
Walpurgisnacht 2026
Die Hexen tanzen ein letztes Mal!
Konzertbericht
Samstag, 02.05.2026
Nach einer Stärkung beim Frühstück ist erst noch einmal ein wenig Entspannung auf dem Hotelzimmer angesagt, um die müden Knochen wieder munter zu bekommen, man ist ja schließlich auch keine 20 mehr. Pünktlich zum Start geht es aber mit ein wenig Wegzehrung wieder auf zur zweiten Runde im ORWOhaus und tatsächlich ist es schon wieder gleich zu Beginn relativ voll, was sich – so viel sei schon einmal verraten – gen Abend noch einmal deutlich steigern wird. Umso trauriger, dass die Walpurgisnacht in ihrer jetzigen Form dieses Jahr voraussichtlich zum letzten Mal stattfindet. Egal, jetzt erst einmal ins Getümmel und weitere sieben Bands genießen.
MÝRDAL
MYRDAL aus Leipzig läuten den zweiten Festivaltag ein und hinterlassen musikalisch eine deutliche Duftmarke. Stilistisch irgendwo zwischen klar strukturierten BÖLZER und eingängigen MISÞYRMING-Momenten positioniert, ist das Duo heute von Beginn an bis in die Haarspitzen motiviert. Gegenseitig treiben sich die Musiker hauptsächlich durch Songs ihres Debütalbums „Helvíti“ aus dem Jahr 2024. Songs wie „Brand“ und „VRDRBN“ gehen durchgehend nach voran, sind dabei aber selten chaotisch, was schon früh für viele mitnickende Köpfe und Applaus zwischen den Songs sorgt. Besonderes Highlight ist sicherlich auch Frontmann W.K., der sich nicht nur am Mikro verausgabt, sondern zeitgleich auch seine zehnsaitige Gitarre unter Kontrolle hält. Passend zum Abschluss mit dem melodischen „Teufelsfaust“ bleibt festzuhalten, dass sich MYRDAL heute im wahrsten Sinne des Wortes den Teufel aus dem Leib gespielt haben und es bei einem Auftritt neben der Musik samt authentischem Auftreten nicht viel benötigt, um zu fesseln. Chapeau – ein starker Auftakt!
Galerie mit 7 Bildern: Myrdal - Walpurgisnacht Festival 2026


MAAT
Isländischer Black Metal aus Leipzig ist ungewöhnlich? Wie wäre es dann mit ägyptischem Death Metal aus Berlin? Ja, auch bei MAAT passen Konzept und Herkunft auf dem Papier vielleicht erst einmal nicht zusammen, live weiß die kernige Todesstahl-Kante aber durchaus zu überzeugen, außerdem ist ja heute auch quasi Heimspiel angesagt.
Trotz häufigem Synchron-Gepose der Saitenfraktion klingt die Mucke des Fünfers finster, bedrohlich und weiß eine ebensolche Atmosphäre aufzubauen. Dabei sind die orientalischen Einflüsse deutlich dezenter gesetzt als bei den umso plakativeren Quasi-Vorbildern von NILE. Wer das also gerne ausblenden möchte und einfach eine Runde schön aufs Maul bekommen möchte: Et voilà. Übernehmen MAAT heute ein wenig die Rolle von WILT vom Vortag, haben diese in Sachen Schlagkraft vielleicht leicht die Nase vorn. Passt!
Galerie mit 22 Bildern: Maat – Walpurgisnacht Festival 2026

SERVANT
SERVANT sind vielleicht noch nicht allzu vielen auf der Walpurgisnacht bekannt, aber warum eigentlich nicht? Der Black Metal der Niedersachsen ist zwar auf der einen Seite ziemlich straight forward, konzeptionell aber erstaunlich schlüssig und durchdacht, bis hin zur literarisch inspirierten Thematik.
Nein, bei SERVANT geht es nicht um entrückte Atmosphäre, vielmehr sind viele Songs für die Spielart erstaunlich eingängig geraten, oder um es mit den Worten von Kollegin Louisa in ihrer Review zum aktuellen Album „Death Devil Magick“ zu sagen: Man „kombiniert von Anfang an Melodisches mit Hass“. Genau das richtige am Samstagnachmittag in Berlin, zeigen sich doch viele der Anwesenden positiv überrascht, der Saal füllt sich im Laufe der Spielzeit immer weiter. Das liegt sicher nicht zuletzt an der Bühnenpräsenz von Fronter Farago, der das Publikum bis zum Ende fest im Griff hat. Stark!
Galerie mit 12 Bildern: Servant - Walpurgisnacht Festival 2026

AGRYPNIE
Melodisch können auch AGRYPNIE, die ihren Auftritt nach der krankheitsbedingten Absage beim De Mortem Et Diabolum 2024 auf der diesjährigen Walpurgisnacht nachholen. Im Vergleich zu SERVANT schwingt bei der Band von Frontmann Torsten aber deutlich mehr Melancholie mit. Mit ihren flotteren Passagen machen „Wir Ertrunkenen“ und „Verwüstung“ zu Beginn des Sets aber direkt klar, dass nicht nur Trübsal geblasen wird. Leider zeigt sich der Sound etwas von seiner kratzigen Seite, wodurch es die tiefgehenden Melodien zeitweise schwer haben. Der Spielfreude der Band tut dies keinen Abbruch und auch Torsten bringt mehrfach seinen Dank für den Auftritt in Berlin zum Ausdruck. Der Fokus der Setlist liegt auf den eher jüngeren Alben; vom aktuellen Werk „Erg“ haben es „Blut“ und „Unter Sand“ in die Auswahl geschafft. Mit „Cogito Ergo Sum“, bei dem J.J. (u.a. KARG, HARAKIRI FOR THE SKY) am Mikro unterstützt, gibt es aber auch einen Song vom Debüt „F51.4“, welches in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert. Das druckvolle „Der tote Trakt“, über viele Jahr verlässlicher Opener auf Konzerten der Band, setzt den Schlusspunkt hinter intensive 50 Minuten.
Galerie mit 24 Bildern: Agrypnie – Walpurgisnacht Festival 2026

KARG
Seien wir ehrlich: KARG waren in der Vergangenheit in erster Linie als Soloprojekt von J.J. (u.a. HARAKIRI FOR THE SKY) bekannt, das eben mit Gastmusikern ab und zu auch auf die Bühne gebracht wird, weniger als tighte, eingespielte Live-Band. Das hat sich mittlerweile deutlich geändert, seit dem letzten Album „Marodeur“ ist aus dem Projekt eine vollständige Band geworden und das merkt man deutlich.
Mit vielleicht dem besten Sound des Festivals wird das Publikum von der Wall Of Sound von drei Gitarren mal geradezu weggefegt und in den ruhigen Momenten vom komplexen Spiel der unterschiedlichen Melodien gefesselt. Ja, KARG ist nichts für Black-Metal-Hardliner, aber für alle mit Faible für die musikalische Gefühlsachterbahn heißt es: Augen zu und genießen. Die Setlist setzt folgerichtig den Fokus auf das aktuelle Album und nach den irgendwie viel zu schnell vergangenen 50 Minuten ist klar: Unbedingt zu Hause das Album nochmal checken, denn das Songmaterial ist verdammt stark.
Galerie mit 17 Bildern: Karg – Walpurgisnacht Festival 2026

NORNÍR
Es ist ein undankbares Thema, aber wenn NORNÍR auf dem Billing stehen muss es definitiv angesprochen werden: Die Black-Metal-Band aus Sachsen ist nicht unumstritten. So spielte man in der Vergangenheit bereits auf dem ziemlich eindeutig positionierten Eternal Hate Fest in Tschechien, die beiden ehemaligen Mitglieder Farliath und Matunos waren live mit SARKRISTA unterwegs. Davon haben sich die beiden ständigen Mitglieder Lethian und Angrist mittlerweile klar distanziert und eben auch aus diesem Grund die beiden aus der Band geschmissen. Wir sagen daher: Jeder hat eine zweite Chance verdient.
Schon zu Beginn des NORNÍR-Gigs ist klar, wer am heutigen Abend der Publikumsmagnet ist. Der Old-School-Black-Metal der Freiberger zieht ordentlich Leute. Songtechnisch wird sich klar auf das nach wie vor aktuelle Album „Skuld“ konzentriert und in Sachen Atmosphäre macht insbesondere Bandleaderin Lethian hier niemand etwas vor. Auch der zwischenzeitliche Gastgesang von SERVANT-Fronter Farago passt wie die Faust aufs Auge. Selbst die Anwesenden, die vielleicht nicht nur der reinen Lehre der Second Wave of Black Metal huldigen, werden offenbar in den Bann von NORNÍR gezogen, denn eins fällt auf: Auch diejenigen, die nur kurz interessiert stehenbleiben, sieht man oft bis zum Ende des Gigs, nimmt man doch allen auf der Bühne sofort ab, dass sie ihre Musik leben. Für nicht wenige steht am Ende fest: Wir haben gerade den Headliner der (kalten) Herzen erlebt, die Band hätte rein von der Resonanz her auf jeden Fall einen prominenteren Platz auf dem Flyer verdient gehabt.
Galerie mit 30 Bildern: Nornir – Walpurgisnacht Festival 2026

ISTAPP
Recht selten in unseren Breitengraden zu erleben sind ISTAPP, was möglicherweise auch an den hier vorherrschenden gemäßigten Temperaturen liegen mag, hat sich die Band konzeptionell doch den frostigen Gefilden und der Ablehnung der Sonne verschrieben. Auch wenn sich der Bereich vor der Bühne im Vergleich zum vorherigen Auftritt etwas geleert hat, ist die Vorfreude bei den Anwesenden deutlich zu spüren. Mit „Under Jökelisen“ vom aktuellen Album „Sól Tér Sortna“ eröffnen die Schweden ihren Auftritt und zeigen sich trotz schwerer Schneemäntel überaus agil auf der Bühne. Betriebstemperatur wird spätestens beim schon recht früh platzierten „Frostbiten“ erreicht, das zusammen mit „I Väntan På Den Absoluta Nollpunkten“ den größten Zuspruch aus dem Publikum erhält – dies in Form von Applaus, gereckten Fäusten oder auch mal einem knackigen „Fuck The Sun“-Zuruf. Zusätzlich hat die Band noch ein besonderes Highlight parat, denn „Primim Frigidum“ wird an diesem Wochenende zum ersten Mal live gespielt. Für Diskussionen hingegen sorgt der Klargesang, der nahezu perfekt – um nicht albumgetreu zu sagen – aus den Lautsprechern ertönt, laut Band jedoch live vom Schlagzeuger übernommen wird. Am Ende überzeugen ISTAPP auch so und beschließen ihren Auftritt mit „Insidious Star“.
Galerie mit 8 Bildern: Istapp - Walpurgisnacht Festival 2026

EMPYRIUM
Kurz vor Mitternacht betreten EMPYRIUM als Headliner des zweiten Festivaltags die Bühne und setzen nach den deutlich härteren Darbietungen vieler Bands heute auf vergleichsweise ruhige Töne. Als Old-School-Set angekündigt, hält die Band ihr Versprechen und präsentiert acht Stücke aus ihrer Frühphase. Im Fokus steht dabei das Debüt „A Wintersunset …“, von dem insgesamt fünf Songs des Abends stammen.
Eröffnet wird der Auftritt vom stimmungsvollen Instrumental „Moonromanticism“, ehe „Under Dreamskies“ das Tempo mit leichten Double-Bass-Passagen, teils harschem Gesang sowie markanten Riffs und Melodien etwas anzieht. Markus Stock und seinen Mitmusikern – darunter Tobias Schönemann (THE VISION BLEAK, EWIGHEIM, OUL), Oliver König (FIRTAN) und Aline Deinert (NEUN WELTEN) – ist der gefühlvolle Umgang mit den Kompositionen deutlich anzumerken und auch das Publikum nimmt die Songs andächtig auf. So auch beim sehnsuchtsvollen „The Franconian Woods In Winter’s Silence“, bei dem sogar Musiker anderer Festivalbands im Zuschauerraum zu sichten sind, die sich den Klängen mit geschlossenen Augen hingeben. „Ode To Melancholy“ und „Mourners“ spannen anschließend den Bogen zum Zweitwerk „Songs Of Moors And Misty Fields“, bevor „Autumn Grey Views“ erstmals live aufgeführt wird. Mit zunehmender Spielzeit wird immer deutlicher, dass sich der oft beschworene Geist der frühen Werke von EMPYRIUM auch hervorragend live transportieren lässt. „A Gentle Grieving Farewell Kiss“ leitet schließlich den Abschluss mit „My Nocturnal Queen“ von der ersten EP ein – ein Stück, das Markus Stock eigener Aussage nach im Alter von gerade einmal erst 16 Jahren geschrieben hat. Ein wahrhaft eindringlicher Auftritt, der gefühlt gerne noch Stunden hätte weitergehen dürfen, und die Walpurgisnacht 2026 auf würdige Weise abrundet.
Wie die Veranstaltenden des Festivals mittlerweile bekanntgegeben haben, wird es die Walpurgisnacht ab 2027 leider nicht mehr geben. Gründe dafür sind personelle Änderungen und der jährliche, einem Ritt auf der Rasierklinge ähnelnde Ticket-Vorverkauf. Schade…
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metal.de Redaktion 































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