Herzel - Le Dernier Rempart

Review

Frankreich ist in Sachen Metal sicherlich kein leerer Fleck auf der Landkarte und hat neben einer lebendige Black-Metal-Szene auch internationale Schwergewichte wie GOJIRA vorzuweisen. Hinzu kommt eine lange Tradition im klassischen Heavy Metal, die bereits einige Kultbands hervorgebracht hat. Und obwohl Szene-Haudegen wie SORTILÈGE oder die erfolgreichen Blackgazer ALCEST seit jeher in ihrer Landessprache texten, so ist der Klang des Französischen in Heavy-Metal-Songs zumindest für Nichtfranzosen doch insgesamt eher ungewohnt. Daher kann die Sprachbarriere durchaus eine kleine Einstiegshürde darstellen, die es sich im Falle der Epic Metaller HERZEL und ihres Debüts „Le Dernier Rempart“ aber unbedingt zu nehmen lohnt.

HERZEL haben Herz und Seele

Die Band aus der Bretagne hat bereits 2015 in Form des Demos „Unis dans la gloire“ erste vorsichtige Schritte gewagt. Mit „Le Dernier Rempart“ gehen HERZEL aber nun in die Vollen und legen ein starkes Epic-Metal-Album vor, das den internationalen Vergleich nicht scheuen muss. Musikalisch orientiert man sich hier allerdings nur teilweise an heroischen Marschrhythmen à la frühe MANOWAR, BATHORY in ihrer Viking-Phase oder DOOMSWORD. Gewichtiger sind die Einflüsse der 80er-Frühwerke diverser US-Metal-Heroen wie FATES WARNING, QUEENSRYCHE, HEIR APPARENT, aber auch der Kauz-Könige MANILLA ROAD. Diese legten bei aller Epik schon damals eine gewisse Komplexität an den Tag, die sich nun auch bei den Franzosen wiederfindet.

So trifft bei HERZEL gradlinige Power auf leicht progressive, verspielte Passagen, wie sie etwa bei „Berceau de Cendre“ zu hören sind. Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, die Musik der Bretonen einfach nur auf klassischen US-Metal mit französischen Texten zu reduzieren. Hier und da reichern HERZEL ihren Sound nämlich auch mit folkigen Melodien an, die das Songmaterial zusätzlich auflockern. Beispielhaft sei hier der Mittelteil von „Maîtres de l’océan“ genannt, solche Farbtupfer finden sich aber immer wieder und sorgen für eine eigene Note. Einzig das von einer etwas nervigen Tröte dominierte Instrumental „Le Dernier Rempart“ hätte man sich gerne sparen dürfen, zumal das Teil irgendwie nach Konserve klingt.

Bretonische Landeskunde und Heldengeschichten

Ungeachtet dieses Zwischenspiels ist auch die leidenschaftlich wie sehnsüchtig vorgetragene Darbietung von Sänger Thomas Guillesser lobend hervorzuheben. Sie sorgt in Verbindung mit der französischen Sprache, die, man verzeihe mir das Klischee, ohnehin einen Hauch von schwelgerischer Romantik transportiert, für zusätzlichen Wiedererkennungswert. Wohl dosiert eingesetzte hohe Schreie lockern das Gesamtbild weiter auf, auch hier gibt sich Guillesser souverän.

Der theatralische aber nie schmalzige Gesang eignet sich außerdem bestens für die Erzählung um den namensgebenden Helden HERZEL, welche das Konzept der zweiten Albumhälfte bildet, während die ersten beiden Stücke sich laut Promozettel allgemeiner mit bretonischer Geschichte befassen. Ist man des Französischen also mächtig, lernt man vielleicht sogar noch etwas.

Was soll man noch groß sagen? Klar, ein wenig Luft nach oben ist immer. So könnte man etwa die folkigen Elemente noch weiter ausbauen, was natürlich Geschmackssache ist. Zudem ist die Spielzeit mit 36 Minuten schon etwas kurz und es fehlt auch noch ein richtiger Hit, den man zukünftig beim Keep It True aus voller Kehle mitschmettern kann. Letzteres ist allerdings kein Muss, man legt es hier schließlich nicht auf stadiontaugliche Stimmungsmusik an.

Freunden leicht progressiven Epic Metals bereiten HERZEL mit „Le Dernier Rempart“ jedenfalls auch so ein absolutes Fest. Dabei kommt das Album für ein Debüt trotz einiger offenkundiger Einflüsse erstaunlich eigenständig rüber, und das nicht nur wegen der französischen Sprache.

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10.03.2021

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