Corrosion Of Conformity - Good God - Baad Man

Review

CORROSION OF CONFORMITY sind zurück – mit einer Ansage! „Good God/Baad Man“ ist ein Doppelalbum, ein Brocken, der es auf gut 66,6 Minuten bringt. Verpackt ist er in ein Cover, auf dem ihrem „Toxic Skull“ Gut und Böse kaleidoskopartig aus den toten Augenhöhlen quellen. Alles ist psychedelisch-bunt gehalten und vor einschlägigen Symbolen kann man sich nicht retten. Dazu erwähnt Mr. Keenan, und man sieht seine Augen hinter der tiefschwarzen Sonnenbrille blitzen, dass sie bei ihm zu Hause in Mississippi DISCHARGE gehört hätten und ZZ TOP, MOTÖRHEAD, NEIL YOUNG und BLACK SABBATH: „The good stuff.“ Bevor das erste Riff aus den Boxen bricht, bereiten sich die Synapsen also schon mal vor. Auf alles.

CORROSION OF CONFORMITY 2026: Jenseits von Gut und Böse?

Gelingt C.O.C. ein entsprechend monumentales Werk? Eines, das sowohl Hardcore Punk als auch klassischen Rock und Doom nutzt, um die ganz großen Fragen anzugehen? Mit nichts als aufgerissenen Herzen, Verstärkern und Bierdosen? So in etwa?

Als solches angelegt ist „Good God/Baad Man“ tatsächlich. Acht Jahre nach „No Cross No Crown“ treten Pepper Keenan und Woody Weatherman nach dem Tod ihres Schlagzeugers Reed Mullin und dem Ausstieg von Basser Mike Dean mit der Rhythmusabteilung Stanton Moore/Bobby Landgraf an. Man hört allen Beteiligten ihre Erfahrung an – und dass sie es wissen wollen. Vielleicht aber etwas zu stark, werden doch mindestens alle Phasen der Band stilistisch berücksichtigt.

„Gimme Some Moore“ als kompakte, schnelle Attacke hat dabei die  dickste Halsschlagader. Es kommt bei aller rechtschaffenen Wut allerdings nicht an die eigenen Stücke aus den Achtzigern heran, als C.O.C. in den besten Momenten – und das ist ausdrücklich ein Kompliment – wie langhaarige BAD BRAINS vom Schrottplatz zu klingen vermochten. Lobenswert ist allerdings, dass im Refrain sowohl Leather als auch Chains und Spikes Erwähnung finden.

Und der verstrahlt-breitbeinige Rocker „You Or Me“ überfährt dich nicht derart ganzkörperlich wie die glühenden „Clean My Wounds“ oder „Albatross“ vom Hitalbum „Deliverance“. Auch reicht hier letztlich nichts an „Blind“ heran, als man dem Schwarzen Album von METALLICA mit mehr Swag folgte. Dafür hat „Handcuff County“ tatsächlich viel von ZZ TOP. Mit etwas weniger Swag. Und so stehen alle drei hinsichtlich ihrer Güte exemplarisch für das Gesamtwerk.

„Good God/Baad Man“ ist gut, aber kein Monument

Alle Songs auf „Good God/Baad Man“ sind mindestens okay und die Produktion von Warren Riker tut ein Übriges. Insgesamt dominieren stilistisch die Neunziger-Stoner-C.O.C., wobei die zweite Platte ist stilistisch breiter aufgestellt ist als die erste. CORROSION OF CONFORMITY gönnen sich im Laufe des Albums immer mehr Beinfreiheit, werden aber auch weniger zwingend. Und wenn hier borniert festgestellt wird, dass die Hits fehlten, die Momente, die nicht nur zu anerkennendem Nicken, sondern zu enthusiastischem Verrenken führten – dann ist ebenfalls festzuhalten: Alles ist relativ und eine Frage der Erwartungshaltung. Die meisten Bands würden sich schon beim Anlauf in Richtung der Latte von „Good God/Baad Man“ ungelenk die Knöchel brechen.

Und: Wer einen Totenschädel mit Spikes, Reißzähnen und dem Radioaktivitätszeichen als Gesicht zum Logo-Maskottchen hat, gewinnt. Prinzipiell und stets.

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27.03.2026

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