9mm - Nitro Killers

Review

Galerie mit 9 Bildern: 9MM - Rockharz Open Air 2014

„Wir sind wieder da! Durstig auch im neuen Jahr!“ Gleich vorneweg: Wer an ein Album wie dem hier vorliegenden „Nitro Killers“ der selbsternannten (!) Assi-Rocker 9MM aus Hanau mit der Erwartung herangeht, hier verberge sich feinster Prog mit viel Gitarrenhexerei, Keyboardgedudel und expressivem Falsettgesang, der darf sich erstmal selbst einliefern lassen. Wie bereits angedeutet liefern die Vollzeitproleten 9MM wenig subtilen Rock mit dicken Gitarren, einer fetten Produktion und Texten, die – um mit Admiral Bensons Worten zu sprechen – teilweise so flach sind, „dass Ameisen sofort Eier legen“.

„Wir machen keinen Kuschelrock, wo die Olle dabei flennt!“ In der Tat, Kuschelrock ist das hier Gebotene nicht, eher klingen 9MM wie eine unheilige Allianz von den ONKELZ und CHROME DIVISION. Hier und da schauen noch die TOTEN HOSEN, MOTORJESUS und seltener auch TANKARD um die Ecke. Letztere werden vor allem aufgrund des sehr an Thrash erinnernden Gesangs ins Gedächtnis gerufen. „Nitro Killers“ ist eine ziemlich geradlinige Angelegenheit. Nach dem stimmungsvollen Intro gibt es nur eine Richtung: Mit Volldampf nach vorne. Dabei sind 9MM immer genau dann am besten, wenn sie schnelle und harte, fast schon thrashige Stahlmantelgeschosse vom Schlage des Titeltracks oder „Extremisten“ abfeuern.

„Der Nachbar fällt tot um vor Schreck!“ 9MM wollen laut gehört werden. Erst dann kommt „Nitro Killers“ so richtig zur Geltung. Allerdings kommen dann auch die Schwächen von „Nitro Killers“ umso deutlicher zum Tragen. Wie eingangs erwähnt sind die Texte nicht gerade subtil. Gegen Ende der Scheibe erreicht der Käse-Faktor aber ungeahnte Höhen, sodass man sich irgendwann noch verschämt an den Kopf greift. Man spürt deutlich, wie den Jungs das Textmaterial ausgegangen ist. Wer „Denunzianten“ und „Geiselwind“ hören kann, ohne dabei die Miene zu verziehen, muss knallhart im Nehmen sein. Oder aber selbst auf dem Niveau von 9MM.

„Extremisten und Faschisten, was tut Ihr uns leid! Ihr Meinungs-Anarchisten, nur Gott Euch jetzt verzeiht!“ Arrgh! Und die Reime sind holprig! Das wird erstmals bei „300 Männer“ deutlich, welches sich – Überraschung – auf die von Frank Miller respektive Zack Snyder so schön stilisierte und romantisierte Schlacht des Leonidas und seinen 300 Mann an den Thermopylen bezieht. Es fängt damit an, dass Leonidas seine Frage „Spartiaten, was ist Euer Handwerk?“ auf spanisch aufsagt – im Übrigen handelt es sich beim Intro nicht um den entsprechenden Filmausschnitt. Woher die Faszination der Hanauer für das Spanische rührt, wird über die gesamte Strecke des Albums nicht so wirklich klar, sieht man mal von der offensichtlichen Effekthascherei ab. Doch das ist, wie gesagt, nur der Anfang: Was eigentlich eine martialische Geschichte über Stolz, Treue und Männlichkeit sein sollte, kommt hier durch die bescheidene Metrik des Textes fast schon wie ein Kinderlied rüber. Schade, denn eigentlich hat „Nitro Killers“ einiges an Hits zu bieten, die weiter oben erwähnten Brecher beispielsweise, das groovende „Armageddon“ oder das punkige, herrlich schön infantile „14.000 RPM“. Darüber hinaus ist die instrumentale Darbietung sehr ansprechend, wozu auch die druckvolle Produktion beiträgt.

„Denn auch der liebe Herrgott hört Assi Rock’n’Roll!“ Das lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert so stehen. „Nitro Killers“ macht Laune und eignet sich hervorragend zum Abfeiern. Allerdings hätte man sich eine etwas konsistentere Qualität wünschen können. Für die Fangemeinde von Band und Genre wird es ausreichen, anspruchsvolle Metaller sollten in jedem Falle die oben erwähnten Hits anchecken. 9MM haben ein unterhaltsames Album mit einigen Schwächen abgeliefert, das zwar keine hohen Wellen schlagen wird, aber dennoch – für das, was es sein will – hörenswert ist.

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10.08.2015

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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