Skálmöld
Interview mit Björgvin Sigurðsson zum neuen Album "Börn Loka"

Interview

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Pagan-Metal-Standard? Von wegen! Wer sich die Mühe macht, genauer hinzuhören, der entdeckt schnell, dass SKÁLMÖLD ihre ganz eigene originelle Note in das von schunkeligen Humppa-Melodien dominierte Genre tragen. Und weil die Isländer mit „Börn Loka“ unlängst einen formidablen Silber-Zweitling unters Volk gebracht haben, nutzten wir die Gelegenheit, unsere spärlichen Volkshochschul-Kenntnisse auszupacken und Frontmann Björgvin Sigurðsson standesgemäß in seiner Landessprache zu begrüßen. Im Interview sprachen wir anschließend über das von der nordischen Mythologie inspirierte Albumkonzept, die Besonderheiten der isländischen Metal-Szene und vergangene wie zukünftige Vorstöße ins metallische Herz Europas.

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Góðan daginn! Hvað segir þú gott? („Hallo, wie geht’s dir?“ – Anm. d. Red.) Das war’s dann leider auch schon mit meinen derzeitigen Isländisch-Kenntnissen, so dass wir den Rest des Interviews leider auf Englisch machen müssen. 😉

Na gut. Dabei war das für den Anfang doch schon richtig gut. Við gerum þetta á íslensku næst. 🙂 („Beim nächsten Mal machen wir das auf Isländisch.“ – Anm. d. Red.)

 

Ihr habt gerade euer zweites Album „Börn Loka“ veröffentlicht. Wie zufrieden seid ihr mit der Scheibe und was habt ihr dieses Mal in deinen Augen besser gemacht als auf „Baldur“?

Glücklicherweise können wir sehr zufrieden mit dem Album sein. Unser erstes Album kam schon ziemlich gut an, es hat uns einen Plattenvertrag beschert und uns einige Tourneen und Shows in neuen Ländern ermöglicht, was für uns eine ziemlich erfreuliche Überraschung darstellte. Es kam auch außergewöhnlich gut hier in Island an. Daher haben wir während der Arbeiten an unserem neuen Album einen gewissen Druck gespürt. Aber wir gehören zu den Leuten, die sich selbst ständig weiterentwickeln wollen, als Musiker, als Songschreiber und als Performer. Das half uns dabei, unsere Spielweise weiter zu verbessern und wir sind wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. Und hoffentlich sind es unsere Fans auch.

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Jedes Lied auf „Börn Loka“ trägt den Namen einer Figur aus der nordischen Mythologie. Muss man also die Edda studiert haben, um verstehen zu können, worum es auf dem Album geht?

Du hast zwar recht, was die Benennung der Songs angeht, dennoch muss man keinen passenden Universitätsabschluss haben, um das Konzept zu verstehen. Wie beim letzten Mal findet sich die gesamte Geschichte auch wieder auf Englisch im Booklet abgedruckt. Dadurch sollten auch Ausländer in der Lage sein, die Geschichte zu verstehen, obwohl alle Texte in Isländisch verfasst sind – sofern sie sich „Börn Loka“ als physischen Tonträger kaufen.

 

Du hast gerade schon erwähnt, dass es sich bei „Börn Loka“ um ein Konzeptalbum handelt. Kannst du uns eine kurze Zusammenfassung der Handlung geben?

Kurz gesagt handelt dieses Album von den Geschwistern Hilmar und Brynhildur, Waisen, die seit ihrer Geburt ohne ein Zuhause oder irgendwelche Besitztümer herumgezogen sind und einfach nur versucht haben, jeden Tag aufs Neue zu überleben. Eines Nachts kommt Óðinn persönlich zu Hilmar und stellt ihm die Aufgabe, drei von Lokis Kindern zu bekämpfen, die auf freiem Fuß sind und nichts gutes im Schilde führen. Aber die ganze Sache hat ihren Preis, egal ob Hilmar erfolgreich ist oder nicht. Wenn er versagt, muss er sterben. Wenn er Erfolg hat, haben sich Brynhildur und er ein gutes, lebenswertes Leben und einen Platz in Valhalla verdient. Aber auch der Sieg hat seinen Preis – Hilmar wird seinen wertvollsten Besitz verlieren. Wir folgen Hilmar also auf dieser epischen Reise, auf der er allen Kindern Lokis begegnet.

 

Verglichen mit eurem Debütalbum, gibt es auf „Börn Loka“ mehr Orchester- und Chor-Passagen und ich empfand auch die Atmosphäre als dichter. Hat sich das so ergeben, weil die Geschichte diese Art von Musik verlangte, oder habt ihr zuerst die Musik geschrieben und dann nach einer Geschichte gesucht, die dazu passte?

Wir hatten das Konzept schon weitestgehend ausgearbeitet, bevor wir mit dem Songwriting begannen. Wir teilten die Handlung in zehn Kapitel auf und wussten im Vorfeld bereits, worum es in den einzelnen Songs ging. Schon bei „Baldur“ haben wir das genauso gemacht. Es ist dann eine Art „Drag And Drop“-Arbeitsweise, wenn man versucht die richtige Atmosphäre mit der Struktur und den Riffs auszudrücken, damit sie bestmöglich zur Geschichte passen. Und was die Chor-Passagen angeht… wir waren bei „Baldur“ sehr glücklich mit diesem Element und wollten versuchen, es auf „Börn Loka“ noch häufiger zum Einsatz zu bringen. Deswegen beinhaltet das Album nun meiner Meinung nach einige der bislang besten Chor-Parts in unserer kurzen Karriere.

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Obwohl einige meiner Kollegen von anderen Magazinen hier in Deutschland eure Musik gewissermaßen als „austauschbaren Standard-Pagan-Metal“ bezeichnen, finde ich, dass ihr ein paar absolut einzigartige Elemente in eurem Sound habt. Ich kann das nicht wirklich beschreiben, aber es scheint so eine Art Geheimzutat zu geben, die jede mir bekannte isländische Band, so faszinierend macht. Inwiefern beeinflusst da eure Heimat eure Arbeit als Künstler?

Das kann ich dir ehrlich gesagt nicht beantworten, wirklich nicht. Aber ich kann gewissermaßen erkennen, worauf die Leute hinauswollen, wenn sie sagen, dass etwas „isländisch“ klingt. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass die Musikszene im Vergleich mit anderen Ländern so extrem klein ist. Dadurch neigen viele Musiker dazu, sich bei den verschiedensten Projekten einzubringen und die verschiedensten Arten von Musik zu machen. Vielleicht spiegelt sich das auch in der Musik von SKÁLMÖLD wider. Wir haben schon in vielen Bands gespielt, von Folk bis Death Metal, von Pop bis Klassik, und alles, was dazwischen liegt.

 

Welche anderen isländischen Bands denkst du würden mehr Aufmerksamkeit auf dem europäischen Kontinent verdienen?

Vermutlich kennen die meisten eurer Leser SÓLSTAFIR schon, die wohl die bekannteste isländische Metal-Band sind. Aber ich würde euch – um nur ein paar zu nennen – ATRUM, ANGIST und BENEATH empfehlen. ATRUM spielen angeschwärzten Death Metal, ANGIST sind eher eine Old-School-Death-Metal-Band und BENEATH eine extreme Death-Metal-Band. Alle drei Bands sind wirklich gut und haben in den letzten Jahren einige fantastische Sachen gemacht. Aber letztlich ist das immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Einige meiner Bandkollegen würden vermutlich ganz andere Bands empfehlen.

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Ihr habt diesen Sommer auf dem „Party.San“ gespielt. Wie war das für euch und welchen Eindruck hattet ihr von den deutschen Fans?

Es war wirklich fantastisch, auf dem „Party.San“ zu spielen. Immerhin durften wir dort auch die Bühne mit IMMORTAL teilen. Aber es ist ohnehin immer großartig, in Deutschland zu spielen. Die deutschen Metalheads sind einfach gigantisch. Das Herz des Metal in Europa liegt in Detuschland, deshalb ist es immer toll, dort zu spielen. Es braucht schon etwas ganz besonderes, um diese Erfahrung zu toppen.

 

Wie sehen eure Pläne für die nähere Zukunft aus? Wann können wir damit rechnen, euch wieder live hier in Deutschland zu sehen?

Wir hoffen, dass wir das Album wie die Verrückten im nächsten Jahr promoten können. Wir haben bereits mit den Planungen für eine Europa-Tour begonnen, um die neue Scheibe zu bewerben. Und dann gibt es noch die fette Festival-Saison in Europa, von der wir ebenfalls gerne ein größtmöglicher Teil wären. Wie ich bereits sagte, ist Deutschland ja das Herz des Metals in Europa, so dass wir 2013 definitiv auch für einige Shows zu euch kommen werden.

 

Gibt es sonst noch etwas, was du den Leuten hier in Deutschland mitteilen möchtest?

Ich denke, das passt soweit. Ich hoffe einfach, dass wir möglichst viele von euch bei unseren Shows im nächsten Jahr sehen werden. Die werden ein echter Knaller, das verspreche ich euch!

 

Takk fyrir tíma þinn! („Danke, das du dir die Zeit für uns genommen hast!“ – Anm. d. Red.)

Mín var ánægjan. Skál! („Es war mir ein Vergnügen. Prost!“ – Anm. d. Red.)

 

(alle Fotos: Larus Sigurdarson)

Galerie mit 20 Bildern: Skálmöld – Summer Breeze Open Air 2019
04.11.2012

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