Bewailer - Where My Demise Dwells

Review

BEWAILER verschwenden definitiv keine Zeit. Erst 2018 gegründet, hat es das Duo aus Moskau zu einer Demo im Sommer diesen Jahres und jetzt bereits zu einem kompletten Longplayer auf Solitude Productions geschafft. Respekt! Der Name des Labels sollte bereits klar machen, in welche Richtung Ovfrost (Gitarre, Bass, Vocals) und sein Mitstreiter Flammarius (Texte, Spoken Words) gehen: Düstere und vor allem langsame Schwermut ist angesagt. Ob der Death Doom auf „Where My Demise Dwells“ bereits nach so kurzer Zeit die nötige Reife erlangt hat?

BEWAILER – Melodischer Death Doom mit Gothic-Anleihen

Während das Eröffnungsriff von „Thorngates“ noch ein wenig nichtssagend tönt, wird es mit Einstieg der zweiten Gitarre melodischer, klagender und einfach doomiger. Der Gesang von Ovfrost besteht im Wesentlichen zunächst aus typischen, tiefen Growls. Im weiteren Verlauf des Songs werden aber immer wieder Wechsel zu höherem Gekrächze eingeflochten, die zwar in Ordnung gehen, aber qualitativ nicht ganz an die tiefe Wohlfühlzone heran kommen. Wenn das Tempo zwischendurch angezogen wird, gehen BEWAILER in Richtung Melodic Death – durch die immer vorhandene Melancholie am ehesten in Richtung finnischer Kollegen. Auch atmosphärisches, wie akustische Spielereien und die Spoken Words von Flammarius finden sich bereits im Opener wieder.

In „Endless Fall“ bekommen die traurigen Riffs erstmals Unterstützung von einem – offenbar synthetischen – Piano und der relativ tiefen, aber glasklaren Stimme von Evgenia Samsonova. Natürlich mischt sich dadurch gleich eine gehörige Portion Gothic unter den Sound, der unweigerlich in Richtung DRACONIAN abdriftet, die diesen Stil bis heute perfektioniert haben. Um es aber klar zu sagen: Deren Klasse können BEWAILER nicht erreichen, da sie auch darauf verzichten die ganz großen Melodien auszupacken.

„Moonspires“ ist dann der erste Song, der nicht bereits auf dem Zwei-Track-Demo vom Sommer zu hören war und fällt auch leider direkt, insbesondere über seine komplette Spielzeit, deutlich ab. Natürlich, man bemüht sich mit Variationen im Growling, einigen gezupften Gitarren und genrefremden Instrumenten um Abwechslungsreichtum, was aber teilweise auch nach hinten los geht. Gerade die wirklich arg künstliche Plastik-Geige aus dem Synthesizer, die in „An Old Remembrance“ eigentlich russischen Flair und damit Eigenständigkeit versprühen soll, hätte man sich lieber sparen sollen.

Das gilt im Übrigen auch für die Drums, die ganz offenbar ein Computer übernommen hat, da in den Album Credits kein Drummer angegeben wurde und wofür auch das hölzerne Geklöppel z.B. in „Nocturnal Sacrifice“ spricht, in dem ständig dieselben Patterns zum Einsatz kommen. Auch die Produktion des Schlagwerks fällt oftmals dröge und seltsam pappig aus.

Gerade so Durchschnitt – „Where My Demise Dwells“

„Where My Demise Dwells“ leidet genau unter dem Problem, das sich bereits aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen Demo und Album angedeutet hat. Während die beiden Demo-Songs vielleicht nicht gerade Meisterwerke sind, lässt sich hier aber mindestens von solidem Death Doom sprechen. Leider wirken alle anderen Kompositionen zumindest teilweise unausgegoren, was durch das teilweise reichlich eindimensionale Gitarrenspiel noch unterstützt wird. Insbesondere die verwendeten Synths wirken billig und zerstören ein gutes Stück der Atmosphäre, die man vorher mühsam aufgebaut hat.

Während Gastsängerin Samsonova in zwei Songs noch einiges retten kann, werden die inflationär eingesetzten Spoken Words von Flammarius schnell nervig. Der Verdacht, dass damit auch einfach Ideenlöcher im Songwriting gestopft werden sollen, kommt nicht nur einmal auf. BEWAILER schaffen es letztlich gerade so, „Where My Demise Dwells“ auf Durchschnittsniveau zu heben. Schade, denn mit etwas mehr Geduld, besserer Ausarbeitung der Songs und möglicherweise der Suche nach einem echten Drummer, wäre hier eigentlich mehr drin gewesen.

06.12.2019

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4 Kommentare zu Bewailer - Where My Demise Dwells

  1. nili68 sagt:

    Anhand des vorgestellten Liedes kann ich die Kritikpunkte im Review nicht nachvollziehen und die Spoken Word-Passagen sind auch eher Geschmackssache, als dass sich daraus etwas Tiefgründigeres herleiten ließe. Wäre alles so, wären schon 8 Pkt. für mich drin. Hat so’n ’90 Flair, da war sowas ja einigermaßen hip..

  2. hypnos sagt:

    Ideenlöcher im Songwriting werden nicht durch ’spoken word‘ Passagen gestopft sondern durch Growling. Keine Idee für eine vernünftige Gesangslinie? Dann wird einfach vor sich hin gegrowlt

  3. nili68 sagt:

    Hat zwar nichts mit diesem Album zu tun, aber am besten eignet sich belangloses Geklimper (Opeth) um Ideenlöcher zu stopfen. Damit bringst du jedes Lied auf 10+ Minuten..

    1. nili68 sagt:

      ..oder „hypnotische“ Riffs, die man einfach auf Autopilot stellt und erst mal ’nen Kaffee trinken geht, oder..