Kaipa - Angling Feelings

Review

Nachdem Roine Stolt (THE FLOWER KINGS) bei den alten Hasen KAIPA seinen Hut genommen hatte, fürchtete der verbliebene Bandkopf, Keyboarder und Sänger Hans Lundin ein kreatives Loch. Nachdem aber fast alle Songs zum nächsten Album in weniger als drei Monaten fertig waren, war klar, dass es keinen Roine Stolt benötigt, um KAIPA am Leben zu erhalten.

Das alte Prog-Schlachtschiff (KAIPAs erstes Album erschien 1975) bäumt sich auch in diesen Tagen wieder auf und präsentiert der Musikwelt ihre Definition vertrackter und verspielter, progressiver Rockmusik.

Der Opener und Titeltrack „Angling Feelings“ beginnt äußerst frickelig und schräg zugleich. Nicht einmal von den FLOWER KINGS, die mitunter auch sehr experimentell zu Werke gingen und gehen, ist man solch fast schon abstraktes Gedüdel gewohnt. Zwar ändert sich der Track im Laufe seiner Spielzeit in einen waschechten Prog Rocker um, kann jedoch aufgrund seiner Sperrigkeit in Musik und Gesang nur bedingt überzeugen.

Das folgende „The Glorious Silence Within“ ist zwar nicht minder verspielt, weist aber trotzdem insgesamt eine klarere Linie auf. Das Lied ist in sich stimmiger als der Opener und kann besonders mit seinen eingestreuten Folk-Elementen punkten.

Im zwölfminütigen „The Fleeting Existence Of Time“ kommt die Stimme von Aleena Gibson ausgiebig zur Geltung, die mich allerdings in punkto Gesangsleistung und Stimmart nicht gänzlich überzeugt. Das Stück hat deutlich mehr musikalische als gesangliche Qualitäten, wobei bereits hier auffällt, dass KAIPA auf dem Album oftmals nach ein und demselben Rezept arbeitet.

„Pulsation“ klingt dann so schön altbacken und lässt zwischendurch (wie bei vielen der anderen Tracks auch) Erinnerungen an die guten alten 70er aufkommen. Leider ist das Stück insgesamt zu harmlos gehalten.

„Liquid Holes In The Sky“ ist wieder mal rein musikalisch (wie eigentlich alle Stücke auf dem Album) erste Sahne und reinrassiger Old School Prog, kann aber als Gesamtes nicht überzeugen. Das Stück ist einfach zu belanglos. Es fehlen die großen Melodien. Es gibt viel Gefiedel, aber zu wenig Wiedererkennungswert. Alles ist zu austauschbar.

Das folgende „Solitary Pathway“ ist dann schon fast eingängig arrangiert, demnach nicht zu verquer, kommt aber wieder aufgrund des Gesangs nicht bis ans Ziel. Hier bewegt sich nichts. Der Text wird irgendwie passend zur Musik eingebracht, kann aber nicht mit schönen oder eingängigen Melodien überzeugen. Es wirkt alles so halbgar. Gesang, der halt da sein muss, aber nicht im Vordergrund den Hörer einfängt.

„Broken Chords“ markiert dann den ruhigen Augenblick des Albums. Ein nettes Stück zum Zurücklehnen und mit coolen Drumbeats, ansonsten jedoch ohne besondere Vorkommnisse. Nur die Sologitarre zum Ende es Tracks hin kann noch mit einigen guten Melodien Begeisterung hervorrufen.

Mit sanften Flötentönen beginnt „Path Of Humbleness“ und verbreitet erstmal eine schöne, entspannte Stimmung. Dann baut sich der Track langsam auf und durch Hinzunahme der auf dem Album allgegenwärtigen Old-School-Keyboards und Orgel-Sounds entfaltet sich die unbestrittene Kreativität der Musiker in wunderschönen Melodien und verspielten Passagen.

„Where’s The Captain“ ist dann ein nettes Stück, mit guter Lead-Gitarre und locker-flockigen Passagen, denen mit zunehmender Spielzeit jedoch von einigen abstrakt vertrackten Breaks und Frickelparts etwas Glanz genommen wird.

Den Abschluss bildet „The Ship Of Life“, ein ruhigeres Lied in gedämpftem Tempo und erneut entspannter Atmosphäre. Zwar kann mich auch hier der Gesang nicht restlos überzeugen, aber im Ansatz stimmt es.

„Angling Feelings“ ist musikalisch ein Freudenfest für Progger, die es gern verspielt und vertrackt haben. Melodiefanatiker kommen auch bedingt auf ihre Kosten, sollten aber keine Großtaten erwarten. Ebenfalls Freunde perfekter und gekonnt arrangierter Gesangsleistung sollten mit Vorsicht an KAIPA herangehen, denn auch wenn sie ihren Job durchaus OK und Prog-like erledigen, bleibt mir ein leicht bitterer Nachgeschmack zurück. Bei aller technischen Finesse und hörbaren Professionalität, irgendetwas fehlt auf „Angling Feelings“, um restlos zu überzeugen.

23.05.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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