Hamferð - Ódn (EP)

Review

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Der Kreis hat sich 2018 geschlossen. Die Saga um Verlust, die die Band 2010 mit der EP „Vilst er síðsta fet“ begann, kam mit dem letztjährigen Album „Támsins likam“ zu einem mehr als würdigen Ende. Somit endet für die Death Doomer HAMFERÐ von den Färöern aber auch so etwas wie das erste große Kapitel ihrer Geschichte. Eines fehlte allerdings noch, um einen vollständigen Abschluss bilden zu können: Das Release des allerersten von der Band geschriebenen Songs „Ódn“. In Form einer Live-EP auf Vinyl ist auch dieses Werk nun endlich offiziell erhältlich.

HAMFERÐ – Ein episches Frühwerk in drei Akten

Vielen, die HAMFERÐ schon einmal live erleben durften, ist „Ódn“ sicher im Gedächtnis geblieben, insbesondere von der letzten Headliner-Tour, auf der der Song fest zur Setlist gehörte. Passenderweise wurde daher auch eine Live-Version für die EP verwendet. Unterteilt in drei Akte, zeigt das achtminütige Frühwerk bereits das unglaubliche Repertoire aller beteiligten Musiker. Nicht nur die Stimmung ändert sich in jedem Teil erheblich, selbst mit der Sprache wird gespielt. Ungewohnterweise beginnt Jón Aldará sein tiefes Gegurgel auf Englisch, untermalt von sphärischen Keyboardflächen und doom-typischen langsamen, getragenen Riffs. Die ersten melodischen Leads mischen sich allerdings auch schon ein, während sich die Vocals in einen stark angerauhten, verzweifelten Klargesang wandeln.

Akt Nummer zwei bringt nicht nur den Wechsel in die färöische Sprache, er bricht über den Zuhörer mit aller Gewalt herein. Das Tempo steigt, der harte, kantige Death Metal – in einigen Momenten sogar ein wenig angeschwärzt – erzeugt vom ersten Moment an eine beachtliche Sogwirkung. Mag das Riffing hier vielleicht auch nicht sonderlich originell wirken, sorgt die entstehende Soundwand doch für ungläubiges Staunen.

Natürlich kommt am Ende aber auch noch Aldarás „Heldentenor“ zu ausgiebigem Einsatz. Nach einer, mit Meeresrauschen unterlegten, Spoken-Word-Passage, zeigt der Fronter endgültig seine unfassbare Bandbreite und sängerische Qualität. Musikalisch bewegt sich die Band nun zeitweise sogar im Epic-Doom-Bereich.

Nun klingt dies alles so, als würde es sich um drei wenig zusammenhängende Teile handeln, die kein schlüssiges Ganzes bilden, zumal ein wiederholt auftauchendes Grundthema nicht vorhanden ist. Fast unerklärlich scheint es, dass dies gerade nicht der Fall ist. Nie kommt das Gefühl auf, dass hier irgendetwas Fehl am Platze ist und von der Band nicht genau so geplant wurde. „Ódn“ ist ein großartiges Meisterwerk und man fragt sich gleichzeitig, wie HAMFERÐ so etwas bereits so früh in ihrer Karriere erschaffen konnten und warum in Gottes Namen dieses Epos bislang noch nicht veröffentlicht wurde.

Live-Aufnahme als absoluter Glücksgriff – „Ódn“

Zum Abschluss ihrer ersten „Band-Phase“ machen HAMFERÐ den Fans ein Geschenk mit dem längst überfälligen Release ihres Erstlingswerks. Auch, wenn man sich vielleicht zunächst fragt, ob es nicht besser gewesen wäre, ins Studio zu gehen und „Ódn“ dort aufzunehmen, erweist sich die Live-Aufnahme letztlich als Glücksgriff. Nahezu perfekt abgemischt ergibt sich ein unglaublich natürlicher Sound. Genau so klingt die Band tatsächlich live. Der ein oder andere mag sich an dem etwas „bretternden“ Drumsound oder dem manchmal stark im Vordergrund stehenden Bass stören. Bei genauerem Hinhören ist hier aber jedes Instrument genau dort, wo es sein soll. Es entsteht kein Soundbrei, daher ist die spielerische Qualität jedes einzelnen Musikers hervorragend heraushörbar.

Als B-Seite spendiert man eine wunderschöne Akustik-Version des mittlerweile bereits zum Band-Klassiker gewordenen „Deyðir Varðar“, erstmals erschienen auf dem Album „Evst„. Hierbei handelt es sich um die Aufnahme, die im März 2015 live während der totalen Sonnenfinsternis auf den Färöer Inseln mitgeschnitten wurde und die bislang nur als YouTube-Video erhältlich war. Alles in allem also ein tolles Paket, auch wenn eigentlich kein wirklich neues Material enthalten ist.

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06.04.2019

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