Darkane - Inhuman Spirits

Review

Soundcheck Juni 2022# 10

In letzter Zeit lassen sich DARKANE schon etwas feiern hinsichtlich des Rhythmus‘ ihrer Veröffentlichungen. Seit „Demonic Art“ praktisch kommen die schwedischen Melodeath-Thrasher um Christofer Malmström und Peter Wildoer nur noch spärlich mit neuem Stoff in Vollzeit die Ecke; „The Sinister Supremacy“ hatte seinerzeit fünf Jahre auf sich warten lassen und lockte zumindest von unserer Seite aus keine Jubelarien hervor. Wiederum hat es lange gedauert – diesmal stolze neun Jahre – bis mit „Inhuman Spirits“ endlich ein neues Vollzeitalbum das Licht der Welt erblicken sollte. Dessen Coverartwork lässt zumindest vage an das meines unmaßgeblichen Erachtens nach doch etwas arg stiefmütterlich behandelte „Demonic Art“ denken.

„Inhuman Spirits“ ist schon so etwas wie ein Comeback

Nun ja, der Schritt, den DARKANE mit besagtem, einzigen Album mit Jens Broman am Mikrofon in Richtung Todesblei-Moderne unternommen haben, haben viele den schwedischen Schlagetoten nicht verziehen, wobei ich persönlich dagegen halten möchte, dass die Platte mit „Leaving Existence“, „Execution 44“ oder „Impetuos Constant Chaos“ einige Brecher in petto hatte, die locker mit den großen Hits der Bands mithalten können. Aber dieser wenn auch kleine Schritt in Richtung Göteborg-Moderne hat sich beim Folgewerk ja fortgesetzt. Da wundert es nicht, dass „Inhuman Spirits“ erneut in diese Richtung gehen sollte, wie beim Vorgänger „The Sinister Supremacy“ mit dem Ur-Sänger Lawrence Mackrory am Mikrofon, der sich auch für die Produktion verantwortlich zeichnet.

Eins sei gleich vorneweg gesagt: Die knüppelharte Thrash-Kante, die in ihren krankesten Momenten gar mit frühen KREATOR mithalten konnte, kehrt leider auch für „Inhuman Spirits“ nicht wieder in voller Pracht zurück, sodass hier keine Anknüpfung an „Layers Of Lies“ erfolgt. Aber deshalb sollte man das neue Album noch lange nicht abschreiben. Denn auch unter heruntergefahrenem Härtegrad wissen die Typen, die auch Platten wie „Rusted Angel“ oder „Expanding Senses“ zu verantworten haben, ihren Sound gekonnt in Szene zu setzen. Das bedeutet, dass das gebotene gemessen an dem, was als Melodeath der neuzeitlichen Göteborger Schule so verschrien ist, doch ziemlich tight, vor allem aber auch ziemlich gut ist.

DARKANE kehren nicht zu alter Bissigkeit zurück

Mackrorys Gesang ist mehr Thrash-typisches Shouting, das oft nur in emphatischen Linien in Growls ausartet wie bei „Inhaling Mental Chaos“, seltener wesentlicher Bestandteil seiner Artikulation wird wie in „Awakening“, für die Hooks oftmals in melodischere Sphären vordringt und generell ziemlich dynamisch ausgefallen ist. Dabei vergreift sich Mackrory bei den Hooks jedoch nicht an zeitgemäßen Cleans, sondern verweilt bei seiner Outdoor-Stimme, die besonders mit etwas Vibrato richtig abgeht, man höre etwa „Spiral To Nothing“ um die 2:25-Marke. Insgesamt ist sein Gesangsstil hier nicht ganz so enthemmt wie der eines Andreas Sydow, aber es passt, zumal „Inhuman Spirits“ schon eher in die Richtung Wohlfühl-Melodeath geht, aber mehr so für Leute, die doch etwas Backenfutter gut und gerne abkönnen.

Ein Qualitätsmerkmal, das sich DARKANE aber beibehalten haben, ist der hohe technische Anspruch, der hier aus praktisch jeder Fuge trieft. Für Uneingeweihte heißt das: Kristofer Malmström und Klas Ideberg hauen hier einige agile Riffs aufs Parkett, deren Skalen in Einzelfällen wie „Mansion Of Torture“ gar an der Schwelle zum Tech-Death kratzen, an anderer Stelle auch mal einen Hauch NWoBHM schnuppern. Peter Wildoer fasst alles in einen extrem straffen Rhythmus ein, wenn nicht gerade ein schleppenderer, atmosphärischer Track der Marke „The Quintessence Of Evil“ etwas mehr Luft zum Atmen einfordert. Es passt einfach jederzeit hervorragend. Dass Tieftöner Jörgen Löfberg größtenteils nur harmoniert und ansonsten etwas ins Hintertreffen gerät, ist ja mehr so ein moderner Kavaliersdelikt und daher verzeihbar.

Doch sie servieren mit Nachdruck verabreichten Melodic Death

Dass der Thrash-Anteil auf „Inhuman Spirits“ nicht ganz so krass ausgeprägt ist, heißt jedoch lange nicht, dass es deshalb nicht doch Grund zum Headbangen gibt. „Awakening“ ist zum Beispiel ein ein stampfendes Midtempo-Biest. „Embrace The Flames“ packt zwischen den ohnehin schon zackigen Backbeats für die Hook ein paar richtig zermürbende Grooves aus, die herrlich hart in die Nackengegend fahren. „Inhaling Mental Chaos“ schaltet zwischen Backbeats und spack gezogenen, triolischen Beats hin und her, hält dadurch den Druck durchgehend hoch, ein Trick, der auch bei „The Great Deceiver“ effektiv zum Einsatz kommt. Letztgenannter Track dürfte dem „klassischem“, NWoBHM-affinen Metalcore der 2000er noch am Nächsten stehen und ist daher vermutlich Geschmackssache.

Eine ebenfalls wiederkehrende Facette ist die symphonische Komponente, die gelegentlich auftaucht, zum Beispiel im eröffnenden Titeltrack. Hier hebt sie sich unter das einleitende Motiv sowie unter die Hook für ein paar atmosphärische Vibes, die jetzt nicht direkt ominös, aber durchaus schmackhaft inszeniert sind. „Mansion Of Torture“ mündet zum Ende hin gar in ein rein orchestral inszeniertes Finale, das die Harmonieführung des Hauptriffs noch einmal abschließend Revue passieren lässt. Das rein instrumentale „Valnåder“ schließt das Album ab, ist jedoch nicht nur auf der Trackliste sondern insgesamt das Schlusslicht. Das repetitive Geklimper auf dem Klavier hätte man sich an sich sparen können.

Damit spielen sich DARKANE ins Hier und Jetzt

Ansonsten gefällt „Inhuman Spirits“ doch sehr. Es ist keine Rückkehr zu alter Form, viel mehr eine gewinnbringende Ausarbeitung der aktuellen Form, die jedoch weiterhin bei der Göteborg-Stange bleibt und diese nicht wie manch andere gänzlich in Richtung Moderne verlässt. Thrashige Relikte werden hinreichend bedient, um die Songs weiterhin mit Nachdruck aus den Boxen pusten zu lassen. Damit kann man der Band zwar zugegeben den Vorwurf machen, sich etwas mehr an zeitgemäße Melodeath-Hörgewohnheiten anzupassen, andererseits klingen DARKANE immer noch ruppiger und tighter als die biedere Konkurrenz aus dem deutschsprachigem Raum beispielsweise. Wer es sich Melodeath-technisch also mal wieder etwas gepflegter geben möchte, ist hier goldrichtig.

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17.06.2022

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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2 Kommentare zu Darkane - Inhuman Spirits

  1. Vlad_the_Impala sagt:

    Netter Banger!
    Eine m.M.n. gelungene Mischung aus Oldschool, 2000-rum-Modern und Modern-Modern.
    Ist auch durchaus Abwechslung drin, und wirkt dabei fokussiert und schön nach vorn.
    8,3/10

    8/10
  2. Vlad_the_Impala sagt:

    „2000-rum-Modern und Modern-Modern“

    Keine Ahnung, was ich damit gemeint haben könnte. 😀 Vermutlich ein ‚Copy+Paste-Issue‘.. *kicher*
    Ich wollte eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass mir das Album auch nach ein paar Monaten auf dem Buckel nach wie vor erstaunlich gut gefällt und ich es tatsächlich ein wenig „underappreciated“ finde..
    Für mich persönlich einfach ein guter (funktionierender) Stilmix.