Weird Fate
Interview zu "The Collapse..."

Interview

Weird Fate

WEIRD FATE haben mit „The Collapse Of All That Has Been“ ein ziemlich beeindruckendes Debüt vorgelegt – auch wenn das nicht unbedingt bei allen Kollegen angekommen ist. Grund genug auf jeden Fall, den Jungs ein paar Fragen zu schicken. Während die Musik der Truppe klar in den Mittneunzigern verwurzelt ist, haben die Antworten komischerweise etwas vom Ende besagten Jahrzehntes, als BM allen irgendwie ein bisschen peinlich war. Egal, los geht’s:

Tach. Wie geht’s wie steht’s? Heute schon die neuesten Rezensionen gelesen?

Hallo. Rezensionen lesen wir – in Fanzines wie auch in Webmagazinen, falls das deine Frage beantwortet. Aber mal ehrlich: Wo willst du hin? Die Natur erwacht langsam wieder aus ihrem Winterschlaf, Grund genug jetzt noch verstärkt die Tür ins Schloss fallen zu lassen und draußen durchzuatmen.

Noch kurz ein Wort zu Rezensionen. Eigentlich ist das doch anno 2012 kompletter Unsinn, oder? Vor 15 Jahren war das ja noch nachvollziehbar, schliesslich konnte man gerade in weniger populäre Sachen kaum vorher reinhören, aber heute? Warum führt ihr als Band bzw. euer Label und wir als Schreiberlinge diesen redundanten Tanz noch auf? Nicht dass man über Musik gar nicht mehr schreiben sollte, aber der traditionelle Ansatz mit sog. „Bemusterung“ und „Rezipflicht“ ist doch absolut überholt und reine Zeit- und Geldverschwendung.

Musik hat etwas mit Leidenschaft und Passion zu tun. Diese Emotionen sucht man oft vergebens in der Musik-„Branche“. Das Problem mit den heutigen Reviews ist nicht, dass sie von der Form her überholt wären, sondern dass sie, wie viel der veröffentlichten Musik selbst, oft lieblos geschrieben sind und wie aus fertigen Sätzen mit abgedroschenen Phrasen zusammengesetzt wirken. Gleiches gilt auch für Interviews. Hier könnte eine aktive Kommunikation über Musik entstehen. Allzu oft wird es aber zu „Smalltalk“ oder einer lästigen Pflicht mit 08/15-Fragen. Metal generell scheint uns, trotz der vielen Anti-Gedanken, oft eher konservativ, so dass sich alt hergebrachte Traditionen nicht so leicht überholen. In den alten Fanzines war es immer etwas sehr Erhebendes, die neuesten Reviews zu lesen und wir haben uns oft Veröffentlichungen nur aufgrund von Reviews gekauft.

Doch genug der Nebenkriegsschauplätze. Es soll um WEIRD FATE gehen. Fangen wir mal ganz vorne an. Wie kommt man im Jahre 2001 auf die Idee, eine BM-Band zu gründen? Sonderlich originell ist das ja nicht. Was waren damals eure musikalischen Vorbilder? Seid ihr denen zumindest ein bisschen näher gekommen, oder hat sich im Laufe der Jahre die Zielstellung geändert?

Eigentlich ging es nie wirklich um Black Metal selbst. Es ging und geht um Ausdruck und da eignen sich am besten intensive und ausdrucksstarke Musikrichtungen, zu denen Black Metal zweifelsfrei zählt. Emotional ist es genau die Zerrissenheit, die diese Musik charakterisiert, welche uns zu ihr finden ließ. Daran hat sich bis heute wenig geändert – es war uns also schon immer egal, ob die Musik nun Black Metal heißt oder irgendwie anders – wichtig ist das, was sie transportiert. Es gibt, unseres Gefühls nach, auch sehr viele andere Musikschubladen, in denen sich ähnliche Emotionen auf andere Art und Weise vertont finden, was sehr spannend sein kann…

Ihr habt Euch für euer ersten Album sage und schreibe elf Jahre Zeit gelassen, was durchaus als viel gelten darf. An DAWN kommt ihr damit zwar noch nicht ran, aber NASHEIM sind schon in Reichweite, die ja auch schon ewig an ihrem Debüt schrauben. Kommt euch selbst das eigentlich als frustrierend langsam vor, oder ist das für euch ganz natürlich und normal? Seid ihr als Band ständig mehr oder weniger aktiv, oder gibt’s da längere Perioden, in denen WEIRD FATE eher theoretisch existieren?

Wir existierten konstant und es gab sehr selten eine Zeit, in der wir uns nicht zum Musik machen getroffen haben. Wir machen die Musik schon immer primär für uns. Auch wenn das abgedroschen klingen mag, ist es doch so. Wir sind darüber hinaus allerdings sehr akribisch mit dem, was wir aufnehmen wollen, und geben Musik gerne den Raum und auch die Zeit, die sie aus unserer Sicht zum Reifen benötigt.

Wenn man ganz grob überschlägt, kommt man zu dem Ergebnis, dass ihr für ein Stück ein halbes Jahr braucht. Der olle Chefpirat von RUNNING WILD hat kürzlich erst in einem Interview erzählt, dass er für einen Song zehn Minuten braucht und schon verzweifelt, wenn’s mal zwei Tage dauert. Und auch alte BURZUM-Sachen klingen ja mitunter so, als ob jede Idee für veröffentlichungswürdig gehalten wird. Bei euch scheint das sehr anders zu sein, es sei denn ihr hättet nur sehr wenige Ideen. Da ich das nicht unterstellen will, hätte mich interessiert, inwieweit eure fertigen Kompositionen noch etwas mit der ursprünglichen Idee zu tun haben. Wenn man ewig schraubt und bastelt, kommt es da vor, dass man es mitunter übertreibt? Wie stellt ihr sicher, dass der rote Faden nicht verloren geht? Wie würden WEIRD FATE klingen, wenn ihr euch für ein Stück nur einen Nachmittag Zeit nehmen würdet?

Die Stücke sind kleine Welten für sich, in denen man eine Menge entdecken und fühlen kann, wenn man sich darauf einlässt. Es ist kein Fastfood fürs Ohr, sondern etwas, das man als Hörer durchdringen muss. (Erschöpfende Antwort! -ein zerknirschter Ed.)

„The Collapse…“ ist nun also mehr oder weniger das Ergebnis von elf Jahren Arbeit. Was man an der Scheibe besser machen könnte, werde ich erst bei nächsten Mal fragen, also wenn ihr euer zweites Album rausbringt. Aber schon jetzt könntest du uns erzählen, auf welchem Gebiet ihr euch in elf Jahren am meisten verändert und entwickelt habt. Wo siehst du die wichtigsten Unterschiede zum Demo und vor allem zur Split mit MEMBARIS?

Wir haben uns musikalisch weiterentwickelt und hoffen, dass dieser Entwicklung nicht, wie bei anderen Bands oft gehört, die Atmosphäre und der Tiefgang zum Opfer fielen. Auf der einen Seite ist unsere Musik noch persönlicher geworden und begleitet unsere Lebenswege in großem Maße. Auf der anderen Seite möchten wir sie losgelöst von uns als Individuen sehen. Es ist wichtig, dass sie existiert und für uns ist es wichtig, dass wir sie erschaffen – den Hörer aber möchten wir mit Musik und Artwork alleine lassen – es gibt so vieles mit dem man sich heute ablenken kann, da muss man sich nicht mit irgendwelchen Menschen auseinandersetzen, die Musik machen – die Musik hingegen bewegt auf ganz anderen Ebenen.
Wir haben viele Elemente, die zu den früheren Songs passten, hinter uns gelassen und werden noch mehr genretypische Dinge abschaffen, jedoch auch andere ausbauen. Es ist immer viel in Bewegung – auch wenn man dies durch die sehr niedrige Veröffentlichungsfrequenz vielleicht von außen nicht wahrnimmt.

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Wenn ihr schon nicht mehr nach LUNAR AURORA klingt, so seid ihr jetzt immerhin auf dem LUNAR-AURORA-Label gelandet. Den Vertrieb haben die ja schon ausgelagert, machen sie den Rest noch selbst? Die LUNAR-AURORA-Auflösung hatte damals irgendwie den Eindruck vermittelt, dass den Leuten BM nicht mehr so sonderlich viel gibt. Gehst du selbst davon aus, bei Cold Dimensions auch in fünf Jahren noch eine Heimat zu haben?

Dieses Schubladendenken beschränkt nur den Horizont. Wie ich schon sagte, ist dieses Black Metal hin oder her doch völlig egal. Wir haben guten Kontakt zu Andi und sind sehr glücklich mit seiner und Toms Arbeit. Andi ist einer der wenigen Menschen die wir kennen, die wirklich Musik leben und sich mit dieser ernsthaft auseinander setzen.

Das Album ist (bisher?) nur auf CD erschienen, was ich ein bisschen als überholte Lösung empfinde. Warum nicht rein digital? Warum keine schicke LP? Hat die CD auf Dauer eine Zukunft? Das ist letztendlich nur digitale Musik in einem schrecklich unpraktischen Format.

Ein LP-Release ist nicht geplant – wir sind dem gegenüber aber sicher nicht abgeneigt. Eine CD bietet mit 16 Bit und 44100 fps unkompremierten Audiodaten einen guten Ansatz, um Musik hochauflösend wiedergeben zu können. Uns wäre sicherlich 24 Bit und 48000 fps lieber, da man hiermit den Hörbereich noch besser abdecken kann und weniger Gefahr läuft Signal im Grundrauschen zu verlieren, aber es ist ein guter Kompromiss und zugegebenermaßen kenne ich bisher nur wenige Menschen, die den Unterschied wirklich hören. Mp3s sind zwar vom Signalverarbeitungsstandpunkt aus betrachtet sehr interessant und der Vergleich von Kompremierungsgrad und verbleibender Audioqualität ist beeindruckend, vom musikalischen Standpunkt aus gesehen ist es jedoch verminderter Detailreichtum der Musik, was wir nicht sonderlich begrüßen. Es scheint aber genau richtig für unsere Fastfood-Gesellschaft zu sein – man möchte es doch heute immer schön einfach und leicht haben – da lenken Details eher ab. Wären sie vorhanden, könnten sie ja dazu führen, dass man auch beim zehnten Durchlauf noch neue Facetten entdeckt…? (FLAC anyone? -Ed.)

Ihr seid musikalisch ziemlich traditionell unterwegs. Was haltet ihr eigentlich von den ganzen Modeströmungen im BM? Momentan wäre da wohl am ehesten Post/Shoegaze oder so zu nennen, nachdem Pagan ja Odin sei Dank nicht mehr so angesagt ist. Könnt ihr euch eine Trendwelle vorstellen, die zu WEIRD FATE passen würde und auf der ihr gerne mitreiten würdet? Überhaupt, die Welt jenseits des Tellerrandes, was gibt es da so, was ihr (i) mögt und euch (ii) auch bei WEIRD FATE vorstellen könntet? Nicht dass das Eile hätte; wer so langsam neue Alben macht, braucht sicher nicht so schnell neue Einflüsse, hehe.

Entweder sind gewisse Stilelemente aus anderen Genres in unserer Musik versteckt oder wir sind einflussresistent – da sollte sich der geneigte Hörer und auch Du gerne seine ganz persönliche Meinung zu bilden. Wir sehen eigentlich alles eher differenziert und beurteilen nach unserem eigenen Empfinden. So sieht es auch mit wechselnden Stilelementen in unserer Musik aus. Das nächste Album wird wieder anders klingen. Aber nicht, weil es gerade „in“ ist, sondern, weil wir uns persönlich verändern und somit auch die Musik einem ständigen Wandel unterzogen ist.

So, fast fertig. Zum nächsten Album gibt’s sicher noch nichts zu verraten, das dauert wohl noch ein paar Jahre, oder doch nicht? Ansonsten gehören die letzten Worte natürlich dir. Mach noch ein bisschen Werbung, wenn’s was zu bewerben gibt (Liveauftritte vielleicht?). Ansonsten vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

Wir möchten denjenigen, die sich wirklich mit Musik und Texten auseinandersetzen, ans Herz legen unserem Album Gehör zu schenken – aber ich denke, dieses Anliegen ist im Laufe des Interviews durchaus klar geworden.

06.04.2012

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