Volbeat
Interview mit Thomas Bredahl

Interview

Am 29. August 2008 wurde das dritte VOLBEAT-Album „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ in Deutschland veröffentlicht. Im Zuge dessen befanden sich Michael Poulsen und Thomas Bredahl Ende August auf Promotion-Tour in Deutschland. Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns im Herzen Berlins mit Thomas getroffen. Kurzzeitig war auch Michael dabei und hat sich zu ein paar Neuerungen geäußert (seine Antworten sind extra gekennzeichnet). Abgesehen davon hat sich Thomas allein eine Stunde für unsere Fragen Zeit genommen.

Volbeat

Gibt es einige Fragen, die Du wirklich nicht mehr hören kannst?

Nein. Natürlich geben wir sehr viele Interviews. Wir waren jetzt eine Woche in Deutschland unterwegs um Interviews zum neuen Album zu geben und hatten natürlich vorher schon Interviews in Dänemark. Daher gibt es natürlich Fragen, z.B. wie die Band begonnen hat, die wir schon sehr oft beantwortet haben. Es macht uns aber nichts aus über das zu reden was wir tun, wir sagen eben fast das gleiche und kennen ungefähr die Hälfte der Fragen. Manchmal gibt es aber auch Überraschungen.

Ihr habt zwei Neuerungen auf „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“, eine Sängerin in „Mary Ann’s Place“ und Streicherarrangements in „Light A Way“. Warum?

Michael: Warum nicht?

Weil Eure Musik meiner Meinung nach bisher hervorragend ohne solche Elemente ausgekommen ist.

Michael: Weil so viele Bands schlechte Sängerinnen haben, habe ich versucht eine zu finden, die tatsächlich singen kann. Der Song „Light A Way“ ist sehr stark durch Gospel beeinflusst und ich wollte eine schwarze Gospelsängerin für den Refrain. Es war nicht einfach, eine entsprechende Sängerin zu finden, denn in Dänemark sind es immer weiße Gospelsängerinnen und sie klingen einfach nicht so gut wie schwarze Sängerinnen. Daher musste ich diese Idee verwerfen, den Refrain umschreiben und alleine singen. Danach habe ich „Mary Ann’s Place“ geschrieben. Dem Song hat jedoch etwas gefehlt und ich hatte die Idee, Pernille Rosendahl zu fragen, diesen Song mit mir zu machen. Ich denke, dass sie eine wirklich gute Sängerin ist und dies ein sehr guter Song ist. Ich bin wirklich stolz, dass Pernille diesen Song mit uns gemacht hat. Sie klingt großartig.

In Bezug auf das Streicherarrangement: Ich bin ein Fan der MANIC STREET PREACHERS und liebe diese großen emotionalen Songs, in denen die Streicher die Melodie tragen. Ich wollte immer solch einen Song schreiben. Plötzlich hatte ich die Idee zu den Streichern für „Light A Way“ und unser Produzent kannte jemanden, der meine Ideen umsetzen konnte. Ich denke, es ist einer der besten Songs auf dem Album. Es geht einfach darum etwas zu tun, was man wirklich möchte. Es war ein großer Wunsch von mir und die anderen Bandmitglieder sind auch sehr stolz auf diesen Song. Wir möchten die VOLBEAT-Musik auf ein anderes Level bringen, wir wollen uns weiter entwickeln.

Ich dachte nur, es gibt derzeit so viele Bands mit Streicherarrangements…

Thomas: Das ist eine Regel, man muss Streicher auf der dritten CD haben *allgemeines Lachen*. Auf der zweiten Akustikgitarren und auf der dritten Streicher. Es ist wie Michael es angedeutet hat. Es gibt keinen Grund, ein weiteres VOLBEAT-Album wie die vorherigen zu machen. Wir wollten bei unserem Stil bleiben, aber eben verbunden mit ein paar neuen Sachen, so wie auf dem zweiten Album Akustikgitarren dazu kamen. Die gab es auch schon ein wenig auf dem ersten, aber beim zweiten kamen noch Slide Guitars und ähnliches hinzu. Wir haben verschiedene Genres kombiniert und unsere Einflüsse hinzugefügt.
Wir haben die guten VOLBEAT-Elemente herausgenommen und erweitert. Es ist immer noch VOLBEAT, aber wir zeigen mehr, was wir können. Es ist auch eine Herausforderung an die Band und für Michael als Songwriter, Inspirationen, wie die MANIC STREET PREACHERS, in seine eigenen Songs einfließen zu lassen. Aber auch einen Song zu schreiben, den man fünf Jahre zuvor vielleicht nicht schreiben konnte, weil man die Möglichkeiten nicht hatte. Sich selbst fordern.

Es wurde schon in einigen Interviews erwähnt, dass die Geschichte von Guitar Gangsters & Cadillac Blood auf dem nächsten Album weiter geführt wird. Sind die Songs, bzw. die Geschichte schon fertig?

Nein. Es ist eher so, dass die Geschichte auf diesem Album nicht vollständig erzählt wird. Es gibt Teile, die offen bleiben. Wir wissen es aber noch nicht.

Es ist also nicht nur ein Marketing-Gag um die Leute dazu zu bringen auch das nächste Album zu kaufen?

Nein, es ist aber auch so, dass Michael gerade auf die Idee gekommen ist, die Geschichte vielleicht doch nicht auf dem nächsten Album fortzuführen sondern etwas anderes damit zu machen, zum Beispiel es zu schreiben, aber wir wissen es noch nicht wirklich. Es ist nur eine Geschichte, die noch nicht vollständig erzählt wurde. Wisst ihr worum es in der Geschichte geht?

In der Geschichte geht es um einen Mann, der erschossen gefunden wird. Als jedoch die Polizei auftaucht, sind er und der Cadillac verschwunden. Zusammen mit einer Band tourt er durch verschiedene Clubs um seinen Mörder zu finden.

Ja, als eine Band die Musik spielt und das macht, was wir auch tun: sie reden mit den Leuten. Die meisten Songs sind Geschichten der Konzertbesucher, welche die „Guitar Gangster“ erfahren indem sie mit den Leuten sprechen. Aber natürlich wäre es nett herauszufinden warum er erschossen wurde und ob er seinen Mörder findet, da er ja deswegen umher reist.
Das ist wie mit manchen Filmen und Büchern, die irgendwo beginnen und enden, aber man bekommt die Vorgeschichte und das Ende nicht. Das kann manchmal ein bisschen nervig sein und wenn es eine gute Geschichte ist, will man auch die anderen Teile der Geschichte wissen.
Aber es ist keine Marketing-Masche. Es ist nur eine nette Sache, die wir schon in kleinerem Rahmen auf den anderen Alben gemacht haben. Aber es gibt andere Wege als ein Album um die Geschichte fortzuführen, vielleicht nur ein Song, wie bei der Geschichte von Danny & Lucy. „Danny & Lucy“, „Fire Song“ und „Mr & Mrs Ness“ gehören zusammen und „Mary Ann’s Place“ führt dies fort. Das ist aber nicht wirklich eine Geschichte, es sind nur Teile aus dem Leben dieser Figuren.

Man kann es natürlich auch offen lassen, der Phantasie der Leute überlassen.

Das ist natürlich eine andere Sache, wie bei Büchern, deren Ende offen ist. Man will noch ein bisschen mehr wissen, aber man bekommt dieses kleine Detail nicht. Das ist ärgerlich, aber so ist es nun einmal und es lässt einen weiter darüber nachdenken.

Ihr seid im letzten Jahr viel auf Tour gewesen. Was ist das Wichtigste, das Du aus einer Tour mitnimmst?

Das kommt auf die Tour an und was wir erleben. Die meisten Tage sind sehr ähnlich, wir fahren in die nächste Stadt, machen den Soundcheck und all das. Aber in Bezug auf die Menschen – wir gehen immer nach der Show raus und reden mit den Leuten, geben Autogramme und machen Fotos – aber manche Leute bleiben auch länger, wir können uns unterhalten und was trinken. Manchmal trifft man eben Leute, die gleiche Interessen haben und dann kann man sich sehr gut mit ihnen unterhalten. Ich studiere auch und wenn ich jemanden treffe mit dem ich mich darüber unterhalten kann, dann rede ich stundenlang.

Dann ist da natürlich auch der Spaß, den wir als Gruppe haben – Band und Crew, die Crew besteht aus Freunden, die schon dabei waren bevor die Band Geld abgeworfen hat. Wir sind zehn Männer zusammen im Bus, wir sind zwar nicht „allein zu Haus“, da wir nicht daheim sind, aber wir sind „allein“ auf der Straße. Das sind natürlich auch einige Abenteuer. Und wenn wir einen Tag frei haben, findet Daniel, unser Tour-Manager, immer einen Freizeitpark, Aqualand oder etwas anderes zu tun. Gestern hatten wir beispielsweise ein paar Stunden frei zwischen den Interviews und wir waren Gokart fahren.

Du hast vorher erwähnt, dass Du studierst. Was studierst Du?

Ich studiere BWL und Psychologie und bin fast fertig. Das kann natürlich ein bisschen langweilig sein und es ist ein bisschen streberhaft, aber ich mag es auch mein Gehirn zu benutzen. Rock ‚N Roll kann Spaß machen, aber es kann manchmal auch langweilig sein. Da tut es gut manchmal auch über andere Dinge nachzudenken und fordernde Texte zu lesen.

Ich werde es allerdings für nichts nutzen. Ich habe einfach die letzten sechs Jahre studiert. Normalerweise dauert es nur fünf Jahre aber ich hatte in den letzten Jahren sehr viel zu tun. Es ist sehr praktisch, in Dänemark muss man als Student nur zu bestimmten Zeiten anwesend sein, wie Prüfungen. Natürlich kann man auch zu den Vorlesungen gehen, aber man kann genauso gut zwei Wochen nicht auftauchen, auf Tour gehen. In einem normalen Job würde das nicht funktionieren, aber Studium und Musik lassen sich gut miteinander verbinden. Die meisten meiner Freunde werden jetzt fertig und beginnen zu arbeiten und Karriere zu machen während ich VOLBEAT mache. Auch wenn ich das Studium nicht direkt für irgendwas verwenden muss, gibt es eine Menge, das sich auf das Musikgeschäft anwenden lässt.

Du hast erwähnt, dass Ihr nach den Konzerten gerne mit den Fans redet. Manche Clubs fegen die Leute aber recht schnell heraus, macht Euch das was aus?

Ja natürlich. Wir wollen mit den Leuten sprechen. Sie mögen unsere Musik, kaufen unsere CDs und kommen zu unseren Konzerten. Da ist das Mindeste was wir machen können mit den Leuten zu sprechen. Natürlich können wir das nicht sofort, wir müssen zumindest was trinken, duschen und vielleicht über die Show reden. Normalerweise gehen wir nach ca. 20 Minuten raus, während denen die Leute manchmal schon raus geworfen werden. Wir wissen das nicht und erwarten mit 500 Leuten zu sprechen, dann stehen aber nur 20 da. Das ist schon ärgerlich, aber ich kann auch die Clubs verstehen. Die Angestellten wollen aufräumen, den Club schließen und Feierabend machen, Betrunkene können aber recht lange auf bleiben.

Hast Du noch so eine Art Lampenfieber vor Konzerten?

Nicht wirklich. Ich habe schon so viele Konzerte mit VOLBEAT gespielt und vorher war ich auch in einer anderen Band, mit der ich ca. 250 Konzerte gespielt habe. Es ist ein bisschen wie eine Prüfung. Wenn man wirklich gut vorbereitet ist, muss man keine Angst haben, da man alles weiß. Momentan ist es wie die gleiche Prüfung 200 Mal zu absolvieren. Wenn wir gut vorbereitet sind, kann nichts passieren, da wir immer das Gleiche machen, da kann also nichts schief gehen.
Große Shows, wie manche Festivals, aber auch, als wir Vorband bei METALLICA waren, sind schon was anderes. Da kommt schon die Frage auf, wie das sein wird, ob wir so viele Menschen begeistern können.
Aber es ist mehr die Frage, wie die Leute reagieren. Wir wissen, was wir tun. Das Einzige was passieren kann ist, dass unser Equipment nicht funktioniert oder dass etwas passiert, auf Grund dessen wir aufhören müssen zu spielen. Aber das tatsächliche Spielen ist kein Problem. Wir mögen das einfach. Es ist ähnlich wie mit Leuten, die es nicht mögen vor vielen Menschen zu reden, aber mir macht das nichts aus. Das ist einfach eine Frage der Persönlichkeit, ob man das mag oder nicht.

Ändert sich das Gefühl während einer Show?

Ja natürlich, denn man beginnt und schaut was passiert und dann interagieren wir mit den Leuten. Eine Nacht passiert etwas worüber wir Scherze machen und in der nächsten passiert etwas anderes. Da wir so viele Shows spielen, hat man auf manche Konzerte auch nicht ganz so viel Lust wie auf andere und dann braucht es ein paar Songs um in Gang zu kommen. Manchmal sind wir auch einfach nur müde von den langen Reisen oder man ist schlichtweg körperlich nicht fit nach drei Wochen Tour. Aber wenn die ersten Songs laufen und man das Lächeln auf den Gesichtern der Leute sieht, dann ändert sich das und man erinnert sich, dass es das ist was man machen will.

Ihr wart auch Vorband bei MEGADETH und uns wurde erzählt, dass bei dem Konzert in Kopenhagen viele Leute gegangen sind nachdem ihr auf der Bühne wart. Wie hat sich das angefühlt?

Erstmal muss ich richtig stellen, dass wir Vorband bei MEGADETH in Helsinki waren. Ein paar Wochen später haben wir dann das Konzert in Dänemark mit MEGADETH gemacht, das war aber eine Doppelshow, weil wir eine große Show spielen wollten und nach einer passenden Band gesucht haben, die gerade auf Tour war. MEGADETH waren nur ein paar Monate zuvor in Dänemark und Michael und Dave hatten sich getroffen, da wir gerade ein ausverkauftes Konzert in derselben Halle gespielt hatten, in der sie auch waren. Daher war Dave ein wenig neugierig, auch wegen der Aussage eines Journalisten, METALLICA hätten Michael als Songwriter für ihre „Load“ und „Reload“ Alben engagieren sollen.
In Bezug auf diese Show haben wir vermutlich mehr Publikum angezogen als MEGADETH, aber es war ein bisschen traurig, dass Leute nach unserem Auftritt gegangen sind und während ihrem Auftritt nach uns gerufen haben. Das ist wirklich kein Spaß, besonders da sie schon so lange im Geschäft sind und so viele gute Alben gemacht haben. Vielleicht mögen manche Leute die Band nicht und waren nur wegen uns da, aber es ist nichts desto trotz unhöflich.

Nachdem die Arbeit an einem Album fertig ist, hörst Du dir die Musik dann noch gerne an, oder sagst du erstmal: alles nur nicht diese Songs. Hörst du dir später an, was du zum Beispiel zwei Jahre zuvor gemacht hast?

Ich höre mir gerne unsere Songs an, denn ich bin wirklich stolz auf das was wir machen. Wenn man kein Album aufnehmen kann, das man auch selber hören möchte, wieso sollte man es dann aufnehmen?

Zu dem Zeitpunkt, an dem wir das Studio verlassen, hören wir uns die Songs viel an weil die Arbeit daran noch nicht abgeschlossen ist. Nachdem man es ein paar Mal angehört und ein paar Dinge verändert hat, lässt man es für eine Weile im Regal stehen, da man sich erst einmal daran gewöhnen muss, dass das Album fertig ist. Es dauert einfach eine Weile bis sich das Gehirn an den Abschluss des kreativen Prozesses gewöhnt hat und man es als ein Album sehen kann.
Denn vielleicht hatte man eine Idee, die es nicht auf das Album geschafft hat. Ich habe beispielsweise noch einen Gitarrenpart im Ohr, den ich gespielt habe, der es nicht auf das Album geschafft hat. Vielleicht haben wir ihn einfach verworfen, vielleicht mochten ihn die anderen nicht, vielleicht hatten wir eine bessere Idee oder wir haben ihn einfach nicht gebraucht. Wie Du vorher gesagt hast, warum musstet Ihr das hinzufügen. Manchmal muss man Sachen nicht dazu tun, manchmal sollte man es einfach bei weniger belassen.

In Bezug auf die alten Alben ist es eher so, dass wir einige Songs schon länger nicht mehr gespielt haben und ich mir diese dann zu Hause noch einmal anhöre, einfach um sie im Kopf zu behalten. Aber es ist nicht so, dass ich mir die alten VOLBEAT-CDs oft anhöre. Ich habe sie schon bevor ich zur Band dazu gekommen bin oft gehört und während des Probens für die Songs. Dann haben wir letztes Jahr 103 Shows gespielt und dieses Jahr werden es um die 85 sein. Das macht also an die 200 Shows plus das ganze Proben. Wir haben die Songs also um die 500 mal gespielt. Aber manchmal will ich auch einfach wissen wie es auf CD klingt.

Es ist also nicht wie bei einigen Künstlern, ich bezeichne mich selbst allerdings nicht als Künstler, aber Leute nennen es so. Es gibt einige Künstler und Musiker, die es nicht mögen ihre eigene Musik zu hören. Aber ich mag es unsere Musik zu hören da ich sie für gut halte.

Wen schätzt Du am meisten als Kritiker an dem was Du machst?

Ich habe einen Freund der nach England umgezogen ist, aber das war früher in meiner Karriere. Wir haben immer gesagt, dass er der kritischste Mensch ist den wir kennen. Er hat immer gesagt, ja das ist gut, aber…
Mein Vater ist auch sehr kritisch. Nachdem ich ihm das fertige Album geschickt habe, hat er mir eine SMS geschrieben: ich hab mir das Album oft angehört und es klingt poppiger, ihr klingt kommerzieller. Er weiß, dass ich das hasse. Aber ich weiß nicht ob ich ihn als Kritiker bezeichnen kann. Einige Freunde, die auch Musiker sind, da geht es eher um technische Sachen, die sie nicht mögen und fragen warum habt ihr dies und das gemacht.
Ich weiß nicht wer die kritischste Person ist, vielleicht ich selbst. Es sollte jedenfalls so sein.

Was ist für Dich ein Künstler, wenn du dich selbst nicht als einen bezeichnen würdest?

Ich weiß nicht. So ein Stereotyp. Jemand der in seinem kleinen Dachzimmer wohnt, von Wasser und Rotwein lebt, alle möglichen bizarren Dinge tut und die ganze Zeit komplett in seine Sachen vertieft ist. Ich denke nicht, dass so eine Person existiert, aber das ist eher meine Vorstellung von einem richtigen Künstler. Jemand der etwas wirklich Außergewöhnliches schaffen kann. Ich weiß, manche Leute denken, dass wir etwas wirklich Außergewöhnliches machen, aber da wir Teil davon sind, tun wir nur, was wir tun wollen. Ich sehe mich selbst als Musiker.

Es ist auch so, wenn man von sich selbst als Künstler spricht, stellt man sich höher: ich bin Künstler und weiß was Kunst ist und was nicht. Was wir machen ist Rock ‚N Roll, es geht darum Musik zu spielen und eine gute Zeit zu haben. Nicht darum, sich selbst oder die Band als künstlerisch hervorzuheben. Natürlich ist das was wir tun Kunst und wir sind irgendwo Künstler, aber ich mag einfach das Wort nicht.

Hast Du eigentlich noch genug Zeit für GOB SQUAD? So viel wie Du mit VOLBEAT auf Tour bist, scheint nicht wirklich viel Zeit für GOB SQUAD zu bleiben.

Natürlich nicht. Wenn Du Dir den VOLBEAT-Tourplan anschaust, dann liegen dazwischen noch Album aufnehmen, Fotosessions, Videodreh, Interviews, Proben etc.. Das ist wie ein Vollzeitjob.
Wir haben dieses Jahr bisher an die 30 Konzerte mit GOB SQUAD gespielt. Ein paar Release-Shows in Dänemark im Januar, im Februar in Schweden und im März hatten wir ein paar Shows in Deutschland. Momentan haben wir noch ein paar Dänemark-Shows auf dem Plan, eine alleine, vier Konzerte mit Pernille Rosendahls – die Sängerin bei „Mary Ann’s Place“ – Band THE STORM, eine Show in Schweden und ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr eine Tour mit einer anderen Band machen können. Es ist einfach eine Frage der Zeit, denn ich kann keine zwei Wochen Pause vom VOLBEAT-Terminplan nehmen um mit GOB SQUAD zu touren.
GOB SQUAD ist nicht so bekannt. Die Band hat vor ca. zehn Jahren begonnen und wir haben an die 250 Shows gespielt. Es sind meine Freunde, ich verbringe meine Zeit gern mit ihnen, aber nicht notwendigerweise um Musik zu spielen. Wir können auch einfach so durch die Gegend fahren. Ich mag die Band. GOB SQUAD ist mein Baby, ich habe vor zehn oder zwölf Jahren zusammen mit dem Drummer begonnen und alles gelernt, was ich darüber weiß in Bands zu spielen, auf Tour zu sein, Musik zu schreiben, aufzunehmen und Videos zu machen. Ich wünschte, sie könnten das gleiche erleben wie ich gerade mit VOLBEAT.

Auf der anderen Seite habe ich darüber nachgedacht und wir haben darüber geredet, ob es noch einen Grund für mich gibt in der Band zu bleiben und ob es noch Grund gibt, dass die Band bestehen bleibt. Ich hoffe, dass wir es schaffen, aber natürlich klappt das nicht Vollzeit. Ich kann nicht 100 Shows mit VOLBEAT und 100 Shows mit GOB SQUAD spielen. Von daher muss es einen Weg geben beides zu vereinen. Bis jetzt ist es ganz gut gelaufen, wir konnten ein paar Shows spielen und noch sieben oder acht im Herbst, das ist nicht viel aber besser als gar nichts. Abgesehen davon kann ich nicht nach einer dreiwöchigen Tour mit VOLBEAT nach Hause kommen und nach ein oder zwei Tagen wieder auf Tour gehen. Ich muss wenigstens eine Woche zu Hause sein.

Auf der DVD wurde bereits erwähnt, dass Michaels Freundin zum Teil Probleme damit hat, dass sie nicht wirklich Zeit allein mit ihm hat, selbst wenn er daheim ist, da Fans immer wieder auf ihn zukommen. Wie ist das bei Dir und den anderen, habt ihr ähnliche Probleme oder konzentriert sich der Rummel auf Michael?

Natürlich, da Michael diese Elvis-Maske trägt… Leute erkennen Michael einfach, denn mit jedem Interview gibt es ein großes Bild von Michael, vielleicht ist auch die Band dabei aber er ist der VOLBEAT-Stereotyp also erkennen ihn die Leute. Ich denke nicht, dass er ein Problem damit hat. Es ist mehr so, dass wenn er daheim ist, es ihre Zeit ist. Da kann es natürlich ärgerlich sein, wenn sie ausgehen und er schlussendlich damit beschäftigt ist Autogramme zu geben und mit Fans zu reden. Ihm macht das allerdings nichts aus.
Die Leute erkennen auch uns andere. Mir macht das immer noch Spaß, speziell wenn Leute mich als Teil von VOLBEAT erkennen, aber nicht wissen was ich mache. Es ist nichts das mir auf die Nerven geht, ich kann mich frei bewegen und es ist kein Problem Autogramme zu geben und Fotos machen zu lassen.
Ich denke, es ist eher ein Problem für meine Freundin, dass ich so oft weg bin und selbst wenn ich daheim bin, sind meine Gedanken manchmal woanders, am Telefon mit Michael um Dinge zu besprechen, Telefoninterviews.
Wir können auch nicht wirklich so etwas wie Urlaub planen, nicht unbedingt wegfahren, vielleicht einfach nur zu Hause bleiben. Es kommen immer wieder Anfragen, ein Interview hier, eine Fotosession da und vielleicht können wir noch eine Show einschieben. Wir hatten das diesen Sommer: Anders hat zwei Kinder und er hat gesagt, er braucht zwei Wochen Urlaub mit seinen Kindern und seiner Frau. Aber dann kamen immer mehr Konzerte dazu, so dass keiner verreisen konnte. Ich will mich nicht darüber beschweren, aber ich denke, dass es auf ihre Nerven geht.

Ich sehe mich selbst als einen modernen Seefahrer: man ist draußen auf dem Meer, hat eine gute Zeit, erlebt viel und vermisst die Heimat und wenn Du nach Hause kommst, willst Du sofort wieder in See stechen. Das kann vermutlich ein bisschen nervig sein.

Noch eine Frage in Bezug auf Copyright. Gerade im Musikgeschäft ist das sehr wichtig, da es Musikern ein Einkommen sichert, aber eine Menge Leute kritisieren, dass im Grunde genommen Bands nicht wirklich was verdienen. Stellst Du manchmal das existierende System in Frage und überlegst ob es bessere Varianten geben könnte?

Das kommt auf den Vertrag an. Manche Bands bekommen ein Angebot von einem Label, das sie unter Vertrag nehmen will, ihnen Geld gibt und alle Rechte verlangt. Bei einer neuen Band, die niemand kennt, ist das natürlich eine große Chance und manchmal unterzeichnen Leute einen Vertrag, der sie fast schon zu Sklaven macht. Man sollte aber auch bedenken, dass sie das Geld und die Werbung bekommen, die ihnen zugesichert wurden. Manche Bands vergessen einfach, dass Hotel, Studio etc. auch etwas kosten und diejenigen, die das im Endeffekt bezahlen sind die Musiker.

Wir sind keine Neulinge. Michael ist schon lange im Geschäft und hat vier Alben mit DOMINUS gemacht. Ich bin auch schon eine ganze Weile dabei und beschäftige mich mit den geschäftlichen Sachen Drumherum. Viele Bands vergessen, dass es einen Grund für die Bezeichnung Musikgeschäft gibt und man Geschäft in Großbuchstaben schreiben sollte, am besten unterstrichen, fett und vielleicht noch blinkend. Es ist ein Geschäft, Leute verdienen Geld damit und wie in jedem anderen Geschäft muss man seine Rechte kennen und sich für diese einsetzen.
Manchmal muss man auch nein sagen können, was für eine unbekannte Band sehr hart sein kann. Man bekommt vielleicht nur ein Angebot, kann es sich nicht leisten, den Vertrag von einem Anwalt überprüfen zu lassen und hat plötzlich alles verkauft. Viele Bands machen das auch mit ihrem Merchandise, sie vergeben die Lizenz und verdienen nichts daran. Aber sie bekommen stattdessen Prozente oder eine einmalige Zahlung.
Es gibt eine ganze Menge Wege dies zu handhaben. Wir versuchen einfach, alles in der Hand zu behalten. Das liegt auch daran, dass wir keine Teenager-Band sind, die zufällig ein gutes Album gemacht hat und Glück hatte, dass sie jemand unter Vertrag nehmen wollte. Wir wissen was wichtig ist in diesem Geschäft.

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30.08.2008

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