Grobschnitt - Jumbo

Review

„Jumbo“, Album Nummer drei der deutschen Kraut-/Progressive-Rocker GROBSCHNITT, erschien erstmals 1975 in einer englischen Version. Ein Jahr später folgte dann das gleiche Album mit deutschen Texten, was man natürlich als geschickten Marketing-Schachzug ansehen könnte. Für GROBSCHNITT waren diese beiden Versionen allerdings auch konsequent, hatten sie doch stets englische und deutsche Texte nebeneinander stehen und sich hier eben auf ein durchgängiges Textkonzept beschränkt. Auf späteren CD-Veröffentlichungen waren übrigens beide Versionen enthalten – das Album selbst ist mit gut 35 Minuten Spiellänge recht kurz.

„Jumbo“ bringt Änderungen im Sound mit sich

Insgesamt betrachtet bringt „Jumbo“ ein paar Änderungen im Sound mit sich: Keyborder Mist hat seine Orgel weitestgehend eingemottet und setzt nunmehr ganz auf flächige und sahnige Synthesizer-Sounds. Darüber hinaus übernimmt der angenehme, häufig gedoppelte Gesang von Willi Wildschwein eine durch die Songs führende Rolle – im Vordergrund steht nunmehr häufig die Gesangsmelodie. Wenig geändert hat sich hingegen an der epischen Länge einiger Tracks: Das Album startet mit „Vater Schmidts Wandertag“ (wahlweise mit oder ohne Apostroph), einer Dystopie von Naturerlebnis in einer ansonsten zubetonierten Welt. Das Stück nimmt einer Geschichte gleich einige Wendungen und ändert mehrmals seine Stimmungen.

Auch der zweite Longtrack „Sonntags Sonnabend“ ändert ab der Mitte seinen Charakter: Geht er anfangs teilweise noch als flotter Progressive-Rock-Song durch, mutiert er im zweiten Teil zu einer ruhigen, entspannten Nummer. Die beiden kürzeren Lieder „Der Clown“ und „Traum und Wirklichkeit“ sind hingegen eher straight gehalten, auch wenn instrumental einiges passiert.

Umfangreicher Live-Bonusteil

Im Rahmen der großangelegten „Black & White“-Serie wird „Jumbo“ nun zunächst in der deutschen Version neu aufgelegt. Die Bonustracks des weißen Vinyls bilden Liveaufnahmen der englischen Versionen von „Father Schmidt“, „The Clown“ und „Sunny Sunday’s Sunset“ sowie die 1976er Single „Sonnenflug“. Der Album-Download enthält zusätzlich noch eine Variante von „Sun Trip“ vom Debütalbum, hier als „Der Ölberg, wie er singt und lacht“. Wie bei „Grobschnitt“ und „Ballermann“ ist auch hier wieder die Aufmachung äußerst sorgfältig umgesetzt: Beide Alben stecken in einer Gatefold-Hülle (das Cover wurde übrigens farblich umgestaltet), und dazu gibt es großformatige Einleger mit Fotos, Zeitungsausschnitten und Liner-Notes.

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16.10.2017

- Dreaming in Red -

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