Eisregen
"Hatefest 2015" in Berlin

Konzertbericht

Billing: Debauchery, Eisregen, Hate, Marduk, Six Feet Under und Vader
Konzert vom 12.04.2015 | Postbahnhof, Berlin

Eisregen

Traditioneller Hass … im musikalischen Sinne, wenn die alljährliche Konzertreihe HATEFEST durch Deutschland, die Schweiz und Österreich tourt. Hochkarätig besetzt ist das Event eh, doch in diesem Jahr hat man sich mit dem unheiligen Billing wirklich übertroffen. Vier namhafte Combos gehören zum Grundgerüst: HATE, VADER, MARDUK und SIX FEET UNDER. Als wäre das nicht schon genug Dunkelheit, Blast und Brutalität komplettieren EISREGEN und DEBAUCHERY das Riff-Massaker an den Wochenendterminen. So auch beim Abschluss des HATEFEST 2015 am 12. April in Berlin – gut platziert im Postbahnhof, der ausreichend Platz bietet, um ein gediegenes Schlachtfest aus Black und Death Metal zu zelebrieren – auch wenn draußen noch die Sonne (ihhh, Sonne!) scheint und auch die Uhrzeit eher an ein Festival denken lässt.

Galerie mit 8 Bildern: Impressionen - Hatefest 2015

Wie könnte das HATEFEST besser eingeläutet werden als von … ja, eben: HATE. Die Polen, im Gepäck ihr bereits neuntes Studioalbum „Crusade:Zero“, starten pünktlich. Das Intro tönt massiv, das Corpsepaint sitzt. Der erste Ton macht deutlich, dass die Soundtechnik heute Abend prächtig funktioniert – und das gilt auch für alle späteren Gigs: druckvoll, in angemessener Lautstärke und überwiegend so klar, dass die einzelnen Instrumente gut hörbar sind. In dem Sinne also trotz HATEFEST ein wenig Liebe in Richtung des Sounds. HATE spielen vor allem mit einem präsenten Hass, äh, Bass auf, der sich brachial durch Mark und Beim wummert. „Are you ready?“, schallt es aus den Boxen und die angeschwärzten Todeswalzen überrollen einen schon gut gefüllten Vorbühnenbereich. Die Variation aus filigranen Momenten und purer Aggression sowie das Thrash-Riffing im letzten Song machen halt Laune. Und wer von den Instrumenten nicht weggeballert wird, duckt sich spätestens unter dem heftigen Organ von Adam the First Sinner. Ein Song-Highlight ist „Resurrection Machine“ mit einem sensationell treibenden Part, der live bestens rüber- und ankommt. Klammert man „The Satanist“ aus, sind HATE aktuell die besseren BEHEMOTH.

Galerie mit 10 Bildern: Hate - Hatefest 2015

Kunstblut, entkleidete Frauenfiguren, Hände, Köpfe und Skelettschädel (nein, nicht echt), hier und da ein paar Gasmasken – DEBAUCHERY haben tief in die Dekokiste gegriffen. Schon beim Soundcheck merkt man, dass die Baden-Württemberger eine ansehnliche Fangemeinde haben: Die „Hey“- und „Yeah“-Rufe von Bandkopf Thomas „The Bloodbeast“ Gurrath werden munter erwidert, und das Mitgeh-Potenzial zeigt sich auch im Laufe des Auftritts. „Wir sind DEBAUCHERY und wir spielen Rock’n‘Roll“ – stimmt soweit, aber natürlich mit der gewissen Note (Brutal) Death Metal. Der Boden vibriert buchstäblich unter den Nummern der Blutgötter, die ihr letztes Album („Kings Of Carnage“) 2013 rausgebracht haben. Musikalisch geht man wie gewohnt simpel zu Werke, die Wirksamkeit leidet darunter allerdings nicht. Abwechslung gibt es hingegen im Stimmbereich: überwiegend werden uns tiefe Growls um die Ohren gehauen und vereinzelt quieken Pig Squeals durchs Rund. DEBAUCHERY setzen die positive Resonanz in Spielfreudigkeit um, kommunizieren ständig mit den Zuschauern und räumen insgesamt mehr als ordentlich ab – nicht nur bei den ebenfalls mit Kunstblut besudelten Maniacs.

Galerie mit 12 Bildern: Debauchery - Hatefest 2015

SIX FEET UNDER schon als dritte Band? Echt jetzt? Müssen die Amerikaner früh nach Hause oder wie? Egal, das Hauptaugenmerk liegt eh bei der Mähne von Chris Barnes. Dass der Hüne damit noch den Propeller anwerfen kann, ist immer wieder neu beeindruckend. SIX FEET UNDER („Crypt Of The Devil“ ist seit April auf dem Markt) legen direkt los, keine Begrüßung, keine Songansage. Die Truppe hat es ernsthaft eilig. Also übernehmen die Songs das Kommando und das funktioniert ja bekanntermaßen eindrucksvoll. Recht schnell entsteht ein erster kleiner Pit, der im Verlauf wie ein Geschwür wächst. Barnes hat richtig Bock, zappelt von einer Seite zur anderen und liefert die passenden Gesten zu seinen Textzeilen: zum Beispiel ein angedeuteter Halsschnitt zu „time to bleed“. Cool! Ebenso cool, dass der Hass (eigentlich haben sich ja alle total lieb) kurz versiegt, als das Zottelmonster zum plüschigen Zottelbär mutiert und mit einem „we love you very much“ mit dem Publikum liebäugelt. Noch schöner ist allerdings der letzte Track: „Hammer Smashed Face“ von CANNIBAL CORPSE. Da gehen wahrlich Death-Metal-Herzen auf!

Galerie mit 16 Bildern: Six Feet Under - Hatefest 2015

Auch VADER können Todesblei-Herzen höherschlagen lassen, auch wenn die Polen optisch gegenwärtig eher nach traditionellem Heavy Metal aussehen. In der Bühnenmitte steht indes ein Dreizack, und selbstredend beginnen VADER ihren Gig mit zielgerichtetem Geballer. Eine dichte Soundwand zieht sich hoch, die Gitarren könnten ein wenig klarer sein. Gestört ist davon allerdings kaum jemand – sieht man unter anderem am aufgeregten Pit, der zu „Hexenkessel“ vom letzten Album „Tibi Et Igni“ richtig dick wird. Peter formuliert seine Ansagen mal auf Deutsch, mal auf Polnisch und kann sich als Dankeschön über den einen oder anderen Stagediver freuen, während sich künstlicher Nebel und Lichteffekte zu einer undurchsichtigen Masse vereinen und den Auftritt atmosphärisch ziemlich gelungen untermalen.

Galerie mit 12 Bildern: Vader - Hatefest 2015

EISREGEN wirken wie der Billing-Außenseiter. Da fragt man sich umso mehr, warum die Thüringer direkt vorm Headliner spielen. Zwar wird so etwas Abwechslung zum todesbleiernen Abriss geboten, eine geradlinigere Black-Metal-Band wäre jedoch sinnvoller gewesen. Und so sind die Reihen auch etwas lichter, die Reaktionen verhaltener. Da fallen die Fans, die lauthals „EISREGEN“ skandieren, umso mehr auf – vermutlich dieselben, die später auch zu „Panzerschokolade“ tanzen. „Hier ist der Tod aus Thüringen. Auf zu einem morbiden Tänzchen“, fordert Blutkehle auf, der seine Ansagen generell verzerrt vorträgt. Es folgt der Quasi-Titeltrack vom letzten Output „Todestage“. Naja, ein wenig Schwarzmetall-Stimmung kommt kurzzeitig auf, aber es hat schon seinen Grund, warum die Zuschauer zu mehr Action aufgefordert werden. Am Ende weiß man, dass die Zeit drängt, mit dem stimmungsvollen „Blutgeil“ wird trotzdem ein weiterer Song gespielt. Alles in allem ein Billing-Schwachpunkt, auch wenn sich MARDUK aufgrund eines erneut schlecht aufgelegten Mortuus selbst die Krone des Abendversagers aufsetzen werden.

Galerie mit 16 Bildern: Eisregen - Hatefest 2015

Mit „Frontschwein“ haben MARDUK Anfang des Jahres ein immens starkes Album veröffentlicht, Mortuus scheint dennoch schlechte Laune zu haben. Wie schon beim letzten Berlin-Gig (da hat es die Gitarre von Morgan erwischt) versagt die Technik, was wiederum die Nervenstärke des Fronters versagen lässt. Diesmal streikt das Mikro, also bricht er es mal eben auseinander und wirft die Teile ins Publikum. Nun, zwinkernde Augen würden meinen, dass Mortuus noch nie so schnell einen neuen Ständer hatte, nachdem ihm einer abgegangen ist, denn nur Sekunden später steht das neue Mikro. Es kommt zu einer längeren Unterbrechung, Mortuus kehrt zurück, versucht es, bricht ab und verlässt die Bühne erneut. Die nächste Pause fällt noch länger aus. Als es irgendwann weitergeht, lässt sich der Sänger nach einem „shit happens“ trotzdem zu ständigen „fucking coward“-Rufen in Richtung der Fanschar hinreißen – insgesamt eine schwache Vorstellung. Und auch sonst hat man MARDUK schon deutlich besser erlebt. Ein Highlight ist die Midtempo-Nummer „The Blood Beast“, summa summarum will der Funke heute aber nicht vollends überspringen. Und so ist der Bereich vor der Stage gen Schluss auch sichtbar leerer, und das HATEFEST geht mit einem leider enttäuschenden Headliner zu Ende.

Galerie mit 4 Bildern: Marduk - Hatefest 2015
03.06.2015

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