Krux
Interview mit Leif Edling zu "Krux II"

Interview

Allstar-Projekte sind doch etwas dankbares! Mit viel Namedropping macht sich die Promo so gut wie von alleine und was hinten an Mucke rauskommt, kann sich in den meisten Fällen auch hören lassen. Etwas anders verhält es sich da mit KRUX. Zwar muss man sich auch bei den Schweden um die Qualität der Musik keinerlei Gedanken machen, das bisschen Präsenz in der Öffentlichkeit, das um den Release des neuen Albums „II“ stattfand, steht allerdings in keinem Verhältnis zur Größe der beteiligten Namen. Das ist aber durchaus Absicht! Mit Mats Levén (ABSTRAKT ALGEBRA, THERION, AT VANCE, uvm.), Leif Edling (CANDLEMASS), Fredrik Åkesson (ARCH ENEMY), Jörgen Sandström (ex-ENTOMBED), Peter Stjärnvind (ENTOMBED) und Carl Westholm (CARPTREE) ist man superb besetzt und hat mit dem vor kurzem erschienenen Zweitling „II“ auch noch ein verdammt cooles True Doom-Werk auf die Beine gestellt. Dennoch versucht man, den Rummel um die Band so klein wie möglich zu halten. Warum das so ist, erklärte Bandkopf Leif.

Krux

Nachdem die letzte Audienz unseres bescheidenen Magazins bei Herrn Edling nun auch schon anderthalb Jahre zurückliegt, und die Kunde vom Wiederausstieg von Messiah Marcolin bei CANDLEMASS vor ein paar Monaten fast schon zu erwarten war, drängte sich die Frage nach den Gründen natürlich auf. Mehr als ein lakonischer Kommentar war dem ruhigen Stockholmer dazu aber nicht zu entlocken: „Wir können niemanden in der Band haben, der sich weigert, anderen zuzuhören und besondere Behandlung erfordert. Wir sind Erwachsene und keine Kinder.“

Deutliche Worte und ein ebenso deutliches Signal, dass Leif von dem Thema wohl noch immer reichlich angenervt ist, zumal das nächste Album fertig herumliegt und man derzeit nur auf der Suche nach einem Sänger ist, um die Scheibe in die Läden stellen zu können. Dieses Problem hatten KRUX mit „II“ nicht. Dafür ein leicht anders geartetes. „Einige Parts des Albums wurden bereits im Winter/Frühling 2004 geschrieben, andere wiederum im Herbst 2005. Jörgen hatte seine Songs schon vor der Jahrtausendwende fertig. Das Album hätte eigentlich schon 2004 erscheinen sollen, das Label hatte da aber andere Pläne. Weshalb wir uns auch von ihm getrennt haben. Mascot wollten das Album Ende 2004 veröffentlichen, was für mich aufgrund des neuen CANDLEMASS-Albums aber einfach nicht möglich war. Nuclear Blast waren dann an uns interessiert, sprangen aber ab. Ich denke, sie wollten sich auf größere Bands konzentrieren. Dasselbe gilt für Roadrunner. Schlussendlich haben wir bei unserer langjährigen Freundin Lena Graaf bei GMR unterschrieben. Das Label hat bereits den CANDLEMASS-Backkatalog veröffentlicht und seine Sache dabei gut gemacht.“

Im Vergleich zum Vorgänger wirkt „II“ direkter, weniger experimentell und weist etwas weniger Seventies-Bezüge auf. Ein Eindruck, den Leif so allerdings nicht teilt. „Ich finde nicht einmal, dass es direkter klingt. Songs wie „Devil Sun“, „Sea Of Doom“, „Depressive Thoughts Of Indigo“ und irgendwo auch „Serpent“ sind ziemlich doomy und progressiv, wenn du so willst. Das einzige, was dieses Album nicht hat, ist ein seeehr langes Lied wie „Lunochod“ [Zwölfminütiger Abschlusstrack auf dem Debüt „Krux“ – Anm. d. Red.]. Aber das Album ist schwärzer und brutaler. Es klingt eher nach THE SKULL und PENTAGRAM als nach den Siebzigern.“

Den nötigen Spaß lässt die Scheibe dennoch nicht vermissen. „KRUX ist für mich ein Weg, musikalische Ideen loszuwerden und mit ein paar guten Freunden zu spielen. Alles ist ziemlich entspannt bei uns. Auf einem KRUX-Album kannst du mehr oder weniger alles ausprobieren. Wir lachen viel und niemand fühlt auch nur den geringsten Druck. Darin unterscheidet sich die Band sehr von unseren normalen Bands. Musikalisch unterscheidet sich KRUX zwar nicht allzu sehr von CANDLEMASS, aber es ist eine ungemeine Erleichterung, das ganze Planen, die Logistik und dieses Qualitätsdenken einfach einmal ausblenden zu können. Bei KRUX musst du nicht so verdammt ernsthaft sein.“

Die Entspanntheit spiegelt sich bei KRUX demnach auch in allen Bereichen wider. Allein die Musik steht im Vordergrund. Man begnügt sich absichtlich mit einem kleinen Label, verzichtet auf großartiges Design und spart mit Informationen über die Band, wo es nur geht. In Zeiten von myspace & co eine fast schon nicht mehr gekannte Bescheidenheit, die sich wohl nur Stars leisten, für die der sonstige Rummel um ihr Treiben ein notwendiges aber lästiges Übel ist. „Hinter all unseren anderen Bands steht dieser enorme Apparat und es tut verdammt gut, den hier nicht zu haben. Es gibt ein paar Fotos und eine Bio – das war’s. Kein Video, keine riesige Promo-Kampagne, keine Promo-Tour. Um ehrlich zu sein: ich liebe es!!! Auf der anderen Seite hätten wir dieses Marketing-Monster auf jeden Fall gehabt, wenn wir bei Nuclear Blast unterschrieben hätten. Aber ich muss sagen, dass es sehr angenehm ist, es auf kleiner Flamme köcheln zu lassen.“

Für eine Wiederbelebung seines Projekts ABSTRAKT ALGEBRA, das er mit Mats (vocals) betrieben hat, sieht er demnach auch keine Veranlassung. „Ich wüsste nicht, warum wir noch ein Album machen sollten. Ich hatte diese Band vor zwölf Jahren und KRUX erfüllt alle Bedürfnisse, die ich neben CANDLEMASS habe. In KRUX sind wir alle gute Freunde. Die Jungs sind super professionell in ihrer Herangehensweise und in ihrer Einstellung. Es ist großartig, mit ihnen zu arbeiten und so ziemlich das Gegenteil zur Arbeit mit Messiah, der sich im Studio und bei den Proben aufführt wie ein verzogener Achtjähriger…“

Mehr Infos über den Hintergrund der Band sind ihm dann schlussendlich auch nicht zu entlocken. „Wir sind nur gute Freunde. Als ich KRUX anfing, habe ich einfach die besten Leute angerufen, die mir einfielen – meine Kumpels.“ Und die spielen bekanntermaßen in ziemlich hochkarätigen Bands und haben entsprechend wenig Zeit, was Live-Auftritte für KRUX zu einer seltenen Angelegenheit macht. „Eine Tour würde sehr schwierig werden. Ich denke, wir müssen uns an die Wochenend-Gigs halten. Aber das ist OK. Davon wird es einige geben. Im Februar wird es noch einen Gig in Stockholm geben und am 10. März einen auf einem Boot zusammen mit BUDGIE. Ich hoffe, dass das mit dem Doom Shall Rise und dem Sweden Rock Festival klappt. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass wir ein paar Festivals in Holland und Deutschland spielen werden.“ Hoffen wir dasselbe und halten uns derweil an Leifs abschließenden Rat an die Jugend: „Be black and beautiful, haha!!“

09.12.2006

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