
Auch GREEN DESERT TREE zählen zu jenen Künstlern, deren Suppe von der Corona-Pandemie schlimmer versalzen wurde als es auch der verliebteste Koch hätte schaffen können. So sind seit dem Erscheinen des Debütalbums „Progressive Worlds“ sieben Jahre ins Land gezogen, bis mit „Fighting Dragons“ ein Nachfolger erscheinen konnte. Und auch an der Livefront sah es düster aus, zumal auch die Besetzung der Truppe um Jazzmusiker und AGITATION FREE-Keyboarder Tim Sund einmal durchrotierte.
GREEN DESERT TREE mangelt es an kompositorischer Finesse
Anders als es der Albumtitel und das eine bemerkenswert grüne Hässlichkeit versprühende Cover-Artwork suggerieren, ist „Fighting Dragons“ kein klischeetriefendes Power-Metal-Album. GREEN DESERT TREE sind fest im altmodischen Progressive Rock verwurzelt und verstehen sich in der Tradition großer Geschichtenerzähler wie Genesis, Saga, Neal Morse oder insbesondere auch YES. Letztere bewiesen erst unlängst, dass es keinen modernen Spin braucht, um ein hörenswertes Album zu produzieren. Es gibt also durchaus eine Nische, in der sich auch die Berliner gerne häuslich einrichten möchten.
Leider verfügen GREEN DESERT TREE jedoch nicht über die kompositorische Finesse der großen Vorbilder. Die Stücke wirken zu konstruiert und mit einer Vielzahl an guten Einfällen überladen, die sich doch nicht harmonisch in das große Ganze einfügen wollen. Der Sound ist zwar angenehm transparent und differenziert ausgefallen, lässt aber an Tiefe und Volumen vermissen, wodurch die Stücke recht drucklos und flach ohne echte Highlights vor sich hin plätschern.
Der Doktor empfiehlt eine Gruppentherapie im Proberaum
Immerhin hört man „Fighting Dragons“ an, dass hier echte Könner die Instrumente bedienen, die aus den kompositorischen Limitationen zweifellos das Beste herausholen. Vermutlich sollten sich GREEN DESERT TREE einmal längere Zeit im Proberaum verschanzen und miteinander jammen, denn wenn es gelingt, die starken Einzelleistungen zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden und aus den zahlreich vorhandenen guten Ideen überzeugende Stücke zu formen, hat die Band zukünftig das Zeug, zu den großen Vorbildern aufzuschließen.

Green Desert Tree - Fighting Dragons
Florian Schörg































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