The Monolith Deathcult
Interview mit Ivo und Michiel zum neuen Album "Tetragrammaton"

Interview

The Monolith Deathcult

Wer auf Frischfleisch der Holländer gewartet hat, der musste sich mittlerweile ganze fünf Jahre gedulden, doch mit „Tetragrammaton“ sind THE MONOLITH DEATHCULT im Jahr 2013 endlich wieder zurück. Gewohnt bieten die Jungs extravaganten Death Metal mit vielen Experimenten, Industrial-Passagen und ausgeklügelten Texten. Einmal mehr befand metal.de, sich mit Gitarrist Ivo Hilgenkamp und Fronter Michiel Dekker unter anderem auch darüber zu unterhalten, was sich eigentlich bezüglich des mancherorts zweifelhaften Rufs der Band getan hat. Doch lest selbst.

Hallo Jungs, alles klar? Seid ihr froh, dass sich “Tetragrammaton” nun endlich auf dem Weg nach draußen befindet?

Ivo: Ja! Endlich. Wir haben die Arbeiten an dem Album am 31.Dezember letzten Jahres beendet, von daher sind wir sehr froh, es nun endlich in der Öffentlichkeit zu sehen…und natürlich auch ein paar Meinungen zu erhalten.

Ich habe bereits einige andere Rezensionen gelesen und die Meinungen gehen zweifellos auseinander. Seid ihr dahingehend überrascht oder wird THE MONOLITH DEATHCULT immer polarisieren?

Ivo: Wir tendieren durchaus dazu, zu polarisieren. Das ist keine große Überraschung. Es geht um Liebe oder Hass und nicht besonders viel dazwischen. Wir sind aber auch absolut stolz darauf, dass es so ist. Ich hasse es, in der namenlosen Mitte herumzudümpeln.

Zwischen “Trvmvirate” und ”Tetragrammaton” habt ihr euch dazu entschieden, einen Re-Record von “The White Crematorium”, eurem zweiten Album, vorzunehmen . Warum habt ihr euch für diesen Schritt entschieden und weshalb ausgerechnet diese Platte?

Michiel: Der Grund dafür war genauso pragmatisch wie artistisch. Wir hatten vor kurzem alle Kopien der ersten Pressung von “The White Crematorium” verkauft und unser letztes Label wollte keine neue Ladung herstellen. Demnach sorgten wir für den Wiedereinkauf der Rechte und haben uns selbst an die Arbeit gemacht. Hmm, und da wir gerade dabei waren, das Album neu auf den Markt zu werfen, warum sollten wir nicht ein paar Vocals austauschen, mit denen wir nicht zufrieden waren? Wenn wir nun aber die Möglichkeit haben, alle Vocals neu aufzunehmen, warum nicht…Dann hatte Robin plötzlich diesen schimmernden neuen Bass…vielleicht können wir auch noch ein paar Basslinien neu auflegen? So führte dann irgendwie eins zum anderen und wir nahmen das komplette Album neu auf, abgesehen von den Drums. Wenn du also einen kurzen Grund dafür haben möchtest, warum wir alles neu aufgenommen haben, dann weil wir es einfach können. Ich finde beide Versionen haben ihren Charme, weshalb ich auch keinen wirklichen Favoriten habe. Es war teilweise sehr konfus, sich nochmals so intensiv mit denselben Songs zu beschäftigen, die wir früher schonmal bearbeitet hatten, denn  A) wir konnten uns an manche Teile der Tracks nicht mehr erinnern und B) haben wir gemerkt, dass wir sie Live über Jahre hinweg falsch gespielt haben.

Demnach hattet ihr auch richtig viel Zeit, neue Songs für die aktuelle Platte zu schreiben. Könnt Ihr ein wenig Einblick in den Songwriting- und Aufnahmeprozess von “Tetragrammaton” geben?

Ivo: Es ist ein zeitlich abhängiger Konsumprozess. Die einzelnen Songs wurden über eine lange Zeit geschrieben und adjustiert. Es geht immer wieder darum, Verbesserungen einzubauen und schwächere Passagen wieder herauszunehmen. Michiel hat die Tracks geformt und zu den anderen Bandmitgliedern gesendet, sodass sie ihre Ideen beitragen konnten. Erst wenn jeder wirklich zufrieden ist, ist ein Song fertig. Das geschieht alles in der wenigen Zeit, die wir zur Verfügung haben, da wir auch alle einer regulären Arbeit nachgehen. Folglich hatten die Aufnahmen von “Tetragrammaton” viel mit Arbeit zur Abendzeit und an den Wochenenden zu tun. Außerdem sind wir Perfektionisten, da dauert alles etwas länger.

Mit “Todesnacht von Stammheim” habt ihr mal wieder einen Song mit deutschen Texten und deutscher Geschichte am Start. Woher kommt eigentlich euer offenbar besonderes Interesse an deutscher Historie?

Ivo: Das hat nichts damit zu tun, dass wir Holländer sind. Es ist einfach das Thema, was uns fasziniert hat. Da es sich aber um ein deutsches Thema handelte, haben wir uns naheliegend dafür entschieden, auch die Lyrics in Deutsch zu schreiben. Dazu passt die Sprache sehr gut in unsere Musik, jedenfalls haben wir diesen Eindruck.

Beherrscht ihr eigentlich alle die deutsche Sprache gut oder ist es eher fremd für euch?

Ivo: Wir verstehen alle die deutsche Sprache und manche von uns sprechen sie richtig gut. Wir haben die Texte hingegen doppelt durchgecheckt, um sicher zu gehen, dass alles korrekt ist. Es fühlt sich aber doch gewohnter an in Englisch zu schreiben.

Michiel: Allerdings haben wir einen Umlaut bei ” Der Deutsche Herbst fängt an” vergessen.

Welchen Stellenwert haben die Industrial-Parts in eurer Musik? Im Jahr 2013 fühlt es sich wirklich erfrischend an, nochmal so mit einem Genre in Kontakt zu treten, das in seiner Essenz auf dem Weg zum Grab ist.

Ivo: Ich denke, das hat im Wesentlichen mit Michiels Zuneigung zu Bands wie MINISTRY oder LAIBACH zu tun. Allerdings müssen diese Elemente nicht zwangsläufig in unserer Musik enthalten sein. Es entwickelt sich lediglich auf diese Art und Weise. Alles was die Musik irgendwie erweitert, kann grundsätzlich genutzt werden. Vielleicht haben wir im nächsten Album etwas Country und Rock’n’Roll.

Michiel: MINISTRY hat es schon getan.

Und erneut gibt es viele Stimmen, die euch als sehr stark provozierende Band bezeichnen. Würdet ihr zustimmen, Texte mit einem entsprechenden Inhalt zu verfassen?

Ivo: Ich sehe nichts Provokatives. Ehrlich. Es ist einfach Geschichte und ein hohes Maß an Selbstvertrauen.

Michiel: Ich bin überrascht, dass sich viele Leute in der Metalszene über solche Dinge auslassen. Viele Bands haben Texte über Schlachtungen und anderes Gemetzel und dann wird sich darüber beschwert, wenn man über Dinge singt, die wirklich passiert sind.

Hattet ihr schonmal eine ernsthafte Konfrontation in diesem Zusammenhang?

Michiel: Oh ja, im Jahr 2002 haben wir in Deutschland und der Schweiz das Banner als rechte Band angehängt bekommen, weil wir es gewagt haben, etwas gegen den Islam anstatt gegen das Christentum zu sagen. Die Metalszene applaudiert einer Band wie DEICIDE und in dem Moment, als wir dasselbe gegen den Islam losgelassen haben, war die Hölle los. Genauso gab es nie ein Problem wenn CARNIVORE “Jesus Hitler” oder SLAYER “Angel Of Death” in Wacken gespielt haben.

The Monolith Deathcult

Wie viel Provokation, politische Unkorrektheit und Geschmacklosigkeit ist für euch in Ordnung, bevor man eine gewisse Linie übertritt?

Michiel: Diese Linie gibt es nicht. Wir sind normale Menschen und keine extremen politischen Prediger. Von unserer Seite gibt es keine Message an die Welt. Alle unsere Texte sind wohl überlegt und entsprechend mit einer saftigen Prise schwarzem Humor geschrieben. Wir sind uns durchaus bewusst, dass bestimmte historische Themen in manchen Ländern sehr sensibel behandelt werden. Aber wir sind einfach keine politische Band. Wir haben keine versteckte Agenda, mit der wir nach verschiedenen Rassen oder Religionen unterscheiden. Wir wissen, dass die meisten Leute zu hängen geblieben sind, sich unsere Texte einmal genau anzuschauen, doch gleichermaßen sehen wir nicht ein, uns an den IQ eines Standard-Metalfans anzupassen. Wir behandeln historische Dinge auf diese Art und Weise, wie sie eben passiert sind. Manchmal möchten bestimmte Leute einfach nicht an gewisse Geschehnisse erinnert werden, was wohl mit den abscheulichen Taten ihrer Vorväter zusammenhängt.

Carsten Altena, euer Keyboarder, ist seit kurzem wieder zurück in der Band, nachdem er THE MONOLITH DEATHCULT im Jahr 2008 verlassen hatte. Was waren die Gründe für das Verlassen und die Rückkehr in die Band?

Ivo: Hinter den Kulissen hat Carsten die Band eigentlich nie verlassen. Im Songwriting- und Aufnahmeprozess hat er seine Ideen genauso eingebracht wie zuvor. Er hat sich lediglich im Jahr 2008 aus den Live-Aktivitäten zurückgezogen, da er auf eine Reise gegangen ist, die ihm die Bedeutung des Lebens eröffnen sollte. Nachdem er aber nicht das gefunden hatte, was er wollte, ist er auch Live zu THE MONOLITH DEATHCULT zurückgekehrt. Da wir keine Unmenschen sind, haben wir uns dazu entschieden, ihn einfach zurück aufzunehmen.

Michiel: Die harte Wahrheit ist: Carsten wollte eine große Nummer damit werden, endlich erwachsene Musik zu machen (natürlich nicht Death Metal). Das war ein riesengroßer Fehler und er kam rührselig angekrabbelt mit dem Schwanz zwischen seinen Beinen.

Nach dem letzten Track auf “Tetragrammaton” gibt es eine kleine Lehrstunde, wie man den Albumtitel überhaupt auszusprechen hatte. Wie kamt ihr denn darauf?

Ivo: Der “Kerl”, der die erzählerischen Passagen auf dem Album übernommen hatte, war sich nicht sicher, wie man den Titel ausspricht und hat demnach einfach alle möglichen Versionen genommen. Er dachte wohl, wir benutzen nur die Richtige….

Danke für das Interview und macht weiter mit eurer außergewöhnlichen Musik! Euch gehören die letzten Worte.

Ivo: Danke für das Interview und ich hoffe, eure Leser finden es lohnenswert hier reinzuschauen.

22.05.2013

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2 Kommentare zu The Monolith Deathcult - Interview mit Ivo und Michiel zum neuen Album "Tetragrammaton"

  1. AnonYmouS sagt:

    9. Frage: „… in Deutschland und der Schwarz“ .. da hat wohl jemand vorher zu viel Black Metal gehört? 😉

    „… ich hoffe, eure Leser finden es lohnenswert hier reinzuschauen.“ – Auf jeden Fall, Mann! Cooles Interview, auf genau sowas hatte ich gehofft nachdem das Album rauskam. Vor allem die Sache mit den Versprechern am Ende, hahaha 🙂

  2. Patrick Olbrich sagt:

    Huch, das ist wohl ein möglicher Erklärungsansatz. Ist jetzt aber auf die Schweiz ausgebessert. 🙂