Def Leppard - Pyromania (Deluxe Edition)

Review

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Unter allen Hardrock-Bands, die in den 80ern ihren Durchbruch geschafft haben, sind DEF LEPPARD für mich zwar nicht die mit dem schlechtesten Klamotten- und Frisörgeschmack gewesen, wohl aber immer die soften Jungs im Rockzirkus geblieben. Dass das ein subjektiver und vielleicht nicht ganz treffender Eindruck gewesen ist, hat mir unlängst der Re-Release des 83er-Albums „Pyromania“ gezeigt, DEF LEPPARDs Durchbruchalbum.

Und tatsächlich, die Fünf brennen auf ihrer dritten Platte vor Elan und unbändiger jugendlicher Power – ganz so, wie man sich Rockstars um die 20 vorstellt, die glauben, ihnen läge die Welt zu Füßen. Der Unterschied zu vielen anderen Bands, die das dachten, ist: die Welt lag DEF LEPPARD tatsächlich zu einem nicht unerheblichen Teil zu Füßen. „Pyromania“ zeigt die Band in der Blüte ihrer Karriere, voll im Saft, und bollert genau in diesem Geiste mit dem Kracher „Rock! Rock! (Till You Drop)“ in bester AC/DC-Manier gleich in die Vollen.

„Pyromania“ ist eine Fundgrube für kleine und große Hits, beispielsweise befindet sich auf dieser Platte die Lampenfieber-Hymne „Stagefright“, den Mitsing-Kracher „Rock For Ages“ und die Halbballade „Billy’s Got A Gun“, deren Riffing hörbar von LED ZEPPELINs „In The Evening“ inspiriert ist. Überhaupt ist aus heutiger Sicht augenscheinlich, dass DEF LEPPARD Anfang der 80er keine Band war, die nicht nach rechts und links geschaut hat. Die Reminiszenzen an die Großmeister des im Breitwandformat angelegten Stadionrocks, QUEEN und KISS, scheinen an jeder Ecke durch. Gleiches gilt für die schon genannten LED ZEPPELIN, insbesondere die lasziv-erotische Ausstrahlung Robert Plants, die Joe Elliott nie erreicht hat. Hier und da erinnert die typische 80er-Produktion fast ein wenig an ZZ TOP oder sogar GENESIS, was aber vermutlich eher dem Studio-Usus dieser Zeit geschuldet ist.

Dafür ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass eine Platte vom Kaliber „Pyromania“s ebenfalls Nachahmer gefunden hat. BON JOVI hat das Patentrezept für eine Dosenöffner-Rockballade von dem wunderschönen, aber auch unfassbar kitschigen „Too Late For Love“ abgeschaut, Axl Rose kann sich nicht davon freisprechen, „Pyromania“ sicherlich mehr als einmal gehört zu haben, und nicht zuletzt hat die lockere Unverbindlichkeit einer radiotauglichen Pop-Rock-Nummer auch heute in Bands wie NICKELBACK Erben gefunden, wenn auch zurecht sehr umstrittene.

Ich vermute, dass der Erfolg DEF LEPPARDs mit diesem Album vor allem darauf beruht, dass sie spielerisch tadellose Rocksongs geschrieben haben, die für den Moment berühren und mitreißen, niemanden überfordern und zum großen Teil gute Laune verbreiten – im Grunde also den Prototypen des harmlosen, aber begeisternden Poprocks geschaffen haben. Das ist, gerade für eine damals extrem junge Band, eine herausragende Leistung. „Pyromania“ ist eine Rockplatte, die für Stadien geschrieben ist, hörbar eigentlich ein Livealbum, das tausende von Menschen auf einen Schlag mitreißen kann und das auch getan hat. Davon zeugt übrigens die zweite CD dieses schicken Digipaks, die eine unveröffentlichte Liveaufnahme aus dem L.A. Forum von 1983 enthält. Und was für eine! Fünfzehn Songs lang rackern und schwitzen DEF LEPPARD vor einem begeisterten Publikum in Los Angeles, in einem Erste-Sahne-Sound und spielerisch glänzend aufgelegt. Ein wirklicher Kaufanreiz für eine übrigens toll illustrierte Platte, die jeder Fan von klassischem 80er-Rock besitzen sollte.

23.07.2009

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