Ogre
Interview zu "The Last Neanderthal"

Interview

Ogre

Besondere Freude macht mir mein Hobby immer dann, wenn ich für mich neue Perlen entdecke, von „neuen“ Bands überrascht werde. So kürzlich mit OGRE, welche mit „The Last Neanderthal“ ein tolles Album veröffentlichten, in der Schnittmenge aus ursprünglichem Doom Metal und Heavy Rock. Wobei „neu“ eben in die Irre führt, zockt das Trio aus dem US-Bundesstaat Main doch bereits seit 1999 gemeinsam unter dem Banner von OGRE. Um mehr über die Band sowie das aktuelle Album zu erfahren, führten wir folgendes Interview mit der kompletten Truppe, namentlich Schlagzeuger Will, Gitarrist Ross und Sänger Ed.

Ogre

Da viele unserer Leser OGRE wahrscheinlich bisher nicht kennen, möchte ich euch bitten, uns die Band kurz vorzustellen, sowie einen kurzen Abriss über die bisherige Geschichte sowie die Bandmitglieder.

Will: Ross und ich fingen Mitte der Neunziger an, gemeinsam in einer noisigen, experimentellen Rock Band zusammenzuspielen. Wenn die anderen damaligen Bandmitglieder eine Zigarettenpause einlegten, spielten wir beide Cover von BLACK SABBATH, DEEP PURPLE und KISS. Als sich die Band dann im Sande verlief, wussten wir beide schon ziemlich genau, in welche Richtung wir gehen wollten. Wir schalteten in einer lokalen Zeitung eine Anzeige für einen Sänger, und Ed war nicht nur die erste sondern auch die einzige Antwort die wir erhielten. Uns war gleich bei unserer ersten Bandprobe klar, dass uns eine echte Chemie miteinander verband. Wir hatten einige selbstproduzierte Aufnahmen, die gut genug im Underground liefen, so dass wir auf dem japanischen Leafhound Records Label landeten, welche unsere „Seven Hells“ und „Plague Of The Planet“ Alben veröffentlichten. Wir spielten überall im Nordosten der USA, und schafften es letzten Endes sogar auf Tour nach Japan!

Ross: Ich möchte noch hinzufügen, dass unser Line-Up seit der allerersten Probe mit Ed stabil ist, seit fast 15 Jahren: Ich spiele die Gitarre, Will das Schlagzeug, und Ed kümmert sich um Bass und Gesang. Von Anfang an ein Power-Trio.

OGRE lösten sich 2009 auf. Was waren die Gründe, dass ihr damals aufgehört hattet? Und wie seid ihr wieder zusammengekommen?

Will: Als Leafhound Records  zusammenbrachen, hatte keiner von uns die Energie, nochmals von Vorne anzufangen. Es gab keine schlechte Gefühle zwischen uns, wir hatten einfach kein Benzin mehr im Tank. Wir waren auch nach dem Auseinanderbrechen der Band noch immer gute Freunde, trafen uns immer wieder zum Jammen. Ross und ich spielten in einer Garagen-Rock-Band namens DEMENTIA FIVE, das hielt unser musikalisches Feuer am brennen. Schließlich buchten wir eine OGRE Reunionsshow, und als wir anfingen dafür zu proben, war die Chemie zwischen uns immer noch da und wir kamen auf viele neue Ideen. Wir schrieben damals „Nine Princes In Amber“ und spielten das Stück auch während dieser Show. Wir entschieden uns danach dazu, weiterzumachen und an neuen Aufnahmen zu arbeiten. Kurz darauf erschienen die großartigen Minotauro Records auf der Bildfläche, und wir waren wieder im Rennen!

Ross: Berücksichtigt man, dass Will und ich auch nach der Auflösung von OGRE weiter zusammen Musik machten, glaube ich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Band wieder zusammenkommt. Wir hatten das nicht geplant, aber es fügte sich alles nach der Show wieder zusammen. Wir haben in dieser Band alles immer organisch passieren lassen, wenn es sich gut anfühlt, machen wir es. 

Ed: Als die beiden anderen in DEMENTIA FIVE waren, spielte ich in einer Coverband, die alte Oldies spielte, etwas völlig anderes. Es dauerte nicht sehr lange, bis ich davon genug hatte!

Euer Stil ist sehr stark vom traditionellen Doom Metal als auch vom klassischen Hard Rock der Siebziger beeinflusst. Was sind eure Lieblingsbands, die euch hier inspiriert haben?

Ross: Jeder, der unsere Musik hört, kann ziemlich genau die Einflüsse rausfinden, da wir nicht davor zurückschrecken, diese zu zeigen. Natürlich BLACK SABBATH, RUSH, DEEP PURPLE, PENTAGRAM, SAINT VITUS, CIRITH UNGOL, AC/DC, BUDGIE, SIR LORD BALTIMORE, DUST, CACTUS, BUFFALO, TOAD, die Liste geht immer weiter.

Ich habe gelesen, dass eure Texte von Science Fiction und Fantasy Literatur beeinflusst sind. Wovon handeln eure Texte auf dem neuen Album „The Last Neanderthal“?

Ed: Die handeln von allen möglichen Dingen. „Nine Princes In Amber“ ist vom gleichnamigen Roman von Roger Zelazny inspiriert, es handelt sich hierbei um direkte Science Fiction bzw. Fantasy. „Son Of Sisyphus“ beinhaltet, wie sich Arbeit für mich anfühlt. „Warpath“ handelt von einer Indianerschlacht, die in Wills Heimatstadt stattfand, und „The Hermit“ wurde von diesem Typen inspiriert, welchen sie ca. 60 Meilen nördlich von uns gefunden haben. Er lebt seit 27 Jahren alleine in den Wäldern, seit er die High School verlassen hatte, und er sprach in der ganzen Zeit lediglich mit einer Person. Ich hatte mich gewundert, wie das sein würde.

Ich muss gestehen, dass euer neues Album auch gleichzeitig mein erster Kontakt mit OGRE war. Da ich eure anderen Alben nicht kenne, könnt ihr mir bitte beschreiben, worin ihr selbst die Unterschiede zwischen „The Last Neanderthal“ und euren vorherigen Arbeiten seht?

Will: Sie sind sich ziemlich ähnlich, aber ich denke die Performance und das Songwriting sind auf „The Last Neanderthal“ etwas mehr verfeinert. Unser Album „Plague Of The Planet“ ist ein Science Fiction Konzeptalbum, welches Charakteure und Konzete von unseren ersten beiden Alben „Dawn Of The Proto-Man“ und „Seven Hells“ verwendet. Wenn du dich also mit unserer Vergangenheit beschäftigen möchtest, könnte dies ein guter Anfang sein. Das Album ist noch immer über Shadow Kingdom Records erhältlich. „The Last Neanderthal“ steht lyrisch etwas mehr für sich selbst.

Ross: Ein guter Freund von mir erzählte mir, warum ihm „The Last Neanderthal“ so sehr gefällt. Für ihn vereinigt es alle Stile der früheren OGRE Alben auf einem Album. Unser erstes Werk „Dawn Of The Proto-Man“ ist wahrscheinlich unser direktestes Siebziger-Jahre-Rock-Album. Unser zweites, „Seven Hells“, ist heavier und dunkler, mit starker ausgeprägten Doom-Elementen. Wie Will schon sagte, ist „Plague Of The Planet“ ein 37minütiges Konzeptalbum mit einem Stück, also waren hier mehr Prog Einflüsse, speziell RUSH. „The Last Neanderthal“ enthält all diese Elemente und mehr, also ist das eine gute Weiterentwicklung von unserem Sound, ohne dass wir zu sehr von dem wegkommen, was wir in der Vergangenheit gemacht haben.

Wie sind die bisherigen Reaktionen zu „The Last Neanderthal“?

Will:  Nicht schlecht! Ich denke, dass den Leuten, welchen OGRE gefällt, es wirklich mögen, und wir scheinen auch neue Fans zu gewinnen. Minotauro Records machen einen fantastischen Job, das Album zu promoten. Wir sind wirklich dankbar und glücklich darüber, mit ihnen zusammenzuarbeiten!

In welchem Zeitraum wurden die Songs geschrieben? Und wie schreibt ihr überhaupt neue Songs?

Ross: Mit wenigen Ausnahmen kamen die Songs für dieses Album sehr schnell. Will sprach bereits über „Nine Princes In Amber“, welches wir für die erste Reunionsshow geschrieben hatten. „Bad Trip“ baisert auf einem Riff, an welchem wir arbeiteten, als wir „Plague Of The Planet“ fertigstellten, bevor wir uns auflösten. Will und mir gefällt das Riff richtig gut, also haben wir es wieder mitgebracht, als wir am neuen Album arbeiteten. Die anderen Songs entstanden in verschiedenen Proben. Wir setzten uns nur selten zusammen, um bewusst einen neuen Song zu schreiben. Normalerweise kommt von mir ein Riff, und wir jammen daran rum, lassen das Stück sich selbst entwickeln, oder wir schauen einfach, wohin uns die Probe führt. „Son Of Sisyphus“ war der letzte Song, den wir für das Album geschrieben hatten. Ich glaube, Ed hat noch an den Texten geschrieben an dem Tag, als wir ihn aufgenommen hatten!

Was ist die Bedeutung und die Inspiration hinter eurem Bandnamen OGRE, dem Oger?

Will: Unser Band nach einem großen, hässlichen Monster zu nennen schien damals mit der Musik, die wir zu Anfang spielten, Sinn zu machen.

Ed: Außerdem haben wir unsere Band so genannt, bevor die ganzen dummen „Shrek“ Filme rauskamen.

Wie bereits gesagt habt ihr „The Last Neanderthal“ über Minotauro Records veröffentlicht. Wie kam der Kontakt mit ihnen zustande, und wie läuft die Zusammenarbeit?

Will: Wir trafen einen Typen namens Glenn Wrigley auf einem unserer Konzerte in Boston. Er war ein großer Fan der Band, und wir wurden danach gute Freunde. Glenn wurde schließlich der US Repräsentant für Minotauro Records, und als wir schließlich bekanntgaben, dass wir weitermachen würden, drängelte uns Glenn richtig, und wir sind superglücklich, dass er das getan hat. Es ist mit beiden, Marco und ihm eine große Freude zusammenzuarbeiten.

Besteht die Chance, euch irgendwann mal Live in Deutschland zu sehen?

Will: Absolut! Wir versuchen gerade, eine Europatournee zusammenzustellen. Ich bin ein Berliner! (Tatsächlich in Deutsch, Anmerk. d. Verf.)

Ross: Seit der Zeit als „Seven Hells“ veröffentlicht wurde, haben wir sehr viel positives Feedback von unseren Fans in Deutschland erhalten, und viele davon haben uns immer wieder gefragt, wann wir nach Europa kommen, speziell unser Freund Reverend Oddy von TORTURED SPIRIT! Ich hoffe wirklich, dass wir das in nächster Zukunft hinbekommen.

Was habt ihr sonst noch mit OGRE in nächster Zeit geplant?

Will: Wir versuchen jetzt erst einmal, die Europatour hinzukriegen. In Kürze werden wir einen Bonussong für die Vinylversion von „The Last Neanderthal“ aufnehmen. Wir spielen auch auf dem „Eyes Of The Stoned Goat“ Festival in Worcester, England, mit den wiedervereinigten SIXTY WATT SHAMAN, BEELZEFUZZ, KINGS DESTROY und tonnenweise anderer großartiger Bands am Wochenende zwischen dem 3. und 4. Mai.

01.04.2014

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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