Volbeat
"Die Leute warten sehnsüchtig darauf, wieder rauszukommen."

Interview

VOLBEAT brauchen heutzutage keine nähere Einleitung mehr. Sie gehören zu den größten Rock- und Metalbands Europas und füllen seit Jahren die größten Hallen. Ihr mittlerweile achtes Studioalbum trägt den Titel „Servant Of The Mind“. Zu dessen Veröffentlichtung haben wir uns ein mit Schlagzeuger Jon Larson zusammengesetzt und über das Album, Liebe zu Old-School-Death-Metal und die Pandemie unterhalten.

Volbeat feiern in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen. Zunächst einmal im Namen des metal.de-Teams: Alles Gute zu diesem Jubiläum und auf weitere 20 Jahre! Habt ihr das gefeiert und habt ihr eigentlich etwas Großes für diesen Anlass geplant?

Vielen Dank! Nein, eigentlich nicht. Wir haben über einige mögliche Ideen gesprochen, die wir umsetzen könnten. Aber da die Pandemie immer noch da ist, mussten wir alle Ideen über Bord werfen. Und um ehrlich zu sein, haben wir es total vergessen. Leute aus unserem Umfeld haben uns erst darauf aufmerksam ggemacht, dass 2021 ein Jubiläum ansteht. Und wir dachten nur: „Welches Jubiläum? Worüber redet ihr da? Oh, wirklich? Dann sollten wir uns wohl besser was einfallen lassen.“ Aber wegen der Pandemie kam es doch nicht zustande. Vielleicht finden wir ja was für das 25. Jubiläum, falls wir bis dahin bestehen.

Ist „Servant Of The Mind“ auch ein Geschenk an euch zum Jubiläum?

Ich würde sagen, dass es eher ein Geschenk für euch alle da draußen ist!

Wenn ihr das Studio betretet, würdest du sagen, dass VOLBEAT immer noch den gleichen Drive haben wie auf den ersten zwei oder drei Platten? Oder hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten etwas verändert?

Die eigentliche Vorgehensweise ist bei uns gleich geblieben. Für dieses Album jedoch ging der Prozess des Songwritings, Demo-Aufzeichnungen und so weiter sehr schnell. Wir haben uns buchstäblich wie kleine Kinder gefühlt. Wir waren glücklich, dass wir mit dem Ganzen so schnell fertig wurden. Der ganze Aufnahmeprozess hat nur ungefähr zweieinhalb Wochen gedauert.

Was? Das ist ganz schön schnell!

Ja, das war es wirklich. Es ging so schnell, dass wir gar nicht wussten, was wir mit der restlichen Zeit anfangen können. Wir saßen da und waren einfach fertig. Wir hatten aber noch zwei Wochen übrig. Dann haben wir angefangen, uns an die Bonussachen zu setzen. Coversongs und so weiter. Es lief wirklich flüssig und es waren viele positive Vibes und Energie im Studio. Es hat viel Spaß gemacht.

Also war es so wie in den alten Zeiten?

Es war wirklich so, wie bei den ersten beiden Alben. Wir mussten sie so schnell wie möglich aufnehmen. Vor allem auch wegen des Geldes. Wir hatten damals nicht so viel, das wir für die Aufnahmen ausgeben konnten. Deswegen ging es damals wirklich super schnell. Aber es war die gleiche Energie wie damals. Wir haben uns auch im Studio darüber unterhalten, dass es es sich wie bei den ersten Alben anhört.

Ja, man hört es dem Album an, dass es wieder mehr zurück zu den Wurzeln geht. Nicht vollständig, natürlich.

Ja, es gibt definitiv Songs, die wieder zurück zu den früheren Zeiten gehen. Absolut. Trotzdem behalten sie unseren eigenen Sound und den der späteren Alben bei. Wenn es um Melodien und die Hooklines geht. Aber es gibt defintiv Songs, die zu den guten alten Zeiten zurückgehen.

Ihr habt auch bei einigen Stücken rumexperimentiert, oder? Zum Beispiel auf „Lasse’s Birgitta“.

Experimentiert, nicht wirklich. Für manche Songs haben sich die Jungs wirklich Mühe gegeben, den richtigen Gitarrensound zu finden. Es gab einige Songs, für die sie nach einem bestimmten surftypischen Sound gesucht haben. Oder für „Becoming“ haben wir nach dem typischen Old-School-Death-Metal-Sound gesucht. Was wir wohl auch ganz gut hinbekommen haben. Wir haben nämlich das originale Boss HM-2-Pedal gefunden, welches jeder damals hatte. Du hattest damals dein Combo, deine Gitarre und ein Boss HM-2-Pedal. Ich glaube Jacob Hansen [Langzeitproduzent von VOLBEAT – Anm. d. Verf.] hatte noch so eins rumliegen. Nachdem wir es angeschlossen haben, klang „Becoming“ nach den frühen ENTOMBED. Wir haben wie kleine Kinder gekichert.

Oder nach DOMINUS, der früheren Band eures Sängers Michael Poulsen?

Ja, er hatte damals auch so eins.

Auch textlich habt ihr euren Ton ein wenig verändert. Während es in euren älteren Songs meist um typische Rockabilly-Geschichten ging, greift ihr jetzt auch düstere Themen auf, behandelt aber auch mythologische und historische Themen. Kannst du uns mehr über Songs wie „Temple of Ekur“, „Lasse’s Birgitte“ oder „The Sacred Stones“ erzählen?

Als diese Songs entstanden sind, fand Michael, dass sie eher düstere oder härtere Texte bräuchten. Bei „Lasse’s Birgitta“ stieß er auf die Hexenverbrennungen in Schweden. Immer wenn er etwas sieht oder hört, macht er sich irgendwo Notizen für Ideen. Und ich vermute er fand irgendwo die Notiz zu den Hexenverbrennungen und dachte sich: „Oh, yeah. Diese Verbrennungen!“. Er hat zu dem Thema recherchiert und den Text auf Basis historischer Fakten verfasst. Weißt du, für solche Songs, auch „The Sacred Stones“, hätte es nicht gepasst, die typischen „Ich liebe dich“-Texte zu verwenden. Als wir diese Songs geprobt haben, fanden wir, dass sie diesen gewissen BLACK SABBATH-Vibe besitzen. Die Dio-Jahre. Ich will jetzt nicht sagen, dass sie wie BLACK SABBATH klingen. Aber es geht um das Gefühl, nach dem wir gesucht haben. Ob wir es hinkriegen, das zu erzeugen. Deswegen brauchten wir härtere Texte als nur „I love you“.

Es ist ein recht moderner Trend, dass Bands und Künstler neue Alben mit einer geringeren Anzahl von Songs veröffentlichen. Manchmal bekommen die Fans nur 9 bis 10 Songs. Aber wie immer ist „Servant of the Mind“ mit 13 regulären Songs vollgepackt mit Musik. Ist das VOLBEATs Art, sich gegen die modernen Trends zu stellen?

Ich glaube, dass wir uns um sowas keine Gedanken gemacht haben. Wir hatten einfach eine Menge Songs, lasst sie uns also aufnehmen. Und falls sie alle großartig werden, lasst sie uns aufs Album packen. Falls ein bis zwei Songs nicht ganz so gut ausgefallen wären, hätten wir sie nicht aufs Album gepackt. Aber alle waren stark, also warum nicht auch aufs Album packen?

Der Bonussong „Return to None“ klingt fast schon nach einer Jamsession von euch?

Oh, nein, nein. Das ist tatsächlich ein Coversong von der schwedischen Band WOLFBRIGADE. Michael hat die in den letzten Jahren ziemlich oft gehört. Und als wir uns nach möglichen Songs zum Covern umgeschaut haben, hat er uns diesen Song zugeschickt. Und dann dachten wir uns, warum nicht?

Auf dem Song „Dagen Før“ ist die Sängerin Stine Bramsen vom dänischen Pop-Duo ALPHABEAT zu hören. Wie kam es zu dieser Art der Zusammenarbeit?

Michael kam relativ spät während der Proben mit dem Song an. Er hatte schon während der Arbeiten an „Rewind…“ an diesem Song gearbeitet. Aber weil er keinen Weg gefunden hat, ihn richtig fertigzuschreiben, hat er ihn sein lassen. Irgendwann hat er es geschafft. Im Probenraum meinte er, dass er da eine weibliche Stimme höre. Ich dachte mir, warum nicht? Wir hatten ja damals schon Sarah Blackwood (WALK OFF THE EARTH) in einem Song [„Lonesome Rider“ von „Outlaw Gentlemen and the Shady Ladies“ – Anm. d. Verf.]. Ich glaube, er sagte gleich von Anfang an, dass wir Stine Bramsen anfragen sollten. Sie hat eine gute Stimme und wir haben sie schon ein paar Mal getroffen. Er hat ihr die Demo geschickt und sie hat direkt zugesagt. Sie hat den Song in zwei Stunden eingesungen. Wenn es darum geht, haben wir irgendwie immer Glück. Fast jeder, den wir hierzu angefragt haben, hat gleich zugesagt. Sei es Barney Greenway von NAPALM DEATH, Sarah Blackwood oder Mille Petrozza von KREATOR – wenn wir gefragt haben, ob sie mitmachen wollen, haben sie sofort zugesagt. Wir können uns also nicht beschweren. Die müssen uns wirklich mögen.

Euer vorheriges Album „Rewind, Replay, Rebound“ erschien kurz bevor der Coronavirus die Welt heimsuchte. Jetzt, zwei Jahre nach der Pandemie, seid ihr dabei, euer achtes Album zu veröffentlichen. Was würdest du sagen, wie wichtig es für dich war, während all dem wieder ins Studio zu gehen?

Es ist eigentlich nur passiert, weil wir ursprünglich 2020 auf Tour gehen sollten. Im Frühling sollten wir nach Amerika gehen. Als die ganze Tour gecancelt wurde, dachten wir uns: „Verdammt!“ Aber wir haben ja noch den Sommer, in dem wir auf vielen europäischen Festivals spielen sollten. Aber ganz plötzlich…naja, ihr kennt die Geschichte. Die ganze Welt ist zusammengebrochen. Und wir dachten: „Nun, okay. Was machen wir jetzt?“. Wir sind nicht eine dieser Bands, die uns dann einfach zurückziehen und sagen können, 2017 war ein tolles Jahr, wir sehen uns. Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, ein Sabbat-Jahr einzulegen. Aber nach ein paar Wochen, dachten wir uns: „Nee, wir müssen wahrscheinlich was machen.“ Wir mögen es zu arbeiten. Wir haben uns entschieden, ein paar Wochen frei zu nehmen. Michael meinte, er würde schauen, ob er in der Zeit mit ein paar Songs fertig wird, die wir dann proben können. Und das war im Grunde das, was wir gemacht haben.

Ehe wir es gemerkt haben, hatten wir 12, 13, 14 Songs bereit. Vergangenen Sommer haben wir die Demos aufgenommen, was ein paar Tage gebraucht hat. Wir dachten das Material sei wirklich stark, wirklich gut. Also dachten wir uns: „Hey, lasst sie uns richtig aufnehmen! Lasst uns ein Album bereit haben, falls wir im schlimmsten Fall wirklich nicht touren können“. Wir wussten ja, dass das Management oder die Plattenfirma ankommen und sagen würden, dass sie ein neues Album brauchen. Also: Hier ist es, wir waren schneller als ihr! Wir haben 2020 mit den Proben und Aufnahmen verbracht und das Album war fertig. Aber wir mussten ein ganzes Jahr darauf warten, dass es veröffentlicht werden kann. Aber auf der anderen Seite: Dieser Tage kannst du nicht einfach so ein Album raushauen und erwarten, dass es wirklich gut läuft. Es sei denn du kannst es mit Promos, Videos, Touring und so weiter begleiten. Da es dieses Jahr fast keine Tour gab, vor allem in Europa, muss das Album eben warten, bis sich die Dinge soweit normalisiert haben, dass wir nächstes Jahr auf Tour gehen können. Und das haben wir diesen Sommer gemacht.

Vor ein paar Tagen habt ihr bekannt gegeben, dass VOLBEAT zwei Headliner-Konzerte in Berlin und Hannover spielen wird. Wie aufgeregt seid ihr, wieder auf europäischem Boden zu spielen?

Wir schauen natürlich zuversichtlich auf das nächste Jahr. Wir haben auch eine Co-Headlining-Tour mit GHOST im Januar nächsten Jahres. Und von da an ein paar ausgewählte Headlining-Shows und Festivalauftritte. Ich denke – und hoffe – dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren kräftig auf Tour sein werden.

Glaubst du, dass sich über die vergangenen beiden Jahre das Publikum verändert hat? Glaubst du, dass die Shows noch intensiver ausfallen werden?

Ich kann mir wirklich vorstellen, dass es viel intensiver wird. Die Leute warten sehnsüchtig darauf, wieder rauszukommen. Wieder auf Konzerte zu gehen. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist. Aber hier, nachdem einiges wieder geöffnet worden ist, gab es einige kleinere Konzerte. Aber man musste sich hinsetzen, die Maske tragen und all diese Einschränkungen. Und ich dachte mir, dass ich dem nicht folgen werde. Ich werde mich nicht bei einem Metal-Konzert hinsetzen. Für SIMON & GARFUNKKEL würde ich mich hinsetzen. Aber für ein Metal-Konzert muss man eben aufstehen, ein Bier trinken, Spaß haben. Aber die Leute haben sich hingesetzt.

Deswegen hoffe ich, dass die Konzerte nächstes Jahr, vor allem die Festivals, wieder offener und mehr wie früher werden. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es ziemlich intensiv wird. Vor ein paar Monaten haben wir eine kleine Tour in den USA gemacht. Und es hat sich so angefühlt, als ob die Leute einfach auf jede Art von Rock-Show gewartet haben. Wir konnten es spüren. Wir waren eingerostet, aber sie waren es auch. Aber am Ende hat alles geklappt. Also ja, ich kann mir vorstellen, dass es intensiver wird. Aber auf eine gute Weise.

Damit bin ich auch schon am Ende. Vielen dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um alle Fragen zu beantworten!

Kein Problem!

Und ich hoffe auf einen guten Start für euer neues Album und dass wir uns alle nächstes Jahr wieder sehen!

Ganz wahrscheinlich nächstes Jahr!

Galerie mit 18 Bildern: Volbeat - Tons Of Rock 2019
03.12.2021

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