Skálmöld
Isländische Marathonläufer - Interview mit Björgvin Sigurðsson zum neuen Album "Með vættum"

Interview

Skálmöld

Sie haben es geschafft, auf die schon tollen Vorgängerwerke noch einen draufzusetzen: „Með vættum“ ist SKÁLMÖLDs bislang bestes Album – eine großartige Mischung aus hymnischen Momenten, Epik und zupackenden Songs. Klar, dass wir Frontmann Björgvin Sigurðsson zum neuen Album ausquetschen mussten. Aber da die Band in den letzten zwei Jahren nicht untätig war, gibt es noch einige andere Dinge abzuklären – von Marathonläufen über Auftritte in der Oper bis hin zum Eurovision Song Contest hat Björgvin einiges zu erzählen.

Ihr habt vor ein paar Tagen Eure letzte Show in diesem Jahr in Island gespielt. Wie war es?

Ja, das war ein Konzert in Reykjavik, und es war ausverkauft. Wir haben jede Menge Songs vom neuen Album gespielt, und die Leute sind steil gegangen. Wir sind also glücklich! Das Konzert war in einem kleinen Club in der Innenstadt, wir haben dort gefühlt schon eine Million Mal gespielt, und es macht jedes Mal großen Spaß. Sehr intim, heiß und verschwitzt, und die Meute steht fast an der Bühne. Ich mag solche Shows, die gefallen mir noch besser als in größeren Hallen oder auf größeren Bühnen zu spielen, wo die Band weiter von der Menge weg ist. Ich mag es, ihren Schweiß auf meiner Haut zu spüren.

Das Kontrastprogramm hattet Ihr im letzten Jahr, als Ihr in Reykjavik mit einem Sinfonieorchester aufgetreten seid und einen Querschnitt Eurer Songs gespielt habt. Währenddessen hattet Ihr alle ein Dauergrinsen im Gesicht. Was ist Dir davon in Erinnerung geblieben?

Ja, das war vielleicht was. Ein komplettes Orchester, ein Männerchor, ein gemischter Chor und ein Kinderchor. Alle zur gleichen Zeit auf der Bühne. Dieses Erlebnis war fast schon surreal. Zusammen mit diesen Profis auf einer Bühne stehen zu dürfen, war eine Ehre. Die Arrangements waren supergut, das Orchester hatte alles perfekt drauf, und dem Publikum scheint es gefallen zu haben. Das war definitiv ein Highlight in unserer Karriere.

Jetzt habt Ihr ein neues Album draußen, „Með vættum“, und das kombiniert wieder einmal auf eine sehr gelungene Weise Eingängigkeit mit Epik. Was ist Deiner Meinung nach die größte Stärke des Albums?

Meiner Meinung nach ist es unser stärkstes Album, mit Abstand. Es hat bessere Songs und Arrangements, schwerere und aggressivere Riffs, einen besseren Sound. Gleichzeitig ist es immer noch melodisch, eingängig und episch. Ich glaube, unsere Stärke ist wie auf den anderen Alben auch die Unterschiedlichkeit der Songs. Wir alle tragen zum Songwriting bei, und wir alle mögen die Methode, Riffs und Ideen direkt zusammen auszuprobieren und auszuarbeiten. Das gibt uns, den Songs und den Alben noch mehr Abwechslung und mehr Dynamik, aber gleichzeitig bleiben wir unverkennbar SKÁLMÖLD.

Die Songtitel scheinen miteinander verbunden zu sein, da sie alle entweder mit „með“ oder mit „að“ beginnen. Worum geht’s in den Texten?

Stimmt, die Lieder auf „Með vættum“ sind wie die der beiden Vorgängeralben miteinander verbunden. Unser Bassist Snæbjörn hat alle Texte verfasst, und er hat sich wieder von unserer Kultur inspirieren lassen, der Mythologie, den Saga und dem heidnischen Erbe. Diesmal handelt die Geschichte von einer unbekannten Heldin, Þórunn Auðna, und ihrer Geburt, ihrem Leben und ihrem Tod auf Island. Þórunn hat in ihrem Leben in vier Schlachten gekämpft. Eine im Norden, als sie jung war, die zweite als junge Frau im Osten, die dritte als Frau in der Blüte ihres Lebens im Süden, und die letzte Schlacht im Westen, als sie bereits eine alte und sterbende Heldin war. Hier schließt sich der Kreis.

In jeder Schlacht erhält sie Hilfe von den sogenannten vættir, den Naturgeistern, die das Land beschützen. Die isländische Mythologie erzählt viel über diese Wesen, und diese sind Verbündete von Þórunn. Ein Vogel im Norden, ein Drache im Osten, ein Riese im Süden und ein Bulle im Westen. Auch wenn die Geschichte reine Fiktion ist, haben wir sie so gestaltet, als ob dies die Geschichte einer Heldin ist, von der bloß noch niemand gehört hat. Und wer weiß, wir könnten von ihr unsere eigene Existenz ableiten, dass sie der Grund ist, dass wir immer noch hier sind.

Habt Ihr diesmal im Studio etwas anders gemacht oder ausprobiert?

Nein, wir fühlen uns sehr wohl damit, wie wir es die beiden anderen Male angegangen sind, und daran versuchen wir uns zu halten. Aber du lernst jedes Mal etwas dazu, ob positiv oder negativ, weil du weißt, was funktioniert und was nicht. Ich denke aber, der größte Vorteil war diesmal, dass wir extrem gut vorbereitet ins Studio gegangen sind. Alle Songs waren fast komplett fertig geschrieben und arrangiert, und wir hatten sogar die Zeit, die Songs anständig zu proben.

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Ihr seid seit der Veröffentlichung Eures Debüts mehrmals getourt. Wie gefällt Euch als Band das Touren?

Zuerst haben wir die Heidenfest-Tour gespielt, dann sind wir sechs Wochen zusammen mit FINNTROLL getourt. Daneben haben wir nur auf ein paar Festivals in Europa gespielt. Bis jetzt macht es uns richtig viel Spaß. Es ist großartig, herumreisen und unsere Songs vor einem neuen Publikum spielen zu können. Wir sind immer noch eine recht kleine Band und vergleichsweise unbekannt, weswegen solche Touren eine große Chance für uns sind. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Und außerdem ist es immer ein Erlebnis, ein neues Land zu bereisen, eine neue Stadt. Es macht dich weiser – jedenfalls möchte ich daran glauben.

Was ist dabei die größte Herausforderung an Euch als Musiker oder als Band?

Es kann schon hart sein, die Konzentration zu bewahren. Die Touren, die wir bislang gemacht haben, waren alle sehr lang und hatten einen engen Zeitplan. Du musst dich also stets auf die Shows konzentrieren. Wir sind sehr ambitioniert, wollen uns ständig verbessern und heute eine bessere Show als gestern abliefern. Wir wollen vorankommen, und das kann schwierig sein, wenn du 38 Shows an 39 Tagen spielen musst, wie es beim letzten Mal der Fall war. Es kann auch ganz schön hart sein, mit solch einer kleinen Gruppe an Leute so eng zusammenzuleben. Aber wir sind alle gut miteinander befreundet, und dann klappt das auch. Aber natürlich bist du die ganze Zeit von deiner Familie getrennt – die meisten von uns haben kleine Kinder, die sie vermissen. Aber unsere Familien unterstützen uns in dieser Hinsicht.

Euer Schlagzeuger Jón Geir hatte Probleme mit seiner Schulter und musste zumindest im Sommer aussetzen. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Ja, Jón hatte Probleme mit seiner Schulter und musste sich nach den Aufnahmen zum neuen Album operieren lassen. Zum Glück sind wir mit Kristján B. Heiðarsson gut befreundet, und er ist im Sommer als Schlagzeuger eingesprungen. Mittlerweile ist Jón aber wieder komplett wiederhergestellt, und er wird bei der kommenden Tour wieder hinter dem Drumkit sitzen.

Stimmt es eigentlich, dass Jón sein Schlagzeug selbst gebaut hat?

Das stimmt, er hat in der Vergangenheit mehrere Schlagzeuge gebaut, die wirklich großartig klingen. Er hat auch eins gebaut, das er in den vergangenen zwei bis drei Jahren bei SKÁLMÖLD gespielt hat. Jetzt hat er aber einen Endorsementdeal mit Pearl und spielt deshalb solch ein Biest.

Ihr habt dieses Jahr alle zusammen am Reykjavik-Marathon teilgenommen. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen?

Dabei ging es darum, dass der Reykjavik-Marathon jedes Jahr eine bekannte Person oder Gruppe als Aushängeschild hat. Irgendjemand, der bekannt ist, aber sonst nichts mit Sport am Hut hat. Es geht dabei um einen guten Zweck, und wir konnten so eine ansehnliche Menge Geld für ein Kinderkrankenhaus in Reykjavik sammeln. Eine ziemlich spaßige Sache. Es geht aber auch darum, dass der durchschnittliche Isländer wenigstens ein bisschen an seine Gesundheit denkt. Für uns war es also eine gute Kombination aus Spaß und dem guten Zweck.

Euer Bassist Snæbjörn hat im Mai als Backgroundsänger der isländischen Band POLLAPÖNK am Eurovision Song Contest teilgenommen. Jetzt mal Hand aufs Herz – jetzt, wo Millionen Leute mit ihm und der Band mitgefiebert haben, ist er vielleicht etwas abgehoben?

Hahaha, nein nein, verändert hat ihn das kein bisschen. Aber das war vielleicht was. POLLAPÖNK ist eine Band aus vier Musikern, die schon seit Jahren sehr aktiv in der isländischen Rock-/Punk-Szene unterwegs sind. Dieses Jahr haben sie sich tatsächlich für den Eurovision Song Contest qualifiziert. Sie haben also Snæbjörn und Óttar gefragt, den Sänger der legendären Rock-/Metal-Band HAM, ob sie nicht den Hintergrundgesang übernehmen möchten. Snæbjörn hat das ziemlich gut gefallen – zumindest hat er mir das gesagt.

Danke für das Interview!

Galerie mit 20 Bildern: Skálmöld – Summer Breeze Open Air 2019
07.11.2014

- Dreaming in Red -

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