Karnivool - In Verses

Review

Galerie mit 33 Bildern: Karnivool - The Regeneration Tour 2023 in Berlin

Wir hätten ja fast nicht mehr damit gerechnet: 13 Jahre alt ist das letzte KARNIVOOL-Album “Asymmetry”. Seit ganzen sieben Jahren wiederum kündigen die Australier die Arbeit an ihrem vierten Studioalbum an. Nachdem sicherlich auch die Corona-Pandemie ihren Teil zur langen Wartezeit beitrug, fühlt es sich ein wenig surreal an, neue Musik der Ausnahmeband zu hören. Surreal, aber gut.

KARNIVOOL knüpfen nahtlos an die Vergangenheit an

Denn es ist so natürlich, als käme man gerade nach Hause. Ein wohlig-vertrautes Gefühl umgarnt einen schon mit den ersten Tönen des Openers “Ghost”. Der elegante Groove, die luftige Atmosphäre, die einnehmende Stimme von Ian Kenny – das können nur KARNIVOOL sein. Dass sich die fünf Herren 13 Jahre Zeit ließen, hört man “In Verses” dabei nicht an. Denn die Band hat stets nur Material veröffentlicht, das bis in die letzte Note hinein ausgetüftelt war. Dies wird einmal mehr durch die großformatige, audiophile Produktion von Forrester Savell untermauert. “In Verses” klingt frisch und lebendig, und nach vielen Durchläufen offenbaren sich immer noch neue Details in den Arrangements – ganz so, wie man es von dem Quintett erwartet.

KARNIVOOL scheinen keinen Masterplan für “In Verses” zu haben, obwohl die Erwartungshaltung sicherlich immens ist. Sie spielen sich mit Leidenschaft und Kreativität durch sämtliche Aspekte ihres Schaffens und die Stärken all ihrer drei Alben. Die kantigen Riffs und schwebenden Grooves kommen vom Debüt “Themata”, die melancholischen, sehnsuchtsvollen Melodien vom Zweitwerk “Sound Awake” und die progressiven Momente von “Asymmetry”. Wobei die Band derlei Elemente natürlich zu jeder Zeit zur Schau stellte, nur eben unterschiedlich akzentuiert.

„In Verses“ – Ein Querschnitt der Karriere

Es bleibt dennoch dabei: “In Verses” ist so etwas wie eine Werkschau von KARNIVOOL, und das ist als Kompliment gemeint. Die Platte ist rund, ausgesprochen dynamisch und aufgrund ihres hohen Abwechslungsreichtums zu jeder Zeit spannend. Sie könnte streckenweise etwas härter sein. Dafür sind mit “Aozora”, “Conversations”, “Reanimation”, “Opal” und dem epischen Abschluss “Salva” die überlebensgroßen, magischen Melodien zurückgekehrt, die auf dem Vorgänger etwas zu spärlich verteilt waren. Wie immer gilt: Die Musik von KARNIVOOL braucht Zeit, und vieles an diesem Album wird man in Monaten, anderes in Jahren erst entdecken. Das macht ihre Musik so besonders.

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30.01.2026

Redakteur

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