Gaerea - Limbo

Review

Galerie mit 24 Bildern: Gaerea - De Mortem Et Diabolum 2018

Zwei Jahre ist es her, dass GAEREA ihr Debütalbum „Unsettling Whispers“ veröffentlichten und sich schnell den Status als Geheimtipp erarbeitet haben. Auf dem Weg zum jetzt erscheinenden Zweitwerk „Limbo“ haben sich die Portugiesen ziemlich entwickelt – vor allem was ihren Szenestatus angeht. Von „geheim“ kann keine Rede mehr sein, auch weil die Jungs, neben aller Qualität, auf dem Live-Sektor nicht zurückhaltend waren. Ein Umstand, der zum Deal bei Season Of Mist beigetragen haben dürfte, der aber der Entwicklung nicht geschadet hat – denn „Limbo“ ist ein fast schon logischer Nachfolger.

„Limbo“ ist ein logisches Zweitwerk

Denn GAEREA sind reifer geworden, haben ein wenig die Schleifmaschine angeschmissen und sich noch mehr auf die Post-(Black-)Metal-Einflüsse fokussiert. „Limbo“ trifft damit einerseits den Zahn der Zeit, zeigt andererseits aber auch eine klarere Handschrift. Noch immer treffen sich Melodiösität und Dunkelheit zum Stelldichein, doch heuer mit noch mehr Nachdruck, Vehemenz und klaren Konturen vorgetragen. Stimmungstechnisch bleibt aber auch „Limbo“ geprägt von einer Schwere, die nicht tiefschwarz sondern bedrückend grau erscheint.

Die schweren Gitarren, die zerbrechlichen Melodien und die teils ins Verzweifelte, fast schon DSBM-würdige abdriftende Schreie zeigen GAEREA von einer fast schon depressiven Art. Allerdings widmet sich „Limbo“ statt der Monotonie eher der Abwechslung. Statt ausgedehnten, aber tristen Klanglandschaften, variiert das Quintett das Tempo und baut auch den einen oder anderen plötzlichen Stimmungswechsel ein. Hier gibt es von tiefer Trauer durchfurchte Melodien über flirrende bis hin zu surrenden Gitarren quasi alles aus dem Black-Metal-Kosmos. Es gibt tiefe Abgründe, bei der die Lethargie fast greifbar ist (zum Beispiel in „To Ain“) aber eben auch angriffslustig stürmische Songs („Conspiranoia“).

GAEREA haben ihren Übersong noch nicht geschrieben

GAEREA müssen sich daher kaum etwas vorwerfen lassen. Zumal der Spannungsbogen folglich immer hoch bleibt. In Ansätzen stechen Songs wie das hoch-emotionale „Urge“ aus dem ohnehin von starken Songs geprägtem „Limbo“ heraus. Dennoch bleibt auch nach dem Zweitwerk eine kleine Lücke offen, denn ihren „Übersong“ haben die Portugiesen wohl noch nicht geschrieben. Dass ist bei der Gesamtqualität von „Limbo“ zu vernachlässigen, zeigt aber, dass GAEREA sogar noch etwas Luft nach oben haben. Im Grunde dürfte das Album überall dort Anklang finden, wo Post-Black-Metal nicht zwingend als Schimpfwort gebraucht wird. Selbst darüber hinaus, sollte der Hörtest gewagt werden, denn auch aus dem melodischen Black-Metal-Sektor finden sich klare Spuren im Sound des Fünfers.

12.07.2020

Chefredakteur

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