Hasmik Hovhannisyan - Emissary of the Anunnaki

Review

Galerie mit 12 Bildern: Melechesh - Rockharz Open Air 2013

Ein Comic über eine Metalband?

Comics haben andere Bands auch schon auf den Markt gebracht… entweder als eigenes Comicuniversum (COHEED & CAMBRIA, anyone?) oder Promo-Gimmick (etwa SLAYER für „Repentless“). Mit „Emissary of the Anunnaki“ steht die Veröffentlichung einer Story, die mit MELECHESH keine gänzlich unbekannte Band beinhaltet, aus der noch nicht so alteingesessenen Comicsparte Metal Depot der Firma HY Pictures aus Armenien ins Haus. Das Konzept wurde von Hasmik Hovhannisyan ins Leben gerufen und von Ashmedi während der Entstehung begleitet, und als Zeichner hat man sich das Nachwuchstalent Andranik Asatryan sichern können.

Was zuallererst auffällt, ist die Qualität der Zeichnungen, die für das Comicfranchise an sich und gerade für eine relativ unbekannte armenische Firma, die nun nicht gerade in Geld schwimmt, ausgesprochen hochwertig ausgefallen sind. Sie können so etwa locker mit denen der „The Armoy Wars“-Comics mithalten oder diese sogar übertreffen.

Von den feinen Details in manchen Bildern, über Doppelseitenpanoramen bis hin zu der Farbgebung gibt es hier nicht viel zu meckern. Auch wurde Wert auf eine oberflächliche Verankerung im Realismus gelegt, sowohl was die Zeichnungen an sich als auch die Story angeht, sieht man mal vom mythologischen Überbau ab. Es sind unter anderem viele kleine Insider und liebenswerte Metaller- bzw. Musikerklischees eingefügt, sei es in Form von Gitarrentypen und Erkennung von Gleichgesinnten via Songlyrics alter 80s Hairmetal-Bands oder unschönen Geschichten wie Tourbus-Unfällen und schief gehenden Tequila-Trinkspielen.

Starke Zeichnungen, durchschnittliche Story über MELECHESH

Im Grunde ist die Story eine Synthese aus einer (teilweise sehr frei) interpretierten Version der sumerischen/mesopotamischen Mythologie, mit ihren Göttern der Unterwelt wie Nergal, Ereshkigal und Ishtar, so wie Enlil, und Enki auf der „guten“ Seite, und der (an manchen Stellen ebenfalls mit künstlerischer Freiheit ausgestatteten) Biografie der Band MELECHESH, wobei sich hier schon eher auf Ashmedi als Frontmann konzentriert wird.

In all das wird Ashmedi als Fronter von MELECHESH nach dem Finden besonderer Steine – den „Mes“ – geworfen, da diese als „Dekrete der Götter“ den Menschen übergeben wurden und dadurch die Zivilisation maßgeblich mitprägten, aber auch über das Schicksal der Götter bestimmen und dem Träger unglaubliche Macht verleihen. Da sind nun logischerweise für ihren eigenen Profit auch die Götter der Unterwelt hinterher und schicken Ishtar als Einzige, die frei zwischen den Welten reisen kann, auf die Jagd nach den „Mes“. Klingt ein wenig bei Herr der Ringe abgekupfert und nach schon mal so ähnlich irgendwo anders gesehen bzw. gelesen? Möglicherweise.

In den „Slice-of-Life“-Aspekten der Geschichte begleitet man Ashmedi von den Anfängen als Kind in Jerusalem, welches zum Metal findet, hin zur Gründung der ersten eigenen Band und geheimen Proben in einer Klosterschule, so wie den ersten Konzerten und dem anstrengenden Tourleben. Manches wird dabei durchaus autobiografisch aus dem Leben der Band und des Frontmannes gegriffen sein, anderes mit künstlerischer Freiheit dazu gedichtet. Wo die Grenze verläuft, wird dem geneigten Leser überlassen. Es gibt keinerlei Kommentar oder Einordnung seitens der Macher, die Geschichte steht für sich selbst.

Unterstützens- und kaufenswert

Kurzweilig und unterhaltsam ist die Geschichte allemal, ein literarisches Meisterwerk sollte man hier allerdings nicht erwarten. Das Ende lässt auch, ganz in der (eher unmanierlichen) Tradition heutiger Hollywoodschinken, selbstbewusst die Option auf ein Sequel stehen. Ein guter Einstiegspunkt in die sumerische Mythologie und auch vielleicht die Musik der Band für Neulinge ist der Comic jedenfalls und speziell die Qualität der Zeichnungen macht sich in der physischen Variante sicherlich noch mal extra gut.

Eine klasse Idee ist diese Symbiose aus Bandbiografie und Einführung in alte Mythologie mittels einer Action-getriebenen Geschichte ebenso und schreit eigentlich nach einer Wiederholung mit weiteren Bands und anderen Themengebieten. Allein schon zur Unterstützung der Verantwortlichen, deren Liebe, Schweiß und Herzblut man in diesem Comic erkennt, sei eine Kaufempfehlung ausgesprochen.

16.03.2019

"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." - Wau Holland -

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