Sacred Steel
Ein zeitaufwändiges Hobby

Interview

SACRED STEEL haben sich und ihren Fans mit „Heavy Metal Sacrifice“ ein verdammt geiles Geschenk zum 20-jährigen Jubiläum gemacht. Frontmann Gerrit verriet uns im Interview, wie die Band so lange durchgehalten hat und ob die Welt auch noch das 40-jährige Bestehen von SACRED STEEL erleben wird.

Hey Gerrit, eure neue Platte trägt den Titel „Heavy Metal Sacrifice“. Was genau wird denn dem Metal geopfert?

Gerrit: Hey, nun ja, wenn man dem Cover Glauben schenken darf, dann wird wohl irgendein Ex-Poser mit Frisurproblemen den Göttern des Metals geopfert. Es kann aber auch gut sein, dass sich 5 nicht näher genannte Headbanger einfach ’nen coolen Metal-lastigen Titel aus den Rippen leiern wollten, der unmissverständlich klar macht: DIES ist ein HEAVY METAL Album! Nicht kaufen, sofern eine Abneigung gegen diese Form der Subkultur oder Bands wie Sacred Steel im Speziellen vorliegen sollte!

Ihr bedient gnadenlos jedes Metal-Klischee, ohne dabei das nötige Augenzwinkern zu vergessen, damit es nicht lächerlich wird.

Gerrit: Na ja…Ich finde es generell komisch, dass man sich im kompletten Metal-Kosmos anscheinend ausschließlich dafür rechtfertigen muss, richtigen traditionellen Scheuklappen-Metal zu fabrizieren. Ich kann mich nicht erinnern, dass die dämlichsten Pseudo-Black-Metal-Nasen mit Pseudonymen die die Sau grausen und mit Albentiteln die zwar Intellektualität vorgaukeln, aber Dünnpfiff enthalten, oder Death Metaller (deren Alben sich ja auch generell um Death, Death oder sogar…Death! drehen) JEMALS dafür rechtfertigen mussten, warum sie für Ihr Genre typische „Klischees“ verwenden!!  Ja, Teufel-noch-eins, was zur Hölle sind denn Klischees außer liebgewonnene Bestandteile eines Mikrokosmos in einem Mikrokosmos! Ja, wir bedienen jedes Klischee, und zwar mit Anlauf. Uns ist das aber weder peinlich, noch ist das generell augenzwinkernd gemeint noch finden wir es in irgendeiner Form lächerlich. Es ist einfach Metal wie er sein soll und sein muss. Wenn niemand mehr diese „Klischees“ bedienen würde gäbe es irgendwann nur noch Post-Shoegaze-Studenten-Metal. Und wer will das ernsthaft…Humor haben wir aber natürlich trotzdem .

War der Humor von Anfang an essentieller Bestandteil von SACRED STEEL oder hat sich das erst mit der Zeit entwickelt?

Gerrit: Ehrlich gesagt habe zumindest ich Mitte der Neunziger überhaupt keinen Humor an den Tag legen können, sobald es um Heavy Metal ging. Immerhin war die komplette Szene damals am Arsch und es war extrem nötig quasi mit dem Kopf durch die Wand ´ne Band wie Sacred Steel zu gründen um ein Statement gegen die Verwässerung der Szene und gegen das Vergessen unserer Helden zu setzen. Mit der Zeit und dem Erstarken  der Szene und dem gewachsenen Zusammenhalt weltweit können wir es aber nun auch wagen mal das ein oder andere Späßchen zu machen. Auch akustisch.

Am 15. Oktober steigt das „20 Jahre Sacred Steel Festival“ mit TANKARD, STALLION, SEPTAGON und der TRAGEDY DIVINE-Reunion. Wieso habt ihr diese Bands für das Festival ausgewählt?

Gerrit: Oh, da gibt es mehrere Gründe:

  1. Tankard: waren 2004 schon unser Party-Headliner und sind alte Freunde. Winning teams soll man ja nicht ändern.
  2. Stallion: sind die „jungen Wilden“ bei uns aus der Ecke. Ebenfalls Freunde und sackstarke Live-Band.
  3. Septagon: sind die „wilden Alten“ bei uns fast aus der Ecke. Auch Freunde und top Liveband.
  4. Tragedy Divine: nach 20 Jahren war es einfach mal an der Zeit das alte Kriegsbeil ein für allemal auch offiziell und live zu beerdigen und nochmal kurz gemeinsam ’ne Bühne zu entern. Die proben machen schon sehr viel Spaß!

Habt ihr noch weitere Pläne, um euer Jubiläum zu feiern?

Gerrit: Nein. Die Show jetzt am Samstag muss erst mal langen. Danach folgen nur die üblichen Wochenendgigs.

Eure erste Platte „Reborn In Steel“ hat letztes Jahr eine Wiederveröffentlichung erfahren.

Gerrit: Stimmt, war ein absolut wertiger Re-Release. Mit Bonus CD und sehr persönlichen Liner-Notes meinerseits.

Wenn du an das Erscheinen das Albums zurückdenkst, was kommt dir als erstes in den Sinn?

Gerrit: Die Tatsache, dass ich damals unfassbar stolz auf das Album war und Kritik daran schlicht wüst zurück gewiesen habe! Obwohl rückblickend der Gesang schon sehr mutig war.

Und was bedeutet dir die Platte heute?

Gerrit: Hmm. Ich verbinde ganz viele schlechte Erinnerungen mit der Zeit damals, allerdings auch ´ne Menge gute. Hält sich wohl so die Waage. Ich denke, das Album ist in allen Belangen einzigartig und so nie mehr reproduzierbar. Mit allen Stärken und Schwächen ein absolut kompromissloses Debüt-Album seiner Zeit. Für mich ist es vom Gesang her unsere schwächste Platte, da aber sehr viele Leute genau dieses krasse Gejaule mögen, sag‘ ich mal besser sonst nix mehr dazu, hehe. Ich hab‘ aber meinen Frieden damit geschlossen.

SACRED STEEL ist seit 20 Jahren ein verdammt zeitaufwändiges Hobby für euch. Wie habt ihr es geschafft die Band trotz eurer regulären Jobs so lange am Leben zu erhalten?

Gerrit: Gute Frage! Es war ein totaler Höllenritt! Ich denke, das wichtigste war, dass wir uns gegenseitig trotz oftmaliger Gründe nicht an die Gurgel gegangen sind und Unstimmigkeiten immer irgendwie beseitigt haben. Ohne Freundschaft kann man so ein Non-Profit-Ding gar nicht durchziehen. Und ohne Spaß gleich gar nicht.

Gab es jemals einen Moment, wo ihr daran gedacht habt, die Band hinzuschmeißen?

Gerrit: 2004 waren wir mal kurz davor als unsere beiden Gitarristen mehr Bock auf Death Metal hatten. Gut, dass Matze und Jens mich aber positiv anschubsten und ich dann doch noch dabei geblieben bin. So haben wir dann die 2 Jungs ersetzt und weitergemacht.

Und wie sieht die Zukunft für SACRED STEEL aus?

Gerrit: Ja herrjemineeee…keine Ahnung! Hätte ich ’ne Kristallkugel würde ich sie meistbietend versteigern, aber nicht ‚rein gucken.  Ich hoffe auf noch ein paar Alben und vielleicht einen Ticken mehr Erfolg und Anerkennung. Aber das kann man ja nicht einfordern, nur erhoffen.

Wird die Welt auch noch das vierzigjährige Jubiläum erleben?

Gerrit: Da bin ich skeptisch. Immerhin wäre ich ja dann schon 66. Glaube nicht, dass ich in dem Alter noch den Schwertschwinger und Metaljodler geben will. Irgendwann muss auch mal gut sein. Rente und Tee trinken.

12.10.2016

"Irgendeiner wartet immer."

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