
Soundcheck März 2026# 10
Galerie mit 28 Bildern: Gaerea - Death Above Life Tour 2025


GAEREA werden mit ihrem neuen Album „Loss“ polarisieren, soviel steht fest. Denn schon länger gibt es hitzige Diskussionen um die musikalische Einordnung der Band: Ist das überhaupt noch Black Metal? War es das überhaupt jemals? Post Black Metal vielleicht? Oder ist das eher Modern Metal, möglicherweise sogar…METALCORE? Und ist das überhaupt wichtig? Jedenfalls haben sich auch GAEREA selbst in jüngerer Vergangenheit zunehmend von einer Einteilung in die Schwarzmetall-Schublade distanziert und wer bereits bei der bloßen Erwähnung letztgenannter Genres Schnappatmung kriegt, muss nun sehr stark sein.
GAEREA polarisieren mit Ansage
Denn obwohl „Loss“ in vielen Punkten an das besonders mit „Coma“ gelegte Fundament anknüpft und in gewisser Weise eine logische Weiterentwicklung dessen darstellt, bedeutet das Album doch auch eine Zäsur in der Diskographie der maskierten Truppe. Von den Black-Metal-Elementen, die schon auf dem Vorgänger zu Gunsten griffigerer Arrangements und größerer Eingängigkeit zurückgeschraubt wurden, sind nämlich auf „Loss“ bestenfalls noch einige Rudimente übrig.
Und so verpassen einem GAEREA mit „Luminary“ zum Einstieg erstmal eine astreine, mit fetten Stakkato-Riffs, flächendeckender Elektronik und einem hymnischen Refrain versehene Metalcore-Klatsche. Saftiger Breakdown inklusive. Das ist mal eine Ansage. Bereits hier kann man auch schon feststellen, wie sehr sich das stimmliche Repertoire von Frontmann Alpha erweitert hat, was sicherlich eine der größten Veränderungen auf „Loss“ darstellt. Dafür, dass er diesbezüglich im letzten Interview mit Kollegin Angela noch eine gewisse Nervosität besonders hinsichtlich der Live-Darbietung äußerte, wechselt er hier im Verlauf des Albums immer wieder mit beeindruckender Leichtigkeit zwischen kernigen Shouts und mal rauem, mal zerbrechlichem Klargesang.
Eindrucksvoll nachzuhören ist diese stimmliche Wandlungsfähigkeit bei der ersten Vorabsingle „Submerged“ oder beim hochemotionalen, mit wunderschönen Gitarrenmelodien versehenen „Cyclone“. Beide Stücke erinnern ein wenig an die ruhigeren Momente der ARCHITECTS, minus deren Hang zu Djent-Riffs. Dazwischen hätte das düster-treibende „Hellbound“ noch am ehesten auf „Coma“ stehen können, ohne besonders aus der Reihe zu tanzen, wenngleich auch hier eine größere gesangliche Vielfalt und ein Mehr an Elektronika zu Buche schlagen.
Die Entwicklung auf „Loss“ ist konsequent, aber stets nachvollziehbar
Nach dem wütenden Metalcore-Stampfer „Uncontrolled“ und dem dramatischen, mit reichlich Keyboards unterlegten „Phoenix“, bei dem ein herzhaftes „Blegh“ durchaus als ein weiterer augenzwinkernder Wink in Richtung Sam Carter und Co. interpretiert werden könnte, überrascht „Nomad“ tatsächlich nochmal mit flächigem Atmospheric Black Metal, der in einen poppigen, fast schon ein wenig schunkeligen Refrain übergeht. Zum Abschluss schickt sich das von Pianoklängen, verträumter Elektronik und gefühlvollem Gesang dominierte, jedoch mit kurzen, harschen Eruptionen durchzogene „Stardust“ dann noch an, die SLEEP TOKEN-Fanschar fürs eigene Lager zu gewinnen.
Man hört also, im Hause GAEREA hat sich einiges getan. Dabei kommt diese Entwicklung wie gesagt weder aus dem Nichts, noch ist sie schwer nachvollziehbar, denn viele der auf „Loss“ verarbeiteten Elemente konnte man in ähnlicher Form ja auch schon auf „Coma“ finden. Die Konsequenz, mit der die Band ihren Wandel vorantreibt, mag allerdings erstmal überraschen und sicherlich auch einige Alt-Fans vor den Kopf stoßen.
Die Handschrift von GAEREA ist nichtsdestotrotz meistens klar erkennbar und „Loss“ alles andere als ein schwaches, in vielerlei Hinsicht sogar ein mutiges Album. Allein die einnehmende stilistische Gratwanderung zwischen Black Metal, Post-Metal und Core-Anleihen, die für viele sicher einen nicht unerheblichen Teil des Reizes ausgemacht hat, fehlt hier weitestgehend. Zudem geht manch süßlicher elektronischer Farbtupfer empfindlich zu Lasten der stimmungsvollen Düsternis und Melancholie, welche die Band bis dato ausgezeichnet hat. Ein wenig entzaubern sich GAEREA dadurch leider selbst, andererseits wird „Loss“ aber mit Sicherheit auch neue Publikumsschichten erschließen und die maskierte Truppe auf der Erfolgsleiter noch ein paar Stufen nach oben katapultieren.

Gaerea - Loss (CD Digipak in O-Card)
Hans Völkel































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