Saltatio Mortis
Interview mit Lasterbalk zum neuen Album "Das Schwarze Einmaleins"

Interview

Saltatio Mortis

Mit der politisch hochbrisanten Single „Wachstum über alles“ sorgten SALTATIO MORTIS bereits für Furore. Dass die badischen Mittelalter-Rocker darin die deutsche Nationalhymne zitieren, rief mancherorts eher gemischt Gefühle hervor. Dabei ist das Stück musikalisch – wie das gesamte Album – über jeden Zweifel erhaben und dürfte den Rang der Band als eine der wichtigsten Mittelalter-Rock-Formationen des Landes festschreiben. Grund genug für uns also, Trommler Lasterbalk mit einigen Fragen zu löchern.

Saltatio Mortis

Mit „Das Schwarze Einmaleins“ erscheint in diesen Tagen bereits das neunte SALTATIO-MORTIS-Album in dreizehn Jahren – eine durchaus beachtliche Frequenz! Schleicht sich da nicht zwangsläufig eine gewisse Routine ein? Wie schafft ihr es trotzdem, die Sache für euch spannend zu halten und immernoch so frisch zu klingen?

Nein, nicht zwangsläufig. Jedes Album ist anders, jedes Mal haben wir was dazugelernt und wir verändern uns ja alle auch persönlich. Da ist genug Dynamik im Spiel, dass es nicht langweilig wird. Warum wir immer noch frisch klingen? Wir lieben was wir tun und wir tun es weil und wie wir es wollen. Ich fürchte, das ist schon das ganze Geheimnis…

 

Was unterscheidet „Das Schwarze Einmaleins“ von euren vorherigen Alben? Oder anders ausgedrückt: Warum lohnt sich der Kauf der Scheibe für den Fan, der bereits all eure Alben im Schrank stehen hat und warum muss auch derjenige zugreifen, den eure Musik bisher nicht überzeugen konnte?

Weil es ganz schlicht und einfach geile Musik ist? Tolle Songs die Herz, Kopf und das Tanzbein gleichermaßen fordern – was will man mehr?

 

Im Opener „Früher war alles besser“ richtet ihr euch ironisch gegen die nostalgische Verklärung der Vergangenheit. Gerade aus dem Munde einer Mittelalter-Band wirkt ein solch deutliches Statement zunächst überraschend. Kann man sich in eurem Genre – insbesondere wenn man sich auch in der Markt-Szene bewegt – überhaupt davon frei machen, die Vergangenheit zu romantisieren und dadurch ebenfalls nostalgisch zu überhöhen?

Ich würde ja sagen: Gerade dann! Wo, wenn nicht auf einem Markt wird einem bewusster, dass früher eben nicht alles besser war. Glaub mir, keiner, der sich ein bißchen damit beschäftigt, möchte zurück ins Mittelalter – da nehmen wir allesamt doch lieber die angenehme Variante in rosarot und mit Rückfahrschein…

 

Für eure Single-Auskopplung „Wachstum über alles“ habt ihr den Song von euren Kollegen OMNIA, SUBWAY TO SALLY und DAS NIVEAU auf ihre jeweils eigene Weise neu interpretieren lassen. Musstet ihr viel Überzeugungsarbeit leisten, um diese drei für eure Sache zu gewinnen?

Nö, die drei Bands waren sofort mit dabei. Das freut mich auch persönlich ganz besonders.

 

 

Mit dem Song habt ihr einiges an Aufmerksamkeit erregt. Dass ihr darin unsere Nationalhymne zitiert, dürfte sicherlich auch innerhalb der Band eine umstrittene Entscheidung gewesen sein. Warum war es euch letztlich wichtig, den Song auf diese Weise in Szene zu setzen?

Naja, wenn man sowas anpackt, dann auch richtig. Der Song entwickelt seinen beißenden Sarkasmus ja auch und gerade wegen des Rückgriffs auf die Hymne. Ich persönlich finde es wichtig mit dem Zitat auch ganz klar zu sagen: „Nein, nicht nur in China und den USA ist es schlimm! Auch hier direkt bei uns vor der Haustüre huldigen wir bedingungslos dem Wachstumsdogma, ohne zu erkennen wie endlich und gefährlich dieser Weg ist.“

 

Zusammen mit dem Song habt ihr auf der SALTATIO-MORTIS-Homepage einen offenen Brief veröffentlicht, in dem ihr eure Motivation für das Stück darlegt. Obwohl ich sicherlich nicht der einzige bin, der euch dabei hundertprozentig zustimmen kann, habe ich den Eindruck, dass die meisten Menschen die Hoffnung auf Veränderungen längst aufgegeben und innerlich resigniert haben. Was möchtet ihr diesen Menschen als konkreten Ratschlag mit auf den Weg geben, um ihnen Mut zu machen?

Wer aufgibt hat schon verloren! Leider unterschätzen so viele Menschen ihre Macht! Wenn jeder bei der Wahl, auf der Strasse, im Alltag anfängt mitzudenken, sich einzubringen und den Mund aufzumachen, dann wird sich schneller etwas ändern als jeder glaubt! Passivität und Verdummung durchs Fernsehen sind das eigentliche Problem. Ich treffe Leute die haben schon längst aufgegeben, denen ist es wirklich egal wie es weiter geht. Das ist furchtbar und es ist alarmierend. Letztlich können unsere Politiker ihr Spiel nur so weit und so lange treiben, wie wir sie gewähren lassen! Wer hat sich denn schon mal mit seinem Abgeordneten auseinander gesetzt? Wer hat ihm mal die Meinung gesagt? Wer war eigentlich wählen und hat sich auch informiert? Wer nimmt es in Kauf eine politische Diskussion zu führen, auch wenn ein schöner Abend dadurch plötzlich ernst wird? Im Maulen sind wir alle ganz groß, im Tun allerdings…

 

In diesem Jahr stehen wieder einmal Bundestagswahlen an. Habt ihr euch schon entschieden, wem ihr dabei eure Stimme geben wollt? Oder haltet ihr von den zur Wahl stehenden Parteien überhaupt keine für wählbar? Welche Wahlkampf-Themen haltet ihr für die wichtigsten?

Wir wollen und werden uns ganz bestimmt nicht von einer Partei vor den jeweiligen Karren spannen lassen! Es geht uns ja nicht darum unseren Fans zu sagen was sie wählen sollen, sondern jedem klar zu machen, dass seine Stimme zählt und er oder sie sich bitte Gedanken dazu machen und wählen gehen soll! Welche Themen mir wichtig sind? Ich will endlich wieder tatsächliche soziale Gerechtigkeit in diesem Land. Dazu gehört natürlich viel. Stichwörter sind Mindestlöhne und dazu passend Obergrenzen (!), Steuersätze und die Umsetzung davon (!), Banken- und Geldpolitik, Energiewende und Umweltpolitik, unser furchtbarer Umgang mit unseren europäischen Partnern – um nur einige zu nennen.

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Genug von Politik – immerhin habt ihr auf dem Album auch wieder genügend Lieder, die eher märchenhaft-mystische oder romantische Motive aufgreifen. Mein persönliches Album-Highlight ist wohl „Satans Fall“ geworden, bei dem mir der druckvolle Gitarrensound besonders gut gefällt. Folgt der Text hier streng der christlichen Mythologie?

Das kommt immer darauf an welche Quellen du heranziehst. 😉 Wie immer geht es um eine Geschichte und im Falle eines Songtextes auch noch um die Interpretation einer Geschichte. Das ist selbstverständlich subjektiv und schon alleine durch die erste Person muss es auch subjektiv sein…

 

Bei „IX“ spielt ihr mit der Magie der Zahlen herum. Warum ist für euch gerade die Neun so besonders? Weil ihr die Sieben mit der „Heptessenz“ schon vor zehn Jahren abgehakt habt?

Wie du schon selbst schriebst – es ist das neunte Album. 😉

 

Einer meiner Kollegen wollte eurer Single bereits den Titel des „hässlichsten Mittelalterrock-Covers 2013“ verleihen. Ich muss hier vehement widersprechen und finde das Artwork sowohl der Single als auch des Albums fantastisch. Wie seid ihr auf den Künstler Matt Dixon gekommen?

Der Kontakt geht auf den Herrn von Mümmelstein (Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein, u.a. Drehleier- und Dudelsack-Spieler von SALTATIO MORTIS – Anm. d. Red.) zurück. Letztlich liegt wie immer die Schönheit im Auge des Betrachters. Ich persönlich finde es aber sehr schick, wenn eine solch ernste Thematik durch ein Comic-Motiv etwas aufgelockert wird – außerdem wollten wir schon immer mal in einem Comic mitspielen. 😉

 

Matt Dixon hat euch auf den Bildern in altertümlich anmutende Steampunk-Kostüme gesteckt, die Zeichnung sind hingegen im sehr modernen Comic-Look gehalten. Symbolisiert das Vergangenheit und Moderne, die sich auch in eurem Sound wiederspiegeln?

Das kann man so sehen…

Saltatio Mortis

Beim diesjährigen „Rock am Härtsfeldsee“ hat sich euer Dudelsack-Spieler Luzi Das L ziemlich übel das Knie verdreht, die Show aber tapfer zu Ende gespielt. Was genau ist ihm da denn passiert? Und ist er inzwischen wieder vollständig genesen?

Ihm ist bei einer Drehung die Kniescheibe rausgesprungen. Dann hat „Rambo“ Das L kurz die Zähne zusammen gebissen, sich die Scheibe wieder dorthin geschoben wo sie hingehört und weiter gespielt. Inzwischen gehts ihm aber wieder gut.

 

Bei den bevorstehenden Festival-Shows werdet ihr sicherlich bereits „Wachstum über alles“ im Gepäck haben. Was ist mit dem restlichen „Das Schwarze Einmaleins“-Material? Hebt ihr euch das noch für die Hallentour im Herbst auf? Worauf können wir uns sonst noch bei der Tour freuen?

Natürlich spielen wir wie immer auf der Tour eine gute Mischung aus alten und neuen Songs. Die meisten Lieder der CD werden wir auch erst auf der Tour spielen. Bisher haben wir live „Früher war alles besser“, „Wachstum über alles“, „Galgenballade“, „Schloss Duiwisib“ und die „Spielmannskrone“ gespielt. Die letzten drei akustisch.

 

Das wäre es von meiner Seite. Möchtet ihr unseren Lesern zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?

Klar! Wir hoffen, dass ihr dem „IXI“ eine Chance gebt; wir hoffen sehr, dass es euch gefällt und wir freuen uns auf die Tour, die ihr hoffentlich besuchen werdet!

 

„Das Schwarze IXI Tour 2013“

31.10.2013 – Berlin, Kesselhaus
01.11.2013 – Dresden, Alter Schlachthof
02.11.2013 – Würzburg, Posthalle
07.11.2013 – Köln, Live Music Hall
08.11.2013 – Kaiserslautern, Kammgarn
09.11.2013 – Pratteln, Z7
14.11.2013 – Wilhelmshaven, Pumpwerk
15.11.2013 – Hannover, Capitol
16.11.2013 – Hamburg, Große Freiheit 36
21.11.2013 – München, Backstage
22.11.2013 – Stuttgart, LKA Longhorn
23.11.2013 – Bochum, Ruhr Congress

Galerie mit 22 Bildern: Saltatio Mortis - Brot und Spiele Tour 2018 in Wiesbaden
08.08.2013

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