He Is Legend - White Bat

Review

Soundcheck Juli 2019# 15

HE IS LEGEND aus North Carolina dürften wohl einer der unterbewertetsten Alternative-Rock-Acts sein, das sagt die Band sogar selbst. Klar, in den Staaten ist man nicht ganz unbekannt, aber in Europa ist die bereits 2003 gegründete Gruppe um Frontmann Schuylar Croom nach wie vor eher ein Underdog, trotz gerade zuletzt hochklassiger Alben, die auch in der Presse durchaus gut ankamen. Möglicherweise waren die frühen 2000er-Jahre einfach nicht der perfekte Zeitpunkt, um mit dieser Musik durchstarten zu wollen. Vielleicht gelingt es ja mit dem mittlerweile sechsten Longplayer „White Bat“, auch auf dem alten Kontinent die eigene Bekanntheit massiv zu steigern.

HE IS LEGEND – Kein Bock auf Stadion-Rock

Die sludgigen ersten Sekunden von „White Bat“ klingen fast so, als würde man all denen, die die Band in der Vergangenheit schon einmal mit den Stadion-Rockern von NICKELBACK verglichen haben, den Mittelfinger entgegen strecken wollen. Mit dem Begriff Post-Grunge, dem auch HE IS LEGEND häufig zugeordnet werden, muss man ja ohnehin etwas vorsichtig sein, da einfach eine große Zahl eigentlich völlig unterschiedlicher Kapellen in diesen Topf geworfen werden. In diesem Fall bestehen Ähnlichkeiten eher zu den etwas anspruchsvolleren Vertretern des Genres, wie z.B. ALICE IN CHAINS oder auch FILTER.

Aber zurück zum eröffnenden Titel-Track. Vom dissonanten Beginn sollte der Hörer sich nicht darüber hinweg täuschen lassen, dass es sich letztlich um einen straighten Rocker mit, trotz teilweise wirklich harter Passagen, sehr eingängigem Refrain handelt. HE IS LEGEND sind also nach wie vor weit davon entfernt, plötzlich MESHUGGAH zu sein. Der Reiz ihrer Musik liegt eher in der Kombination verschiedenster Ausrichtungen des Rock’n’Roll, der immer wieder mit Metal-Elementen ausgeschmückt wird.

Beispielhaft zeigt „Burn All Your Rock Records“ erneut die enorme Bandbreite, indem hier ein punkiges Riff den Ton angibt, zu dem auch der hymnische Refrain perfekt passt. Nach einem kurzen Spoken-Word-Einschub kippt die Nummer dann aber ins metallische und haut ein paar tonnenschwere Gitarren raus, denen sich auch der nun deutlich düsterere Gesang anpasst. Im Laufe des Albums lassen sich häufiger Songs mit einem solchen Twist finden, so dass es immer wieder spannend bleibt, welche Wege als nächstes beschritten werden, wie es nach der nächsten Wendung weiter geht.

Bei „White Bat“ handelt es sich im Übrigen um ein Konzeptalbum, lose inspiriert von Michelle McNamaras True-Crime-Buch „I’ll Be Gone In The Dark“. Der Hauptcharakter, dessen Geschichte sich durch alle Songs zieht, ist ein fiktiver Serienkiller, der mit seinen inneren Dämonen kämpft und versucht herauszufinden, ob er von Fantasien heimgesucht wird, oder er all diese Dinge wirklich tut. Die Texte fallen entsprechend düster aus, musikalisch ist dies aber nicht auf den ersten Blick erkennbar, da ein nicht unwesentlicher Teil der Kompositionen einen geradezu fröhlichen Vibe versprüht. Allerdings erklären sich so natürlich die teils unvorhersehbaren Wendungen innerhalb der Songs, die offenbar die innere Zerrissenheit der Hauptperson symbolisieren sollen.

„White Bat“ fehlt der letzte Funke

„White Bat“ ist ein starkes Rock-Album, das weiterhin bestätigt, dass sich HE IS LEGEND auf dem Zenit ihres musikalischen Schaffens befinden. Dennoch fehlt dem Album dieser letzte Funke, dieses ganz besondere etwas, das z.B. ALICE IN CHAINS auf „Rainier Fog“ erschaffen konnten und nicht wenige zu Kommentaren hinreißen ließ, dass der Grunge möglicherweise ein Comeback feiern kann. Nein, zu solch bahnbrechenden Erkenntnissen nötigt „White Bat“ nicht.

Es bleibt trotzdem eine Scheibe, die besonders all denen, die grungigen Alternative Rock amerikanischer Prägung immer geliebt haben bzw. ihre Liebe dazu kürzlich wiederentdeckt haben, ans Herz zu legen ist, ganz besonders da durch einige komplexe und genrefremde Einschübe nicht all zu schnell Langeweile aufkommt. So bietet „White Bat“ mit Einflüssen aus Grunge, Stoner, Southern Rock, Punk und modernem Metal einen ziemlich guten Überblick der nordamerikanischen Rockszene im Jahr 2019.

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23.06.2019

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