Finsterforst - #YØLØ

Review

Galerie mit 14 Bildern: Finsterforst - WGT 2017

Man kann jetzt nicht behaupten, dass man gerade von FINSTERFORST einen solchen Parasiten wie „#YØLØ“ erwartet hätte. Die Pagan-Metal-Band aus dem Schwarzwald, hat sich einmal in alle Richtungen nach dem besten von gestern, vorgestern und heute gestreckt und obendrein das Jugendwort 2012 raus gekramt. Genregrenzen wurden gesprengt und neben gleichermaßen prollig wie partytauglichen Eigenkreationen, wurde sich scheinbar wahllos bei MILEY CYRUS, K.I.Z., DIE KASSIERER und dem Godfather of Pop MICHAEL JACKSON bedient. Wer sein Bier also gerne ernst trinkt, ist hiermit raus.

FINSTERFORST schicken MICHAEL JACKSON in den Schwarzwald

Alle anderen, die ihr Gehirn auch mal für 2 Stunden an der Garderobe abgeben, bekommen mit „#YØLØ“ eine Platte, die unterm Strich mehr gute als schlechte Momente aufweist. „Bottle Gods“ lässt erstmal Spontanbesuch von FINNTROLL vermuten, FINSTERFORST lassen die Akkordeons krachen und sorgen für torkelfähigen Sound mit groß angelegtem Refrain. Schon im Opener verraten die Herren zwischen den Zeilen, wie es zu „#YØLØ“ kam,  sie waren einfach müde vom ewig gleichen Sound. „#YØLØ“ liefert kurzkettige Kost, die die Mundwinkel nach oben schnellen und den Zapfhahn eilig nachschenken lässt.

Das folgende „Auf Die Zwölf“ schickt euch mit Blastgeschwindigkeit ins Stadion, das Thema Fußball wird beackert. Zweiter Song, der Humor hält. FINSTERFORST sind lustig, aber nicht platt und kindisch und eine Pagan-Stadionhymne gibt es meines Wissen auch noch nicht. Das musikalische Niveau, das FINSTERFORST trotz all der Albernheit halten, werten die Platte ungemein auf.

Willste noch die Kuckucksuhr?

Der Titelsong erinnert positiv an die bayrische Backen-und-Lungen-Macht LABRASSBANDA, und ist darüber hinaus auch enorm kreativ. Humor gemischt mit Polka und Orient, obendrauf Blast und irgendwie schmeckt der schräg klingende Mischmasch überraschend gut – das setzt zwangsläufig Können voraus. „Der Durch Die Scheibeboxxxer“ von K.I.Z. enthält eine kleine feine eigene Note („…willste noch die Kuckucksuhr? Ne, halt’s Maul.“), den nur die Kenner des Originals verstehen. Ansonsten wurde hier nach Standard gecovert, einen solchen Song auf FINSTERFORST umzutrimmen, ist auch keine leichte Aufgabe.

Am besten klingen die Coversongs, denen FINSTERFORST einfach komplett ihr Korsett aufgezwungen haben. So tritt die Lebensweisheit von DIE KASSIERER, „Das Schlimmste Ist Wenn Das Bier Alle Ist“, eine wahre Klanglawine los, eskaliert am Ende ironisch-pathetisch und entfernt sich dann komplett vom ursprünglichen Bierdosen-Charme.

„Wrecking Ball“ hat einige (sicher auch unfreiwillig) komische Momente bspw. die grausige Vocoderfolter. Gleiches gilt für die folgende Dubstep-Verschlimmerung von MICHAEL JACKSONs Klassiker „Beat It“. Die größte Überraschung ist wohl eher der leidenschaftliche Schmackes, den FINSTERFORST hier den Gesang stecken. Abgesehen davon passiert hier relativ wenig Neues.

Grundsätzlich ist „#YØLØ“ eine gut gemacht kurzweilige Platte, die FINSTERFORSTler können sicherlich besonders live von dem Material schöpfen und damit relativ schnell für Aufmerksamkeit und Stimmung sorgen. Abseits der Party wird „#YØLØ“ sicher weniger häufig den Weg in die Anlage finden, aber zum Aufwerten der Partyplaylist und zum schnelleren warm werden bei Konzerten gilt das Motto der Platte: Nicht so viel nachdenken, weil yolo und so…

08.09.2016

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