Embryonic Cells - Horizon

Review

Soundcheck Dezember 2018# 17

„Horizon“, das vierte Album der Franzosen EMBRYONIC CELLS, wirkt, als hätte eine schlechte Promoagentur mit einem Zufallsgenerator zum Musikgenre Metal gespielt. Was heraus kam, passt in keine wirkliche Beschreibung. Laut Promoschreibsel wollen EMBRYONIC  CELLS eine Mischung aus symphonischem Black Metal und War Metal spielen. Diese orientiert sich an alten DIMMU BORGIR, IMMORTAL und weiteren bekannten Bands der zweiten skandinavischen Welle. Man sieht sich dabei aber in Tradition der „First Wave“.

Ich glaube, den Herren ist nicht ganz klar, dass damit eher BATHORY, HELLHAMMER, VENOM und weitere Vertreter gemeint sind, nach denen EMBRYONIC CELLS kein Stück klingen. Mir ist ebenso absolut schleierhaft, was das hier vorliegende auch nur im entferntesten mit War Metal zu tun haben soll. Cover, Band-, Alben- und Songnamen klingen und schauen auch eher nach modernem Death Metal oder Metalcore als nach Black Metal in jeglichem Sinne, also Kongruenz ist hier schon mal Fehlanzeige. Soundtechnisch sind EMBRYONIC CELLS allerdings durchaus in der zweiten Welle und bei Bands wie genannten DIMMU BORGIR als grober Referenzrahmen zu verorten.

EMBRYONIC CELLS sind scheinbar unschlüssig, was sie selber sein wollen.

Das Intro „Crossing“ startet mit Wellenrauschen durchaus als Remineszenz an IMMORTAL zu ihrer „At the Heart Of Winter“-Phase. Danach folgt mit „Don’t Serve Your King“ dann das erste musikalische Lebenszeichen:
Es werden über ziemliches Standard-Riffing für Black-Metal-Verhältnisse ein wenig Synthies gelegt und fertig. Das reicht aber noch nicht, um zu bekannten Bands dieses Genres wie CRADLE OF FILTH oder DIMMU BORGIR aufzuschließen.

Genauso geht es nämlich die nächste halbe Stunde weiter, ohne irgendwie besondere Höhepunkte oder herausstechende Songs zu hinterlassen. Technisch durchaus ordentlich, wenn auch heutzutage nicht überdurchschnittlich, geht den Songs jede Eigenständigkeit und jegliche Spannung ab. Meist beschränkt man sich aufs Schrammeln, packt Doublebass drunter, zwischendurch Keys und Orchester aus der Konserve und das war es. Progression innerhalb der Songs, nette Einfälle, kohärent eingegliederte Synthies? Größtenteils Fehlanzeige.

Selten habe ich auch so uninspirierten und gelangweilt wirkenden Gesang vernommen, der sich nicht recht zwischen typischen Screams, Growls und Abbath-artigem Krächzen und später sogar Klargesang entscheiden kann und auch in keiner der Disziplinen recht überzeugt. Lediglich die letzten beiden Songs können in Ansätzen so etwas wie die gewünschte „Epik“ aufkommen lassen. Stimmungsvolle Intros, langsamere Entwicklung, abwechslungsreicheres Songwriting… man zeigt sich dort auf dem richtigen Weg, aber es ist noch gehörig Luft nach oben.

„Horizon“ reicht nicht über einfache Standards im symphonisch gepuderten Black Metal hinaus

Dabei wollen EMBRYONIC CELLS scheinbar ganz oben mitspielen, hat man sich doch zu „Never Let You Fall“ ein nettes Video gegönnt, wie es etwa UADA bereits vorgemacht haben: Drohnen-Shots, viel Natur, ein wenig Gepose. Nur wirkt das ganze hier irgendwie sehr viel billiger.

Kurzum: Größtenteils echt verzichtbar und gerade noch so als Standard abschreibbar. Welche Gourmetstücke aus Frankreich es wirklich gibt, kommt dann im nächsten Black Metal Special im Dezember.

 

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18.11.2018

"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." - Wau Holland -

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