Gazpacho - Fireworker

Review

GAZPACHO waren noch nie darauf aus, mundgerechte Häppchen zu servieren. Schon auf vielen vorherigen Alben durchzog sich ein atmosphärisch düsterer Schleier, der mit experimentellem Rock die Nacht zum glühen brachte. Auch “Fireworker“ übernimmt diesen Charakter und entwickelt den Sound von vorherigen Platten wie “Night Of The Demon“ weiter. Mit fünf Tracks und einer Dauer von über 50 Minuten bündeln die Norweger ihre geballten Emotionen auf ihrem neuen Longplayer.

GAZPACHO bauen auf eine langsame Atmosphäre

Ein Vorteil, den GAZPACHO gegenüber vielen Modern-Prog-Bands haben, ist der klare Gesang von Jan-Henrik Ohme. Nur wenige schaffen es, die Melancholie des akustischen Ensembles so gut zu unterstützen. Denn diese trägt unmittelbar zum Aufbau der Songs bei.

Apropos Aufbau. Jener erfolgt nämlich durch die beiden Longtracks “Space Cowboy“ und “Sapien“ wirklich langsam. Über 19 beziehungsweise 15 Minuten brauchen GAZPACHO, um sich durch die einzelnen Songsegmente zu spielen. Wobei es schon schwierig erscheint von aufbauenden Strukturen zu sprechen. Denn “Space Cowboy“ kombiniert verschiedene Abschnitte zu einer Einheit.

“Clockwork“ erschien vorab als Single und erscheint erst gar nicht als abgegrenztes Stück, sondern integriert sich in den Introsong ein. Leicht klaustrophobisch, untermalt von Tropfgeräuschen startet “Fireworker“. Dabei löst sakraler Chorgesang die sanfte Stimme Ohmes ab und garantiert feinste Gänsehaut. Keyboardeffekte erschaffen verspielte Nuancen, wodurch der GAZPACHO-typische experimentelle Touch zustande kommt.

“Fireworker“ auf der Höhe des musikalischen Schaffens

Stark bleibt zudem der Wechsel zwischen herben Bass- und Violin- beziehungsweise Pianoarrangements. Es bedarf jedoch einiger Hördurchgänge, um der gesamten Vielfalt Herr zu werden. So trumpft “Fireworker“ besonders durch einzigartige Melodien und klassische Elemente auf. Glücklicherweise verfallen alle übrigen Songs, neben dem langen Ein-und Ausstieg, nicht in Belanglosigkeit.

Vielmehr leitet der Titeltrack die melancholische Stimmung zu einem euphorischen Songfinale weiter. Wie ein Feuerwerk und mit einer leichten orientalischen Note überquert das Sextett seine atmosphärischen Grenzen. Denn flackernde Gitarrenriffs oder bassgeladene Drums rücken nun weniger in den Fokus. Gerade “Sapiens“ schöpft seine Stärken aus Ohmes kleinen Soloeinlagen und Krømers hypnotisierendem Violinspiel.

Die Zeit von “Soyuz“ und “Molok“ scheint nun ein Ende gefunden zu haben. Wenig kompakte Songs machen “Fireworker“ wahrlich zu einer Bewältigungsaufgabe.

In Gedanken

Lyrisch beharren GAZPACHO auf ihren philosophischen Konzepten. Der namenlose Protagonist wagt sich in das Labyrinth seiner eigenen Psyche, um schlussendlich dem “Fireworker“ zu begegnen. Diesen beschreibt die Band als den Teil der Gedanken, der Reue oder Ekel unterdrückt. Ob dies wirklich von Vorteil ist, sei dahingestellt.

Denn der Titelsong entgegnet dem sehr Unterschiedliches und beschreibt den “Fireworker“ als einen Teil des eigenen Geistes. Er ist jedoch auch die Unsicherheit, die den eigenen Charakter beeinflusst. Der Protagonist klammert sich an jemanden, der ihm den Weg weißt. Mit der Weigerung, Eigenverantwortung zu übernehmen, versuchen viele vor ihrer Zukunft zu fliehen.

Entweder ist man selbst der Leittragende oder die Personen um einen herum. Doch schlussendlich bestimmt jeder selbst die Zukunft und ob diese brennen soll oder nicht. “Sapien“ endet etwas hoffnungslos mit einem zugrundegerichteten Protagonisten. Egal, wie dieser versucht sich zu ändern, es gelingt nicht.

Kein Gefühl mehr über den Charakter oder Namen. Weder in der Lage zu lieben noch zu fühlen, stolpert der Protagonist an den Rand des Wahnsinns. Schlussendlich vergessen und Sklave der eigenen Gedanken.

“Fireworker“ braucht Zeit

GAZPACHO überzeugen nicht nur mit experimentellem Rock, sondern auch durch emotionale und ausdrucksstarke Prägnanz. Diese macht sich besonders durch die langsam aufbauende Atmosphäre deutlich. Einmal durchhören reicht nicht. Die Lyrik ist so breit gefächert, dass es gar nicht möglich ist, diese präzise zusammenzufassen. Allein deshalb lohnt genaues Hinhören und Lesen.

Shopping

Gazpacho - Fireworkerbei amazon14,29 €
18.09.2020

Der metal.de Serviervorschlag

Oder auch: "Wer 'Fireworker' von Gazpacho mag, wird auch das hier mögen." Lass andere Leser wissen, welche Platten sie noch anchecken sollten, wenn ihnen "Fireworker" gefällt.

Es gibt noch keine Empfehlungen zu diesem Album. Willst du die erste abgeben? Dann registriere dich oder logge dich ein.

Shopping

Gazpacho - Fireworkerbei amazon14,29 €

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 32714 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

2 Kommentare zu Gazpacho - Fireworker

  1. nili68 sagt:

    Das ist nicht überheblich gemeint, aber ich finde, dass solche Alben auf metaldominierten Seiten immer etwas verloren sind und erwartungsgemäß nicht die nötige Aufmerksamkeit, wegen fehlendem ADHS-Faktor bekommen. Gösta Berlings Saga fallen mir in dem Zusammenhang noch ein. Das ist halt „nur“ Prog/Art/Avant-Garde. Nichts mit Metal. Trotz akzentuiert eingesetzter härterer Gitarren, geht’s hier nicht, oder nur unter ferner liefen, um Metal. Vordergründige Action gibt’s hier nicht. Gibts bei Nordic Folk zwar auch nicht, aber das ist ja mittlerweile auch schon fast Metal. LOL
    Klingt genauso super wie schon der Vorgänger SOYUZ.

    Superwichtig ist das jetzt nicht und unterschwellig vielleicht doch etwas arrogant.. ^^

  2. nili68 sagt:

    Ich finde nicht, das die Zeiten von Soyuz vorbei sind. Die Trademarks sind ganz klar vorhanden und von einer Band wie Gazpacho erwarte ich auch, dass die sich nicht haarklein ständig wiederholen und zumindest um Nuancen entwickeln. Schon alleine wegen dem markanten, manchmal an Matthew Bellamy von Muse erinnernden Gesang.