Deafheaven
European Tour

Konzertbericht

Billing: Deafheaven
Konzert vom 04.11.2013 | Feierwerk, München

Deafheaven

DEAFHEAVEN. An den Jungs kommt man momentan nur schwer vorbei. Die erst 2010 gegründete Band hat es tatsächlich in kürzester Zeit geschafft, sich vom Geheimtipp zum Big Player zu mausern und so ziemlich alle für sich einzunehmen, die irgendwie irgendwas mit Musik um die Koordinaten Black Metal/Postrock/Shoegaze anzufangen wissen.

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Dass sich die bandinternen Koordinaten auch leicht verschoben haben, beweisen schon die Tourpartner, mit denen DEAFHEAVEN sich in ihren beiden recht kurz aufeinander folgenden Touren umgeben. Zuletzt, im April 2013 war die Band noch mit den italo-brutalo Crustlern THE SECRET unterwegs. Ihre Aktuelle Tour bestreiten sie mit WEEKEND, einer Lo-Fi/Shoegaze Band aus San Francisco. Und man muss zugeben, dass zweiteres schon besser passt. Denn, obwohl DEAFHEAVEN auf dem Papier schon auch noch ein gutes Stück Black Metal sind, so weit weg sind sie doch formell und optisch von ebenjener Musikrichtung.

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Das zeigt sich an diesem 4. November im Feierwerk München auch schon recht deutlich am Publikum. Echte Kuttenträger sind definitiv in der Unterzahl und müssen sich die Halle mit einer großen Anzahl an Hornbrillen/Rollkragen-Indieleuten teilen. Irgendwie eine seltsame, aber nicht unspannende Mischung.

Also los mit WEEKEND. Beginn natürlich überpünktlich, ich leider nicht. Egal, dann eben Quereinstieg. Und was soll ich sagen: so richtig kriegen mich die Jungs nicht. Klar, das ist formell gut gemachter Krach. Flächige Gitarren, teilweise schöne Melodien, aber größtenteils verliert sich alles in viel Distorsion und verhalltem/schnodderigem Gesang. Das Publikum ist auch nur verhalten interessiert, die Band sichtlich etwas genervt. Schade. Dabei ist es ja nicht so, dass WEEKEND ihre Sache schlecht machen, nur ist alles einfach ein bisschen leblos.

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Aber heute Abend geht es ja eigentlich auch um DEAFHEAVEN.

Und die legen nach sehr, sehr langer Umbaupause auch gleich gut los. Standesgemäß mit „Dream House“, dem Opener des aktuellen Albums „Sunbather“.

Was zuerst einmal auffällt, ist, dass sich Sänger George Clarke optisch generalüberholt hat. Vermittelte er beim letzten Auftritt noch in Metalshirt, schwarzen Springerstiefeln und korrekt gezogenem Seitenscheitel einen leicht „befremdlichen“ Gesamteindruck, so gibt er diesmal mit schwarzen Lederschühchen und schwarzem Hemd das perfekte Role Model für all die Hipster unten im Publikum. Na egal, vornehmlich sind wir ja alle wegen der Musik hier. Und die – das muss an dieser Stelle einmal deutlich gesagt werden – ist einfach über alle Zweifel erhaben. Die Band schafft es, eine wahnsinnig dichte Atmosphäre heraufzubeschwören, die, ähnlich wie bei anderen Meistern in der Disziplin der emotionalen Monotonie – zu nennen wären hier definitiv CULT OF LUNA und ENVY (von denen DEAFHEAVEN sicher alle Platten haben) – schnell dazu führt, dass sich das Publikum wie in Trance vor und zurück wiegt. Die Kombination aus Clarkes Black Metal Gekeife, dem genretypischen Hochgeschwindigkeitsdrumming und den postrockgeschulten, flächigen Arrangements ist an diesem Abend auch vom Sound her perfekt in Szene gesetzt, so dass jeder Ton, den DEAFHEAVEN ins Publikum schicken, auch dort ankommt.

Deafheaven

Man darf es durchaus konsequent nennen, dass die Band ihr neues Album „Sunbather“ von vorn bis hinten durchspielt. Lediglich als Zugabe gibt es mit „Unrequited“ noch einen Song vom Debut „Roads To Judah“. Gefeiert wird eh jeder Song. Und das mit Recht.

Nach 5 Songs in 60 intensiven Minuten ist Schluss und man geht mit dem Gefühl, dass dies eines der Konzerte war, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Für DEAFHEAVEN wird der Weg sicher weiter nach oben gehen. Das belegen auch schon die Shirtpreise, die nun auch schon auf stattliche 20 Euro angestiegen sind. Nun ja, die Tage des Geheimstipps sind wohl definitiv vorbei. Egal.

text: struch

fotos: haslauer

Deafheaven

15.11.2013

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