Ambush - Infidel

Review

Soundcheck März 2020# 11

AMBUSH ist eine dieser Bands, die jeder irgendwie gut findet, der schon einmal etwas von ihr gehört hat. Die sympathischen Schweden sind live extrem stark und keines der beiden bisher erschienenen Studioalben war wirklich schlecht. Eigentlich müssten sie viel bekannter sein, zumal die aktuelle NWOTHM-Welle ihnen deutlich in die Karten spielt. Warum ist der absolute Durchbruch also bislang ausgeblieben? Es fehlten einfach die ganz zwingenden Nummern, DAS Album, das jeden mitnimmt – no fillers, just killers eben. Ist „Infidel“ genau dieses Album geworden, das zumindest im Underground endlich das große Ding für die Band bedeutet?

AMBUSH – Achtziger-Fliegerbrillen-Charme

Mit dem Titeltrack beginnt die Platte immerhin vielversprechend. „Infidel“ ist zwar nicht unbedingt Hochgeschwindigkeits-Metal, hat aber ordentlich Power und der Refrain funktioniert ziemlich gut. „Yperite“ kann zwar einiges an Achtziger-Fliegerbrillen-Charme versprühen, aber die „Born To Die“-Gangshouts sind nicht wirklich der Stein der Weisen. Der Mundharmonika-Einsatz ist an sich eine gute Idee, leider wurde sie aber deutlich zu leise abgemischt.

„Leave Them To Die“ kann mit geschickten Tempowechseln immerhin für ordentlich Abwechslung sorgen und besonders Sänger Oskar Jacobsson liefert – wie eigentlich auf dem gesamten Album – eine Top-Leistung ab. Der erste wirkliche Volltreffer ist dann aber leider auch schon der vierte Track der Scheibe. „Hellbiter“ wurde schon seit geraumer Zeit live gezockt und ist einfach die perfekte Blaupause eines traditionellen Mid-Tempo-Fistraisers.

In „The Demon Within“ wird deutlich hörbar klassischen HELLOWEEN gehuldigt, entsprechend handelt es sich um eine der schnellsten Nummern des Albums. AMBUSH verleugnen dabei allerdings trotzdem nicht ihren eigentlich immer vorhandenen US-Metal-Einschlag. Ob mit „A Silent Killer“ der bislang wohl erfolgreichste Song der Band, „Natural Born Killers“, zu einem offiziellen Nachfolger kommt ist zwar unklar, die ziemlich unspektakulären Riffs können letztgenanntem aber ohnehin nicht das Wasser reichen.

Gegen Ende wird es dann aber noch einmal richtig interessant. „Iron Helm Of War“ wartet nicht nur passenderweise mit einem großartigen MANOWAR-Finale auf, es handelt sich dabei auch um eine der eingängigsten Nummern mit einem der besten Refrains auf dem Album. „Heart Of Stone“ toppt das aber noch einmal: Während das eröffnende Riff erst einmal mit dem Zaunpfahl Richtung ACCEPT winkt, lässt Jacobsson vor allem in den Strophen eher den Achtziger-Hard-Rock amerikanischer Prägung wieder aufleben. Eine unwiderstehliche Sommer-Autofahr-Nummer und vielleicht der stärkste Song der ganzen Platte. Auch wenn „Lust For Blood“ dieses Niveau nicht mehr ganz halten kann, gehört der typische US-Metal sicher nicht zum schlechtesten auf dem Album.

Kurzweilig, aber ohne ganz große Hits – „Infidel“

AMBUSH zocken ihren Stiefel zwar extrem cool und tight runter, es fehlt ihnen aber manchmal an unverwechselbaren Ecken und Kanten, die sofort klar machen, wessen Platte sich da gerade auf dem Teller dreht. Das Rezept aus Mid-Tempo-Songs mit Gang-Shout-Chorus ermüdet außerdem vor allem in der ersten Albumhälfte irgendwann und kommt einfach ein bisschen zu oft zur Anwendung. Verlassen sie diese Pfade aber mal ein klein wenig, wie vor allem zum Ende der Scheibe, sind sie am stärksten.

„Infidel“ ist ein kurzweiliges Album, das von vorne bis hinten Spaß macht. Dennoch fehlen auch auf Langspieler Nummer drei wieder weitgehend die ganz großen Songs, die auch ein wenig von dem, durchaus vorhandenen, nicht ganz so starken Material ablenken können. Die Voraussetzungen stimmen definitiv, um mit den angesagtesten Bands mithalten zu können. Das Songmaterial selbst kann es leider noch nicht immer. Für sich genommen wäre vielleicht trotzdem noch ein Punkt mehr drin gewesen. Da andere Bands in diesem Genre zuletzt aber noch wesentlich stärkeres herausgebracht haben – man denke zum Beispiel nur an RAM oder STALLION – muss das auch in der Wertung berücksichtigt werden.

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03.03.2020

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