglich der Platte und dem sonstigen Schaffen der Jungs in vielerlei Hinsicht doch noch Klärungsbedarf.

Wir sprachen mit Sänger und Gitarrist Christoph „Lupus“ Lindemann unter anderem über die legendäre Show in der dänischen Hauptstadt, ihren etwas überraschenden Gastbeitrag auf der neuen POWERWOLF-Platte und ihren Bezug zur Stoner-Szene.

Kadavar - Band 2017

Hi Christoph, vielen Dank, dass du dir die Zeit für metal.de nimmst. Ihr steckt ja jetzt gerade nach einem turbulenten Festival-Sommer mitten in einer Phase zwischen der Promo zur neuen Live-Platte und der anstehenden Europa-Tour. Wie gestresst seid ihr?

Ach, gestresst sind wir immer. Es gibt ja immer reichlich zu tun und wir laden uns ja auch immer ordentlich Arbeit auf. Aber wir können uns den Stress ja aussuchen und haben Spaß dabei – da tut das nicht so weh!

Am 12. Oktober ist mit „Live in Copenhagen“ euer zweites Live-Album erschienen. Kommen wir erst einmal zur offensichtlichsten Frage: Wieso fiel eure Wahl für die Platte ausgerechnet auf die dänische Hauptstadt?

Kopenhagen war schon immer irgendwie wichtig auf unseren Touren und eigentlich immer ein Highlight. Wir haben dort tolle Shows gespielt, die Leute waren immer Bombe und die Aftershowpartys immer wild. Auch an Festivals wie Heavy Days in Doomtown und Copenhell erinnert man sich gerne. Berlin und Kopenhagen haben viel gemeinsam und man kommt miteinander aus.

Allerdings hat es sehr viele Jahre gedauert, bis wir die Stadt dann richtig geknackt haben. Es waren immer ein paar hundert Leute da, aber eben nicht ausverkauft oder so. Letztes Jahr war es dann aber soweit und da wollten wir es dann auch richtig machen. Daraus ist dann eine der besten Shows der Tour geworden – zum Glück mitgeschnitten!

Inwiefern unterscheidet sich eure Vorbereitung auf eine Show, die man für eine Platte live mitschneidet, zu anderen, „normalen“ Shows?

Man denkt da nicht unbedingt daran. Wir sind eine sehr physische Band, viel Bewegung und Geschüttel, da sitzt nicht immer jeder Anschlag perfekt. Solange man die Show sieht, ist die Energie wichtiger und man verzeiht den ein oder anderen Patzer vielleicht. Auf Platte hört man allerdings nur was wir gespielt haben. Vielleicht geht man deshalb nicht das größte Risiko ein. Man würde sich schon ärgern wenn man später weiß, der Fehler wäre vermeidbar gewesen. Allerdings wussten wir zu dem damaligen Zeitpunkt noch gar nicht, was wir damit machen wollten. Erst als wir dann die Aufnahmen gehört haben, kam die Idee, sie zu veröffentlichen.

Wie würdest du die Show in Kopenhagen im Nachhinein mit deinen eigenen Worten beschreiben? Gab es etwas, das dir oder euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich glaube wir waren ziemlich fit und tight auf der Tour. Die Konzerte hatten ein gutes Niveau und wir konnten frei aufspielen, weil wir uns gut gefühlt haben. Aber an diesem Abend kamen noch die Emotionen hinzu. Die Leute hatten Bock und man konnte es spüren. Es gibt eben diese Tage, wo es einfach passt. Wo es einen spürbaren Austausch zwischen uns und dem Publikum gibt. Ich habe manchmal das Gefühl, viele Leute sehen keinen Zusammenhang zwischen ihrer Reaktion und der Euphorie und wie gut die Band an dem Abend dann ist.

Würdest du sagen, dass ein Live-Album in gewisser Weise eine Möglichkeit darstellt, etwas auszudrücken, das man so auf einem Studioalbum vielleicht nicht sagen kann? Falls ja, was?

Man schreibt Songs, nimmt sie auf, arbeitet ein wenig daran herum und macht ein Album draus. Danach nimmt man die Songs mit auf Tour und spielt sie bestenfalls ein paar hundert Mal. Da fangen die Songs an zu wachsen. Es kristallisieren sich dann manchmal Feinheiten heraus, die man beim Schreiben nicht gehört oder gesehen hat. Es macht Spaß, dabei zuzusehen. Oft hört man nach Jahren mal wieder das Original und merkt, wie weit man sich schon davon entfernt hat. Deshalb glaube ich, sind die Songs auf dem Live-Album runder und mehr in Fleisch und Blut übergegangen. Ich glaube, das ist das Maximum, was wir aus den Songs herausholen können.

Ihr seid bekanntermaßen eng mit eurer Wahlheimat Berlin verbunden. Insgesamt gilt die Stadt in ganz Europa als eine der wichtigsten Städte, was die Musikszene angeht, sei es Rock, Pop oder Hip-Hop. Inwiefern werdet ihr von der Hauptstadt als Schmelztiegel verschiedenster Genres beeinflußt?

Berlin ist zu einer modernen Metropole geworden. Man findet hier wirklich alles, wenn man danach sucht. Aber es gab eine Zeit, da war hier mehr Platz, um kreativ zu sein. Das Leben ist nicht mehr so billig, wie es vor 10 Jahren war. Nichtsdestotrotz werden hier immer noch Trends losgetreten und jeder möchte sicher gerne einmal in Berlin spielen. Es ist wichtig als Künstler nicht nur immer im eigenen Saft zu schmoren, sondern seinen Horizont zu erweitern und Inspirationen zu suchen. Das geht hier hervorragend. Wenn ich Lust auf Klassik habe, gehe ich in die Oper, wenn ich Lust auf Punk habe, bekomme ich das auch. Die Möglichkeiten sind unendlich, wenn man sie nutzt.

Abgesehen von eurem markanten Sound habt ihr euch auch optisch einen unverwechselbaren Stil angeeignet. Werdet ihr inzwischen auf der Straße von Fans erkannt oder angesprochen und was ist das Kurioseste, das euch dabei je passiert ist?

Das kommt schon mal vor. Aber hier in Europa ist es doch sehr dezent. Man spürt an dem Blick, dass das Gegenüber weiß wer man ist, aber es bleibt meistens bei einem „Hallo“ oder einem Kopfnicken. In Latein- bzw. Südamerika sieht das allerdings schon etwas anders aus. In Mexiko warten die Fans dann schonmal am Flughafen, wissen in welchen Hotels wir schlafen und campen dann manchmal auch davor.

Letztes Mal ist wohl ein Fan an die Rezeption gegangen und hat die Mitarbeiter überredet, meine Zimmernummer heraus zu geben und mich anzurufen. Da hat dann mitten in der Nacht das Telefon geklingelt und der am anderen Ende fragt mich, warum ich schon schlafen würde und ob ich heute nochmal raus kommen würde. Da muss dann langsam die Linie gezogen werden. Ich beherrsche einige spanische Schimpfwörter, die dann sehr leicht über die Lippen gehen. Haha!

Vor wenigen Monaten erschien das siebte POWERWOLF-Album „The Sacrament of Sin„, auf dessen Deluxe Edition befreundete Musiker der fünf Saarländer einige ihrer bekanntesten Songs gecovert haben. Auch ihr seid – für den ein oder anderen Fan doch etwas überraschend – mit einem Cover von „The Evil Made Me Do It“ vertreten. Woher kennt ihr die Jungs von POWERWOLF und wie kam es zu dieser doch etwas untypischen Zusammenarbeit?

Am Anfang war ich nicht sehr überzeugt von der Idee. Uns trennen schon, um es nett zu sagen, Welten und ich tue mich schon sehr schwer Songs von anderen Bands zu interpretieren. Wir haben ein paar von den Jungs schon öfter getroffen und wissen, dass sie unsere Musik mögen. Also haben wir einen Song gefunden, der uns gefallen hat. Wir sind natürlich gegenüber allen anderen Bands doch eher der Exot auf dem Album. Aber am Ende finde ich unsere Version ziemlich gelungen und vielleicht die richtige Antwort auf die anderen glatt gebügelten Produktionen.

Einmal angenommen ihr würdet ein ähnliches Projekt planen und eine EP herausbringen, auf der drei Bands bzw. Musiker jeweils einen eurer Songs covern würden. Welchen Song würdest du dir von wem wünschen?

Das ist schwer. Es gibt viele Bands, die immer sehr wichtig für uns waren. Vielleicht DINOSAUR JR. mit „Last Living Dinosaur“, ELECTRIC WIZARD mit „Skeleton Blues“, MELVINS mit „Forgotten Past“ oder DANAVA mit „Purple Sage“. Das würde mir gut gefallen, wird aber leider nie passieren.

Inzwischen spielt ihr auf den größten Festivals Europas und werdet nächstes Jahr unter anderem auch auf dem Desertfest in London auftreten. Insgesamt werdet ihr, auch wenn ihr eigentlich ein größeres Spektrum an Genres bedient, doch oft als Stoner Rock-Band wahrgenommen und auch beworben. Inwieweit fühlt ihr euch in dieser Szene zuhause oder würdet euch selber dort verorten?

Ach, ich mache mir da nicht so Gedanken. Klar sind wir in der Stoner-Szene zuhause. Aber in der Metal-Szene eben auch. Und als wir angefangen haben, haben wir auch auf Hardcore-/Garage-Festivals gespielt. Nebenbei waren wir letztes Jahr auch einer der Headliner beim Burg Herzberg, dem ältesten Hippie-Festival in Deutschland. Ich denke das funktioniert, weil wir uns von Anfang an nicht in eine Schubladen haben stecken lassen. Wir können unser Set an die Zuschauer anpassen und weit mehr als nur ein „Genre“ bedienen.

Wie zu Beginn erwähnt, werdet ihr euch gegen Ende des Jahres wieder auf große Europa-Tour begeben. Was steht im Hause KADAVAR danach an?

Es ist ein netter, immer wiederkehrender Zyklus. Wir haben schon mit dem Schreiben der neuen Platte angefangen. Erste Ideen werden langsam gesammelt und man macht sich Gedanken, wo man als nächstes hin will. Touren ist schön, aber so ein halbes Jahr intensives Arbeiten im Studio macht auch Laune.

Vielen Dank für das Interview! An dieser Stelle hast du noch einmal die Möglichkeit, alles loszuwerden, was du mit unseren Lesern teilen möchtest.

Ich kann mich bei den Leute nur für den Support bedanken. Immerhin ist die Live-Platte ein Zeitzeugnis, an dem die Fans einen genauso großen Anteil haben, wie wir. Wir dürfen durch die Welt reisen und Musik spielen, „living the dream“ sozusagen. Dieses Album macht uns ziemlich stolz und wir freuen uns auf die diesjährige Herbsttour!

 

Galerie mit 18 Bildern: Kadavar - live in Berlin 2018
Quelle: Christoph "Lupus" Lindemann, Kadavar
15.10.2018

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