Witchskull
Kohäsion und Bruderschaft

Interview

Vor wenigen Wochen erschien mit „A Driftwood Cross“ das dritte Album der australischen Stoner-Doom-Band WITCHSKULL. Wir schickten Schlagzeuger Joel Green einige Fragen zum neuen Album, dem bisherigen Werdegang der Musiker und zur Attitüde der Band. Zunächst geht es aber darum, wie WITCHSKULL die Corona-Pandemie als Band in Australien erleben.

Hi Joel, erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, um diese Fragen zu beantworten.

Klar, kein Problem. Danke für den Interesse und den Support.

Wie geht es euch so im allgemeinen und wie bleiben WITCHSKULL in der momentanen Situation in musikalischer Form? Wie geht ihr überhaupt in Australien mit der Corona-Pandemie um?

Uns geht es allen sehr gut. Danke der Nachfrage. Das Gebäude, in dem sich unser Proberaum befeindet, wurde tatsächlich für ungefähr einen Monat komplett geschlossen. Inzwischen können wir aber wieder rein und sind bereits dabei, neues Material zu schreiben. Konzerte laufen natürlich nicht so wie gewohnt, klar, aber wir konnten letztes Wochenende (23./24.05.2020, Anm. der Red.) tatsächlich vier mal auftreten. Auch wenn jedes Mal nur zehn Leute anwesend sein durften, war es großartig. „The Basement“, der beste Laden in unserer Heimatstadt Canberra, hat die Shows zusammengestellt, um die Rückkehr der Live-Musik zu feiern.

Das war eine großartige Idee und wir sind sehr froh darüber, dass sie uns für diese Gelegenheit ausgewählt haben. Im nächsten Monat werden die Kapazitäten hoffentlich weiter erhöht, damit wir den Release unseres neuen Albums gebührend feiern können. Ansonsten denke ich, dass wir mit der Situation so gut umgehen, wie alle anderen auch? Wir warten sehnsüchtig darauf, dass Live-Musik wieder in ihrer alten Form zurückkehrt.

Dann kommen wir doch direkt einmal zu musikalischen und damit erfreulicheren Dingen. Glückwunsch zu eurem neuen Album „A Driftwood Cross“. Wie würdest du es beschreiben, vor allem in Abgrenzung zu eurem letzten Album „Coven’s Will“?

Danke sehr! Wir sind sehr zufrieden mit dem Album und die Reviews sind bisher auch eher positiv ausgefallen. Ich denke, dass sich beide Alben sehr ähnlich sind, aber „A Driftwood Cross“ mehr Kohäsion, mehr inneren Zusammenhalt besitzt. Marcus (de Pasquale, Gesang und Gitarre, Anm. d. Red.) hat dieses Mal einen richtig guten Job dabei gemacht, die Gesangsmelodien und die Arrangements auszuarbeiten. Ich würde sagen, dass es unser bisher bestes Album ist, aber immer noch das gleiche Feeling wie die anderen zwei versprüht.

„‚A Driftwood Cross‘ besitzt mehr Kohäsion als seine Vorgänger.“

Wir haben es wieder von Jason Fuller produzieren und abmischen lassen, aber dieses Mal waren wir in zwei unterschiedlichen Studios. Alle Becken wurden in den „Toyland Studios“ in Melbourne aufgenommen, mit Unterstützung von Adam Calaitzis, bevor wir in Jasons „Goatsound Studios“ alles andere aufgenommen und den Mix erledigt haben. Dav Byrne von „Iridium Audio“ hat schließlich das Mastering übernommen.

Eine kleine aber feine Änderung sind natürlich die vereinzelt eingesetzten weiblichen Vocals von unserer guten und sehr talentierten Freundin Maggie Rachel Lockhart. Ich würde sagen, dass „A Driftwood Cross“ insgesamt lebendiger klingt. Die Energie ist greifbarer und die Atmosphäre nicht so grüblerisch wie bei „Coven’s Will“.

Beide Alben wurden bei Rise Above Reocrds veröffentlicht. Wir seid ihr damals mit dem Label in Kontakt gekommen?

Wir haben „Coven’s Will“ damals in New York aufgenommen und als wir damit nach Australien zurückkehrten, wussten wir, dass wir ein richtig gutes Album in unseren Händen hielten. Also stellten wir einen Pitch zusammen, den wir an verschiedene Labels schicken. Am Ende hatten wir drei Angebote und wollte gerade eines davon annehmen, als wir über einen Freund mitbekamen, dass Lee Dorian unsere Aufnahme mochte. Marcus ist ein großer Fan von CATHEDRAL und dem meisten, was Rise Above Records bisher herausgebracht hat. Also sind wir der Sache natürlich nachgegangen und haben unterschrieben, als schließlich ein Deal vorlag. Für uns ist Rise Above einfach das beste Label der Welt und wir sind sehr froh, mit WITCHSKULL Teil ihres Katalogs zu sein. Jeder Kontakt mit Lee und Jane war einfach nur brillant und wir können es nicht erwarten, die beiden endlich mal in persona zu treffen.

Reisen wir doch noch ein bisschen weiter in die Vergangenheit zurück. Ihr drei seid ja alle erfahrene Musiker. Wie habt ihr zueinander gefunden?

Marcus und ich kennen uns, seit wir sieben Jahre alt sind und gingen bis zum Abschluss zusammen zur Schule. Wir sind beide schon seit einem frühen Alter besessen von Musik und gründeten unsere erste Band als wir zehn waren, bevor wir überhaupt richtig spielen konnten. Ein paar Jahre später, da waren wir ungefähr 15, konnten wir besser spielen und gründeten die Speed-Metal-Band UNDER OATH. Wir spielten ein paar mal live, auch mit einigen Bands aus Melbourne und Canberra, die damals angesagt waren, aber schließlich war die Band irgendwann Geschichte und unsere Wege trennten sich.

„WITCHSKULL sind wie Brüder.“

Ich spielte dann gemeinsam mit meinem Bruder in einer Thrash/Death-Metal-Band namens ARMOURED ANGEL und Marcus gründete einige Jahre später eine Band namens LOOKING GLASS. Wir bleiben über die Jahre hinweg aber in Kontakt. Tony (McMahon, Bass, Anm. d. Red.) kommt aus New York und ist mit einer Cousine von Marcus verheiratet. Marcus war der einzige andere Musiker, den er vor Ort kannte, als er nach Australien zog. Die beiden gründeten WITCHSKULL und kontaktierten mich, um den Platz am Schlagzeug zu übernehmen. Das ist jetzt sechs Jahre her. Schon bei der ersten Probe merkten wir, dass die Chemie zwischen uns stimmte. Es fühlte sich an, als würden wir schon seit Jahren miteinander musizieren und ich spürte, dass etwas ganz besonderes vor sich ging. Wir sind wie Brüder.

Was bedeutet eigentlich der Titel des Albums? Für was steht „A Driftwood Cross“?

Es ist ein ganzes Bündel von Themen und Motiven, die in unseren Albern zu finden und alle miteinander verbunden sind. Manche sind offensichtlich, andere Konzepte verborgen und tiefgründig. Wenn du genau hinschaust, entdeckst du Dinge, die in dir als Individuum etwas auslösen, was andere ganz anders erleben mögen. Anstatt direkt zu sagen, was wir gerne ausdrücken möchten, würden wir es eher mögen, wenn unsere Zuhörer ihre eigenen Schlüssen ziehen und uns gegenüber aussprechen, was sie selbst denken. Selbst unter uns dreien gibt es verschiedene Deutungen der Songs und ich käme nie auf die Idee, Marcus zu fragen, was er mit diesem oder jenen Song ausdrücken möchte. Dadurch bleibt die Musik interessanter, nehme ich an.

Als Deutscher muss ich dann aber doch nachhaken, was die Geschichte hinter dem Song „Dresden“?

„Dresden“ ist für Marcus einfach nur ein exotisches Wort, das er schon immer liebte. Er hat sich schon länger überlegt, wie er es einmal in einem Songtext unterbringen könnte, entschied sich dann aber, den Namen für sich stehen zu lassen. Die Texte sind schließlich eine Geschichte, die jeder für sich selbst interpretieren kann – übrigens meine Favoriten auf dem Album.

Okkulte Themen scheinen in den Lyrics eine wichtige Rolle zu spielen. Wie beeinflusst diese Thematik eure Musik generell?

Marcus schreibt alle Texte für WITCHSKULL. Er hat sich 30 Jahre lang mit Hermetik beschäftigt, war Mitglied im Ordo Templis Orientis und ist schwer von Aleister Crowley, Carl Gustav Jung, antiker ägyptischer Mystik und vielen anderen Dingen beeinflusst. Ich kann nicht für ihn persönlich sprechen, aber er hat früher schon erwähnt, dass es seine eigene Philosophie ist, die seinen Taten Wert verleiht.

„Für uns als Band bilden Lyrics und Musik eine Einheit.“

Ohne das jeweils andere hätte ein Teil für sich keine starke Wirkung, also sind die Texte natürlich unglaublich wichtig. Ich für meinen Teil denke, dass die Musik aber eher einen Einfluss auf die Lyrics hat, weil die meisten Songs erst einmal ohne Text entstehen.

Da du diese Fragen per E-Mail bekommen hast: Was hörst du eigentlich gerade, während du die Antworten verfasst? Etwas, das du empfehlen kannst?

Ich höre gerade HELLBRINGER. Old School Thrash Metal aus unserer Heimatstadt Canberra. Wenn du auf solche Mucke stehst, dann gehören die Jungs ohne Zweifel zur Weltspitze. Eines ihrer Alben wurde von Harris John produziert, da hast du noch eine Verbindung nach Deutschland. Ich kann die Band wirklich nur empfehlen. Checkt sie aus!

Dann danke ich dir noch einmal sehr für die Beantwortung dieser Fragen. Willst du noch was loswerden?

Danke vielmals für das Interesse und deine Zeit. Wir freuen uns sehr darauf, endlich mal nach Deutschland oder überhaupt nach Europa zu kommen. Hoffentlich vergeht nicht zu viel Zeit zwischen der Tour und dem Release von „A Driftwood Cross“. Cheers!

Quelle: Mail-Interview mit Joel Green / 27.05.2020
06.06.2020

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