Boysetsfire - Boysetsfire

Review

„Sit down and play some fucking music“ ist der erste Satz, der dem Hörer vom neuen selbstbetitelten BOYSETSFIRE-Album aus der Anlage gedrückt wird. Spekulationen über die Intention von bereits bewährten Bands, die ihre Alben selbstbetiteln, sparen wir uns an der Stelle und befassen uns mit der Frage, wie die Neue von BOYSETSFIRE klingt. Vergessen sind I AM HERESY und diverse halbherzige Alleingänge, denn die alte Formel geht schlüssig auf wie eh und je und das Comeback-Album „While A Nation Sleeps“ war kein Zufallstreffer.

„I’m sick of screaming…“ schreit Nathan in „Cutting Room Floor“ – stimmt natürlich nicht, wie gewohnt geben sich Shouts und melodische Refrains, die nicht von diesem Planeten sind, die Klinke in die Hand. Dahingehend halten BOYSETSFIRE weiterhin das Alleinstellungsmerkmal, denn keine andere Band kriegt diesen Spagat so fehlerfrei hin, ohne in Kitsch und Schwulst abzurutschen oder halbgare Shouts zu liefern. „Don’t Panic“ ist eine hitzige Screamo-Klatsche, die Gift und Galle spuckt und nebenbei auch kompositorisch perfekt ausgewogen ist. „While A Nation Sleeps“ zeigte sich in gewisser Weise vorhersehbar – einmal hart, einmal soft bitte, so zog es sich durch das komplette Album. „Boysetsfire“ kommt ohne Interludes aus und wirkt insgesamt etwas zerrissener, jeder Song ist eigenständig genießbar oder eben skipbar. „Is there anybody out there?“ rufen BOYSETSFIRE in „Ordinary Lives“ fragend in den Raum. Sicherlich sitzen viele Alt-Fans schon mit den Hufen scharrend auf glühenden Kohlen, denn über mangelnden Zuspruch konnten sich die Amerikaner noch nie beschweren. Diesen Leuten lassen BOYSETSFIRE wie immer eine Menge Raum für frenetisches Fanchöre, auch „Boysestsfire“ ist vollgestopft damit. Man muss es am besten selbst erleben, wenn die Emo-Hardcore-Veteranen die Bühne stürmen und erwachsene, breite Männer sich emotional derart angesprochen fühlen, dass ihnen die Tränen die Backen runterlaufen, während im nächsten Moment ein hektischer Pit entsteht. BOYSETSFIRE kennen einfach die Knöpfe, die es zu drücken gilt, und attackieren auch auf dem aktuellen Album wieder die ach so heiligen Gefühlswelt, die man eigentlich mit niemandem teilen mag.

„Boysetsfire“ ist ausgesprochen ausgewogen – „The Filth Is Rising“, „Dig Your Grave“ oder „Coward CD“ bedient diejenigen, die gerne im Pit auf Tuchfühlung gehen und ihren Alltagsfrust auf diese Art und Weise entladen. Schon fast süß, wie Nathan immer um einen gewissen Melodieanteil bemüht ist, während im Hintergrund die Rhythmusfraktion den Laden elegant in Schutt und Asche legt. Die gilt es an dieser Stelle extrem zu loben, in diesem Stadium noch derartige Hymnen zu zaubern, Drum-Orgasmen wie in „Breathe In, Breathe Out“ zu erzeugen und derart kantige Riffs aus dem Köcher zu ziehen, ist tatsächlich keine Standardleistung. „Boysetsfire“ ist bis ins letzte Glied perfektioniert und deckt tatsächlich die komplette Bandbreite ab. „Heaven Knows“ wirbelt den Hörer durch die Bude und überzeugt im Refrain mit einem schon fast als Standardwerk zu betitelnden Refrain, bevor es urig und simpel in die Mosh-Phase und den Pit-Aufbau wechselt.

Grundsätzlich gilt, dass man als unbedarfter Interessent von BOYSETSFIRE um Gottes willen nicht einfach via YouTube einen beliebigen Song anwählen und dann seine Entscheidung fällen sollte. Es gilt der Band Zeit zu widmen, die Texte ansatzweise zu verstehen und den Reiz der Reibungen von hart und weich. Dann verkörpern BOYSETSFIRE praktisch alles, was im Emo-Hardcore möglich ist in einer Band, und sind genau deshalb eine Ikone. Abschließend sei vermerkt, dass ich kein BOYSETSFIRE-Fan der ersten Stunde bin und erst vom Vorgänger-Album „While A Nation Sleeps“ einfach gnadenlos weggeblasen wurde. Wer also auf weite Refrains steht, zwischendurch aber mal eine richtig musikalische Backpfeife braucht, der sollte sich mit „Boysetsfire“ im Speziellen und BOYSETSFIRE generell auseinandersetzen. The time is now or it’s never!

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22.09.2015

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2 Kommentare zu Boysetsfire - Boysetsfire

  1. Ironman sagt:

    Seit „While A Nation Sleeps“ sind die Jungs wieder an der Spitze des melodischen Hardcores angelangt. Hoffen wir mal „“Boysetsfire“ klingt genauso gut, das Video lässt schonmal hoffen!

  2. Aradhir sagt:

    Es ist ein geniales Album. Es steht While A Nation Sleeps in nichts nach. Das Album hat keine Längen, es ist lyrisch gewohnt genial. Anspieltipps: Ordinary Lives, Breathe in Bleed out und Torches to paradise!