
Arch Enemy
Lauren Hart überzeugt in Japan
Konzertbericht
Auch wenn das jüngste ARCH-ENEMY-Werk „Blood Dynasty“ nur bedingt bedingt auf Gegenliebe stieß, war die Europa-Tournee 2025 mit Sängerin Alissa White-Gluz ein Triumphzug. Diese Besetzung ist aber bekanntlich Geschichte und die Frage ist nun, ob die schwedische Melodic-Death-Institution am Mikrofon wieder so ein Glück hat wie bei den Wechseln zuvor.
Im ersten gemeinsamen Musikvideo „To The Last Breath“ hinterließ der neue Wirbelwind Lauren Hart einen guten Eindruck. Entscheidend ist aber „auf dem Platz“, oder wie hier: auf der Bühne. Und da hatten die Fans in China und Japan jüngst als erste die Chance, sich beim globalen Debüt der US-Amerikanerin die Ohren frei blasen zu lassen.
Disziplin trifft auf „Pure Fucking Metal“
Zwei Konzerte des drei Tage dauernden Abstechers ins Land der aufgehenden Sonne fanden in der Hauptstadt Tokio statt. Und wer erstmals nach Japan fliegt, wird so überwältigt wie überrascht sein: von der schieren Menschenmenge ebenso wie von der unglaublichen effizienten Organisation allüberall und dem höflichen Miteinander in der Millionenmetropole. Das gilt auch für Metal-Konzerte wie am 17. April im EX Theater im Tokioter Stadtteil Roppongi.
Die Türen öffnen pünktlich und wie angekündigt um 18 Uhr, die geschätzt rund 1.500 Fans verteilen sich geschmeidig und ohne Drängeln auf drei unterirdische Stockwerke. Um Punkt 19 Uhr geht’s ohne Vorband sofort los. Und: Entgegen der üblichen kulturellen Norm, schön zurückhaltend zu sein, herrscht sofort eine Top-Stimmung, als nach dem Intro „Khaos Overture“ der Vorhang mit dem Schriftzug „PURE FUCKING METAL“ fällt. Wie sonst sollte man beim Opener „Yesterday Is Dead And Gone“ („Khaos Legions“, 2011) die Gitarrenleads mitsingen?
ARCH ENEMY reisen durch die Bandgeschichte
Anschließend springt die Band mit „The World Is Yours“ („Will To Power“, 2017), „Ravenous“ („Wages of Sin“, 2001) und „War Eternal“ (vom gleichnamigen Album 2014) munter in der eigenen Vergangenheit hin und her. Erst danach kommt mit „Dream Stealer“ eine Nummer vom neuesten Longplayer „Blood Dynasty“.
Nach einer kurzen Zwangspause, weil Michael Amotts Gitarrenverstärker streikt, geht es mit dem brandneuen „To The Last Breath“ und dem Titeltrack des aktuellen Albums weiter. Besonders den Old-School-Fans im Publikum wärmt Lauren Hart anschließend das Herz, als sie Michael Amotts ersten Song für ARCH ENEMY ankündigt – und zwar „Bury Me An Angel“ vom Debütalbum „Black Earth“.
Auffällig ist, dass in Tokio mehr Alben berücksichtigt werden als zuvor in Europa und das Konzert beinahe den Charakter einer Werkschau hat. Als alte bis ältere Perlen stehen beispielsweise „Silverwing“ („Burning Bridges“, 1999) und „Blood On Your Hands“ („Rise Of The Tyrant“, 2007) auf der Setlist. Egal aus welcher Epoche sich ARCH ENEMY bedienen, Lauren Hart meistert die Songs ihrer Vorgänger:innen mühelos. Besser kann’s nicht laufen.
Lauren Hart besteht ihre Feuertaufe
Statt eines klassischen und statischen Backdrops sorgt vor allem die High-Tech-Rückwand für wechselnde Showeffekte. Dazu kommen Lightshow und Nebel. Lauren Hart wieselt über die Bühne, grinst permanent und vermittelt das Gefühl, als ob sie schon ewig Teil der Band sei. Vor allem Michael Amott bringt regelmäßig die Saiten zum Glühen und auch sein Kollege Joey Concepcion darf zwischenzeitlich im Rampenlicht stehen. Lauren Hart darf wie zuletzt Alissa White-Gluz in Europa auch bei „Dead Bury Their Dead“ die ARCH-ENEMY-Flagge schwingen.
Die gute – wenn auch eher japanisch-zurückhaltende – Laune der japanischen Fans bleibt durchgängig hoch. Auf Mitsing- und Mitmach-Animationen reagieren sie motiviert, Mosh- oder Circle-Pits gibt es erst gegen Schluss ein paar wenige und die auch nur kurz.
Nach knapp anderthalb Stunden läutet wie zuvor auch auf der Europatour „Nemesis“ im Zugabenblock das Finale ein, bei dem auch in der japanischen Hauptstadt riesige Bälle aufs Publikum fallen. Das Instrumental-Outro „Fields of Desolation“ beendet die Show. Und ebenso diszipliniert, wie die Fans ihren Weg in den Keller gefunden haben, fahren sie freundlich und ohne Drängeln per Rolltreppe noch vor 21 Uhr in das quirlige Nachtleben der Hauptstadt. Während in Europa der Headliner um diese Uhrzeit häufig erst die Bühne betreten würde, löst sich die Fanschar schon wenige Minuten später im Lichtermeer Tokios auf.
Setlist
- Khaos Overture (Intro)
- Yesterday Is Dead And Gone
- The World Is Yours
- Ravenous
- War Eternal
- Dream Stealer
- To The Last Breath
- Blood Dynasty
- Bury Me An Angel
- Silverwing
- The Eagle Flies Alone
- A Million Suns
- I Am Legend (Instrumental)
- Dead Bury Their Dead
- Blood On Your Hands
- Enemy Within
- Dead Eyes See No Future
- Snowbound
- Nemesis
- Fields of Desolation
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Torsten Meierhöfer































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