The Great Old Ones
"Lovecraft als zusätzliches Bandmitglied"

Interview

Das De Mortem Et Diabolum in seiner bereits dritten Auflage bot 2017 einmal mehr ein abwechslungsreiches Line-Up von hochkarätigen Bands aus dem Death/Black/Thrash-Untergrund. Sowohl alte Recken als auch interessante neue Bands spielten auf. Das schien im letzten Jahr allerdings unter keinem guten Stern zu stehen: verpasste Flüge, liegen gebliebene Autos auf Bandseite, technisches und organisatorisches Durcheinander auf Venue-Seite – das ganz normale Konzertchaos halt. Die Besucherzahlen waren leider ebenso mau. Daher umso verwunderlicher, dass die meisten Bands trotzdem nicht in Unmut versanken und das beste draus machten. Ein paar konnten wir sogar zum Reden bringen. Hier plaudern nun THE GREAT OLD ONES, KRATER und THE COMMITTEE aus dem Nähkästchen.

Zu  dem Interview mit KRATER geht es hier lang: Klick mich!

Zu dem Interview mit THE COMMITTEE hier: Klick mich!

Konzertbericht: Klick mich!

 

The GREAT OLD ONES sind im atmosphärischen, progressiveren Black-Metal-Bereich wahrlich keine Unbekannten mehr und haben eine kleine, aber treue und stetig wachsende Schar von Fans akquirieren können. Zwar kann man nicht behaupten, das lyrische oder musikalische Terrain der Band in ihrem Genre sei neu, aber wenige Bands bringen es fertig, die Vorlage so originalgetreu rüberzubringen und die unheimliche und beinahe magische Atmosphäre des Lovecraft-Horrors so gut in die musikalische Dimension zu transportieren wie sie. Nach einem Auftritt mit reichlich Anlaufschwierigkeiten zu Anfang bot sich mir die Gelegenheit, der sichtlich fertigen, aber trotzdem gut auflegten Band ein paar Antworten zu meinen Fragen entlocken zu können.

THE GREAT OLD ONES Interview nach ihrem Auftritt auf dem DMED 2017 (gekürzt aus dem englischen Original):

 

Hi, hier sitzt Alex zusammen mit THE GREAT OLD ONES! Wie war die Show heute Abend?

Leo(Drums): Die war heute Abend wirklich gut. Die Startbedingungen waren ziemlich schwierig und am Anfang unseres Auftritts wussten wir nicht so recht, wie es sich entwickeln wird. Es war eine schöne Überraschung, dass es doch noch so gut geworden ist, also sind wir ganz froh.

Aurelien(Gitarre): Die Energie zwischen uns und dem Publikum war letzten Endes dann doch da, also denke ich, dass es gut war.

Also auch mit den technischen Schwierigkeiten war es noch ein gelungener Auftritt?

Ja, wir haben vor dem Auftritt viel Energie und Zeit in einen guten Sound investiert. Was auch zur Verzögerung beitrug, sorry. Aber nach dem nervigen Soundcheck auf der Bühne hatten wir dann doch noch ein gutes Gefühl.

Das ist heute nicht eure letzte Show, richtig?

Nein, morgen spielen wir die letzte in Eindhoven. Dann geht es zurück nach Hause.

Wie war es denn bislang so auf der Tour?

Leo: Ja, also wir haben Gaahl’s neue Band WYRD kennen gelernt und die Jungs von Auðn und alle sind wirklich wunderbare, coole, intelligente Leute. Jeder verhält sich hier wirklich professionell, wie dieser Typ hier (Anm. der Redaktion: Wir sind im gemeinsamen Backstage von TGOO und AUÐN, Leo zeigt auf Hjalmar, den Bassist von AUÐN, der mit uns im Backstage sitzt und keinen Mucks gibt). Wir haben so tolle neue Musik entdeckt und neue Freunde gefunden.

Aurelien: Ja, es ist ein großer Respekt zwischen allen Bands auf Tour vorhanden. Das ist wichtig für den generellen Vibe. 

(Benjamin, Gitarrist/Vocals von TGOO kommt herein, alle begrüßen ihn überschwänglich, kurze Zeit später kommt Aðalsteinn, Gitarrist von AUÐN ebenfalls mit dazu.)

(zu Aðalsteinn) Hast du dein Gras gefunden?

Aðalsteinn:  NEIN! WO IST ES???

Verzeih uns Deutschen, wir haben normalerweise keine grüne Medizin hier (unnötige Grünzeug-Diskussion folgend). Arbeitet ihr eigentlich schon an neuem Material nach der Tour? 

Leo: Ja, Benjamin hat schon ein wenig neues Zeug geschrieben, aber wir haben noch nichts aufgenommen, wir schauen einfach, wohin uns die neuen Ideen führen.

Benjamin: Vor der Tour hab ich eigentlich schon den größten Teil des neuen Albums fertig geschrieben gehabt, aber wir arbeiten immer noch an Details, Feinheiten und den finalen Arrangements. Es läuft gut, aber mach dir keine Hoffnung auf ein Release dieses Jahr. Ich hoffe es wird dann irgendwann früh im nächsten Jahr (Anm. der Redaktion: 2019 ist gemeint, nicht 2018, da das neue Jahr kurz vor Beginn stand und Benjamin davon ausgegangen ist, dass jeder den Wink versteht). Wir arbeiten an einem echt guten Album. Wir wollen die Zeit nutzen, um an uns zu arbeiten und uns ein Stück weit neu zu erfinden, wir wollen nicht dasselbe Album zweimal aufnehmen. Es fühlt sich echt an, ist aber auch anstrengend. Dafür ist es unsere eigene Arbeit. 

Aber ihr bleibt schon noch im Lovecraft-Universum?

Benjamin: Ja, natürlich! Lovecraft ist ein Teil der Band, er ist fast schon ein zusätzliches Bandmitglied!

Da bin ich sehr gespannt, denn jedes Album hat ja seine eigene Geschichte im Lovecraft-Kosmos erzählt, „EOD: A Tale of Dark Legacy“ war die Vertonung von Shadow over Innsmouth, „Tekeli-Li“ war The Mountains of Madness. Wird das neue Album in dieselbe Richtung gehen? 

Benjamin: Sei dir da nicht so sicher! Ich versuche mich immer an Konzepten auf den Alben. Wenn du dir „Al Azif“ anschaust, war das ein wenig anders, es waren einzelne Geschichten im Lovecraft-Universum, bei „Tekeli-Li“ dachte ich dann darüber nach, sich nur auf eine Story zu fokussieren und bei „EOD“ sollte das eine Art Sequel in der „Eine-Story-pro-Album“-Geschichte werden, weißt du? Ich denke für das neue Album werde ich mir ein neues Konzept überlegen. Aber genaues kann ich dazu noch nicht sagen.

Gibt es irgendeinen Grund weshalb ihr hauptsächlich nicht in eurer Muttersprache die Lyrics verfasst? Auf „Tekeli-Li“ gab es einige französische Spoken-Word-Passagen, auf dem neuesten Album gar nicht mehr.

Leo: Ich denke bei dieser Art von Musik funktioniert das nicht so gut. Es stimmt, auf „Tekeli-Li“ hatten wir ein wenig Französisch. Es passte irgendwie zum Album. Alles auf Englisch zu lassen passte irgendwie zu „EOD“. Ich sehe das von der literarischen Seite aus: Lovecraft war Amerikaner, nicht Franzose, also macht es auch mehr Sinn die Geschichten dann in seiner Muttersprache zu vertonen.

Ich würde sagen es gibt eine starke Black-Metal-Szene in Frankreich (CELESTE, AOSOTH, DEATHSPELL OMEGA, uvm.) mit einem eigenen, sehr distinktiven Sound, dasselbe gilt für beispielsweise die aktuellen Szenen in Polen oder Island (winkt zu AUÐN herüber). Was glaubt ihr macht euren Sound so einzigartig in so einer individuellen Szene?

Benjamin: Ich glaube nicht, dass das an dem Land liegt. Ich würde sagen es liegt eher an der Qualität der individuellen Musiker. Ich denke nicht, dass wir irgendwie ähnlich zu DEATHSPELL OMEGA klingen.

Natürlich klingt ihr nicht genau so!

Leo: Ich glaube nicht, dass es nur am Sound liegt. Für mich ist es einfach nur ein wiederauflebender Trubel der Hörer und Fans, der sich um französische Bands dreht. Dasselbe sieht man dann zum Beispiel in der isländischen Szene, würde ich behaupten. Die musikalische Evolution, die neue Möglichkeiten bietet und auch die Möglichkeit, eine größere Menge von Menschen heute zu erreichen, zu berühren und erfolgreich „mitzunehmen“, ist da ausschlaggebender. Guck uns doch momentan an, wir touren als Repräsentatoren unserer Musik zusammen mit AUÐN, die dasselbe für ihre Musik sind und mit GHAAL, der die Old-school-Fraktion repräsentiert. 

Folgt ihr überhaupt der Metal-Szene oder interessiert euch alles außerhalb von eurer Band eher weniger?

 Wir achten nicht allzu sehr auf Trends oder hören uns auch nicht an wie andere Bands momentan klingen, bevor wir aufnehmen. Einfach, weil wir nicht wollen, dass das auf uns Einfluss hat. Wir wollen einen eigenständigen Sound haben, der sich von den anderen unterscheidet. Das Ziel ist, diese Singularität zu erhalten, nur wir zu sein. Sonst wissen wir es aber immer zu schätzen, neue Musik von Bands, auch den französischen, zu hören und zu entdecken.

 Gibt es irgendwelche musikalischen Favoriten dieses Jahr bei euch? Muss kein Metal sein.

Natürlich AUÐN! (TGOO bejubeln Hjalmar und Aðalsteinn, die noch mit im Raum sitzen). Und IGORRR! Und die neue von ENSLAVED. Und um das mit einer französischen Band abzuschließen, die letzte Platte von „PETIT BISCUIT“. 

 Gibt es schon Tourpläne für nächstes Jahr?

Wir sind dran, aber nichts offizielles momentan.

 Würdet ihr gerne mal mit Bands eine Tour spielen, die so wie ihr auch Lovecraft-Bezüge hat, also beispielsweise zusammen mit MORBID ANGEL oder SULPHUR AEON? 

Natürlich! Aber es ist uns wichtiger, dass man gut mit den Bands arbeiten kann und man auch menschlich miteinander klar kommt, eine freundschaftliche Basis hat. Auf dieser Tour mit Gaahls WYRD und AUÐN hat das perfekt funktioniert, wir sind nun alle gute Freunde und wollen ihnen dafür danken, dass sie uns die Möglichkeit gegeben haben mit ihnen auf Tour zu gehen. Danke Jungs! (zu AUÐN gewandt).

Danke euch, viel Erfolg für nächstes Jahr und viel Spaß noch heute Abend!

Galerie mit 9 Bildern: The Great Old Ones - Tyrant Festival 2018
Quelle: TGOO, backstage
25.02.2018

"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." - Wau Holland -

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