Carnifex - Until I Feel Nothing

Review

Galerie mit 20 Bildern: Carnifex – Summer Breeze Open Air 2018

Dass Deathcore in einer Identitätskrise steckt, ist nichts Neues mehr. Die großen Namen sind zwar weiterhin sehr gefragt, doch fällt es auch ihnen zunehmend schwerer, etwas Neues und frisches auf den Markt zu bringen. Zu sehr legte sich die Bewegung zur Zeit ihrer Entstehung auf bestimmte Merkmale wie Breakdowns und glatt polierten Sound fest. CARNIFEX, zweifelsohne ein bedeutender Teil der Speerspitze dieser Musikrichtung, versuchen auf ihrem vierten Langspieler „Until I Feel Nothing“ ihren Wurzeln treu zu bleiben und trotzdem neue Elemente einzuflechten.

Zunächst bleibt alles beim Alten. Ein kurzes Intro, ein markerschütternder Growl von Scott Lewis (unverändert eine der besten Kehlen des Genres)  aus den tiefsten Tiefen der Hölle und schon geht es los mit „We Spoke Of Lies“. Auch hier bleibt alles beim Alten – eine Mischung aus THE BLACK DAHLIA MURDER und SUICIDE SILENCE, präsentiert in einer einwandfreien Produktion. So weit, so bekannt, so unspektakulär. Dies gilt für gut zwei Drittel des Albums. Immer wieder werden rauhe Melodien von zerhackten Riffs niedergewalzt, hier und da ein Breakdown. Fette Songs können die Amis scheinbar problemlos aus dem Ärmel schütteln. Doch bleibt dabei selten viel hängen – zu sehr ähnelt eine Komposition der anderen.

Erst bei „Creation Defaced“ wird es stellenweise interessant. Hier werden die Hochgeschwindigkeitsattacken überraschend von düsteren und atmosphärischen Parts durchbrochen, kryptische Klavierklänge dringen an das Gehör, nur um dann von der nächsten Riffwand vertrieben zu werden. Auch der Schlußtrack „Curse My Name“ setzt mit den dezenten Keyboardteppichen Stimmungsakzente. Stellenweise fahren CARNIFEX beinahe in Black-Metal-Gewässern. Und gerade diese Momente, die leider viel zu selten aufleuchten, heben die Band von dem gängigen Einheitsbrei ab. Man fühlt sich an die Wandlung von BLEEDING THROUGH erinnert, die ebenfalls überzeugen konnte. Schade, dass dieser Mut zur Veränderung nicht konsequent durchgezogen wird, denn sonst passiert in der viel zu kurzen halben Stunde zu wenig, um wirklich begeistern zu können. Dabei könnten sie!

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26.10.2011

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2 Kommentare zu Carnifex - Until I Feel Nothing

  1. Matthias sagt:

    Ich finde ja, dass für manche Stile (z.B. Grindcore) eine halbe Stunde Spielzeit absolut ausreichen. Auch in Bezug auf die Musik von CARNIFEX finde ich es nicht wirklich störend, dass das Album „nur“ 32 Minuten lang ist. Zudem machen sie ihre Sache ganz gut. Sicher, es gibt besseres, aber auch deutlich schwächeren Kram. Mit dem nächsten Album landen sie sicher wieder auf Punkt genau…

    7/10
  2. Hans-Hubert sagt:

    Ist wie beim Sex: Nicht die Länge ist entscheidend, sondern was man damit anstellt. Es gibt grandiose Hardcoreplatten, die sind gerade mal 20-21 Minuten lang. Es gibt Thrash-Klopper, die kommen auf keine halbe Stunde. Es gibt Metal-Alben, die gerade mal 35 Minuten lang sind. Und allesamt sind es grandiose Werke, die perfekt sind, wie sie sind.