Mayhem
Interview mit Blasphemer zu seinem Ausstieg bei Mayhem

Interview

Mayhem

Gitarrist Rune Eriksen aka Blasphemer verlässt MAYHEM. Manch einer zeigt sich geschockt und sieht bereits das Ende von MAYHEM am Horizont, andere wiederum zeigen sich hoffnungsvoll und freuen sich auf einen erneuten Wandel MAYHEMs, aber auch auf neue, frische Taten des Saitenhexers. Wir von metal.de sind natürlich grundsätzlich interessiert und haben Rune ein paar spannende Antworten auf unsere Fragen entlockt.

Hi Rune, danke dass du dir anlässlich der aktuellen Geschehnisse Zeit für dieses Interview genommen hast. Du hast sicherlich Verständnis dafür, wenn ich einfach geradewegs frage: „Warum?“ Du hast dich entschieden, MAYHEM zu verlassen, wenn die letzten Shows absolviert worden sind. Welche Gründe gibt es für diese persönliche Entscheidung und was war letztendlich der Stein des Anstosses?

Nun, als ich dieses von Season Of Mist geforderte Statement schrieb, habe ich versucht, ein wenig Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich unmöglich alle Gründe benennen konnte, und all diese Dinge, die mich geärgert haben, in dieser kleinen Erklärung unterbringen konnte. Weißt du, da gibt es soviele Dinge, bei denen ich nicht weiß wie ich das erklären könnte, ohne dabei zu persönlich zu werden, oder gewisse Situationen in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.

Wie auch immer, ich denke mal das Wort „Veränderung“ begegnet den meisten Leuten in ihrem Leben, und genau das ist hier auch passiert. Es war an der Zeit für eine Veränderung. Ich bin ohne Abstriche sehr glücklich und stolz auf das, was ich mit der Band erreicht habe, aber ich mache das nun schon seit 14 Jahren, und hatte das Gefühl, dass ich mich im Kreis drehe. Meiner Kreativität und meinem Wohlbefinden zuliebe musste ich aus diesem Kreis ausbrechen. Es gibt einfach noch mehr im Leben, noch mehr Dinge, die man für sich entdecken kann.

Was mich letztendlich zum Umdenken bewogen hat, waren sicherlich die letzten drei bis vier Tourneen. Ich hatte Probleme mit der Sauferei, fühlte mich niedergeschlagen und habe das ganze eher aus ökonomischer Sicht betrachtet, als Herz und Seele in die Sache hineinzustecken. Aber so funktioniert das nicht. Es muß immer nah an 100% sein, und wenn man das nicht geben kann, sollte man sich das Ganze überlegen.

Was MAYHEM betrifft, so ist es relativ wenig, was man am Ende dabei rausbekommt, abgesehen von der endlos negativen Energie natürlich. Veränderung ist gefährlich für die Fundamente der Band, trotzdem habe ich diese Veränderung gebraucht. Ich glaube, meine Mitstreiter in der Band haben diesen Schritt schon seit acht bis zehn Monaten kommen sehen. Zumindest gab es Anzeichen dafür. Ich weiß nicht, wie sie damit umgehen, aber ich weiß, dass Attila enttäuscht und traurig auf die Nachricht reagiert hat… immerhin waren es er und ich, die das Biest „Ordo Ab Chao“ kreiert haben.

Zieht man sich nicht ein bißchen den Teppich unter den Füßen weg, wenn man eine Band wie MAYHEM verlässt? Ich meine, MAYHEM sind eine DER Bands, wenn es um Black Metal geht, weltweit respektiert und auch ohne Millionen auf dem Konto erfolgreich.

Du denkst also, solange ich in der größten Black-Metal-Band der Welt spiele, ist alles ok? Hehe, nein, so funktioniert das nicht, zumindest nicht für mich. Für mich ist meine Kunst unabhängig von ihrem Status. Ich brauche die Band nicht für mein Selbstvertrauen oder um mich wohlzufühlen. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich wesentlich besser ohne sie, sonst hätte ich diese Entscheidung auch kaum getroffen. Und sie ist auch wohl überlegt.
Ich denke es ist schon irgendwie lustig, wenn man sich dieses Statusstreben anschaut, und wie die Individuen darin untergehen. In dieser Gesellschaft geht es darum, jemand zu sein. Wir haben uns selbst verloren, unser Innerstes, unsere Individualität. Es geht nur um Respekt und Geld… das macht mich ein wenig traurig. Ich ermuntere die Leute lieber, stattdessen auf ihre innere Stimme zu hören, weil nur darin der Schlüssel zu echtem Glück liegt.

Wie sieht es mit deinen Plänen für die nähere Zukunft aus, nun wo du dich quasi befreit hast? Entspannen, die Freiheit genießen oder stürzt du dich bereits wieder in Arbeit? Hast du einen regulären Beruf, dem du im Alltagsleben nachgehst?

Ganz genau. Du hast es wirklich gut getroffen mit dem „Befreien“, denn genau darum geht es. Sich nicht an etwas gebunden fühlen. All die Möglichkeiten, die sich nun offenbaren. Ich werde das Leben mit all seinen Rätseln auf jeden Fall genießen. Es bleibt mehr Zeit für spirituelle Entfaltung. Aber ich bin natürlich auch mit Arbeit gut bedient, hehe.

Meine Hauptband heißt nun AVA INFERI, das bedeutet viel Arbeit und Organisation von Shows. Unser drittes Album wird im November aufgenommen, wir freuen uns schon sehr darauf. Es wird „Blood Of Bacchus“ heißen. Nach der Veröffentlichung werden wir uns hoffentlich auf eine größere Tour begeben können. Davon abgesehen arbeite ich auch an einem noch namenlosen Projekt, dazu aber erst mehr, wenn es soweit ist. Ich stehe nicht unter Druck, also nehme ich mir die Zeit, um das Bestmögliche zu erreichen.

Momentan spiele ich auch ein paar Solos für das neue AURA NOIR Album ein… wie du siehst, viel Arbeit auch ohne MAYHEM. Für diesen Sommer stehen noch die letzten vier Shows von MAYHEM an, die mit mir gebucht wurden.

Nochmal kurz zu MAYHEM: Die Gitarren waren immer ein prägnanter Bestandteil der Songs. Glaubst du, dass sich der Sound der Band nach deinem Abgang bedeutend ändern wird? Deine Handschrift wird den Songs auf jeden Fall fehlen.

Es wird sich ganz sicher ändern. Es hat sich geändert, als ich damals zur Band gestoßen bin, und mit einem neuen Gitarristen und Songwriter wird der Sound definitiv ein neues Gesicht bekommen. Ich schaue dem neuen MAYHEM-Album, wenn es irgendwann kommt, sehr gespannt entgegen, und werde einer der aufmerksamsten Hörer sein. Und sicherlich auch der schärfste Kritiker, den es zu befriedigen gilt, hehe.

Weißt du, ob es schon Pläne für einen geeigneten Ersatz gibt, oder ist es dafür einfach noch zu früh? Ich wäre nicht sehr überrascht, wenn MAYHEM im schlimmsten Fall sogar das Handtuch werfen würden.

Nun, es ist an ihnen, sich dazu zu erklären. Ich kann dazu nichts sagen. Aber ich bin mir sicher, dass sie sich die Zeit nehmen und dann mit einem Killer-Line-Up zurückkehren.

Bei AVA INFERI bist du schon seit ein paar Jahren und hast mit ihnen bereits zwei Alben veröffentlicht. Kannst du uns noch etwas mehr zu deiner neuen Hauptband erzählen?

AVA INFERI ist das Kind in meinem Herzen, und zu einem gewissen Teil steckt dort meine Philosophie drin. Die Energien die dort fließen, sind in ihrer Essenz das genaue Gegenteil von denen bei MAYHEM, was mich sehr glücklich macht. Es ist ein freier Geist, wachsend und aus mir herausquellend wie positive Lava. Absolut fantastisch, bei dieser Band mitzuspielen. Wir stecken alle unsere ganze Kraft in diese Band, und werden sehen, wo es uns hinführt, aber ich habe große Erwartungen für uns und die Botschaft, die dahinter steckt. Wie schon gesagt, steht das dritte Album und eine neue Tour vor der Tür.

Abgesehen von AURA NOIR: Wie sieht es mit anderen Bands aus, wie z.B. MEZZERSCHMITT, von denen man auch schon lange nichts mehr gehört hat.

Das neue AURA NOIR Album kommt im September, wenn ich mich nicht irre. Für drei Songs habe ich Solos eingespielt, aber bei der Musik habe ich dieses Mal nicht mitgearbeitet. Hoffentlich kann ich das wieder beim nächsten Album. MEZZERSCHMITT liegt de facto auf Eis. Ich werde drüber nachdenken müssen, was ich damit machen will. Mein bereits erwähntes Projekt nimmt langsam Formen an und wird sich an Freunde extremer Klänge richten. Aber mehr dazu wie gesagt erst, wenn die Zeit reif ist.

Das soll’s dann auch gewesen sein, vielen Dank für das Interview!

Danke für das Interesse! Es fängt gerade erst an…

16.07.2008

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