Melechesh
Interview mit Ashmedi zu "Enki"

Interview

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Fünf lange Jahre hat es gedauert, bis nun mit „Enki“ endlich der Nachfolger des abgefeierten Albums „The Epigenesis“ folgt. Mit runderneuerter Mannschaft feuern MELECHESH hiermit einen spirituell-magischen, atmosphärisch dichten und zerstörerischen mesopotamischen Metal-Sturm ab, der seinen Vorgänger sogar noch toppt. Wir sprachen mit Bandleader Ashmedi.

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Vor den Aufnahmen zu eurem neuen Album „Enki“ durchliefen MELECHESH einigen Veränderungen im Line-Up. Bitte erzähle uns aus deiner Sicht, was passiert war und welche Auswirkungen das auf das Songwriting hatte?

Das hängt davon ab, welche Veränderungen du meinst. Die Leute lieben diese Geschichten in den Medien, aber Fakt ist es, dass es in den Bands immer einen oder zwei Songwriter gibt. Aber es sieht interessant aus zu sagen, dass der Typ reinkam und der andere rausgeschmissen wurde. Es gab da einige Gelegenheiten, an welchen wir voreilig etwas verbreitet hatten, da wir von den Leuten danach gefragt wurden. Einige Leute wollen einfach in den Medien genannt werden ungeachtet ihrer musikalischen Fähigkeiten und deren Einfluss auf die Band. Das machte mich wütend, weshalb auch das Album wütender klingt – ich danke ihnen also hierfür! Was die Kompositionen anbelangt, seit dem ersten Tag bis heute hat sich nichts geändert, ich komponiere alleine die Musik.

Ihr habt als Vorbereitung für die Aufnahmen zu „Enki“ im letzten Sommer einen Monat in eurem Proberaum in Hinzweiler verbracht. Wurden die neuen Songs in dort in diesem Zeitraum geschrieben, oder waren diese bereits vorher fertig und wurden dort vielleicht noch neu arrangiert? Wie habt ihr euch für die Aufnahmen vorbereitet?

Ja, wir verbrachten dort einen Monat, aber die Musik wurde dort nicht geschrieben sondern war hauptsächlich vorher fertig. Ich schrieb die Songs und machte eine Vorproduktion. Danach hörten sich alle Bandmitglieder das Demo an und wir arbeiteten einen Monat um die Musik zu perfektionieren und zwei weitere Songs zu schreiben. Danach gingen wir ins Studio. So arbeiten wir normalerweise immer. Ich mache eine Vorproduktion inklusive Schlagzeugaufnahmen, die Band lernt die Songs und anschließend optimieren wir alles.

Danach seid ihr für die Aufnahmen nach Athen ins Grindhouse Studio zu George Bokos (ROTTING CHRIST). Weshalb hattet ihr euch entschieden, die Produktion in Griechenland zu machen? Was kannst du uns von der Produktion erzählen?

Wir wählten Athen aufgrund des mediterranen Wetters und der Umgebung. Die Atmosphäre dort erinnert mich an meine alte Heimat Jerusalem mit ihrer ähnlichen Kultur. Dort konnten wir unsere ursprüngliche Essenz einfangen. Wir haben dort viele gute Freunde und haben auch schon mit einigen griechischen Bands auf Tour gespielt. Das war sehr inspirierend. Nur die Schlagzeugaufnahmen fanden in einem anderen Studio statt. Das Album wurde dann von Jonas Kjellgren im schwedischen Black Lounge Studio gemischt und gemastert. Der Aufnahmeprozess war intensiv und stressig, das war eines der härtesten Alben das ich jemals aufgenommen habe. Wir wurden zermalmt, haha!   

Was die Schlagzeugaufnahmen anbelangt bin ich etwas verwirrt. Ich las, dass Narsam das Schlagzeug gespielt hat und dass die Aufnahmen durch Fots Benardo im Davasound Studio stattfanden. Diese sollen aber durch Lord Curse neu aufgenommen worden sein?

Wir mussten das Schlagzeug neu aufnehmen, wir hatten keine andere Wahl. Lord Curse spielt auf diesem Album strenggenommen als Studioschlagzeuger.

Ihr hattet einige bekannte Gäste. Max Cavalera (SOULFLY, CAVALERA CONSPIRACY, KILLER BE KILLED, Ex-SEPULTURA), singt in „Lost Tribes“, Sakis Tolis (ROTTING CHRIST) singt „Enki – Divine Nature Awoken“ und Rob Caggiano (VOLBEAT, Ex-ANTHRAX) lieferte ein Gitarrensolo für „The Palm, The Eye And Lapis Lazuli“. Wie kam es dazu?

Das sind alles gute Freunde von uns und sie respektieren unsere Musik. Jeder von ihnen hat etwas Einzigartiges das zu den jeweiligen Songs passte. Ich fühle mich durch ihre Teilnahme geschmeichelt und geehrt.
Max erzählte uns einmal, dass er MELECHESH liebt und uns immer unterstützt. Ich wollte auf dem Album jemanden mit dieser Art von Gesang haben. Wir beide haben viele Parallelen in unseren Leben, wir kommen beide aus ungewöhnlichen Ländern für Metalpioniere, wir haben beide einen Tribal-Vibe in unserer Musik und wir fingen mit rauem Black Thrash Metal an. Rob kenne ich seit seinen Tagen in ANTHRAX, wir wollten schon immer mal etwas gemeinsam machen. Er ist ein Killer-Gitarrist, sehr agil und aufgeschlossen. Ich wusste, dass er ein Solo spielen kann, das dem Song dient. Sakis ist ebenfalls ein alter Freund von mir. Als er mitbekam, dass wir in seiner Heimatstadt aufnehmen, rief er mich an und sagte, dass er an den Aufnahmen teilnehmen wollte. Ich hatte den richtigen Teil für ihn. Er ist ein großartiger Typ und hat eine ausgeprägte Stimme.   

Bei „Enki“ handelt es sich um einen Gott, richtig? Was kannst du uns von ihm erzählen und wie kamst du auf den Albumtitel?

Ja! Es hängt davon ab wie man Enki sieht. Er ist der Gott der Götter und der Erschaffer der Menschheit, aber wenn man es auf andere Weise betrachtet von den Anunna, Nibiru Theorie, ist er einer der wichtigsten Führer, der auf die Erde kam und die Menschheit aus göttlicher Natur erschuf. Es geht weder bei der Mythologie noch dem Album um den Kampf zwischen Gut und Böse, aber die Metapher hier ist Dualität. Die Dualität der Natur, von Genie oder Menschheit oder Natur der Urahnen. Enki erschuf die Menschheit sehr tief und spirituell, aber Enlil möchte sie zerstören, er ist sehr wütend. Beide koexsistieren auf gewisse Weise miteinander und akzeptieren sich. Und darum geht es auch auf dem Album, um Dualität, Existenzialismus, Spiritualität, die Frage nach Humanismus und Chaos. Eine kurzes, prägnantes Wort getreu unserer Bandtradition.

Was kannst du uns noch über die Texte berichten?

Die Texte sind sehr wichtig, speziell auf diesem Album sind sie meine Interpretationen von spezifischen mesopotamischen und sumerischen Aspekten und ich mische diese mit Okkultem aus dem Nahen Osten. Die Texte haben auch unterschwellig mehrfache Bedeutungen. Persönlich versuche ich sehr schwer eine normale Person zu sein. Okkultismus ist lediglich ein mentaler, spiritueller Zustand. Ich versuche, Konzepte, Ideen, Philosophien und Paradigmen zu erforschen, genauso wie ich meinen Geist und meine Spiritualität weiterentwickle.

Du warst Teil in der kanadischen Reality-TV-Sendung „The Cool Guy Files“ (2012). Was kannst du uns davon erzählen und wie kam es dazu?

Jemand der dort arbeitet kennt mich. Er rief mich an, als wir auf Tour in Nordamerika waren. In der Show werden Leute gefilmt, die interessante Karrierewege und interessante Jobs haben. Das was ich mache, in einer Band zu spielen, war für sie interessant. Sie folgten uns mit ihren Kameras, stellten uns einige Fragen, interviewten Leute. Interessante Erfahrung. Sie schienen mich für einen coolen Kerl zu halten, haha!

Die Welt scheint immer verrückter zu werden. In Frankreich gab es erst kürzlich die terroristischen Attentate, in Syrien herrscht seit Jahren Krieg, ISIS wurde zu einer ernsthaften Bedrohung im Nahen Osten, in Deutschland wurde Pegida recht groß, und die Probleme in Israel scheinen auch niemals enden zu wollen. Da du selbst aus Jerusalem stammst, aber Assyrer bist soweit ich weiß, würde mich deine Sichtweise zu diesen Themen interessieren!

Das ist richtig, ich bin Armenier und Assyrer. Mein Cousin wurde von der ISIS erschossen, andere entfernte Familienmitglieder wurden getötet. Das menschliche Leben hat je nachdem wo man lebt scheinbar einen anderen Wert, sehr enttäuschend. Ich hoffe, dass eines Tages diese Orte die Chance haben werden, sich auf ihre Kultur und Kunst konzentrieren zu können anstatt sich mit solch nutzloser Scheiße auseinandersetzen zu müssen. Jegliche Form von Radikalismus und Extremismus schlägt fehl und verliert irgendwann.

Galerie mit 12 Bildern: Melechesh - Rockharz Open Air 2013
13.02.2015

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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