
Stormkeep
„Irgendwann schließt sich der Kreis.“
Interview
Wie schwierig war es, einem Genre, das seinen Höhepunkt vor zwanzig oder sogar mehr Jahren hatte, neue Impulse und neue Ideen zu verleihen?
Das war für unsere Band immer ein interessantes Thema. Natürlich spielt Nostalgie eine Rolle, denn ich bin etwa 2002 oder 2003 zum Metal gekommen. Damals wurde ich erstmals mit Extreme Metal konfrontiert. Das begleitet mich bis heute in all meinen Projekten – vor allem die skandinavischen Black-Metal-Bands der 90er und frühen 2000er.
Ich sehe Heavy Metal als ein Genre, das sich ständig weiterentwickelt und verändert. Aber manchmal ist es auch gut, zurückzuschauen und zu analysieren, was funktioniert hat – und was nicht. Es gibt viele Metalbands, die neue Wege gehen, ohne zurückzublicken. Für mich geht es um eine Balance zwischen Nostalgie und dem kreativen Drang, etwas Neues zu schaffen. Die Analogie, die ich gerne benutze, betrifft Filme. Wenn jemand einen großartigen Film neu verfilmt, ist die Neuverfilmung fast nie so gut wie das Original. Manchmal denke ich, es wäre interessanter, die Filme neu zu machen, die eigentlich nicht funktioniert haben, die vielleicht sogar schlecht waren, aber gute Ideen enthielten, die besser hätten umgesetzt werden können.
Nicht, dass wir schlechte Musik „verbessern“ wollten. Aber es gibt viele Aspekte und Ideen, die damals entweder nicht funktioniert haben oder nicht wertgeschätzt wurden. In den 90ern galt es beispielsweise für viele als völlig inakzeptabel, Keyboards im Black Metal zu verwenden. Ihsahn von EMPEROR erzählt oft, wie sehr die Leute die Band damals gehasst haben. Heute gelten sie als eine der wichtigsten Black-Metal-Bands überhaupt.
Es gab viele Dinge, die Bands ausprobiert haben und die entweder scheiterten oder ihrer Zeit voraus waren. Einige dieser Kombinationen finde ich unglaublich spannend. Und ich habe das Gefühl, dass STORMKEEP manche dieser Ideen auf eine Weise zusammenführen kann, die so noch nicht gemacht wurde. Deshalb sehe ich STORMKEEP als eine Band, die verschiedene Welten miteinander verbindet, die vor zwanzig Jahren vielleicht nie zusammengefunden hätten. Und trotzdem hat die Band ihren eigenen Sound.
Ich finde es interessant, dass keyboardlastiger Black Metal in den letzten Jahren so ein Comeback erlebt. Ich bin ebenfalls Anfang der 2000er zum Metal gekommen, also genau zu der Zeit, als DIMMU BORGIR richtig groß wurden. Es gab immer Leute, die die Kombination aus Metal und Keyboards kitschig oder peinlich fanden. Aber in den letzten Jahren gibt es besonders in den USA viele Bands wie ONE OF NINE oder WORM, die diesen Sound zurückbringen. Glaubst du, dass es generell eine neue Wertschätzung für diesen Stil gibt?
Ich will nicht arrogant klingen, aber ich glaube nicht, dass viele Bands das gemacht haben, bevor STORMKEEP aufgetaucht sind. Als wir angefangen haben – und das soll keine Kritik an anderen Bands sein, ONE OF NINE zum Beispiel sind großartig –, hatten wir das Gefühl, dass es diese Art von Bands einfach nicht gab.
Das war tatsächlich eines der Dinge, über die wir damals gesprochen haben. Für uns gab es eine große Lücke im Black Metal. Gerade in den USA gibt es immer wieder Trends: Stoner Doom, Cascadian Black Metal, Oldschool Death Metal – all das kommt und geht. Wir hörten seit zwanzig Jahren viele derselben Alben. Natürlich gibt es immer Neues. Aber als wir die Band gründeten, dachten wir: Hier gibt es etwas, das niemand macht, und wir können etwas Frisches schaffen.
Bands wie CALADAN BROOD oder OBSEQUIAE waren damals ebenfalls aktiv, und wir sind mit diesen Leuten befreundet. Es gab ein gewisses Gemeinschaftsgefühl, weil wir alle etwas Eigenständiges gemacht haben. Und es ist schön zu sehen, dass dieser Stil inzwischen mehr Aufmerksamkeit bekommt.
DIMMU BORGIR und CRADLE OF FILTH waren vor zehn oder fünfzehn Jahren praktisch Schimpfwörter in vielen „True Metal“-Szenen. Es war überhaupt nicht cool, ihre Shirts zu tragen. Ich erinnere mich daran, wie ich mit meiner Band BLOOD INCANTATION auf Tour war. Ich habe ein EMPEROR-Tattoo, und ein paar Death-Metal-Typen haben sich darüber lustig gemacht, weil das angeblich uncool war. Aber irgendwann schließt sich der Kreis. Nach zwanzig Jahren kommt alles zurück. Heute kosten alte CRADLE-OF-FILTH-Shirts plötzlich 500 Dollar.
Jetzt darf es cool sein.
Genau. Es wird zu einer Art Pastiche von etwas Vergangenem. Das ist wohl einfach der Kreislauf der Kunst.
Viele moderne symphonische Metalbands oder Bands mit symphonischen Elementen übertreiben es bei den Orchesterarrangements und klingen dadurch oft fast Disney-artig. Das ist hier überhaupt nicht der Fall. Die Symphonik ist präsenter, aber es ist immer noch zuerst ein Metalalbum. Du bist sowohl Keyboarder als auch Gitarrist. Wie sieht dein Songwriting-Prozess aus? Baut ihr die Songs eher um die Metal-Elemente herum auf oder um die Orchestrierung? Oder hängt das vom jeweiligen Song ab?
Danke, das freut mich, denn genau das hat uns bei vielen Symphonic-Metal-Bands immer gefehlt. Für uns steht fast immer das Gitarrenriff an erster Stelle. Es gibt ein paar Ausnahmen. Beim Intro von „Carnal Tapestries of Nail-Torn Flesh“ brachte zum Beispiel unser anderer Keyboarder Lord Dahthar die Grundidee ein, und wir bauten den Song darum herum auf.
Aber meistens ist unsere Musik sehr gitarrenorientiert. Für mich sind die beiden wichtigsten Zutaten im Metal das Riff und das Schlagzeug. Das Riff steht dabei an erster Stelle. Bei manchen Bands könnte man das Gitarrenriff fast komplett weglassen. Man hört nur Blastbeats und Symphonik, und alles andere geht unter. Wir wollten deshalb bewusst das Gleichgewicht zugunsten der Gitarren und des Metals verschieben.
Bei EMPEROR kann man manchmal kaum unterscheiden, was Keyboard und was Gitarre ist. Beides verschmilzt zu einem Ganzen. Diese Idee verbinden wir mit dem Riffing unserer Lieblingsbands aus dem Black- und Melodic Black Metal. Unser Produzent Michael Zech hat sogar gescherzt, dass das Album vor dem Hinzufügen der Keyboards einfach wie ein schwedisches Melodic-Black-Metal-Album klang. Erst die Symphonik versetzt es in diese andere Welt. Aber ja, die metallische Seite hatte für uns immer Priorität.
Neu sind auch die Clean Vocals – oder zumindest ihr Umfang. Sie sind fantastisch und verleihen dem Album noch mehr Erhabenheit und Epik. War es schwierig, von überwiegend harschen Vocals auf so viel Klargesang umzusteigen?
Ja, das war einer der intensivsten Teile der Arbeit am Album. Auf den früheren Veröffentlichungen habe ich nur einige Hintergrundgesänge auf „Galdrum“ übernommen. Die Clean Vocals auf „Tales Of Othertime“ stammen alle von Shield Anvil (Jake Rogers) von CALADAN BROOD und VISIGOTH. Er hat dort einen unglaublichen Job gemacht.
Für das neue Album wollten wir aber in eine andere Richtung gehen – gotischer, persönlicher und emotionaler. Die Texte kamen stärker aus meinem eigenen Inneren. Deshalb fühlte es sich seltsam an, jemand anderen diese Worte singen zu lassen. Also entschied ich, selbst mehr Gesang zu übernehmen.
Hinzu kam, dass wir live ohnehin ohne ihn aufgetreten sind. Ich musste die älteren Songs bereits selbst singen. Es war also der logische Schritt. Von Anfang an war geplant, mehr Clean Vocals einzubauen. Das war Teil unseres Ansatzes, neue Wege zu gehen. Natürlich gab es Vorbilder wie ICS Vortex von DIMMU BORGIR oder Sarah Jezebel Deva bei CRADLE OF FILTH. Aber ich wollte einen dramatischeren Stil einbringen, beeinflusst von Brendan Perry von DEAD CAN DANCE und Warrel Dane von NEVERMORE. Ich hatte bisher keine Black-Metal-Band gehört, die diesen Gesangsstil in diesem Ausmaß verwendet. Das war unsere Idee, etwas Neues einzubringen.
Galerie mit 12 Bildern: Stormkeep - Party.San Metal Open Air 2023

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| Band | |
|---|---|
| Stile | Melodic Black Metal, Symphonic Black Metal |
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Hans Völkel
































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